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Berlin-Kampagne

Stadt des Lächelns

Berlin möchte sein Image verbessern. Deswegen gibt’s jetzt die Freundlichkeitsoffensive "Herz und Schnauze". Ein Pro und Contra.
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Bitte recht freundlich. Die Stadt will etwas gegen das Klischee tun, in Berlin sei der Tonfall rauer als anderswo. - Foto: dpa
Vermutlich stammt der verheerende Ruf der Berliner Freundlichkeit noch aus der Zeit, als die Bewohner der Doppelstadt Berlin/Cölln am Ufer saßen, die Netze flickten und ihren Besuchern alten Fisch anzudrehen versuchten. Immer mit einem rauen Spruch auf den Lippen, nie um eine sarkastische Pointe verlegen, dabei selbstironisch bis zur Schmerzgrenze – und natürlich virtuos im Umgang mit der harten Mundart, die im Vergleich zum sanften Klang sächsischer oder bayerischer Laute schon rein akustisch klarmacht, dass hier, zackzack, keem wat jeschenkt wird.

Das ist mal das Klischee, das wie alle Klischees dieser Art zwei Eigenschaften hat. Erstens, es ist sicher irgendwas dran, und zweitens, niemand kann überprüfen, wie viel dran ist. Nehmen wir die international gefürchteten Taxifahrer der Stadt. Jeder kann quasi auf Knopfdruck eine haarsträubende Geschichte erzählen, aber bei näherem Nachfragen stellt sich heraus, dass er die von jemandem gehört hat, der ganz sicher weiß, dass sie jemand anderem mal passiert ist, aber wann das war? Vieltaxinutzer geben meist zu, dass die Berliner Fahrer jedenfalls nicht unangenehmer sind als ihre Kollegen in München oder Frankfurt, New York oder Paris, um Himmels willen!

Es mag also sein, dass wir hier nur über einen Phantomschmerz reden, aber er ist da. Berlin muss freundlicher werden, das ist die feste Überzeugung des Senats und seiner Kampagneros, und so haben sich nun Tausende von Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes im Rahmen der Kampagne „Mit Herz und Schnauze“ auf offensives Lächeln verpflichtet. Wie mag das bei den Besuchern der Stadt ankommen? Fühlen sie sich geliebt und buchen gleich die nächste Reise – oder schlagen sie verdutzt im Reiseführer nach, ob sie hier falsch sind, weil sie doch diese Stadt mit den attraktiv verknatterten Eingeborenen erwartet hatten? Womöglich will, wer Jurassic Park gebucht hat, keinen Streichelzoo besuchen?

So oder so: Lohnt es sich wirklich, mit viel Geld im Inneren der Berliner Volksseele herumzuschrauben? Es steht im Grunde außer Frage, dass der Ton im Umgang mit täppischen Touristen in New York oder Paris eher härter ist – doch hat das den gewaltigen Touristenzahlen dieser Städte geschadet? Ist es denkbar, dass die Leute draußen in der Welt beim Studieren der Prospekte Entscheidungen nicht nach Wetter, Qualität der Bauwerke oder Anziehungskraft der Museen treffen, sondern sagen: Ach, Schatz, lass uns doch mal nach Berlin fahren, da sind die Leute ja so viel netter als in Rom?

Ja, auch in Paris und New York gibt es Freundlichkeitsoffensiven – so etwas zählt zum Handwerkszeug jedes ordentlichen Stadtvermarkters. Und wenn es dazu beiträgt, dass die Pariser Kellner ein wenig ihre Arroganz abbauen und die New Yorker Taxifahrer Grundkenntnisse in irgendeiner existierenden Sprache erwerben, um so besser. Also sollte man sich in Berlin vor allem fragen: Was also können wir besser machen, ohne uns gleich um unseren Charakter zu bringen? Wie sind Herz und Schnauze richtig dosiert?

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 15.03.2009)
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Kommentare [ 13 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von westler westler ist gerade offline | 14.3.2009 20:51 Uhr
Ohh man
Ein Senat der zu blöde ist Busfahrer oder die öffentlichen oder Homosexuele oder Zwangsverheirate oder Opfer von Straftaten oder Schüler oder oder oder zu schützen macht sich einfach lächerlich mit dieser bescheuerten Lachquatschaktion!
Die Touristen wollen die Leute sehen wie sie leben und nicht wie es die sed gerne lächelnd fahneschwingend sich nostalgisch wünschen!
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von leserbrief leserbrief ist gerade offline | 15.3.2009 7:49 Uhr
Kampagne im Ansatz verunglückt
Es sollte um Herzlichkeit und Freundlichkeit und kontra kalte oder große Schnauze gehen. Insofern zielt der Slogan in die falsche Richtung und festigt das Klischee. Aber im Taxigewerbe hat sich durch den hohen Ausländeranteil das Problem schon fast von selbst erledigt und irgendwann dann auch bei dem letzten Bollwerk für die berüchtigte Berliner Schnauze - der BVG. Was sagt eigentlich der Alleinregierende zu der im Ansatz verunglückten Freundlichkeitsoffensive? Oder hat er wieder einmal den Wettbewerb durch persönliche Entscheidungen ersetzt?
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von stefano1 stefano1 ist gerade offline | 15.3.2009 8:40 Uhr
Berliner
Die Berliner sind bei den internationalen Touristen für ihre Lockerheit und Toleranz inzwischen berühmt. Wer die Verhältnisse in Berlin kennt, wird sich ansonsten ihre materielle Verbesserung wünschen, damit viele Menschen zufriedener sind. Die Löhne, zu denen in dieser Stadt unglaublich viele Menschen - gerade in den Service-Bereichen - arbeiten, sind das Allerletzte. Es gibt viele Menschen, die für ca. 5 EUR die Stunde arbeiten (man rechne das mal zusammen). Wer von diesen Leute jetzt plump ein ständiges Lächeln fordert, ist doch zynisch.
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von abweichler abweichler ist gerade offline | 15.3.2009 11:22 Uhr
Ich hab da mal ne Frage.
Was ist eigentlich ein Berliner? (Diese Frage versteht sich ohne jede Wertung)
Jemand der seit Genarationen hier lebt? Jemand der seit kurzem hier lebt? Wie sind da die Anteile?
Es giebt ihn nicht, "DEN BERLINER". Die Berlinbewohner sind also eher ein Mix aus aller Welt, als z.B. ein freundlicher Tölzer-Aachener-Görlitzer oder Stralsunder.
Wenn alle Berlineinwohner nun stets grinsend durch die Stadt liefen, sähe das aus wie eine ungesunde Muppetshow.



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von unbekannt | 15.3.2009 16:12 Uhr
Berliner
Die Berliner waren immer freundlich und hilfsbereit, das kann ich nicht anders sagen.
Ein Berliner ist für mich jemand, der dort geboren,respektive aufgewachsen ist und eben immer in Berlin gelebt hat. Einer, der Berlin kennt und seine Stadt liebt.
Am liebsten sind mir natürlichd die Berliner mit Marmelade ;-)

Es sind viele zugewanderte Menschen dort und die bringen ihre eigene Mentalität mit. Es den Berlinern anzulasten, wenn Busfahrer unfreundlich sind, ist falsch. Kann mir vorstellen,das der Tourismus in Berlin enorm gestiegen ist, und das die Bauerei auch den Berlinern zu schaffen macht.
Wärs meine Stadt, würde ich auch mal rumgiften.

In London waren die Leute viel, viel unfreundlicher, die konnte man nicht so einfach mal was fragen. Sie waren kühl, überheblich und gleichgültig.
Die Düsseldorfer sind auch unfreundlich, die Kölner sind wie die Berliner- mittendrin und jeder, der auch freundlich ist, darf dazukommen.

Ich mag Berlin und wenn ich wieder hinkomme, such ich mir "meine" Berliner.



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von hile0kliu09aad2 hile0kliu09aad2 ist gerade offline | 15.3.2009 16:18 Uhr
Ich war mal kurz in Berlin
weil ich dort eine Wohnung suchen und da leben wollte. Ca. 30 Prozent der Leute, die ich auf den Strassen gesehen habe , hatten in einer Hand eine geöffnete Flasche Bier transportiert, weitere 30 Prozent hatten einen weißen Pudel, den sie an der Leine spazierenführten, weitere 30 Prozent sowohl Pudel und Bier und bei 90 Prozent der Berliner hatte man den (gesichtsmäßigen) Eindruck, dass ein Weltuntergang kurz bevorsteht oder bereits stattgefunden hat. Ich habe den Rückwärtsgang von meinem Auto eingelegt und bin in das Kaff zurückgefahren, wo ich jetzt wohne. Berlin wäre eigentlich garnicht so schlecht - wenn die Berliner nicht wären!!!
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von unbekannt | 15.3.2009 17:45 Uhr
Ach was!
Dann haben Sie keine Berliner getroffen !

Wahrscheinlich haben Sie sich dann in einem Nachtjackenviertel verlaufen.
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von ladybird ladybird ist gerade offline | 15.3.2009 18:21 Uhr
@hile.....
60% Pudelhalter ?!?
60% Saufnasen ?!?
Ehrlich, entweder standen Sie selber unter Strom oder das Zählen klappte nicht so ganz. Sie können auch nicht hier in Berlin gewesen sein, da hier fast kein Hund angeleint durch die Gegend rennt.
Gruß von einer der wenigen Berlinerinnen ohne Pudel und offener Pulle.
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von andrea andrea ist gerade offline | 15.3.2009 19:14 Uhr
Arm, aber sexy - keep on smiling...
Dauerlächeln in Berlin, an jeder Strassenecke?
Vorauseilende Höflichkeit an jeder Tür zum Shopping-Center?
Undenkbar in Berlin - das gäbe das reinste Chaos.

Man stelle sich das Gezerre und Gerempel an besagten Türen vor:
Ich bin es gewohnt, dass mir die Schwingtüren regelmäßig
um die Ohren fliegen oder wahlweise vor der Nase zuklappen.

Ich habe den Höflichkeits-Test probehalber mal gemacht:

Innehalten, warten, Tür aufhalten für herein eilende Kunden -
nach mir. Und was kam dabei heraus?

Absurditäten und der Spruch: "Nach mir die Sintflut..."

Leute nahmen andere Türen, schauten verdutzt, schnauzten:
"Uff wat warten se denn?! Ick will hier nich rin!"...

Ich lass die Türen wieder schwingen (nicht direkt vor die Nase)
- und erlaube mir ein Lächeln ab und zu.

Wer will schon ein "Stewardessen-Syndrom" an der Backe
wegen inhaltslosem Dauergrinsen im Gesicht?!

Die Berliner sind halt so: "Schnauze mit Herz".
Hauptsache die Schnauze groß - und das Herz am rechten Fleck.

Auch wenn das keiner glaubt:
Zum Lachen geht man hier keineswegs immer in den Keller.






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von charles charles ist gerade offline | 15.3.2009 19:18 Uhr
@hile0kliu09aad2
Noch dümmere Klischees sind Ihnen wohl nicht eingefallen. Viellleicht haben Sie sich nur mal in einem Assi-Haus Ihre lächerlichen Vorurteile bestätigen lassen, und 1 Pudel hat sich in Ihrer Fantasie verzehnfacht.(Die Hundehaufen sind allerdings ein Problem). Auf solche Neubürger kann Berlin gut und gerne verzichten. Passen Sie bloß auf, dass Sie nicht überall weiße Mäuse sehen!

Wen oder was man in Berlin erlebt, hängt auch vom Ortsteil ab. Berlin in seinen heutigen Grenzen entstand 1920 als Groß-Berlin aus einer Vielzahl von Städten, Dörfern und Gutsbezirken. Diese Gebiete und deren Bewohner haben teilweise bis heute ihren Charakter bewahrt. Nach der politischen Wende haben allerdings in den Ostbezirken Anpassungen an den Westen Überhand genommen, wie viele "Urbewohner" bedauern. Der Bevölkerungsautausch ist z.B. in Prenzlauer Berg in vollem Gange, bisher wohl zu etwa 30 Prozent. Die Zugereisten, so vom Rhein und aus dem Schwabenländle, beeinflussen nunmehr die Berliner Mischung, vielleicht sogar mit weißen Pudeln.

Wer Berlin kennenlernen will, sollte nicht nur über den Ku'damm
schlendern oder sich über ein (mittlerweile gar nicht mehr so) tristes Plattenbaugebiet mokieren. Die Citys Ost und West, die Altstadt vom Spandau oder Köpenick, das Dorf Lübars, Wannsee und Müggelsee, ausgedehnte Wälder - das alles ist Berlin. Und so unterschiedlich, dass man sich jeweils in eine andere Welt versetzt fühlt.

Mit der Freundlichkeit der Berliner habe ich verschiedene Erfahrungen gemacht. In Grunde keine anderen als in anderen Städten. Vielleicht greift hier auch das Wort: "Wie es in den
Wald hineinschallt..."
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von zwilling68 zwilling68 ist gerade offline | 16.3.2009 12:32 Uhr
@ hile0kliu09aad2
soviel dummes zeug habe ich schon lange nicht mehr gelesen. ehrlich gesagt bringt mich ihr beitrag zu dem schluß das sie scheinbar ein forentroll sind.
sollten sie ihr geschreibsel wirklich ernst gemeint haben, kann ich als berliner nur herzhaft darüber lachen. danke das sie unserer stadt fern geblieben sind. leute wie sie wollen wir hier auch gar nicht.
sie kommen einmal nach berlin ,laufen durch 2 oder 3 straßen und erzählen zu hause das sie berlin kennen. ja nee, is klar. ich empfehle dringend kopf und augen zu öffnen und noch mal durch die abwechslungsreichste stadt deutschlands (evt. sogar europas) mit 3,5 mio. einwohnern zu laufen.

zum thema freundlichkeitsaktion. na ja, wir nehmen uns da nicht soviel mit anderen europäischen städten. in london oder paris sind die leute genauso freundlich oder unfreundlich wie in berlin. ok, in paris sind sie extrem arrogant, das fehlt uns hier in berlin noch.
ansonsten sollte diese offensive in den berliner karstadt filialen gestartet werden. die haben es bitter nötig. und da ist mir eine verlogen-freundliche verkäuferin allemal lieber, als eine die ehrlich-unfreundlich ist.
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von hile0kliu09aad2 hile0kliu09aad2 ist gerade offline | 16.3.2009 14:40 Uhr
Sehr geehrter Herr Zwilling und mein lieber guter Charles !
Ihre patriotischen Gefühle für das gute alte Berlin ehren Sie natürlich und es liegt mir fern allen Einwohnern dort einen weißen Pudel + eine Dose Alk anzudichten und ich behaupte auch nicht, Berlin irgendwie zu kennen. Herr Zwilling, es ist schön, wenn Sie herzhaft lachen können, das vertreibt doch auch die schlechte Laune und hält jung. Allerdings möchte ich diesem Lachen weder akustisch noch optisch ausgesetzt sein, so richtig überzeugend klingt das auf mich nicht. Tatsächlich war es so (ist es so) dass ich überrascht war von den ganzen hängenden Gesichtern, diese Trübsal, als wenn die Leute in B. in eine Strafkolonie verbannt worden wären. Ev. ist es ja auch in, kann ja sein, es gibt solche perverse Regeln: Du bist nur ein guter Berliner, wenn du die Lätsche hängenlässt. Etwas vergleichbar mit dem Münchner Grand, wer da nicht regelmäßig ausflippt und mit Masskrügen um sich wirft, ist kein echter Bayer. So wird z.B. den Frauen auf den Viktualienmarkt verordnet, ihre Kunden anzublöffen mit bayrischer "Herzhaftigkeit", weil das die so Touristen erwarten und wois dazua khört... Ev. liegt es in Berlin ja auch am Wetter, zuviel Regen, zuviel Kälte, zuviel Nässe? Oder einfach zuviel Blödsinn auf einem Haufen ? Dass Berlin eine wunderbare Stadt ist, von vielen Anlagen, Parks, Gebäuden, den Gewässern her - absolut kein Zweifel. Das hilft aber nicht viel: Wenn Sie wieder aufschauen, in die Nähe und die Gesichter sehen ist 50 Prozent aller Freude verflogen und man selbst mutiert zu einem dieser trostlosen Wesen, die durch die Straßen geistern.
Comment
von martinprange martinprange ist gerade offline | 16.3.2009 16:01 Uhr
JWG
Es lebt aber, wie ich an allem bemerke,
dort so ein verwegener Menschenschlag beisammen,
dass man mit der Delikatese nicht weit reicht,
sondern dass man Haare auf den Zaehnen haben muss
und mitunter etwas grob sein muss,
um sich über Wasser zu halten.

- Johann Wolfgang von Goethe

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