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Interner Streit

Immer mehr CDU-Politiker mischen in Führungskrise mit

Die Berliner CDU kommt einfach nicht zur Ruhe: Kreischef Steffel wirft Kreischef Braun parteischädigendes Verhalten vor, andere halten eine schnelle Wahl Henkels zum neuen Landeschef für regelwidrig.
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Die einen wollen Ruhe, die anderen wollen weiter streiten. Zwei Lager stehen sich in der Berliner CDU gegenüber. Das eine will, dass sich die Partei nach der Krise hinter Frank Henkel und Monika Grütters sammelt und Geschlossenheit zeigt. Was das andere Lager will, ist nicht leicht zu sagen. Klar ist nur: Es gibt Leute in der CDU, die weiter debattieren wollen, vorzugsweise über das Verfahren zur Wahl des neuen Landesvorstands.

Die meisten von ihnen trafen sich am Dienstagabend im Zehlendorfer Ratskeller. Frank Henkel, neuer Fraktionschef und designierter neuer Landesvorsitzender war geladen – der Mann, der der Berliner Union den Ausweg aus der Personalkrise weisen soll. Rund 200 Mitglieder der Südwest-CDU hörten, wie Henkel sich die CDU von morgen vorstellt: Konzentriert auf die Themen Arbeit, Bildung, Soziales und Integration. Liberal, offen für gemeinsame Oppositionsarbeit mit Grünen und Liberalen, aber, so Henkel, als CDU auch unverwechselbar.

Aber Henkel mochte noch so betonen, dass er sich um den Frakionsvorsitz so wenig gerissen hatte wie um den Parteivorsitz – der Streitlust seiner Parteifreunde im Südwesten tat das alles keinen Abbruch. Smart und silberhaarig machte Stefan Schlede zu Beginn des Abends deutlich, dass es keine Jubelveranstaltung für Henkel werden würde. „Ich habe nichts gegen Frank Henkel“, sagte Schlede, „aber das Verfahren...“

Damit war wohl auch das Tempo gemeint, das Henkel und andere vorlegen wollen, um die Krise zu beenden: Noch vor dem 22. November soll ein kleiner Parteitag Henkel wählen. Bildungsstadträtin Cerstin Richter-Kotowski fand, das Verfahren sei nicht satzungsgemäß – „ich weiß auch gar nicht, wo jetzt der Druck herkommt“, meinte sie und bekam dafür lauten Beifall. Das ist die Linie von Kreischef Michael Braun. Andere hielten Henkel vor, dass Pflüger seinen Posten als Fraktionschef verloren hat, wieder andere kritisierten, dass sich Henkel und seine designierte Vizeparteivorsitzende Monika Grütters mit dem CDU-Ehrenvorsitzenden Eberhard Diepgen und mit Klaus Landowsky beraten haben.

Landowsky sagt nicht viel zur Lage seiner Partei. So viel sagt der ehemalige Fraktionschef, den die Berliner Bankenkrise ins politische Aus beförderte, aber doch: Mit Henkel und Grütters habe die Partei „eine Bandbreite wiedergefunden“, wie sie mit Richard von Weizsäcker, Eberhard Diepgen und Heinrich Lummer mal gegeben war. Henkel sei ein bodenständiger Politiker, Grütters eine kluge Frau – er begrüße diese Lösung.

Von Frank Steffel bis Kai Wegner halten die Chefs der großen Kreisverbände gegen Braun, seine Mitstreiter und alle, die die Kandidatenfrage offen halten wollen. Steffel schimpft, wer zulasse, dass Henkel und Grütters beschädigt würden, der verhalte sich „parteischädigend“. Wegner sagt, wohin er in seiner Partei höre, wollten die Leute ein Ende der Krise und „Ruhe“. Ähnlich äußern sich andere Kreischefs. Nur in Friedrichshain-Kreuzberg hat der Vorstand beschlossen, dass die Kandidatensuche durch eine Mitgliederbefragung entschieden werden soll.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 16.10.2008)
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Kommentare [ 11 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von phantomias phantomias ist gerade offline | 16.10.2008 9:47 Uhr
Der letzte West-Berliner
Da ist er nun also übrig geblieben, der letzte Bezirksfürst, der die Kraft seiner Wassersuppe öffentlich präsentieren muss.Offensichtlich will die Südwest-CDU nicht begreifen, dass die alten Heckenschützen-Zeiten vorbei sind. Provinzkönig Braun versucht, Strippen zu ziehen und merkt gar nicht, dass diese bereits weitgehend gekappt sind. Und da steht er dann allein, als der letzte Bewahrer der West-Berliner CDU und die Karawane zieht weiter...
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von segelflieger segelflieger ist gerade offline | 16.10.2008 10:39 Uhr
Warum
erstellt die Berliner CDU nicht erst ein Programm das die Stadt weiter bringt, und benennt erst dan die Politiker die in Lage und Willens sind, das ausgearbeitet Programm glaubhaft umzusetzen?
Will die Berliner CDU eigentlich die absolut schwachen und wirttschaftsfeindlichen Senat nicht ablösen bei der nächsten Wahl? Schon alleine ist die höchste Anstrengung wert, Ruhe in den Laden zu bringen! Eitelkeiten einzelner sind jetzt nicht angebracht
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von phantomias phantomias ist gerade offline | 16.10.2008 12:32 Uhr
Diese Programme...
...liegen doch schon längst auf dem Tisch.Sie sollten diese ersteinmal lesen, bevor Sie weiter mitdiskutieren.
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von segelflieger segelflieger ist gerade offline | 16.10.2008 12:28 Uhr
Einigkeit und Programm
Warum
erstellt die Berliner CDU nicht erst ein Programm das die Stadt weiter bringt, und benennt erst dan die Politiker die in der Lage und Willens sind, das ausgearbeitet Programm glaubhaft umzusetzen?
Will die Berliner CDU eigentlich den absolut schwachen und wirttschaftsfeindlichen Senat nicht ablösen bei der nächsten Wahl? Dies allein ist schon die größte Anstrengung wert, Ruhe in den Laden zu bringen! Eitelkeiten einzelner sind jetzt nicht angebracht
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von petersbraut petersbraut ist gerade offline | 16.10.2008 12:52 Uhr
Schade Steglitz/Zehlendorf
Respekt, Herr van Bebber.Ich saß neben Ihnen während der Veranstaltung und ziehe den Hut vor dieser objektiven Berichterstattung. Die Berliner CDU ist weit mehr Wert,als mancher Bericht dieser Tage es für Dritte vermuten lässt. Frank Henkel hatte nicht die Absicht des Ehrenamt des Landesvorsitzenden inne zu haben.Er hat Verstand und Herz und er ist ein waschechter Berliner!! Er hat sich entscheiden müssen,ob er den Mitgliedern vorschlägt, das Ehrenamt zu übernehmen und er hat es uns angeboten. Er hat Mut,weil er voller Selbstvertrauen weiß,wer die CDU ist und das er sie jetzt wieder zu einer großen Familie werden lassen kann.Wir sind eine Familie.Er ist der richtige Mann an der richtigen Stelle.Viel Respekt und Loyalität hat er verdient. Die vereinzelnden Forderungen,dass die Mitglieder den Landesvorsitz wählen sollen,ist doch absurd.In der Masse der Mitglieder ist man sich klar,dass wir nicht wissen,welche Voraussetzungen man mitbringen muss,um dieses Amt mit viel Ehre auszufüllen.Die Kompetenzen,die hier mitgebracht werden müssen,müssen die aktiven Politiker bestimmen,die sich untereinander gut kennen.Wenige Angestellte,wollen den Job ihres Chefs übernehmen oder entscheiden,wer es wirklich sein soll.Warum sollte es hier in Wirklichkeit anders sein?
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von moepenberg moepenberg ist gerade offline | 16.10.2008 13:18 Uhr
Programme mag es geben,
lieber Herr Phantomias,

Herr Henkel, der steht leider inhaltlich für: Nichts. Ich verfolge seit Jahren, was sich in der Berliner CDU so tut. Herr Henkel hat in den letzten Jahren manchmal hohle Phrasen zur inneren Sicherheit gedroschen. Ansonsten kommt von ihm: Nichts! Ach doch, er will Posten angeblich "nicht" haben, lechzt aber dann - ach wie unfreiwillig! - doch nach jedem Amt. Das ist schon kein schlechter Inhalt!

Frau Grütters macht bei dem ganzen nur mit, weil sie wieder in den Bundestag will. Da trägt sie halt auch Steffel, Henkel & Schmitt mit (die sie hinter vorgehaltener Hand ansonsten auch gerne verächtlich macht).

Inhaltlich schläft die Berliner CDU einen Dornröschenschlaf. Das Gerede Henkels von "ABS plus I", ohne jedes Detail, das ist doch einfach nur peinlich. Mehr als diese uralten und abgegriffenen Schlagworte kommen nicht.

Test: Nennen Sie mir eine einzige inhaltlich originelle Idee von Frank Henkel. Sie werden auf nichts kommen.
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von joz joz ist gerade offline | 16.10.2008 14:39 Uhr
@moebenberg
Hier geht es nicht um originelle Ideen, sondern um vernünftige, notwendige und logisch nachvollziebare Politik, die diese Stadt vorwärts bringt. Zu einer solchen Politik ist aber der Wowi-Senat nicht fähig. Schlimm ist nur, dass es der CDU nicht gelingt, diese unfähigen Typen abzulösen. Was eben nicht für die Güte der CDU spricht. Im Übrigen, wenn eine ganz überwiegende Mehrheit der Berliner den Wowi "gut" findet, spricht das auch nicht gerade für die "Qualität" der Berliner. Zum Versagen und zur Qualität dieses Senats samt seines Vortänzers will ich mich hier nicht mehr äußern (das kommt mir nämlich gleich wieder die Galle hoch!).
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von margit-kuhl margit-kuhl ist gerade offline | 16.10.2008 15:35 Uhr
@moepenberg
Die Konzepte der CDU für Berlin stehen seit 2006 fest.Herr Henkel hat schon damals an dem Konzept mitgearbeitet.Anders funktioniert Parteiarbeit auch gar nicht. Für was Herr Henkel steht ist öffentlich ebenfalls im Internet ausführlich bei der CDU zu finden.Regelmäßig werden zusätzlich die formulierten Forderungen der Berliner Fraktionsmitglieder für alle Bürger veröffentlicht. Nun hat er vor ein paar Tagen gerade sein Amt als Fraktionsvorsitzender übernommen und nun soll er neue Konzepte und Forderungen für die Berliner Bürger formulieren? Das ist nicht erforderlich. Ein neuer Chef bei VW, ändert auch nicht bei Amtsantritt das Gaspedal beim Golf.Warum auch?
Sie sind offensichtlich nicht nah genug am Geschehen dran und das ist ja auch nicht schlimm, dazu kann man ja z.B. hier einen Eindruck verschaffen.
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von uwemohrmann uwemohrmann ist gerade online | 16.10.2008 18:06 Uhr
joz
kan ich Ihnen sagen,warum es der Berliner CDU nicht gelingt, weil es so grosse Versager sind, dass einem die Spucke wegbleibt. Die sollen lieber in ihren Schützgräben sitzen bleiben und uns Berliner mit ihren Ideen verschonen.
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von hdgerdes hdgerdes ist gerade offline | 16.10.2008 20:39 Uhr
Meine Damen und Herren ;-)
darf ich Sie mal auf diese Seite im Tagesspiegel vom 16.10.08 locken:
-> www.tagesspiegel.de/berlin/Klaus-Landowsky-Bankenskandal-Berliner-CDU;art270,2638060 (Überschrift: "Landowskys vergessener Bankenskandal") ?

Und nun, lieber phantomias und ..., erklären Sie doch bitte mal hier oder dort, wie es denn um den sog. "Neubeginn" der Berliner CDU bestellt ist.

Ich bin gespannt.

Kein Problem habe ich damit, (wie von @riegel dort zu Recht geschrieben) dass sich auch die SPD (in Berlin und Brandenburg) wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert hat.
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von cerredutti cerredutti ist gerade offline | 17.10.2008 19:13 Uhr
Unsensibel
Auch ich war auf der Veranstaltung am Dienstag und Hauptsächlich die Art und Weise wie hier den Mitgliedern in einer "Nacht- und Nebelaktion" eine angeblich neue Doppelspitze vorgesetzt werden soll ist dort kritisiert worden.
Und wo war die Doppelspitze am Dienstag? Insgeheim hatte ich ja gehofft auch Frau Grütters hätte sich der Diskussion gestellt.
Von ihr war nicht einmal die Rede.
Und Frau Grütters ward auch nicht gesehen. Doppelspitze....so, so. Das fängt ja gut an.

Klar haben auch einige Landowsky und Diepgen erwähnt die sich nach jahrelangem Schweigen nun plötzlich wieder zu Wort melden. Warum wohl?!
Wenn sich hier jemand parteischädigend verhalten hat so ist das Herr Henkel der diese beiden Herren aus der Vergangenheit die mit ihren Namen innerhalb und ausserhalb der Partei auf Ablehnung stossen um Rat gefragt hat.
Was soll denn das für ein Landesvorsitzender werden, der die Sensibilität dieses Themas nicht einmal zu erfassen vermag?
Der es für völlig normal hält sich mit Personen aus der Vergangenheit als Kandidat zu präsentieren?

Ich kann die Motivation von Herrn Braun sehr gut verstehen und danke ihm für seinen Mut sich für die Basis und ein demokratisches Verfahren einzusetzen.
Und ich bin Stolz auf die Mitglieder der CDU wie sie sich offen gegen ein Verfahren stellen dass wieder einmal im Hinterzimmer zusammengeschustert wurde.
Egal wer am Ende den Landesvorsitz erhält.
Er sollte nicht mit einer Person besetzt werden die unsensibel die Vergangenheit wieder aufwühlt und die unter Demokratie einen kleinen Parteitag versteht und die Mitglieder nicht beteiligen möchte.
Das ist ein denkbar ungünstiger Start.
Think it over.

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