[Kommentare: 20]

Berliner CDU

„Stadtkewitz hat sich ins Abseits gestellt“

Berliner CDU spekuliert über den Parteiaustritt des bekennenden Islamgegners René Stadtkewitz. Parteichef Frank Henkel schweigt dazu.
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Foto: promo
Der Parteiaustritt des CDU-Abgeordneten und früheren Kreischefs in Pankow, René Stadtkewitz, ist den Berliner Christdemokraten ein Rätsel. Unverständnis, Ratlosigkeit und Spekulationen über private Motive – das sind die vorherrschenden Reaktionen. „Stadtkewitz ist ein liebenswürdiger, kollegialer, fachkompetenter Parlamentarier, der von der CDU auch nicht schlecht behandelt wurde“, sagt ein enger Parteifreund, der Integrationspolitiker Kurt Wansner. „Das war eine Kurzschlussreaktion.“

Stadtkewitz habe „sich verrannt“ und mit seiner Kompromisslosigkeit ins Abseits gestellt, sagen andere CDU-Funktionäre. Unmittelbarer Anlass des Parteiaustritts war der Streit um eine Podiumsdiskussion zum Islam, deren Veranstalter die CDU-Fraktion war. Aber auch Stadtkewitz hatte als Landeschef der islamfeindlichen Organisation „Pax Europa“ für die Veranstaltung geworben, die dadurch in ein schiefes Licht geriet. Es gab Kritik aus den eigenen Reihen, besonders scharf formuliert von der Ex-Ausländerbeauftragten Barbara John.

In seinem Austrittsbrief an den CDU-Landeschef Frank Henkel warf Stadtkewitz der Parteifreundin John „Naivität und mangelnde Weitsicht“ gegenüber den Integrationsproblemen in Berlin vor. Sie habe „dem politischen Islam in Deutschland zur Etablierung“ verholfen und sei in ihrem Amt gescheitert. Er fühle sich von der CDU mangelhaft unterstützt und erkläre „unumkehrbar“ seinen Austritt.

Die islamkritische Veranstaltung wurde abgesagt, auch das verbitterte Stadtkewitz. Er beklagte sich heftig über „islamophile Diffamierungskartelle“. Auf der Internetseite Gesamtrechts.net, einer Plattform der äußersten Rechten, auf der NPD und Republikaner werben, wurde Stadtkewitz’ Austritt aus der Union am Sonnabend an vorderster Stelle ausführlich vermeldet.

Der 44-jährige CDU-Politiker, der seit 2001 im Abgeordnetenhaus sitzt, ist eigentlich Experte für Baupolitik, profilierte sich aber seit Jahren als Aktivist der Bürgerinitiative, die den Bau einer Moschee in Pankow verhindern wollte. 2006 wurde Stadtkewitz und seine Familie deshalb mehrfach anonym bedroht, ins Kellerfenster seines Hauses wurde ein Brandsatz geworfen. Ein Jahr zuvor war das von seiner Ehefrau betriebene Irish Pub „Green Island“ verwüstet und mit Hakenkreuzen beschmiert worden.

Auch das waren Gründe, warum Stadtkewitz nicht nur einmal erwog, sich aus der Politik zurückzuziehen. Umgekehrt gab es Forderungen aus der eigenen Partei, Ämter und Mandate abzugeben, als er der rechtskonservativen Zeitschrift „Junge Freiheit“ ein Interview gab.

Zurzeit profiliert sich Stadtkewitz mit einer Bundestagspetition, in der er die gescheiterte Integration arabischer Migranten, die „gänzliche Kappung unserer kulturellen Wurzeln“ und eine „Meinungs- und Gesinnungsdiktatur“ beklagt, die Teile der deutschen Gesellschaft befallen habe. An anderer Stelle warf er dem Islam „einen Feldzug zur Eroberung der Welt“ vor. CDU-Chef Henkel äußerte sich nicht zu Stadtkewitz. Es gibt noch interne Bemühungen, den umstrittenen Unionspolitiker in der Partei zu halten. Ulrich Zawatka-Gerlach

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 01.11.2009)
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Kommentare [ 20 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von gerndrin gerndrin ist gerade offline | 1.11.2009 12:03 Uhr
Abseits?
Mag sein.
Auf jeden Fall ist er einer der wenigen Politiker der noch Rückgrat besitzt. Nicht nur deshalb meine Hochachtung!
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von Hr.Professor Hr.Professor ist gerade offline | 1.11.2009 12:14 Uhr
vorweg: ich bin nicht Migrant
... es laufen noch interne Bemühungen, den Unionspolitiker in der Partei zu halten ... in hohem Bogen hinauswerfen, das sollte man eher diskutieren .
Ist mir völlig unverständlich, diese Haltung der CDU, solche Leute stören doch wirklich nur das Bemühen, die Kulturen unserer Stadt zu verbinden.

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von betrachter betrachter ist gerade offline | 1.11.2009 12:32 Uhr
Vorweg: Ich habe "Migrationshintergrund"
Und Menschen wie Herr Stadtkewitz üben berechtigte und nachvollziehbare Kritik. Den Kritiker öffentlich zu diffamieren, ist der falsche Weg die Integrationsprobleme anzugehen.

Gerade Frau John sollte zuerst einmal fragen, wie sich die Probleme über die Jahre aufgebaut haben in denen sie im Amt war, anstatt jemanden anzugreifen, der die Probleme benennt.

Das Muster ist immer dasselbe: Man schlägt den Boten (die Botin ;-) für die Nachricht. Egal, ob Roman Reusch, Thilo Sarrazin, Seyran Ates oder René Stadkewitz...
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von phantomias phantomias ist gerade offline | 1.11.2009 12:30 Uhr
Radikale
Gefährlich für Berlin sind Radikale - egal ob rechte, linke, Islamisten oder diejenigen, die Ängste und Vorurteile schüren. Zu letzteren zählt wohl dieser Kandidat. Wer sich mit "Pax Europa" beschäftigt kann sehr leicht den Eindruck bekommen, hier versammeln sich christliche Fundamentalisten, die ihren vorausgesagten "clash of cultures" durch den eigenen Radikalismus erst herbeiführen.

Schlimm genug, dass dieser Mann im Parlament sitzt und sein gefährliches Spiel dort betreiben kann.
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von uwemohrmann uwemohrmann ist gerade offline | 1.11.2009 16:58 Uhr
phantomias
vollig richtig
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von phantomias phantomias ist gerade offline | 1.11.2009 12:36 Uhr
Zerfällt die CDU?
Der zweite Abgeordnete, der die CDU in Berlin innerhalb kürzester Zeit verlässt - anderswo nennt man das Zerfallserscheinungen. Und der Landeschef schweigt dazu? Anderswo nennt man das Führungsschwäche.

n Neukölln sollten 5 Leute ausgeschlossen werden, weil sie eine eigene Stadträtin, wie alle anderen parteien auch, für unfähig hielten. Passiert ist nichts. Einer davon ist jetzt sogar von der CDU zum Stadtrat gewählt worden. Auch das kein Zeichen von Führung sondern eher von personellem Durcheinander. Der junge Henkel scheint überfordert.
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von vielleser vielleser ist gerade offline | 1.11.2009 12:41 Uhr
"rechts"
Guten Tag,

der Herr ist ja offensictlich eher dem rechten als dem linken Spektrum zuzuordnen. Das Lokal der Frau wurde mit Hakenkreuzen besudelt.

Kürzlich wurde hier im Forum bestritten, dass andere als Rechte Hakenkreuze schmieren und um Belege gebeten.

Voila!
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von Hr.Professor Hr.Professor ist gerade offline | 1.11.2009 13:10 Uhr
ja, den populistischen "Boten" wie ...

C. Blocher , Schweiz
C. Strache , Österreich
T. Sarrazin oder Hr. Stadtkewitz , Berlin

sollte eben besser nicht allzuviel Gehör geschenkt werden.

Natürlich sollte Kritik ausgesprochen werden, aber das können besser andere, weniger befangen und glaubwürdiger als die o.a.
es gibt genug von ihnen in Politik und Gesellschaft, die es ehrlicher meinen .
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von rdxpaul rdxpaul ist gerade offline | 1.11.2009 13:26 Uhr
Was soll das denn ?
Kann diese blöde Debatte mit dem "links" und "rechts" nicht mal aufhören.

Tatsache ist, das wir erhebliche Probleme haben die auch etwas mit Religion zu tun haben. Und diese Debatte muss inhaltlich geführt werden und mit großer Sachlichkeit. Ich kann nicht immer gleich "Nazi" rufen, wenn mir eine Position nicht passt.

Ich muss diese Debatte aber führen, sonst freuen sich die NPD und die PDS.
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von betrachter betrachter ist gerade offline | 1.11.2009 13:27 Uhr
Geht es @Hr.Professor
nicht noch ein bisschen wolkiger und allgemeiner?
Sie als Professor kennen doch sicher Hegel: Die Wahrheit ist konkret.

Also: Wer konkret in Politik und Gesellschaft kritisiert denn besser und glaubwürdiger und ehrlicher?

(Achtung: kritisieren ist was anderes als beschönigen und kleinreden... ;-)

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von im_klartext im_klartext ist gerade offline | 1.11.2009 14:26 Uhr
Abseits?
Ist auch das Beste was Henkel im Moment machen kann, schweigen, denn den Unsinn den er in der Vergangenheit von sich gegeben hat, kann doch niemand mehr wirklich glauben. Anstatt ihren Ruhestand zu genießen meint Frau John ihren Kommentar auch hier abgeben zu müssen, aber das hat sicher damit zu tun, dass man ihr nach Erreichen der Altersgrenze noch das eine oder andere Pöstchen zugeschoben hat.

Nicht Stadtkewitz hat sich ins Abseits gestellt, sondern durch ihre Ohnmacht hat ihn die Partei selbst ins Abseits gestellt und dann „im Regen stehen gelassen“; aber es verkauft sich eben besser im Zusammenhang mit der desolaten Berliner CDU-Politik einfach den Spieß umzudrehen.
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von Frommefrauen Frommefrauen ist gerade offline | 1.11.2009 16:18 Uhr
Barbara John
Erstaunlich sind die vielen Ratschläge von Leuten, die vermutlich nicht CDU gewählt haben und das nicht beabsichtigen.

Fakt ist daß Frau John versucht hat eine CDU Veranstaltung zu torpedieren und daraufhin ein Abgeordneter die Partei verlassen hat.

Hohe Zeit also - um einen Kommentator dieser Seite zu zitieren, die Dame "im hohen Bogen" aus der CDU zu werfen. Sie hat dort nix zu suchen.
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von uwemohrmann uwemohrmann ist gerade offline | 1.11.2009 17:00 Uhr
frommefrauen
völlig aber auch völlig falsch. Frau John mag zwar in den letzten Jahren mal leicht übers Ziel hinausgeschossen sein. Aber wegen solcher Leute, wie Fr. John, verdient die CDU noch so ein bisschen das christlich in ihrem Namen
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von advocado advocado ist gerade offline | 1.11.2009 21:59 Uhr
vorweg: mir kommen die Tränen...
... wenn ich höre, dass angeblich Herr Stadtkewitz und Sarrazin usw. geschlagen werden. Tatsache ist, dass hier privilegierte Mitglieder der Gesellschaft Vorbehalte gegen nicht eben privilegierte, sondern häufig nur auch im Rechtssinne "Geduldete" Mitbürger schüren. Wer Schwächere angreift, sollte doch mindestens Kritik hieran ertragen können, ohne sich sofort weinerlich als "Opfer" zu gerieren. Um es mal klar zu sagen: diese Vereinigung, BPE oder Pax Europa, welcher der Provinzpolitiker Stadtkewitz den Vorzug vor der CDU gibt, zielt unmittelbar auf das Grundgesetz. Sie will den Islam, eine der drei großen monotheistischen Weltreligionen von Art. 4 GG, der Glaubensfreiheit, ausnehmen.

Dass so jemand wie Her Stadkewitz, der zwischen der rechtsradikalen Postille "Junge Freiheit" und "Pax Europa" traumwandlerisch unsicher am Rande der Verfassung und darüber hinaus wandelt, meint andere über Integration in unsere Rechtsordnung belehren zu sollen, ist abenteuerlich lächerlich. Da kann man die Berline CDU nur zu einem ihrer seltenen lichten Momente beglückwünschen, in dem sie Stadtkewitz seinen rechtslastigen Stuhl vor die Tür gesetzt hat
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von gegenspiegel gegenspiegel ist gerade offline | 1.11.2009 23:58 Uhr
Pax Europa = islamfeindlich?
Mich stört das Wort islamfeindlich im Zusammenhang mit Pax Europa, islamkritisch wäre angemessen.
Warum wird immer wieder der Fehler gemacht, Islamkritiker in die "rechte Ecke" zu stellen? Wir werden diese Differenzierung noch verdammt nötig haben, wenn wir uns unsere Meinungsfreiheit erhalten wollen.
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von advocado advocado ist gerade offline | 2.11.2009 9:35 Uhr
@gegenspiegel
... wenn Sie meinem "islamkritisch" wäre angemssener, bitteschön. Ich sehe keinen Unterschied. Für mich ist diese Differenzierung in etwa so aussagekräftig wie die ab und an gehörte Beteuerung: Ich bin kein Antisemit, sondern nur judenkritisch.

Es ist kein Wunder, dass der Zentralrat der Juden mit am schärfstemn auf Sarrazin reagiert hat. Man erkennt halt die Melodie der Lieder von Sarrazin, Stadtkewitz usw. und hat keine angenehmen Assoziationen. Mir geht es da nicht anders, mag auch der Zentralrat in seinen Formulierungen über s Ziel hinaus geschossen sein.
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von gegenspiegel gegenspiegel ist gerade offline | 2.11.2009 0:10 Uhr
@advocado
Für mich (und viele anderen auch) ist der Islam mehr eine Weltanschauung als eine Religion. Eine Religion, aus der man nicht "austreten" darf, ist schon eine fragwürdige Sache.
Neulich las ich: Der Islam ist die größte und gefährlichste Sekte, die als Religion anerkannt ist.Solche Meinungen darf man übers Christentum auch haben, ohne bestraft zu werden.
Comment
von stephanstephan stephanstephan ist gerade offline | 2.11.2009 18:55 Uhr
@gegenspiegel
bitte informieren Sie sich etwas darüber, was eine Sekte ist, und warum eine Milliarde Moslems eine Religion sind.

Im übrigen sind Religionen auch Weltanschauungen.

mfg
Comment
von derpeter derpeter ist gerade offline | 2.11.2009 23:37 Uhr
derpeter
Hinweis für Advocado: Aus dem Christentum kann man auch nicht austreten. Siehe Hebräer 6, Verse 4- 8 ;"Denn es ist unmöglich,die,die einmal erleuchtet worden sind und geschmeckt haben die himmlische Gabe und Anteil bekommen haben am Heiligen Geist und geschmeckt haben das gute Wort Gottes.... so dass man sie zuletzt abbrennt." Wat nun? Christentum ooch "fragwürdige Sache"?. Ich meine : wenn schon-denn schon!
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von bundesbuerger bundesbuerger ist gerade offline | 4.11.2009 21:24 Uhr
Ach nee derpeter!
Dann gehen sie doch mal zu ihrem zuständigen Amtsgericht. Da werden sie sich wundern, wie schnell man aus der Kirche austreten kann! Und sie werden sich wundern, wie der zuständige Pfarrer sein Schäfchen wieder zurück haben will. Das im Gegensatz zum Islam nicht mit Gewalt, und auch ohne Androhung sie jetzt umbringen zu müssen!

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