Berliner CDU spekuliert über den Parteiaustritt des bekennenden Islamgegners René Stadtkewitz. Parteichef Frank Henkel schweigt dazu.
Der Parteiaustritt des CDU-Abgeordneten und früheren Kreischefs in Pankow, René Stadtkewitz, ist den Berliner Christdemokraten ein Rätsel. Unverständnis, Ratlosigkeit und Spekulationen über private Motive – das sind die vorherrschenden Reaktionen. „Stadtkewitz ist ein liebenswürdiger, kollegialer, fachkompetenter Parlamentarier, der von der CDU auch nicht schlecht behandelt wurde“, sagt ein enger Parteifreund, der Integrationspolitiker Kurt Wansner. „Das war eine Kurzschlussreaktion.“
Stadtkewitz habe „sich verrannt“ und mit seiner Kompromisslosigkeit ins Abseits gestellt, sagen andere CDU-Funktionäre. Unmittelbarer Anlass des Parteiaustritts war der Streit um eine Podiumsdiskussion zum Islam, deren Veranstalter die CDU-Fraktion war. Aber auch Stadtkewitz hatte als Landeschef der islamfeindlichen Organisation „Pax Europa“ für die Veranstaltung geworben, die dadurch in ein schiefes Licht geriet. Es gab Kritik aus den eigenen Reihen, besonders scharf formuliert von der Ex-Ausländerbeauftragten Barbara John.
In seinem Austrittsbrief an den CDU-Landeschef Frank Henkel warf Stadtkewitz der Parteifreundin John „Naivität und mangelnde Weitsicht“ gegenüber den Integrationsproblemen in Berlin vor. Sie habe „dem politischen Islam in Deutschland zur Etablierung“ verholfen und sei in ihrem Amt gescheitert. Er fühle sich von der CDU mangelhaft unterstützt und erkläre „unumkehrbar“ seinen Austritt.
Die islamkritische Veranstaltung wurde abgesagt, auch das verbitterte Stadtkewitz. Er beklagte sich heftig über „islamophile Diffamierungskartelle“. Auf der Internetseite Gesamtrechts.net, einer Plattform der äußersten Rechten, auf der NPD und Republikaner werben, wurde Stadtkewitz’ Austritt aus der Union am Sonnabend an vorderster Stelle ausführlich vermeldet.
Der 44-jährige CDU-Politiker, der seit 2001 im Abgeordnetenhaus sitzt, ist eigentlich Experte für Baupolitik, profilierte sich aber seit Jahren als Aktivist der Bürgerinitiative, die den Bau einer Moschee in Pankow verhindern wollte. 2006 wurde Stadtkewitz und seine Familie deshalb mehrfach anonym bedroht, ins Kellerfenster seines Hauses wurde ein Brandsatz geworfen. Ein Jahr zuvor war das von seiner Ehefrau betriebene Irish Pub „Green Island“ verwüstet und mit Hakenkreuzen beschmiert worden.
Auch das waren Gründe, warum Stadtkewitz nicht nur einmal erwog, sich aus der Politik zurückzuziehen. Umgekehrt gab es Forderungen aus der eigenen Partei, Ämter und Mandate abzugeben, als er der rechtskonservativen Zeitschrift „Junge Freiheit“ ein Interview gab.
Zurzeit profiliert sich Stadtkewitz mit einer Bundestagspetition, in der er die gescheiterte Integration arabischer Migranten, die „gänzliche Kappung unserer kulturellen Wurzeln“ und eine „Meinungs- und Gesinnungsdiktatur“ beklagt, die Teile der deutschen Gesellschaft befallen habe. An anderer Stelle warf er dem Islam „einen Feldzug zur Eroberung der Welt“ vor. CDU-Chef Henkel äußerte sich nicht zu Stadtkewitz. Es gibt noch interne Bemühungen, den umstrittenen Unionspolitiker in der Partei zu halten.
Ulrich Zawatka-Gerlach
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 01.11.2009)
Kommentare [ 20 ] Kommentar hinzufügen »
Auf jeden Fall ist er einer der wenigen Politiker der noch Rückgrat besitzt. Nicht nur deshalb meine Hochachtung!
Ist mir völlig unverständlich, diese Haltung der CDU, solche Leute stören doch wirklich nur das Bemühen, die Kulturen unserer Stadt zu verbinden.
Gerade Frau John sollte zuerst einmal fragen, wie sich die Probleme über die Jahre aufgebaut haben in denen sie im Amt war, anstatt jemanden anzugreifen, der die Probleme benennt.
Das Muster ist immer dasselbe: Man schlägt den Boten (die Botin ;-) für die Nachricht. Egal, ob Roman Reusch, Thilo Sarrazin, Seyran Ates oder René Stadkewitz...
Schlimm genug, dass dieser Mann im Parlament sitzt und sein gefährliches Spiel dort betreiben kann.
n Neukölln sollten 5 Leute ausgeschlossen werden, weil sie eine eigene Stadträtin, wie alle anderen parteien auch, für unfähig hielten. Passiert ist nichts. Einer davon ist jetzt sogar von der CDU zum Stadtrat gewählt worden. Auch das kein Zeichen von Führung sondern eher von personellem Durcheinander. Der junge Henkel scheint überfordert.
der Herr ist ja offensictlich eher dem rechten als dem linken Spektrum zuzuordnen. Das Lokal der Frau wurde mit Hakenkreuzen besudelt.
Kürzlich wurde hier im Forum bestritten, dass andere als Rechte Hakenkreuze schmieren und um Belege gebeten.
Voila!
C. Blocher , Schweiz
C. Strache , Österreich
T. Sarrazin oder Hr. Stadtkewitz , Berlin
sollte eben besser nicht allzuviel Gehör geschenkt werden.
Natürlich sollte Kritik ausgesprochen werden, aber das können besser andere, weniger befangen und glaubwürdiger als die o.a.
es gibt genug von ihnen in Politik und Gesellschaft, die es ehrlicher meinen .
Tatsache ist, das wir erhebliche Probleme haben die auch etwas mit Religion zu tun haben. Und diese Debatte muss inhaltlich geführt werden und mit großer Sachlichkeit. Ich kann nicht immer gleich "Nazi" rufen, wenn mir eine Position nicht passt.
Ich muss diese Debatte aber führen, sonst freuen sich die NPD und die PDS.
Sie als Professor kennen doch sicher Hegel: Die Wahrheit ist konkret.
Also: Wer konkret in Politik und Gesellschaft kritisiert denn besser und glaubwürdiger und ehrlicher?
(Achtung: kritisieren ist was anderes als beschönigen und kleinreden... ;-)
Nicht Stadtkewitz hat sich ins Abseits gestellt, sondern durch ihre Ohnmacht hat ihn die Partei selbst ins Abseits gestellt und dann „im Regen stehen gelassen“; aber es verkauft sich eben besser im Zusammenhang mit der desolaten Berliner CDU-Politik einfach den Spieß umzudrehen.
Fakt ist daß Frau John versucht hat eine CDU Veranstaltung zu torpedieren und daraufhin ein Abgeordneter die Partei verlassen hat.
Hohe Zeit also - um einen Kommentator dieser Seite zu zitieren, die Dame "im hohen Bogen" aus der CDU zu werfen. Sie hat dort nix zu suchen.
Dass so jemand wie Her Stadkewitz, der zwischen der rechtsradikalen Postille "Junge Freiheit" und "Pax Europa" traumwandlerisch unsicher am Rande der Verfassung und darüber hinaus wandelt, meint andere über Integration in unsere Rechtsordnung belehren zu sollen, ist abenteuerlich lächerlich. Da kann man die Berline CDU nur zu einem ihrer seltenen lichten Momente beglückwünschen, in dem sie Stadtkewitz seinen rechtslastigen Stuhl vor die Tür gesetzt hat
Warum wird immer wieder der Fehler gemacht, Islamkritiker in die "rechte Ecke" zu stellen? Wir werden diese Differenzierung noch verdammt nötig haben, wenn wir uns unsere Meinungsfreiheit erhalten wollen.
Es ist kein Wunder, dass der Zentralrat der Juden mit am schärfstemn auf Sarrazin reagiert hat. Man erkennt halt die Melodie der Lieder von Sarrazin, Stadtkewitz usw. und hat keine angenehmen Assoziationen. Mir geht es da nicht anders, mag auch der Zentralrat in seinen Formulierungen über s Ziel hinaus geschossen sein.
Neulich las ich: Der Islam ist die größte und gefährlichste Sekte, die als Religion anerkannt ist.Solche Meinungen darf man übers Christentum auch haben, ohne bestraft zu werden.
Im übrigen sind Religionen auch Weltanschauungen.
mfg