Die Berliner Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft kritisiert die Initiative Pro Reli. Deren Gesetzesvorlage sei aufgrund zu wenig geeigneter Lehrer für den staatlichen Religionsunterricht derzeit nicht umsetzbar. Außerdem komme
Berlin -
Die Berliner Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warnt bei einem Erfolg des Volksentscheides Pro Reli vor einem Mangel an staatlich anerkannten Lehrern. Da Religion bei einem Erfolg der Pro-Reli-Initiative kein freiwilliges Fach mehr wäre, müssten dort auch Noten vergeben werden, sagte GEW-Sprecher Peter Sinram im Gespräch mit tagesspiegel.de. Dies erfordere nach dem Schulgesetz jedoch Lehrer mit Staatsexamen. Zum Beispiel würden die 600 Katecheten in Berlin, die momentan den katholischen Religionsunterricht bestreiten, im Fall eines Siegs von Pro Reli teilweise arbeitslos: Einige seien dann nicht mehr zum Unterrichten berechtigt, so Sinram. Wie viele, ist nicht erfasst. Nach Auskunft der Kirchen, würden sich jedoch bereits viele zu Diplom-Religionspädagogen weitergebildet haben. Bis genügend Lehrer vorhanden sind, könne eine Übergangsregelung gefunden werden.
Ein weiteres Problem ist aut Sinram die Vorgabe einer durchschnittlichen Kursgröße für die Schulen. Bei Hauptschulen liege diese bei 20 Schülern. "Wollten an einer Schule im Osten Berlins zum Beispiel zwei Schüler in evangelischer Religion unterrichtet werden, müssten im Gegenzug andere Klassen mehr Schüler aufnehmen", erklärte Sinram. Generell gebe es keine Mindestschülerzahl, je kleiner ein Kurs jedoch ist, desto größer müsse ein anderer werden. Als Beispiel führte Sinram eines Kunstleistungskurses mit nur einer Schülerin an. Dies sei jedoch die absolute Ausnahme. Eine Möglichkeit dem Problem zu kleiner Klassen auszuweichen, wären mehr Kooperationen zwischen Nachbarschulen, um Unterricht zusammenzulegen. Sinram kritisiert: "Pro Reli hat sich darüber überhaupt keine Gedanken gemacht."
Mehrbelastung für die Schüler
Bei einem Erfolg von Pro Reli kommt laut GEW außerdem mehr Unterricht auf die Schüler zu. Der Ethik- oder Religionsunterricht wird dann für die 1. bis 13. Klasse verpflichtend, sagte die GEW-Landesvorsitzende Rose-Marie Seggelke am Donnerstag. Das würde die Pflichtstundenzahl in der Grundschule und der Sekundarstufe II um zwei Unterrichtsstunden pro Woche erhöhen. Auch gebe es für die Grundschule und für die Sekundarstufe II bisher keine ausgebildeten Ethiklehrer.
Seggelke wandte sich gegen die Einführung von Wahlpflichtfächern in der Grundschule. Hier sollten die Kinder miteinander lernen und "nicht nebeneinander her in getrennten Gruppen". Ein gesondertes Fach Ethik in der Grundschule sei "widersinnig", weil in allen Fächern Werte vermittelt werden müssten. Sie rief die GEW-Mitglieder daher auf, bei dem Volksentscheid am Sonntag mit Nein zu stimmen und die Initiative somit abzulehnen.
Der rot-rote Senat hatte als bundesweit einziges Bundesland zum Schuljahr 2006/2007 in allen siebten Klassen des Landes einen verpflichtenden staatlichen Ethikunterricht eingeführt. Er soll bis 2010 bis zur zehnten Klasse ausgedehnt werden. Religion kann wie in den vergangenen Jahrzehnten freiwillig zusätzlich belegt werden.
Der Trägerverein Pro Reli will mit dem Volksentscheid erreichen, dass Schüler in allen Jahrgangsstufen alternativ Religion oder Ethik verpflichtend belegen müssen. Da ein Gesetzentwurf zur Abstimmung steht, wäre der Volksentscheid bei einem Erfolg für den Senat bindend.
(jz/ddp)
Kommentare [ 28 ] Kommentar hinzufügen »
Also entweder ist Bildung nun Ländersache oder nicht. Dann muss man auch damit leben, das jede von einem Landesparlament erlassene Regel nur in einem von 16 Bundesländern gilt. Dieses Sonderweg-Gequatsche ist doch unerträglich. De facto haben wir 16 verschiedene Bundesländern mit 16 verschiedenen Schulgesetzen. Ergo sind die 16 Sonderwege der 16-fache Normalfall.
Nur keine Sorge, zu den genannten Problemchen wird es schon Lösungen geben.
Wichtig ist doch die richtige Frage zu beantworten:
Sollen in Weltanschauungsfragen auch diejenigen Entscheidungsfreiheit haben, die vielleicht meine Meinung nicht teilen?
Ich denke ja, - und stimme deshalb für Pro Reli.
Gab es genügend Ethik Lehrer bei der Einführung des Faches Ethik? Es gab dann aber trotzdem eine Lösung - es wurde damit erst mal in der 7.Klasse angefangen....
Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
Wo kein Wille ist, gibt es keinen Weg.
Aber es soll ja noch andere Fächer geben, für die Lehrer fehlen, will die die GEW deshalb auch abschaffen?
Ansosnten schweigt ja unsere GEW sehr laut zu Problemen der Berline rschulpolitik - aus gelciher Solidarität mit dem Schulsenat und dem Bürgermeister, wie sie jetzt die Sorgenfalten laut hoch ziehen!
Wenn dann auch noch die Ethik-Lehrer den Nachweiß eines kombinierten Philosophie/Religionswissenschaften Studiengang mit Schwerpunkt Schule absolvieren, bin ich voll zufrieden.
Nur,
bei dem Konflikt geht es gar nicht um Inhalte,
Gruß
dali
in der schule und vor allem bei minderjährigem kindern haben diese diese indoktrinationen der verschiedenen kirchen, und nichts anderes ist religionsunterricht, nichts zu suchen!
wenn ich mir die kampagne von pro-reli in bezug auf einige der zehn gebote wie z. b. "Du sollst kein falsches Zeugnis geben" (du sollst nicht lügen) ansehe, dann graut mir vor religionsuntericht durch die amtskirchen.
Dass es schon heute in Berlin zu wenige qualifizierte RU-Lehrer gibt, ist auch bekannt, allerdings würde es nichts machen, wenn das übergangsweise die Katecheten übernähmen. Ethik wird ja auch von Lehrern mit Bildungsgang Volkshochschule, die nur LISUM heißt, gegeben.
Aber noch 'n Tipp für zp,
wer noch nicht mal weiß, dass "Pfarrer, Seelsorger oder Bischof" nichts in der Schule zu suchen haben, da diese ein Ausbildung in Richtung Seelsorge genossen haben, dass mit dem Studium der Voll-Theologen z.B. an der FU nicht vergleichbar ist,
sollte vielleicht erst mal einen Teil 4.000 Kommentare zu dem Thema lesen, als dass er einen völlig überflüssigen schreibt...
Oder gehört auch zp zu denen, die meinen, die Arbeit eines Pfarrers beschränke sich auf Taufen, Gottesdienste und Beerdigungen???
Nur Ihr Vorschlag, man solle doch bitteschön einmal die 4.000 Kommentare zum Thema lesen, ehe man sich herausnimmt, selber einen zu schreiben, der hat einen Makel. Denn eigentlich braucht man doch nur Ihre Kommentare zu lesen, um alles zu erfahren. Und darüberhinaus amüsiert man sich auch noch köstlich dabei. Also: nicht so bescheiden, lieber dali.
möge er sich doch mal die Studienordnung für Pfarrer an der HU und dann den Studiengang ev. Theologie an der FU ansehen,
dann wüsste er feststellen können,
dass da auf zwei völlig unterschiedlichen Feldern gespielt wird.
aber wie meinte doch schon faq sinngemäß,
es ist völlig egal, was Theisten erzählen,
wir Atheisten wissen es sowieso besser,
weil wir sind wissend...
jedenfalls das südliche Reinickendorf,
na und das MV...
ich will nicht dass religion schulfach wird - ganz einfach.
und genaus das verstehe ich unter religionsfreiheit - mir die freiheit zu nehmen und zu sagen - ich und meine kinder sind da aussen vor - ob ihnen da passt oder nicht. genausowenig, wie ich es dulten würde, wenn wehrerziehung mal wieder eingeführt werden sollt!
Nun zp, eine recht eigenwillige Rechtsauslegung, die Sie da vornehmen. Da hilft ein Blick in den Kommentar der Landeszentrale für politische Bildung (Hesselberger). Religionsfreiheit bedeutet: Der Staat gewährleistet nicht nur die Ausübung kultischer Handlungen (Gottesdienst, Gebet) sondern sichert auch die religiöse oder nichtreligiöse Erziehung. Und Sie haben deshalb die Freiheit für Ihre Kinder etwas anderes zu entscheiden. Ist doch wunderbar, oder?
weg mit Religion, egal, was im GG steht.
Aber mal 'ne Frage,
irgendwie werde ich das Gefühl nicht los,
dass hier 'ne Menge Leute von katholischen Pfarrern missbraucht wurden,
anders lässt sich nämlich dieser Hass auf Religionen nicht (mehr) erklären...
Was ist denn das bitte für eine Denke?
jeder soll seinen religionsunterricht haben, wenn er ihn haben will - ABER NICHT IN DER SCHULE !
in dänemark funktioniert das übrigens richtig gut. ehtik für alle und wer religionsunterricht haben will, bekommt den in kirche, tempel oder moschee
und es kann auch kein Katholik (oder bekennender Atheist) König werden.
Das Ihr solche Dinger raushaut, verblüfft mich denn doch
(kaum mehr)...
Ich möchte die GEW daran erinnern, dass mit ihrem Einverständis und ihrer Unterstützung nach der Wende Lehrer aus der DDR in den Schuldienst übernommen und verbeamtet wurden, die kein Staatsexamen vorweisen konnten. Diese Lehrer unterrichten bis heute in einem nicht unerheblichen Maß an Schulen in den West- und Ostbezirken der Stadt. Die eben beschriebenen Lehrkräfte haben nach dem Abschluss der 10. Klasse eine erweiterte Erzieherausbildung absolviert, die sie in der DDR befähigte als Lehrer der Klassen 1 bis 4 zu unterrichten.
Eine Bekannte hatte genau diese Ausbildung und ist Anfang der 80ziger Jahre aus der DDR ausgereist. Damals ließ man nur zu, dass sie mit ihrer "Lehrerausbildung" eine Anstellung im Krippenbereich eines staatlichen Westberliner Kindergartens bekam, da ihr nach damaligem Verständnis die angemessene pädagogische Qualifikation für Kindergarten, Hort oder Schule fehlte.
Wenige Jahre später fragte nach der Wende niemand danach und alle Lehrkräfte der DDR mit dieser Ausbildung wurden in den Schuldienst übernommen. Lediglich einige "Sternchenkurse" und ein Unterrichtsbesuch führten zur Verbeamtung.
Diese noch heute unterrichtenden Lehrkräfte haben also weder Abitur, Studium noch Staatsexamen. Deshalb sollte die GEW, wenn sie sich auf Kommentare zur Qualifikation von Lehrkräften im Fach Religion einlässt, genau überlegen, wie sie ihre Meinung und Thesen begründet.
Sie schrieben: "...und genau das verstehe ich unter religionsfreiheit - mir die freiheit zu nehmen und zu sagen - ich und meine kinder sind da aussen vor..."
Da, wie Sie wissen, Ethikunterricht nicht freiwillig ist und auch nicht abgewählt werden kann, verwehren Sie Menschen, die gerne ihre Kinder "aussen vor lassen würden" (d.h. nicht am Ethikunterricht teilnehmen lassen) dieselbe Freiheit.
Mit welchem Recht sollen Sie ihre Kinder vom Religionsunterricht fernhalten können und andere ihre Kinder nicht vom Ethikunterricht, weil dieser staatliche Zwangsbeglückung ist?
Wenn Sie schon von Freiheit sprechen, dann aber bitte sehr für beide Seiten und nicht einseitig. Das ist dann nämlich für alle keine Freiheit mehr.
Und genau darum geht es am Sonntag.
lasst und die wahl abwarten.
guten nacht!
aber als echter Christ muss man halt mit jedem reden und darf niemanden hinten runter fallen lassen...
Was an der Auslegung der Landeszentrale für politische Bildung „religionsfanatisch“ sein soll, bleibt mir verschlossen. Der Staat hat mit seinem Bildungsauftrag auch die religiöse Erziehung zu gewährleisten- Punkt. So sieht es unser GG vor. Dass Sie mit Ihrem Kommentar auch das GG als extremistisch einstufen, macht mich ratlos. Hier wäre eine weiterführende Diskussion eher notwendig als sinnlos.