Gewalt gegen Lesben und Schwule ist leider nicht neu. Zum Glück wird sie endlich wahrgenommen. Und Ängste sind nur zu verständlich. Hier gilt: Straftaten gegen Anderslebende, Andersdenkende, Andersliebende sind Fälle für Staatsanwaltschaft und Polizei. Egal, wer die Täter sind. Da gibt es kein Vertun. Niemand kann ernsthaft behaupten, dass Berlin sich da etwas vergibt. Wo noch klärt der Polizeipräsident persönlich Beamte auf, die sich homophob äußern? Dazu kommt die Opferbetreuung. Das passiert in Berlin. Homophoben Straftaten wird hier entschlossen begegnet.
Die Hälfte der deutschen Jungs findet Männerküsse "abstoßend"
Schwieriger ist die Auseinandersetzung mit homophoben Einstellungen. Da hilft Polizei nicht weiter. Leider sind sie viel weiter verbreitet, als Sascha Steuer behauptet. Das wäre zu diskutieren! Steuer nimmt statt dessen die eigene Betroffenheit zum Anlass, um einen Rundumschlag gegen „Multikulturalismus“ und Migranten zu führen: Wem Homosexualität nicht passe, der solle „unser Land“ verlassen, dies verstoße gegen „unsere Wertevorstellung“. Unsere Wertevorstellung? Was heißt denn hier „wir“?
Über 50 Prozent der deutschen Jungs in Berlin finden Männerküsse abstoßend. Homosexualität sei „entehrende Leidenschaft und eine widernatürliche Verirrung“, lehrte Erzbischof Dyba. „Sünde“ ist sie 2008 für Kardinal Meisner, „nicht normal“ für Gloria von Thurn und Taxis. CDU-Senatoren blockierten in den 90ern, dass Homosexualität an Berliner Schulen Thema wird – sie sei eine „nicht erstrebenswerte Erziehungsform.“ Die Union kämpft heute gegen EU-Antidiskriminierungsrecht. In Berlin stimmte sie jüngst mehrheitlich gegen die Gleichstellung der Beamten. Erst seit 1994 ist §175 StGB abgeschafft, die „Homoehe“ bis heute noch nicht gleichgestellt.
"Kein Staat nimmt uns den Kampf ab"
Zu all dem bei Steuer kein Wort. Er bleibt nur bei der einseitigen Anklage stehen, beim hilflosen Ruf nach Erlösung durch den Staat. Für einen schwulen Politiker ist das ziemlich dünn. Wir Lesben und Schwule, lehrt alle Erfahrung, müssen unsere Emanzipation in der Gesellschaft selbst erkämpfen. Dieser Kampf dauert schon Jahrzehnte und ist schwierig. Kein Staat nimmt uns das ab.
Ja, der Staat kann uns helfen. In Berlin tut er das engagiert. Mit der Förderung für Aufklärungsprojekte, in Konferenzen, Arbeits- und Gesprächskreisen, im Migrationsbeirat, im Ratschlag für Demokratie und mehr. Man muss schon blind sein, um das nicht zu sehen. Und wir fordern auch von unseren Migranten-Communities die Debatte darüber ein. Ja, das Erreichte ist nicht das Erreichbare. Institutionen sind oft träge. Aber Berlins Verwaltung, die uns manchmal die Schul- und Jugendarbeit schwer macht, ist nicht migrantisch!
"Argumente vom Homo-Stammtisch"
Unser Kampf fängt in der Mitte der Gesellschaft an. Homophobie muss nämlich überall skandalisiert, sie kann weder ethnisiert noch abgeschoben werden. Steuer dagegen „entsorgt“ sie auf dem Rücken der ohnehin strukturell diskriminierten Migranten, bürgert sie aus, erklärt sie zum „Problem anderer Leute“. Das ist in der Tat nicht die „Linie“ der rot-roten Koalition. Wir machen uns die Mühe, das Problem hier anzugehen. Welches Land würde uns Fürstin Gloria, Kardinal Meisner und die halbe CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus auch abnehmen?
Diskriminierung ist gerade in der Mehrheitsgesellschaft allgegenwärtig. Wo bleiben da die Empörung und ein paar gute Ideen von Sascha Steuer? Damit, statt am Homo-Stammtisch, könnte und sollte er sich seine Meriten verdienen. Es wäre ihm hoch anzurechnen.
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Kommentare [ 52 ] Kommentar hinzufügen »
Ja und die bösen Katholen wieder, als aufrechter Linker hält man es da doch lieber mit Irans Mullahs, die sind wenigstens noch so richtig orthodox und knüpfen minderjährige Schwule da öffentlich auf...
Ganz klar, die CDU hat die Homoehe sicher nicht erfunden. Allerdings bekommt diese gesellschaftliche Wandlungsfähigkeit und Realität etwas glaubwürdiger unter den Hut als die gewendeten Genossen.
Und das beste, das ganze linke Lager merkt gar nicht, wie potentielle Wähler (hab fast 30 Jahre SPD gewählt) durch dies ständiges Leugnen und verschieben der Ursachen für die alltägliche Gewalt der CDU (oder rechtsaußen) regelrecht in die Arme treibt.
@gyromane
Daß deutsche Jugendliche Schwule nicht bespucken, nicht verprügeln würden, nicht treten oder schlagen würden, ist eine bodenlose und heftige Verharmlosung der Neonaziszene in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, wie im Osten Berlins. Ich bin persönlich Opfer der Homophobie von deutschen Jugendlichen geworden.
@obentraut
Ich wohne in der Oranienstraße. Hier gibt es auch regelmäßig Überfälle auf Schwule und Lesben durch Deutsche! Ggf. könnten Sie ja auch mal vor dem Laden "Kennzeichen D" neben dem Linden-Center in Hohenschönhausen küssende Männer sich vorstellen. Fragelich, wie dann die Reduzierung der Homophobie auf Türken und Araber sinnvoll ist.
@gyromane
Daß deutsche Jugendliche Schwule nicht bespucken, nicht verprügeln würden, nicht treten oder schlagen würden, ist eine bodenlose und heftige Verharmlosung der Neonaziszene in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, wie im Osten Berlins. Ich bin persönlich Opfer der Homophobie von deutschen Jugendlichen geworden.
@obentraut
Ich wohne in der Oranienstraße. Hier gibt es auch regelmäßig Überfälle auf Schwule und Lesben durch Deutsche! Ggf. könnten Sie ja auch mal vor dem Laden "Kennzeichen D" neben dem Linden-Center in Hohenschönhausen küssende Männer sich vorstellen. Fragelich, wie dann die Reduzierung der Homophobie auf Türken und Araber sinnvoll ist.
Seit ich in Kreuzberg wohne ist mir das nicht mehr passiert also bitte erzählen Sie mir nichts von den toleranten, friedliebenden Deutschen.
Vielleicht lässt es ja darauf schliessen dass Gewalt Deutscher gegen Schwule weitaus häufiger vorkommt als hier in den Tagesspiegel-Foren angenommen wird. Es ist halt nur einfach nicht "en vogue".
Mich ärgert weniger die Stellungnahme des Genossen, als
seine offensichtliche Annahme, es gäbe Leute, die diesen
Unsinn auch wiklich glauben.
NATÜRLICH finden die meisten Jungs Männerküsse nicht gerade
sexy, weil die meisten Jungs ja nun mal nicht schwul sind.
Aber deswegen werden sie wohl kaum regelmässig Schwule verprügeln.
Wir alle wissen, von WEM diese übergriffe kommen. Und das ist
sicherlich nicht die "Mitte der Gesellschaft".
Sehr theoretisch und weltfremnd, dieses Drumherumreden um das praktisch viel größere Problem, politische Korrektheit wie Anfang der Neunzigerjahre (nur mit dem Unterschied, dass damals der Tagesspiegel noch nicht Politikern dieser Partei so viel Platz eingeräumt hat).
Man muß sicherlich nicht jeden in einer Gesellschaft lieben oder mögen. Sicherlich finden einige schwule Männer auch Zuneigung zu oder von Frauen, gleich ob hetero- oder homoerotischer Art, eklig. Dennoch würden sie das wahrscheinlich nicht die jeweilige Person spüren lassen!
Ich glaube nicht, daß jeder ähnliche Gedanken oder Empfindungen haben sollte, aber bitteschön doch die gleiche friedliche und würdevolle Weise, damit umzugehen.
Wie gesagt, es geht um Gewalt. Um Angriffe auf Leib und Leben. Und da ist die Situation nun einmal, wie sie ist.
Was glauben Sie denn bitte woher die Gewalt kommt? Glauben Sie ohne Vorbehalte und Einstellungen gäbe es Gewaltopfer in dieser Gesellschaft?
FOCUS: " Wer als Junge in einer türkischen Migrantenfamilie aufwächst, dem werden häufig Werte und Normen vermittelt, die im krassen Gegensatz zu dem stehen, was eine offene, liberale Gesell. wünscht und fordert. Türk. Jungs werden auf das Leben in diesem Land nicht vorbereitet. Stattdessen spuken archaische Vorstellungen über Familie, Ehre und Sexualität in ihren Köpfen herum. In dieser Welt hat Homosexualität keinen Platz, niemand weiß das besser als Halis ÇiÇek, Deutschlands einziger türkischstämmiger Sexualtherapeut. Seine These: Frustration und Hilflosigkeit erzeugen Gewalt."
LINK:
http://www.focus.de/wissen/wissenschaft/mensch/tid-8963/migranten_aid_261876.html
MANEO Fallzahlen 2007
Hinsichtlich der Anzahl der von uns beratenden Personen, die sich aufgrund eines Gewaltvorfalls an uns wandten, sei hier ergänzend hinzugefügt, dass wir im Jahr 2007 insgesamt 415 Fälle bearbeitet haben (davon 295 Fälle mit Opfer-Kontakt). Hierzu zählten 370 neue Fallmeldungen aus dem Jahr 2007. Bei den übrigen Fällen handelt es sich um Vorfälle, die uns aus zurückliegenden Jahren weiter begleiten. Von den 370 neuen Fällen konnten wir 317 Fälle bearbeiten und auswerten. Auch hier liegt eine Steigerung gegenüber dem letzen Jahr vor. Die Differenzierung zwischen beratenen Personen und bearbeiteten Fällen erscheint uns auch deshalb nötig, da uns regelmäßig Fälle durch die Polizei gemeldet werden, wobei wir in diesen Fällen in der Regel keinen Betroffenenkontakt haben.
Schöneberg 116
Kreuzberg 21
Tiergarten 20
Friedrichshain 15
Prenzlauer Berg 14
Neukölln 13
Wedding 12
...
Lichtenberg 2
Hellersdorf 1
Marzahn 1
LINK: http://www.maneo.de/pdf/Maneo-Report2007.pdf
Nun: "Frustration und Hilflosigkeit erzeugen Gewalt" - ist das für Sie eine neue Erkenntnis die nur auf Jugendliche mit türkisch/arabischem Hintergrund zutrifft? Ich sehe das Problem bei den sehr rural aufgezogenen Jugendlichen schon auch - sehe aber auch die bei Deutschen so beliebte Angewohntheit, Probleme auf die bösenbösen "Ausländer" abzuschieben. Diese Art von gefühlter kultureller Superiorität hat den klassischen Rassismus teils abgelöst, teils salonfähig gemacht.
Ich kenne den Maneo-Report und sehe, mein Fall in Friedrichshain ist keineswegs ein Einzelfall. Nur wie interpretieren Sie ihn? Ich sehe das so: Schwulenhass ist in allen Bezirken auf dem Vormarsch - keineswegs nur in den multiethnischen. Friedrichshain war 2006 noch auf Platz 2 - auch ohne große Einwanderercommunities.
Nun: "Frustration und Hilflosigkeit erzeugen Gewalt" - ist das für Sie eine neue Erkenntnis die nur auf Jugendliche mit türkisch/arabischem Hintergrund zutrifft? Ich sehe das Problem bei den sehr rural aufgezogenen Jugendlichen schon auch - sehe aber auch die bei Deutschen so beliebte Angewohntheit, Probleme auf die bösenbösen "Ausländer" abzuschieben. Diese Art von gefühlter kultureller Superiorität hat den klassischen Rassismus teils abgelöst, teils salonfähig gemacht.
Ich kenne den Maneo-Report und sehe, mein Fall in Friedrichshain ist keineswegs ein Einzelfall. Nur wie interpretieren Sie ihn? Ich sehe das so: Schwulenhass ist in allen Bezirken auf dem Vormarsch - keineswegs nur in den multiethnischen. Friedrichshain war 2006 noch auf Platz 2 - auch ohne große Einwanderercommunities.
will aber natürlich die Daten selbst nicht anzweifeln..
Gruß
dali
Was glauben Sie denn bitte woher die Gewalt kommt? Glauben Sie ohne Vorbehalte und Einstellungen gäbe es Gewaltopfer in dieser Gesellschaft?
Ich denke, dies macht den Artikel von Herrn Lederer so interessant und wertvoll und hebt sich wohltuend von einem anderen hier im tagesspiegel.de ab, dass er Schwulenfeindlichkeit nicht an der Ethnie eines Jugendlichen verortet, sondern Probleme männlicher Identifizierungsprozesse sind.
Daraus folgt, dass es einem "wer nicht gleich so denkt", kein "der soll uns verlassen" folgen kann. Pädagogische Arbeiten, wie zum Beispiel "respect games", erhalten wieder einen hohen Stellenwert.
Zustimmen möchte ich Herrn Lederer ausdrücklich, dass Migrantenverbände in der Pflicht sind, nicht um für Homosexualitität zu werden, sondern das große "Tabu der Homsexualität" außer Kraft zu setzen, denn dieses Tabu wirkt bis heute für Einwandererjugendliche als das wesentliche Prinzip männlicher Normierung.
Die Jungs müssen lernen, dass sie auch noch dann richtige Jungs sind, wenn sie den Ohrring rechts tragen.
Danke für den guten Artikel.
ich empfinde Ihre Darstellung als sehr zweifelhaft, aber auch durchsichtig.
Hat die Linke aus politischem Kalkül Angst ein bestimmtes Klientel beim Namen zu nennen?!
Wenn er diesen Versuch von Veränderungen unbeschadet übersteht, kann er so ein ähnliches Programm auch mal in, sagen wir, Köpenick wiederholen.
Statt dessen, lebt Herr Lederer in seinem Ostberliner Idyll und hat leider von der realen Welt schwuler Männer in dieser Stadt gar keine Ahnung. Einfach mal die Klappe halten!
Und auch Lederer redet am Thema vorbei und holt nur mal Richtung CDU aus. Das ist zu wenig.
Eine Waschmittelreklame ist glaubwürdiger und niveauvoller.
vielen Dank für den ersten Abschnitt Ihres Kommentars. Sehr treffend!
Und danke auch dafür, dass Sie mich damit (trotz dieser ernsten Sache...) zum lachen gebracht haben!
Die kath. Kirche ist homophob: na ja, ist ja nichts neues, nur wie viele Schwule und Lesben werden in Berlin von Katholiken verprügelt?
Über die Fürstin von Thurn und Taxis möchte ich mich gar nicht erst äußern...
Dass 50 % der deutschen Jungs in Berlin (welches Alter?) Männerküsse abstoßend findet ist ja noch kein Indiz dafür, dass von dieser Gruppe besonders stark Gewalt ausgeht.
Dass Jugendliche in der Pubertät, in der die Sexualität noch zu großen Verunsicherungen führt, für ein Zeichen von Homophobie herhalten müssen, halte ich für unredlich.
Übrigens fallen die populären Jugendmagazine in Deutschland auch nicht durch homophobe Einstellungen auf, im Gegensatz zu manch arabischsprachigem Blatt.
Dann die CDU-Senatoren in den 1990ern.... ja ja, stimmt ja alles, aber wir schreiben das Jahr 2008 und in dem ist auch der Großteil der Berliner CDU angekommen...
Ein Problem das tatsächlich existiert zu leugnen, zu verharmlosen, zu verwischen und mit "Argumenten vom Homo-Stammtisch" abzutun empfinde ich als grob fahrlässig!
Meine Frau (weder reaktionär, noch lesbisch...) fühlt sich jedenfalls abends unter den "armen, jungen, männlichen! Migranten" bestimmter Herkunft bei weitem unsicherer als in einem Bus in dem die Fahrgäste "gut gemischt" sind.
Hr. Lederer sollte auch mal Schwule und Lesben fragen, vor welchen Gruppen sie sich am ehesten fernhalten (Katholiken und Fürstinnen gehören wohl eher nicht dazu).
Und dann auch noch der Hinweis darauf, dass "Diskriminierung gerade in der Mehrheitsgesellschaft allgegenwärtig" sei.?
Bei Minderheiten gibt es von Natur gegeben natürlich keine diskriminierenden Einstellungen oder wie darf man das verstehen?
...und ggf. finde ich es beschämend, wie der Rechtsradikalismus der DEUTSCHEN JUGEND in brandenburgischen Dörfern, im Osten Berlins grasiert, weil man lieber auf die bösen Muslime schimpft, ohne daran zu denken, dass türkische Jugendliche garnicht primär muslimisch denken, der größte Teil davon ist nicht religiös-gläubig, sondern eher türkisch-nationalistisch, in dem Sinne kemalistisch. Wahrscheinlich wissen viele Deutsche nicht einmal, welchen Einfluss Kemal Atatürk auf die türkischen Migranten in Berlin hat. Der türkische Nationalismus grasiert in Berlin und der deutsche Nationalismus in Brandenburg und keiner sieht die Gefahr, weil man lieber die bösen Moslems angreifen will!
Jeder kann eklig finden, was er will, solange er andere Menschen nicht beleidigt oder gar angreift. Genau darum geht es aber: um Gewalt, nicht um Gedanken.
Wann wurde das letzte Mal in Berlin ein Schwuler von einer Gruppe Katholiken angegriffen?
Wie oft wurden allein in diesem Jahr Schwule von Jugendlichen mit Migrationshintergrund angegriffen?
Das sollte Klaus Lederer sich fragen, bevor er sich zu dieser Thematik äußert. Dann würde er bestimmt zu anderen Schlussfolgerungen kommen, die mit der Realität auf den Straßen Berlins mehr zu tun haben.
Vielleicht sollten
da haben Sie ja völlig Recht! Homophobie ist überhaupt nicht akzeptabel in einer freien, aufgeklärten Gesellschaft.
Aber bedenken Sie bitte auch, wie viele Menschen in unserem Land (nicht nur wg. der Kirchensteuer) aus den Kirchen ausgetreten sind. Gerade auch hier in Berlin.
Wieviele Menschen kehren dem Islam den Rücken?
Den Nazis und den Jugendlichen ist es egal, ob die Mitte der Gesellschaft so denkt wie sie oder nicht. Die kapieren nur etwas, wenn sie für Gewalttaten schnell uns streng bestraft werden. Und damit meine ich nicht Anti-Aggressionstrainings oder 30 Stunden Sozialarbeit.
Sie meinen, antischwul gewalttätige Jugendliche mit M-Hintergrund beziehen sich im Regelfall positiv auf die "schweigende Mehrheit" der -überwiegend deutschen - Gesamtbevölkerung?
Kürzlich hatte mal einer über sich gesagt: " ... und das ist gut so". Den zunehmenden Gewalttaten nach zu urteilen finden das offenbar immer weniger gut.
Diese Allgegenwärtigkeit wird gerne übersehen. Sex und Gewalt verkaufen sich immer gut, daher ist der Aufschrei nach einem Überfall immer lauter als nach der alltäglichen Beleidigung.
Wenn knapp 50% der männlichen, deutschen Jugendlichen Männerküsse mit dem Wort „abstoßend“ bewerten (Simon-Studie, 2007), so ist dies eindeutig eine Abwertung. Und auch Deutsche können Schwule und Lesben beleidigen, bespucken und schlagen. Viele dieser Abwertungen werden ignoriert, weil sie sich in Schulen, in Jugendzentren oder auf der Straße stattfinden und von den Erwachsenen gerne als Pubertät, verunsicherte Sexualität oder Jugendsünden verharmlosen. Wenn unter Jugendlichen Begriffe wie „schwule Sau“ als schlimmste aller möglichen Beleidigungen verwendet werden, bedeutet dies für schwule und lesbische Jugendliche einen schier unaushaltbaren Zustand der Diskriminierung.
Ein Coming Out ist eine große Herausforderung, die viele traditionelle, im Kindesalter schon manifestierte. heteronormative Lebensziele und -einstellungen verändert. Heterosexuelle Jugendliche haben es das vergleichsweise einfach, sie brauchen einfach nur ihre Eltern nachzuahmen.
Wegschicken und wegsperren helfen langfristig ist (egal ob bei Migranten oder Einheimischen). Langfristig müssen wir allen Jugendlichen beibringen, dass „schwul“ kein Schimpfwort ist, dass man auch schwul/lesbisch/queer sein darf und vor allem: dass es gut ist, zu seiner Sexualität offen zu stehen, ohne andere als „abstoßend“ abzuwerten um sein eigenes Ego aufzuwerten.
Dazu müssen mehr Lehrer, mehr Pädagogen und mehr Psychologen in die Schulen, in die Jugendzentren und auf die Straßen.