Die Kritik an der Personalpolitik der Justizsenatorin Gisela von der Aue ebbt nicht ab: In der Abteilung des geschassten Staatsanwalts Reusch soll ein früherer Funktionär nachrücken.
Eine weitere Personalentscheidung der Justizverwaltung hat einen Tag nach Bekanntwerden der Strafversetzung von Oberstaatsanwalt Reusch die Unruhe in der Behörde massiv verstärkt. Nach Informationen des Tagesspiegels soll am 1. Februar eine frei werdende Stelle in der für jugendliche Intensivtäter zuständigen Abteilung „47“ durch Staatsanwalt Rolf von Niewitecki besetzt werden. Von Niewitecki war Ende der 80er Jahre, damals bereits Staatsanwalt, einflussreiches Mitglied der rechtsgerichteten Republikaner und wurde im Februar 1990 zum stellvertretenden Landesvorsitzenden gewählt. Schlagzeilen machte von Niewitecki im Herbst 1989, als der Parteirebell Carsten Pagel den damaligen Landesvorsitzende Bernhard Andres handstreichartig absetzte. Pagel wurde später Landeschef, von Niewitecki sein Vertreter. Nach der Präsidiumsitzung hatte die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen, da dort brisante Gerichtsakten und Polizeidossiers über missliebige Parteifreunde kursierten. Die Partei erklärte, dass ihr die Unterlagen anonym zugespielt wurden, die Ermittlungen wurden eingestellt.
Fast 20 Jahre später haben diese Ereignisse den 54-jährigen Staatsanwalt eingeholt. Denn er soll dem Vernehmen nach vom Moabiter Chefankläger Andreas Behm für die freiwerdende Stelle auserkoren worden sein. Einwände eines leitenden Staatsanwaltes, dass von Niewitecki untragbar in dieser Position sei, seien vom Tisch gewischt worden.
Unter Kollegen wurde die Personalie als „ausgesprochen merkwürdig“ gewertet. Denn wie gestern berichtet, soll der Leiter der Intensivtäterabteilung, Roman Reusch, in Kürze versetzt werden. Ihm war vorgeworfen worden, in der Öffentlichkeit zu scharfe Sanktionen gegen jugendliche Serientäter gefordert zu haben. So hatte Reusch geschrieben, dass Haft das einzige Mittel sei, das seine überwiegend aus dem arabischen Raum stammende Klientel „verstehe“ und eine schnellere Ausweisung von verurteilten Kriminellen gefordert. Justizsenatorin Gisela von der Aue hatte dies gerügt: „Es ist nicht Aufgabe eines Staatsanwaltes, Rechtspolitik zu betreiben.“
Merkwürdig sei nun, heißt es, dass jemand in diese Abteilung wechselt, der sich früher sehr scharf gegen Ausländer positioniert hatte. So hieß es im Parteiprogramm der Reps von 1988: „Der Ausländeranteil ist so schnell wie möglich zu verringern.“ Um den Staatsanwalt war es danach ruhig geworden. Bis Redaktionsschluss war von Niewitecki, der derzeit in der Abteilung für Jugendschutzsachen arbeitet, nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Der CDU-Rechtspolitiker Andreas Gram kritisierte die Personalpolitik der Justizsenatorin gestern als „abenteuerlich“. Dirk Behrendt von den Grünen forderte, dass sich die Senatorin in einem derart „sensiblen Bereich“ mehr Gedanken machen müsse. Der SPD-Abgeordnete Fritz Felgentreu nannte die Rep-Mitgliedschaft „mittlerweile verjährt“. Der Staatsanwalt habe damals „viele unangenehme Fragen beantworten“ müssen. Der Koalitionspartner der SPD zeigte sich dagegen verblüfft: Klaus Lederer, Landeschef der Linken, sagte, dass das „sicher keine glückliche Entscheidung sei“.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 19.01.2008)
Kommentare [ 31 ] Kommentar hinzufügen »
Ein Sprachloser...
EX-Republikaner!
Soviel Zeit muß sein! ;-)
Reinhard Rupsch, Ex-Republikaner
P.S. Das vergleichen von Diktaturen ist nicht wirklich sinvoll, insbesondere dann, wenn andere Systeme und Grundmotivationen vorliegen. Man kann das immer nur im Kontext der historischen Situation tun und die war zu DDR-Zeiten eine andere als heute.
jf, haben Sie Ihren demokratischen Kompass verloren?
Schon mal was vom "Radikalenerlass" gehört?
Den gibt es seit Jahren in unserer freiheitlich demokratischen Republik
Irgend so ein Vogel von der REP ausgetauscht gegen den eingearbeiteten, fleißigen engagierten Mann Roman Reusch, der erfahrenen und befasst ist mit der Problematik, Kompetenz hat - der einzige Sinn kann hier nur sein, das dann später, wenn das total in die Hose geht, gesagt wird:
Seht her, geht gar nicht - machen wir einfach die ganze Abteilung zu, dann sparen wir sogar noch Geld...
In der Tat, @fritz, für REP hat mein Kompass keine Markierung.
Sie haben ein eigenartiges Demokratieverständnis (Stichwort:"unpopulären Parteien")!
aber ernst beiseite,
sicher ist Justizsenator(in) in dieser Stadt zu sein, der Platz auf einem Schleudersitz,
aber langsam dürfte das Maß voll sein.
Nur fürchte ich, dass absolut niemand diesen Job haben will und so v.d. Aue im Amt bleibt...
Wie lange muss die Stadt noch unter dieser Fehlbesetzung des Justizressorts leiden?
Es stinkt!
zum Gärtner gemacht hat!
glasklares manöver.
wir hatten einen unliebsamen staatsanwalt, der die dinge beim namen nennt und der nicht zur rechte ecke gehört.
wir bekommen einen staatsanwalt, der klar aus der rechten ecke kommt. sollte er aufgrund der von mir erwarteten "aktenlage" anfangen in das gleiche horn zu stossen, ist klar, dass der "rechte" das dann aus "ideologischen" gründen tut, nicht etwa aufgrund der aktenlage und er ist dadurch ganz hervorragend abwürgbar.
ganz offensichtlich agiert frau v. aua nicht im interesse der bevölkerung -> rücktritt bitte.
m.
Die Leitung wird ausgetauscht gegen den eingearbeiteten, fleißig engagierten Mann Roman Reusch, erfahrenen und befasst mit der Problematik - der einzige Sinn kann hier nur der sein, das dann später, wenn das zwangsläufig total in die Hose geht, gesagt wird:
Seht her, funktioniert nicht - machen wir einfach gleich die ganze lästige Abteilung dicht... oder was soll das?
@In der Tat, fritz, für REP hat mein Kompass keine Markierung.
der neue Staatsanwalt muss natürlich ein grünes Parteibuch haben. Nur dann ist entschlossenes Handeln gewährleistet.
Wollen Sie innerhalb der Senatsverwaltungen Tätigkeitsverbote, basierend auf 20 Jahre zurückliegenden Parteizugehörigkeiten?
Und mir werfen Sie ein eigenartiges Demokratieverständnis vor?!
Lesen Sie mal Grundgesetz Artikel 2 (1) und Artikel 3 (3). Verstehen Sie, was darin geschrieben steht?
Deutschland ist. Wie hier läuft es doch in Berlin auf allen Gebieten schief. Wie lange bloß noch??
Aber wenns der demagogischen Sache dient, ist auch die SPD erkenntnisfähig: "Herr v. N`s REP-Mitgliedschaft ist mittlerweile verjährt". Adel verpflichtet!