Bei der Europawahl stimmten mehr als 12.000 Berliner für die Piratenpartei. Grund genug für die die Aktivisten, den Erfolg zu feiern. Wir waren bei der ersten Versammlung nach der Wahl dabei.
Mit diesem Ansturm hatten sie nun wirklich nicht gerechnet. „Sonst waren wir meistens zu fünft“, sagte der Landesvorsitzende der Piratenpartei Andreas Baum. An diesem Dienstagabend aber waren es mehr, viel mehr, etwa 40 Leute, die zum ersten Treffen nach den Europawahlen gekommen sind. Dort hatte die Partei 1,4 Prozent der Stimmen geholt, in Friedrichshain-Kreuzberg, insbesondere bei jungen Wählern, sogar 3,4 Prozent. Seit Sonntag ist die Besatzung der Berliner Parteipiraten um 30 auf 101 gewachsen.
Mangels einer Zentrale versammeln sich die Wahlsieger unter den Kleinen immer dienstags in ihrer Kreuzberger Stammbar „Breipott“ in der Skalitzer Straße, passend gewählt zum Parteiprogramm: Hier wird lizenzfreie Musik aus dem Internet kostenlos zum Herunterladen angeboten. An die Musikindustrie angelehnt ist auch der Name der Partei: Man wolle das Wort ’Internet-Piraten’, das von Seiten der Industrie häufig als Schimpfwort für Raubkopierer verwendet werde, positiv besetzen, so Baum.
Viele Posten auf dem Piratenschiff sind noch vakant
Entspannt ein Bier in der Hand, waren einige der bisherigen Mitglieder an ihren T-Shirts zu erkennen, auf denen das schwarz-orangene Logo mit der wehenden Flagge prangte. Die große Mehrheit jedoch kam zum ersten Mal: Wähler, Sympathisanten, Interessenten. „Da sehen schon viele nach Computernerds aus“, sagte ein studentischer Neuzugang mit Blick in die Runde. 35 Männer um die 30 Jahre, die meisten in Jeans und Sneakers – und fünf Frauen.
Informell und improvisiert ging es in kleinen Gruppen um die Lockerung von Urheber- und den Schutz von Bürgerrechten, um die Arbeit am Parteiprogramm via Diskussionplattform im Internet, um die offene und basisdemokratische Struktur der Ende 2006 in Berlin gegründeten Partei. Viele Posten auf dem Piratenschiff sind noch vakant: „Gut zu wissen“, sagte Michael Höhne, Geschäftsführer einer Internet-Firma. Wer sich einbringen will, findet hier einen Platz.
Überläufer von anderen Parteien gibt es kaum – die meisten, die am Dienstag da waren, wollten sich zum ersten Mal politisch engagieren. „Die Themen sprechen mich einfach an“, hieß es überall. Bei den großen Parteien gebe es, was digitale Medien angehe, eklatante Lücken oder falsche politische Signale. Vergleiche zu den frühen Grünen wurden gezogen: „Die waren damals auch Vorreiter, was ihr Thema anging“, sagte eine Pädagogin. „Jetzt sitzen sie schon lange im Bundestag.“
Wer glaubt, sie seien eine Spaßpartei, habe nie das Programm gelesen
Da wollen auch die Piraten hin, die bereits Unterschriften sammeln, um bei der Wahl im September antreten zu können. 1200 sind schon beisammen, 800 fehlen noch. Im Gegensatz zum Europawahlkampf, der mangels Geld ganz ohne Plakate in der Stadt und fast nur auf Foren und Blogs im Netz geführt wurde, wolle man bis dahin „stark sichtbar“ werden, so Vorsitzender Andreas Baum.
Deshalb wird gerade ein Floß gebaut, mit dem man „in der Echtwelt“, so Baum, als Spreepiraten unterwegs sein und Wahlkampf machen werde. Den Vorwurf, eine Spaßpartei zu sein, wies er jedoch zurück: „Wer das sagt, hat sich noch nie mit unserem Programm auseinander gesetzt.“
Zentral ist darin zwar die Netzwelt. Damit die Partei aber künftig breiter aufgestellt ist, soll auf dem Bundesparteitag Anfang Juli in Hamburg ein neues Programm beschlossen werden. Er arbeite daran und sei mit viel Herzblut bei der Sache, sagt Pirat Lars Hotil: „Datenschutz im Internet betrifft uns alle. Wir wollen das Thema unbedingt auf die Agenda bringen.“
Mehr Details im Netz:
www.berlin.piratenpartei.de
Kommentare [ 22 ] Kommentar hinzufügen »
Nachdem es nach meiner Kenntnis nur eine Partei gibt, die sich ähnlich vorbehaltlos für den Bürger einsetzt und z.B. Zensursulas Kipo-Schwachsinn entlarvt hat, hat der Gedanke an eine Regierungskoalition dieser beiden Parteien doch irgendwie etwas. Besser als unter der Hoheit der bankenhörigen regierenden Junta wird es allemal werden...
Hätte ich letztes Wochenende ein Kreuz machen müssen, wären die Piraten für mich sicherlich eine nicht allzu unwahrscheinliche Wahl gewesen. - Auch wenn ich kein Digital Native bin.
Bald wird ja wieder gewählt..
Es ist interessant quasi bei der Geburt einer neuen demokratischen Kraft dabei zu sein. Ich drücke dem neuen Erdenbürger auf jeden Fall alle Daumen und wünsche Mast und Schot Bruch. Und vor allem das sie bei der nächsten Wahl den "Pfeffersäcken" richtig Feuer machen. - Auch wenn ich finde das gewisse Aspekte zum Urheberrecht/Copyright noch mal überdacht werden sollten. Wenn man das allzu lasch handhabt könnten einige Leute dabei ihr täglich Brot verlieren und andere daran gehindert werden überhaupt kreativ zu werden. Und das wäre ein immenser Verlust für die Menschheit.
In der "Goldenen Zeit" der Piraten, zwischen ca 1670 bis etwa 1730, wurden aus ehrlichen Handelsmatrosen Piraten weil sie die unmenschlichkeit ihrer Kapitäne, des Daseins an sich, die materielle Not, nicht mehr länger ertragen wollten. Sie wechselten die Seiten und stritten für Freiheit und gute Beute. Natürlich waren diese Männer und Frauen keine Lichtgestalten, sie waren das Produkt ihrer Zeit und genauso grausam wie jene die sie dazu getrieben hatten die Waffen zu ergreifen. Und einige von ihnen hatte nicht einmal diese Ausrede, sie fanden einfach nur Vergnügen daran zu foltern und zu töten. - Piraterie ist keine Modeerscheinung, sie ist ein Zeichen sozialer Ungerechtigkeit und taucht auf wenn die Mächtigen die natürliche Würde des Menschen allzu heftig mit den Füßen treten. Heute heißt die Würde das Recht anonym zu bleiben, ungehindert zu tauschen was tauschbar ist.
Die Piratenpartei handelte bei ihrer Namensgebung so wie es vor fast 450 Jahren die holländischen Freiheitskämpfer taten, sie wandelten das als Beleidigung gedachte "Gueux"(Bettler) eines spanischen Edelmannes in einen stolzen Kampfnamen um. Und die Spanier zitterten wenn ihr Kampfruf erklang: "Vive le Gueux"
und ich füge hinzu, in Abwandlung der Losung der Vitalienbrüder:"Für die Freiheit, aller Welt Feind."
Oder eine noch wildere Dame, Jeanne de Clisson, die sich im 14 Jahrhundert sehr darüber ärgerte das der frz.König ihren Mann wegen angeblichen Hochverrats hinrichten ließ. Sie massakrierte fast eine Dekade lang die Besatzung jedes frz.Schiffes das ihr vor den Bug geriet, bis auf zwei,drei Mann die dem König Bericht erstatten konnten.
Auch im Fernen Osten gab es einige weibliche Piratenfürsten.
Weitere Infos erhalten Sie hier: http://en.wikipedia.org/wiki/Category:Female_pirates
Sie als mündiger Staatsbürger sollten sich überlegen ob Sie das wirklich wollen, denn im Moment tritt die Piratenpartei als so ziemlich einzige für IHRE Freiheitsrechte ein.
Genau das ist der Punkt, an dem Sie anfangen sollten Ihre "das sind doch nur Diebe & Hacker" - Haltung zu überdenken. Vielleicht lesen Sie ja mal das Programm, bevor sie hier kommentieren.
Modeerscheinung?
Immerhin gut vernetzt in einigen Ländern Europas. 7,5% in Schweden!
Die Priaten haben in ihrem Bereich (Sie sind eine THEMEN-Partei) höchstwahrscheinlich mehr KnowHow als Sie sich im Rest Ihres Lebens erarbeiten können. Sie sind Spezialisten, worin besteht denn das Fachliche, was sie angeblich nicht beherrschen?
Aber manchen Leuten fehlt es eben an jedwedem Gespür für die wirklich relevanten Dinge.
LESEN SIE ENDLICH DAS PROGRAMM, das ist ja grauenhaft wie wenig sie sich mit der Materie beschäftigt haben...
der landesvorsitzende ist sehr jung. er und das programm der piratenpartei könnten eine menge junger wähler anziehen. auch finde ich den namen sehr originell.