Zentrale Schülerdatei
Rot-Rot plant "gläsernen Schüler"
Schwänzen, Sprache, Lernmittelbefreiung: In Berlin soll künftig jeder Schüler in einer zentralen Datei erfasst werden - und das schon ab nächstem Schuljahr. Bildungssenator Zöllner erhofft sich damit, den Lehrerbedarf besser einschätzen zu können.
Berlin bekommt eine automatisierte Schülerdatei. Sie enthält neben Namen und Anschrift aller Schüler auch Angaben über auffälliges Schwänzen,
die Teilnahme an der ärztlichen Schuleingangsuntersuchung, Herkunftsprache, Lernmittelbefreiung und den Bedarf an Zusatzförderung. Dies alles steht in einem Gesetzentwurf der Regierungskoalition, der dem Tagesspiegel vorliegt. Er wird heute im Datenschutzausschuss behandelt, am Donnerstag ins Parlament eingebracht und soll zum nächsten Schuljahr umgesetzt werden.
Ursache für die Eile ist das Bestreben von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD), den Lehrerbedarf möglichst genau einschätzen zu können. In den Vorjahren hatte es immer große Unruhe gegeben, weil viele Schulen höhere Schülerzahlen angegeben hatte, als letztlich bei ihnen ankamen. Die Differenz lag insgesamt immer bei mehreren tausend Schülern.
Die Datei soll aber noch etliche weitere Probleme lösen. So gab es immer viel Kritik daran, dass die Polizei nicht herausfinden kann, welche Schule ein Schüler besucht. „Wenn die Polizei vormittags einen Schüler aufgreift, der offenbar schwänzt, kann sie bisher nicht in Erfahrung bringen, ob der Verdacht stimmt“, begründet der SPD-Innenpolitiker Thomas Kleinadam den Wunsch, dass die Polizei entsprechende Auskünfte von der Schulverwaltung einholen kann. Nicht einmal bei schweren Vergehen ist es bisher möglich, die Schule zu informieren.
Auch die Linkspartei ist mit dem jetzt vorliegenden Entwurf zufrieden. Fraktionschefin Carola Bluhm befürchtet nicht, dass der Datenschutzbeauftragte größere Einwände erheben wird. „Sein Stellvertreter war bei uns in der Fraktion, und es gab ein großes Maß an Übereinstimmung“, berichtet Bluhm. Einen „gläsernen Schüler“ werde es nicht geben.
Erfasst werden sollen alle Schüler - auch die der Privatschulen. Diese seien „verpflichtet, an dem Verfahren zur Einrichtung und Nutzung der automatisierten Schülerdatei teilzunehmen“, heißt es im Gesetzentwurf. Dort ist auch aufgelistet, welche Angaben gespeichert werden sollen. Insgesamt geht es für jeden Schüler um 16 Informationen. Dazu gehören die Telefonnummern der Erziehungsberechtigten, die Klasse und Lerngruppe des Kindes bis hin zum Ausbildungsschwerpunkt sowie dem Namen des Ausbildungsbetriebes.
Dass auch der spezielle Förderbedarf sowie die Herkunftssprache und die Lernmittelbefreiuung erfasst werden soll, liegt daran, dass all diese Angaben Relevanz für die Lehrerausstattung haben: Wer schlecht Deutsch spricht oder aufgrund schwieriger sozialer Bedingungen Schulbücher nicht selbst kaufen muss, hat automatisch einen höheren Anspruch auf pädagogische Zuwendung.
Auszufüllen ist die Datei von den Schulen. Die Bezirke enthalten nur ein eingeschränktes Zugriffsrecht. So sollen sie nichts über den speziellen Förderbedarf eines Kindes erfahren. Gelöscht werden sollen die Daten ein Jahr nach Verlassen der Schule.

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Kommentare [ 19 ] Kommentar hinzufügen »
Mehr Mittel für Personal und Ausstattung der Schulen will man nicht wirklich investieren. Mit Statistiken kann man doch hantieren wie man es gerade haben will. Es ist aber sonnenklar, daß es zu große Klassen, zuviel ausfallende Stunden,schlechte Materialausstattung etc. in den Berliner Schulen gibt. Die Schulschwänzerproblematik bekommt man doch nicht mit einer Kartei in den Griff, das ist doch Kokolorus!
In den Grundschulen z.B.wachsen inzwischen schon Vielen bekannte neue Probleme heran. Eine immer steigende Anzahl von Grundschülern, ist aufgrund von Verhaltensauffälligkeiten und Lernfähigkeitbeeinträchtigungen doch in normalen Klassenverbänden gar nicht mehr zu unterrichten.Die Schulen sind aufgrund ihrer personellen und pädagogischen Ausstattung schon lange nicht mehr in der Lage darauf angemessen reagieren zu können. Lehrer, die solche Kinder in der Klasse haben und das sind Viele, sind trotz größstem eigenem Engagement doch oft damit überfordert, diese Situation noch vertretbar lenken zu können.
Immer auf den Ausbau von Ganztagsschulen und die Frühförderung der Kinder zu verweisen, reicht nach meiner Ansicht bei weitem nicht aus, um den Realitäten und Anforderungen einer ernstzunehmenden Bildungspolitik gerecht zu werden.Hier wird Schindluder getrieben und zwar in skandalöser Weise.
Im Kindergarten werden Fingerprints genommen, danach in der Schule werden weitere Daten erfasst bis hin zum Erwachsenenstadium... dann erfolgt online-Kontrolle etc.
Alles mit fadenscheinigen Begründungen.
Überwachungsstaat pur... und ganz weit weg von Demokratie.
Das wäre doch mal ein Fortschritt, oder??
...............................wrzlbrmft
Das lange im Geheimen entwickelte Projekt wird als fertiges, stromlinienförmiges Daten-Design-Produkt der von der Diskussion ausgeschlossenen, erstaunten Öffentlichkeit vorgestellt.
Bisher waren die Angaben der Schulen über die zu erwartenden Schülerzahlen teilweise zu hoch. Werden sie nun richtig sein?
Bisher konnten Schulschwänzer nicht zugeordnet werden. Haben Sie nun immer einen Ausweis dabei, wenn sie schwänzen?
Von 100 Schülern schwänzen vielleicht 3. Kommen nun alle in die Daten-Sippenhaft?
Jedes Werkzeug kann zu einem guten als auch zu einem üblen Zweck missbraucht werden. Daten können früher oder später in falsche Hände graten.
Ich finde die Daten sollten, wie bei seriösen Erhebungen üblich, anonymisiert werden. Die Gefahren, die von personenbezogenen Daten unserer Kinder ausgehen, sind - z.B. bei einem Systemwechsel - nicht kontrollierbar.
Die personenbezogene Datenspeicherung ist für eine Optimierung der Verwaltung nicht unbedingt erforderlich, man sollte diesen Punkt überdenken.
Ich verstehe die ganze Aufregung nicht - eine solche Datenerfassung über alle Schüler gibt es ja bereits - beim Einwohnermeldeamt. Hier hat zwar nicht jedes Amt Zugriff, aber es ist doch schon ein erster Schritt hin zu einer besseren, dem Bedarf angepassten Ausstattung der Schulen, wenn möglichst zeitnah ermittelt werden kann, wieviele Lehrer benötigt werden etc.
Welche Daten genau erfasst werden sollten, ist natürlich immer genauso kritisch zu überprüfen wie wer auf welche Daten Zugriff haben darf.
Wenn sie heute nur falsch parken, hat man auch sofort Zugriff auf Ihre Daten, oder?
Aber Herkunftssprache - also das geht gar nicht...
Es kann doch nicht sein, dass eine automatisierte Schülerdatei, die 16 Informationen von jedem Schüler erfasst, Probleme lösen kann.
"Ursache für die Eile......" Es gibt ne Menge Probleme an unseren Schulen, die ein Eilverfahren nicht nur rechtfertigen würden, sondern auch zwingend erforderlich machten. Auf keinen Fall gehört eine automatisierte Schülerdatei dazu.
Es werde keinen "gläsernen" Schüler geben? Wer´s glaubt, wird seelig!
Sicherlich handelt es sich hier um einen Nebenkriegsschauplatz. Allerdings nimmt die Zahl der Lehrer in Berlin wohl schneller ab als die Zahl der Schüler pro Lehrer, da die Pensionierungswelle eingesetzt hat. Allein an meinem Etablissement dürfte das in den nächsten zehn Jahren ca. die Hälfte der Lehrer/innen betreffen. Die wenigen Verbliebenen müssen aber halbwegs gerecht verteilt werden, weswegen die Erhebung der tatsächlichen Schülerzahl und deren Beobachtung über die Jahre extrem wichtig ist. Neue Lehrer verlassen Berlin fluchtartig, wenn sie ihr Studium beendet haben. Daran ist der Zöllner aber nun nicht schuld. Dessen Name fängt mit S an. Kleiner Tip: Der zweite Buchstabe lautet arrazin.
Dass die meisten Lehrer (zu alt und nicht auf der Höhe der Zeit) mit so einem PC gar nichts anfangen können, ist nicht schlimm, die Schüler werden bei der Datenpflege schon behilflich sein...
Ganz meine Meinung, dass es sich um vorgeschobene Argumente handelt, tatsächlich geht es um den tiefen Einblick in die Familien. Wieso werden Privatschulen verpflichtet ihre Schülerdateien auch offenzu legen? Die kümmern sich doch selber um ihre Ausstattung. Dass viele Kinder an mehreren weiter -(wohin bloß?) führenden Schulen angemeldet werden müssen, liegt an den Schulen, die sich nicht entscheiden, weil sie ja die Auswahl haben und wenn noch ein besserer Kandidat kommt, dann nimmt man halt die Kinder nicht, die einem nicht passen (vielleicht zu arm - da ist so eine Datei auch sehr hilfreich)!
Außerdem kostet das Ganze natürlich Geld, dass man dann wieder nicht hat um sie in die Bildung zu investieren.
Eine weitere, bodenlose Frechheit von oben! Eigentlich hätte man sich das schon lange denken können, dass der Aktionismus in so einem Überwachungs-Übergriff mündet, der auch praktisch zu verwenden ist beim nächsten Schülerprotest.
Was kann man dagegen tun kann? Da bleibt wohl nur noch das Land zu verlassen!
Was ich mich bei solchen Dateien immer frage, warum es sie nicht schon längst gibt? Das Jugendamt möchte doch von mir einen Nachweis wo ich mein Kind eingeschult habe, um zu sehen ob die Schulpflicht erfüllt wird. Warum werden also die Daten nicht dort genommen wo sie eh anfallen, sondern kostenintensivere Alternativen geplant?
2. Geburtsdatum, Geburtsort,
3. Geschlecht,
4. Anschrift,
5. Namen, Anschriften und Telefonnummern der Erziehungsberechtigten,
6. Schulnummer, Schulname und Adresse der Schule,
7. Klasse, Lerngruppe, Jahrgangsstufe,
8. Angaben zur Überwachung und Durchsetzung der Schulpflicht durch die Bezirke,
9. Aufnahme- und Abgangsdatum an der Schule sowie der jeweilige Bildungsgang einschließlich des erreichten Abschlusses,
10. Angaben über die Schulanmeldung,
11. die Teilnahme an der ärztlichen Schuleingangsuntersuchung,
12. Art und Umfang der außerunterrichtlichen Förderung und Betreuung,
13. nichtdeutsche Herkunftssprache,
14. die Befreiung von der Zahlung eines Eigenanteils für Lernmittel,
15. der Schwerpunkt oder die Schwerpunkte und die Förderstufe sonderpädagogischen Förderbedarfs sowie
16. Angaben zum Ausbildungsberuf, Ausbildungsschwerpunkt, beruflichen Bildungsgang und der Berufsschulpflicht sowie Name und Anschrift des Berufsausbildungsbetriebes und Datum des Eintritts und des Austritts aus dem Betrieb.
http://www.parlament-berlin.de:8080/starweb/adis/citat/VT/16/
DruckSachen/d16-1931.pdf
https://safer-privacy.jungdemokraten.de/uploads/Brief_SPD-Fraktion.pdf
Dem ist wenig hinzuzufügen.