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Berliner Orte

Zwei Markthallen zu verkaufen

Das Land bietet die Arminius- und Eisenbahnhalle noch bis zum 15. Dezember an. Doch die Verkaufsbedingungen für die Investoren sind sehr unterschiedlich.
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Die Markthalle in der Kreuzberger Eisenbahnstrasse. Foto: Tsp
Säulen aus Gusseisen, große Oberlichter, Klinkerwände und im Inneren viel Raum wie in einem Kirchenschiff: Die Arminiushalle in Moabit und die Kreuzberger Eisenbahnhalle sind die letzten „Überlebenden“ von einst 14 Markthallen in Berlin. Ende des 19. Jahrhunderts wurden sie im gründerzeitlichen Stil gebaut. Doch im Gegensatz zum Marktgetriebe in ähnlichen historischen Hallen in Paris oder London laufen die Geschäfte in Berlin schlecht. Die Berliner Großmarkt GmbH (BGM), Eigentümerin beider Hallen, will sie deshalb an Privatinvestoren verkaufen. In Kreuzberg gilt allerdings die Bedingung, dass dort ein orientalischer Markt aufgebaut wird, der neues Publikum anzieht. In Moabit will die BGM auch andere künftige Nutzungen zulassen. Wie es mit den Hallen weitergeht, entscheidet sich bis zum 15. Dezember. Dann endet die Ausschreibung für beide Gebäude.

Aufgegebene Verkaufsstände, wenig Kunden – die Hallen an der Kreuzberger Eisenbahnstraße und der Moabiter Arminiusstraße haben ihre frühere Lebendigkeit seit den 90er Jahren verloren. Und alle Versuche, Umsätze zu steigern, scheiterten bislang. Ein solcher Kraftakt gelang nur in der dritten Berliner Markthalle, der Marheinekehalle in Kreuzberg, die allerdings jünger ist: Ihr Nachkriegsbau wurde 2007 von der landeseigenen Großmarkt GmbH aufwendig modernisiert. Seither kommt wieder mehr Kundschaft.

Die Wiederbelebung der Eisenbahn- und der Arminiushalle will die BGM aber nun Privatinvestoren überlassen, um sich selbst aufs eigentliche Kerngeschäft konzentrieren zu können – die Sanierung des Großmarktes an der Beusselstraße und den geplanten Umzug des Blumengroßmarktes von der Friedrichstraße dorthin. Mit dem Verkauf der beiden Markthallen hat die BGM seit längerem den Liegenschaftsfonds des Landes beauftragt.

Welcher Kaufpreis mindestens erzielt werden soll und welche Interessenten sich schon gemeldet haben, will die Sprecherin des Fonds, Anette Michler, „angesichts des Endspurts im Verfahren“ nicht verraten. Nur so viel ist klar: Jede der Hallen muss für etliche Millionen Euro saniert werden. Außerdem stehen beide Gebäude unter Denkmalschutz, was eine Modernisierung erschwert. Und an der Eisenbahnstraße muss sich der Käufer verpflichten, weiterhin einen Marktbetrieb aufrechtzuerhalten – allerdings „mit orientalischem Flair“, so die Ausschreibung.

Für einen solchen Markt „mit Barbier, Leckereien oder Schmuck im Stil eines türkischen Basars“ sieht BGM-Sprecherin Michler gute Chancen. „Das wäre eine prima Ergänzung zum beliebten ,Türkenmarkt‘ am Paul-Lincke-Ufer – als Touristenattraktion und Bereicherung für den Multikulti-Kiez.“ Interessierte Händler gebe es genug, die sich mit Ständen beteiligen wollten. Bereits 70 Prozent der Verkaufsfläche seien reserviert. Michler: „Jetzt fehlt nur noch der Investor, der unser Basar-Konzept umsetzt.“

Anders in der Arminiushalle. Dort können künftig auch gänzlich andere Nutzer einziehen. Den Zuschlag erhält, „wer den besten Preis und das überzeugendste Konzept bietet“, heißt es beim Liegenschaftsfonds. Das kann auch ein „Eventkino“ sein, eine Skaterbahn, ein Fitnesszentrum oder eine große Galerie.


(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 02.12.2008)
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Kommentare [ 1 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von jb jb ist gerade offline | 2.12.2008 17:30 Uhr
Marheinekehalle
Der Artikel lässt den Eindruck entstehen, die Marheinekehalle sei erst in den 50ern gebaut worden und demnach viel jünger als die anderen beiden. Tatsächlich wurde sie aber zur selben Zeit im Rahmen desselben Markthallenkonzepts errichtet. Sie war nur stark kriegsbeschädigt, so dass sie 1953 wiederaufgebaut wurde. Es handelt sich aber letztlich um die alte Halle.

In der Dresdner Strasse knapp nordwestlich vom Oranienplatz gibt es auch noch einen sehr schönen Rest einer solchen Markthalle bzw. ihres Eingangsbereichs.

Belustigend ist die Angabe, Frau Michler wolle "angesichts des Endspurts im Verfahren" nicht verraten, wer bislang mitgeboten habe: Richtig ist natürlich, dass Frau Michler zu keinem Zeitpunkt des Bieterverfahrens - nicht nur im Endspurt - unter keinen Umständen derartige Angaben machen darf, denn es muss strikte Vertraulichkeit gewahrt werden. Auch der, der ein Gebot abgegeben hat, erfährt darauf hin nicht, ob er damit an der Spitze liegt oder wer bislang am meisten und wieviel geboten hat. Die Karten werden erst nach Ablauf der Bieterfrist aufgedeckt, wie in solchen Verfahren üblich.

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