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Fürchtet euch nicht!

1989 gab es das Wunder der Wende, weil Menschen furchtlos aufbegehrten.
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Markus Dröge. Der Landesbischof ist seit Mitte November im Amt.Foto: Imago
2009 war das Jahr des Wartens auf die Krisen. Groß angekündigt füllten die Berichte über die Finanzkrise, die Wirtschaftskrise, den Klimawandel und andere Krisen die Berichtsspalten in den Medien. Die Auswirkungen sind bisher nicht so gravierend wie befürchtet. Vielleicht, weil gut auf die Anzeichen reagiert wurde und von Politik und Wirtschaft die richtigen Vorkehrungen getroffen wurden. Die Arbeitslosenzahlen und Insolvenzen sind nicht so dramatisch angestiegen wie vorausgesagt. Doch bei aller Erleichterung fällt es doch schwer, sich darüber richtig zu freuen. Das unterschwellige Gefühl bleibt: diesem Frieden kann man nicht trauen. Mit einem skeptischen Blick schauen viele auf 2010: Vielleicht kommen dann die Krisen mit voller Wucht auf uns zu?

Nun feiern wir Weihnachten. Es wird uns ein Heiland versprochen, ein Kind, das die Welt rettet. Liebliche Krippenbilder stimmen uns ein auf die Friedensbotschaft von Bethlehem: „Fürchtet euch nicht“, ruft der Engel in der Weihnachtsgeschichte den Hirten auf dem Feld zu. „Ich habe euch große Freude zu verkündigen. Der Heiland ist geboren.“ Der Heiland, der Friedensbringer. Ein hilfloses Kind wird geboren. Wie jedes Neugeborene braucht es den Schutz seiner Eltern und seiner Umgebung. Die Eltern aber werden verfolgt und haben kein festes Dach über dem Kopf. Jesus wird hineingeboren in eine Welt voller Krisen und Probleme. Die Friedensbotschaft der Heiligen Nacht steht in krassem Widerspruch zur Realität der Welt. Damals in Bethlehem nicht anders als heute. Sollten die Kritiker der Weihnachtsbotschaft recht behalten, die skeptisch fragen: Können wir diesem weihnachtlichen Frieden trauen?

2009 haben wir voller Dankbarkeit der friedlichen Revolution im Herbst 1989 gedacht und uns an den Mut der Bürgerinnen und Bürger erinnert. Vor 20 Jahren versammelten sich Menschen in der DDR in Kirchen und artikulierten dort ihren Unmut über die SED-Diktatur. Sie waren zunächst nur eine kleine Gruppe. Am 9. Oktober 1989 aber, als Pfarrer Christian Führer beim Schlusschoral des montäglichen Friedensgebets die Türen seiner Kirche öffnete, sah er ein biblisches Wunder. Der Vorplatz schwarz von Menschen und hell von Kerzen. Die Mutigen und die Ängstlichen, die Entschlossenen und die Zögerlichen, alle waren gekommen, weil sie wussten, dass ihnen nur ihre große Zahl eine Chance geben wird. Eltern hatten morgens ihre Kinder verabschiedet und sich so Lebewohl gesagt, dass es notfalls für immer reichen musste. In den Außenbezirken der Stadt standen Panzereinheiten. Das Sankt-Georg-Krankenhaus hatte eine ganze Station für die erwarteten Verwundeten geräumt. 70 000 strömten auf den Innenstadtring. Man musste nicht Christ sein, um Gottes Geist über diesem Zug zu spüren. Ohne Anführer, ohne festgelegte Route, ohne Programm. Vorbei an schreckstarren Polizeiketten. Alle Einsatzpläne waren Altpapier geworden.

Es ist nicht zu viel gesagt, wenn wir im Rückblick bekennen: Was 1989 geschah, ist ein Wunder. Eine friedliche Revolution hatte unser Land bis dahin noch nie erlebt. Die Christen, die erst die Kirchen öffneten und dann den Gang auf die Straße wagten, haben dem Frieden getraut, den das Evangelium Jesu Christi uns verspricht, gegen allen Anschein. Heute haben wir im vereinten Deutschland und im zusammenwachsenden Europa zu einem Frieden gefunden, von dem unsere Väter und Mütter nicht zu träumen wagten.

Die Hoffnung und das Vertrauen auf die Friedensbotschaft von Bethlehem lässt Menschen Mut fassen und handeln. Überall auf der Welt gibt sie Zuversicht, dass Veränderungen möglich sind, auch wenn sie zunächst unmöglich scheinen. Menschen nehmen die Realitäten nicht als schicksalhaft hin. Sie fragen, wer für Krisen verantwortlich ist, wer Ungerechtigkeiten zulässt und Probleme verharmlost. Und sie fragen, was sie selber tun können. Sie mahnen Veränderungen an. Das ist der erste Schritt, um Krisen zu überwinden. Weder die Finanzkrise noch die Klimakrise sind ein dumpfes Schicksal, dass wir ertragen müssen. Wer der Friedensbotschaft Gottes vertraut, der durchbricht das unterschwellige Gefühl der Hilflosigkeit und schenkt neue Hoffnung.

„Fürchtet euch nicht! Ich habe euch große Freude zu verkündigen. Der Heiland ist geboren.“ Die Botschaft der Engel hat bis heute nichts an ihrer Aktualität verloren. Diesem Frieden können wir trauen!

Ich wünsche den Leserinnen und Lesern des Tagesspiegels ein gesegnetes Weihnachtsfest.

Markus Dröge ist Landesbischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 24.12.2009)
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Kommentare [ 8 ] Kommentar hinzufügen »

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von remember remember ist gerade offline | 24.12.2009 11:17 Uhr
Die friedliche Revolution
fand im Politbüro statt und gipfelte in den Worten eines Herrn Schabowski auf der bekannten Pressekonferenz. Erst dadurch war eine Übergabe ohne Probleme möglich.
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von zweifel zweifel ist gerade offline | 24.12.2009 19:08 Uhr
Ja, ...
...wenn ich mal Zeit habe, werde ich des Politbüros gedenken, dass die Wende eingeleitet hat.
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von dmeyer dmeyer ist gerade offline | 24.12.2009 18:20 Uhr
Jesu Geburt
Es sollte zum Allgemeinwissen gehören, daß Jesus Christus nicht am 24.oder 25.12. geboren wurde. Im Römische Reich wurde am 25. Dezember der Geburtstag des Gottes Sol invictus, der
'unbesiegbaren Sonne' gefeiert. Kann in jedem Lexikon nachgelesen werden. Sollte der Bischof eigentlich auch wissen.
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von dali dali ist gerade online | 26.12.2009 12:36 Uhr
Na da bringt @dmeyer
einiges durcheinander,
kann er aber alles bei wiki nachlesen...
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von lukas lukas ist gerade offline | 26.12.2009 8:22 Uhr
Den Versprechen des Evangeliums
kann ich nichts abgewinnen. An diversen Stellen zeigt die Sagengestalt des Jesus sich klar totalitär, nicht tolerant oder demokratisch: Wer an ihn glaubt, ist fein raus, alle anderen werden mit ewigen Höllenqualen bedroht. Daß die Botschaft des Christentums der Frieden sei, davon hat man in den letzten 2000 Jahren wenig bemerkt.

Da die ganze unglaubwürdige Jesus-Geschichte ein Werk von Plagiatoren ist, zusammengeschustert aus vielen anderen Geschichten von Gottessöhnen, die von Jungfrauen geboren wurden etc. (siehe Horus, Mithras, Sol Invictus usw.), kann man ihr nicht mal Originalität zugestehen, allerdings durchschlagenden Erfolg.

Nun wird also die friedliche Revolution von 1989 christlich vereinnahmt, auf ihren kirchlichen Bezug reduziert und vom historischen Fakt zum Wunder umgedeutet, unsinnigerweise auch noch zum "biblischen"! Ein Weihnachtsmärchen...
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von dali dali ist gerade online | 26.12.2009 13:42 Uhr
Ich bin stets begeistert, @lukas
wenn sich zu derartigen Themen Nichwisser und Ignoranten äußern:
nicht nur,
dass ich neugierig wäre,
welche Stellen im NT mir lukas benennken könnte in denen das Handeln Jesus als intolerant, gar antidemokratisch zu interpretieren wäre,
zu dem wäre ich ihm dankbar,
wenn er mir sein Geheimwissen über die Entstehung der Testamente preisgeben würde nebst der Stelle,
wo eine "Jungfrauengeburt" dargestellt ist.
Letztlich sei noch festzuhalten, dass in der Entwicklung zu 89 hin die Pseudo-Oppositionsgruppen (es gab in der DDR, im Gegensatz z.B. zu Polen oder der CSSR, nie eine "Opposition gar "Dissidenten") den Kirchen unter den Rock gekrochen sind und nicht umgekehrt...
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von ach ach ist gerade offline | 26.12.2009 12:12 Uhr
Hm
Es wurde dieses Jahr an den Mauererfall erinnert, die Gedenkpreise hat aber nicht Pfarrer Führer eingesammelt, sondern Kohl.
Bischof Dröge hätte folglich auch vor den falschen Propheten, den Trittbretfahrer des Wunders, warnen müssen.
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von remember remember ist gerade offline | 26.12.2009 13:31 Uhr
Politiker
sind immer geborene Trittbrettfahrer, die die Leistung anderer für sich reklamieren. Kohl hat so viel damit zu tun wie der berühmte Sack Reis in Peking.........

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