Weniger Geld, weniger Arbeit, weniger Bildung: Laut einer neuen Studie haben es junge Migranten in Berlin besonders schwer. Die Wirtschaftsforscher warnen vor sozialen Spannungen und fordern die Schulausbildung zu verbessern.
Jeder dritte Migrant in Berlin hat keine Arbeit. Zudem verfügen Migranten über weniger Geld und sind schlechter gebildet als Deutsche – benachteiligt sind vor allem türkischstämmige Berliner. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die am heutigen Mittwoch erscheint und dem Tagesspiegel vorliegt. Von einer „dramatischen Unterbeschäftigung der Migranten“ in der Hauptstadt ist darin die Rede. Verbessere der Staat nicht die Ausbildung, wachse die „Gefahr sozialer Spannungen“.
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Mit der Studie gibt es erstmals fundierte Daten über die wirtschaftliche Lage von Migranten in der Stadt. Im Jahr 2005 – auf diesen Daten basiert das Papier – waren demnach gut 33 Prozent der Ausländer arbeitslos, bei den Deutschen waren es nur 17,3 Prozent. Angesichts des Aufschwungs dürften sich die Probleme seither allerdings abgeschwächt haben. Zwar seien Migranten auch in anderen Großstädten benachteiligt, schreibt das DIW. Die wirtschaftliche Lage Berlins sei aber generell schlechter als andernorts – daher seien Zuwanderer hier besonders im Nachteil.
Insgesamt haben in Berlin 23 Prozent der Einwohner Migrationshintergrund. Das ist zwar mehr als im Bundesschnitt, in anderen Städten wie Frankfurt am Main, München oder Stuttgart sind es aber bis zu 33 Prozent. Berlin ist hier noch immer zweigeteilt: Im Westen kommen mehr als 30 Prozent der Bürger aus dem Ausland, die meisten aus der Türkei. Im Osten liegt der Anteil bei nicht einmal zehn Prozent. Wie in anderen Städten gilt laut DIW auch in Berlin, dass der Migrantenanteil bei Jüngeren größer ist als bei Älteren.
Unter den Migranten gibt es wiederum große Unterschiede. Besonders häufig sind Migranten der zweiten oder dritten Generation arbeitslos und auf staatliche Leistungen angewiesen, vor allem, wenn sie einen türkischen Hintergrund haben. „Diese Gruppe kommt auf eine Erwerbslosenquote von über 40 Prozent“, heißt es. Dies wiege besonders schwer, weil ohnehin wenige Türkischstämmige überhaupt arbeiten wollten. „Mehr als die Hälfte dieser Gruppe im erwerbsfähigen Alter hat keine reguläre Beschäftigung – sei es, dass sie erwerbslos sind, oder sei es, dass sie keine Beteiligung am Arbeitsmarkt wollen“, befindet das DIW.
Eine Rolle spielt auch das Bildungsniveau. So haben etwa drei von vier Türken keinen Schulabschluss und entsprechend schlechte Chancen auf dem Stellenmarkt. Finden sie einen Job, dann oft nur einen einfachen – wie bei 60 Prozent der arbeitenden Türken. Nur gut ein Drittel hat eine qualifizierte Tätigkeit, fünf Prozent arbeiten in einem hoch qualifizierten Job, zwölf Prozent sind selbstständig.
Um die Lage der Migranten zu verbessern, sind dem Institut zufolge „vermehrte Ausbildungsanstrengungen“ nötig. Der Staat sei besonders gefordert, „der nachwachsenden Generation bei der frühkindlichen Erziehung und der schulischen Bildung gute Startchancen zu verschaffen“. Der Senat habe Schritte in die richtige Richtung unternommen. Wenn Berlin es nicht schaffe, die Kinder bildungsschwacher Schichten besser als ihre Eltern zu qualifizieren, drohe der Stadt „eine Zukunft, bei der sie noch weiter als bisher bei der wirtschaftlichen Entwicklung hinterherhinkt“.
„Türken sind nicht grundsätzlich dümmer als Deutsche“, kommentierte Eren Ünsal, Sprecherin des Türkischen Bundes in Berlin-Brandenburg, die Studie. Kinder mit Migrationshintergrund müssten bessere Bildungschancen bekommen, zudem dürften Ausländer auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr diskriminiert werden. Günter Piening, der Integrationsbeauftragte des Senats, sagte, die Krise der Berliner Industrie nach 1990 wirke noch nach. Hier hätten viele gering qualifizierte Migranten gearbeitet. Seit 2005 habe sich die Lage der Zuwanderer aber verbessert – es gebe mehr Jobs und Ausbildungsplätze, und gerade Türkischstämmige wechselten häufiger auf ein Gymnasium. Klar sei aber, dass die Integration Zeit brauche und eng mit der wirtschaftlichen Lage Berlins verknüpft sei.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 27.08.2008)
Kommentare [ 68 ] Kommentar hinzufügen »
Es gibt keine Gymnasien oder Universitäten, an denen keine Türken zugelassen wären. Die Chancen sind da, man muss sie aber auch nutzen!
Ich kenne Migrantenkinder, die es trotz ihrer schwierigen Situation geschafft haben, Abitur zu machen und zu studieren. Bei ihnen muss man feststellen, dass sie an der Gesellschaft teilnehmen wollen. Und es gelingt ihnen, sie werden von jedem problemlos anerkannt. Es kommt nicht von ungefähr, dass bei Türken in der dritten Generation der Anteil an Schulabbrüchen bedeutend höher ist.
Bessere Ausbildungsmöglichkeiten- okay. Aber die alleine werden nichts bewirken, wenn nicht auch eine andere Haltung gegenüber unserer Gesellschaft eingefordert wird. Wenn der Schulpflicht in Deutschland nicht nachgekommen wird, müssen Konsequenzen gezeigt werden.
Eine Art von Außerirdischen? Spanische Portugiesen?
Aber beim Erlernen der deutschen Sprache sind zuerst mal die Familien und die Kinder und Jugendlichen selber gefragt!
Niemand kann das verhindern, nur die Türken selber.
Die unzureichende Integration von Zuwanderern kostet den Staat jährlich schätzungsweise 16 Milliarden Euro. Durch mangelnde Sprachkenntnisse, fehlende soziale Netzwerke und schlechte Integration der Zuwanderer in den Arbeitsmarkt gehen dem Staat Einkommenssteuern und Beiträge in der Renten- und Sozialversicherung verloren. Das ist das Ergebnis einer Studie des Büros für Arbeits- und Sozialpolitische Studien (BASS) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Demnach kostet die mangelnde Integration Bund und Länder jeweils 3,6 Milliarden Euro pro Jahr. Die Kosten der Kommunen liegen bei 1,3 Milliarden Euro, die der Sozialversicherungen bei 7,8 Milliarden Euro.
LINK: http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/
bst/hs.xsl/nachrichten_84818.htm
Allein die Verwaltung für einen Menschen mit Transfairleistungen,
kostet knapp 400,00€ pro Jahr.
"Kinder mit Migrationshintergrund müssten bessere Bildungschancen bekommen"
ist eine sehr gute Forderung und ein guter Anfang.
Es muss vor der Schule in den Kitas beginnen,
wie es in dieser Stadt "gehändelt" wird,
kann jeder nachlesen, beim kippen des Kita-Volksbegehren in dieser Ausgabe.
Ohne Nutzen!
zum thema "etnisches "subproletariat" hat sich bereits ausreichend und erschöpfend der historiker prof. wehler geäußert.
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/signale/661998/
Was soll man da machen?! Mit der Krise nach 1990 hat das überhaupt nichts zu tun, wie Piening schreibt.Es hat damit zu tun, daß die jungen Leute nicht gefordert werden.
Erst dieser Tage gab es Streit um einen 21jährigen Türken, der seit der Hauptschule nichts arbeitet, von Hartz4 und erst auf Druck der Ausländerbehörde,hin ihn auszuweisen, sich eine Arbeit besorgte.
Auf das Geschrei von Links/Grün hin ruderte das Amt zurück: er müsse sich nur bemühen....
Jetzt wäre es interessant zu wissen, ob er immer noch seinem Job nachgeht, wo es nur ums Bemühen geht.
So hilft man den ausländischen Jugendlichen nicht, im Gegenteil!
Eine unter Türken weit verbreitetete, kulturell-religiös bedingte, deutschfeindliche Haltung tut ein übriges, die Assimilation dieser Gruppe zu erschweren.
Türken als arbeitsscheu zu bezeichnen,
das kann sehr schnell in den VS-Bericht führen...
mfg
Diese Spezie in Schutz zu nehmen in wohl eher unangebracht.
Offenbar wurde ihnen, von wem auch immer, vorgelebt, daß man in diesem Land auch anders zurecht kommt als mit Arbeit.
Als Ausländer für uns Deutsche die"Drecksarbeit" übernommen haben,interessierte sich auch niemand für deren Ausbildung.Heute fällt uns dieses Problem vor die Füße und wir wälzen die Schuld daran lediglich ab,proklamieren,dass "Multikulti" gescheitert sei.Als "Alis" oder "Mustafas" Eltern noch ausnutzbar waren,tolerierte man die Anwesenheit.Die Bildung oder Integration der Eltern interessierte niemanden wirklich.Zehlendorf blieb Zehlendorf.Neukölln u. Wedding wurde den Ausländern als Wohnortim wahrsten Sinne des Wortes "verordnet".Das ist auch Geschichte.
Diese Unwillensbekundung ist somit nicht *meine* Unterstellung. Und vor dem Hintergrund dieses Unwillens ist jedes Beschwören von "Chancen bieten", "Angebote intensivieren" gegenstandslos. Und wenn man die Chancen mal in einen internationalen Vergleich stellt, dürfte Deutschland *sehr gut* dastehen. Dass dennoch 3/4 der Genannten dann ohne Berufsausbildung sind, beweist doch jedem, das es nicht an "uns" oder an den Angeboten liegt.
Ausbildung sollte eben nicht frei"willig" sein, sondern Pflicht.
Diese Unwillensbekundung ist somit nicht *meine* Unterstellung. Und vor dem Hintergrund dieses Unwillens ist jedes Beschwören von "Chancen bieten", "Angebote intensivieren" gegenstandslos. Und wenn man die Chancen mal in einen internationalen Vergleich stellt, dürfte Deutschland *sehr gut* dastehen. Dass dennoch 3/4 der Genannten dann ohne Berufsausbildung sind, beweist doch jedem, das es nicht an "uns" oder an den Angeboten liegt.
Ausbildung sollte eben nicht frei"willig" sein, sondern Pflicht.
Außerdem ist es nötig, um den Alltag gut zu bewältigen. (Es sei denn, man bewegt sich aus seinem Kiez nicht heraus.)
Die Frage ist doch nicht, ob es genug Angebote gibt oder ob 600 Stunden ausreichen.
Die Frage ist: Will ich die Sprache lernen oder nicht.
Und da muss man bei einigen sehr begründete Zweifel haben.
Da würd ich eher auf das Gegenteil schliessen - die Fälle, in denen ihnen mit Fairness begegnet wird, ist die traurige Ausnahme.
Aber zumindest schön zu lesen, dass Ihnen noch keine Diskriminierung widerfahren ist - da sie offensichtlich nicht wissen, wie sie funktioniert und wie sie sich auswirkt.
Es gibt einen Rechtsanspruch und einen individuellen
Ausbildungsplan.Vorher wird in einer Gesamtschule mit Integrationskursen jeder zum Abschluß gebracht.Auch wird das
Lehrlingsgehalt von einem Fonds jedem gewährt und auch nicht
mit dem Einkommen anderer Familienmitgleider verrechnet.Die Ergebnisse sind bei allenProblemen im Detail im Vergleich zu
Deutschland beeindruckend.
Fordern und fördern sagte Herr Schröder. Nur das Fordern ist in Deutschland und besonders Berlin unterentwickelt.
Das mit dem Ghetto meine ich nicht wertend. Ich kann ja menschlich betrachtet nachvollziehen dass man gerne unter seinesgleichen lebt.
Dazu kommt, dass in Dänemark mit 3,8% Arbeitslosigkeit nahezu Vollbeschäftigung herrscht, und das schon seit mehreren Jahren.
Die Dänen bemühen sich um eine Zuwanderung von zusätzlichen Arbeitskräften z.B. aus D (wobei da wohl jetzt eine leichte Trendwende einsetzt).
Aber, schlecht integrierte Ausländer gibt es auch in Dänemark und als "Südländer" ist man auch vor Diskriminierung nicht immer geschützt.
Wäre unsere Wirtschaft so dynamisch und prosperierend wie die dänische, dann würde jede Arbeitskraft gebraucht und es wären auch nicht mehr so viele Menschen (egal ob Türken oder Deutsche) arbeitslos.
Es ist eben nur ganz vordergründig human, Leute aufzunehmen, die absehbar in der hiesigen Sozial- und Wirtschaftswelt nicht einen guten Platz finden!
PR-Humanität.
Siemens ist es doch völlig egal, ob Heinrich, Mustafa oder Andrej die neuen Anlagen entwerfen.
Dem deutschen Staat ist es ebenso egal. Er weiß, dass wir mehr Steuerzahler brauchen.
In der dritten Gen. die deutsche Sprache nicht zu sprechen, ist äußerst bedauerlich.
Bemerkenswert ist auch, dass so viele Menschen, aus allen Ecken der Welt, ÜBERHAUPT kein Problem mit dem, ach so schlimmen, deutschen Bildungssystem haben. Und die können am Anfang auch kein Wort Deutsch!
Hier spielen folgende Gründe eine Rolle:
Eine arbeits- und bildungsablehnende Haltung.
Mangelde Sprachkenntnisse.
Üppige Transferleistungen (ALG II, Kindergeld, usw.).
Illegale Einnahmequellen (Schwarzarbeit, "kleine Geschäfte").
Die Folgen sind dramatisch:
Junge Leute, die sich einfach nehmen, was sie gerade haben wollen.
Massive Belastungen für das Sozialsystem, dadurch immer höhere Lohnnebenkosten
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