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Prenzlauer Gärten

„Nix mit Elite und so“

Erfunden in den USA, Wirklichkeit bereits in Potsdam: "Gated Communities", kleine Straßendörfer für Wohlhabende, die sich vom Rest der Gesellschaft abschotten. Auch in Berlin sind die geschlossenen Luxusquartiere mit Doormen und Eingangsschranken auf dem Vormarsch.
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"Gated Communities" in Berlins Szene-Bezirken? Die kleinen Straßendörfer für Wohlhabende, die sich vom Rest der Gesellschaft abschotten, sorgen für Kritik. - Foto: Mike Wolff
Die Tafel der Klingelknöpfe zeigt, wer hier am Drücker ist. In drei Doppelreihen sind die Bewohner-Namensfächer angeordnet, darüber prangt einsam das Klingelschild des „Doorman“.

Die Prenzlauer Gärten, eine schneeweiß gestrichene „Townhouse“-Siedlung am Volkspark Friedrichshain, ist ein kleines Straßendorf für Wohlhabende mitten in der Stadt. Rund 60 Reihenhäuser und 40 Etagenwohnungen schmiegen sich um die rostrot asphaltierte Straße „Am Schweizer Garten“. Um das Dorf herum ist ein mannshoher Zaun gezogen, am Eingang gibt es ein Rolltor zum Abschließen und ein Pförtnerhäuschen. Die Anlage ist gerade fertig geworden und zieht schon viele neugierige Besucher an, die hier Berlins erste „Gated Community“ vermuten. Außerdem wohnen hier Schauspieler und Popstars.

Die Internet-Enzyklopädie Wikipedia definiert Gated Community als ein „Siedlungszentrum der Ober- oder Mittelschicht, welches durch Sicherheitseinrichtungen und Absperrungen – wie Alarmanlagen, Mauern, Zäune, Kameraüberwachung, privates Sicherheitspersonal – von der übrigen Gesellschaft separiert ist.“ Das Prinzip wurde in den USA erfunden und in alle Länder mit sozialen Spannungen erfolgreich exportiert.

„Die Prenzlauer Gärten funktionieren wie ein stinknormales Berliner Mietshaus“, sagt Projektsprecher Willo Göpel, um mit gelangweilter Ironie hinzuzufügen: „Der Doorman ist weder uniformiert noch bewaffnet.“ Seine Aufgaben seien eher mit denen eines Hausmeisters vergleichbar. Außerdem solle er dafür sorgen, dass in der Wohnstraße nicht „wild geparkt“ werde. Die privat finanzierte Straße ist nämlich öffentlich, ebenso wie der kleine Spielplatz auf halber Höhe. Das „Gate“, das Tor zur Wohnstraße, steht derzeit 24 Stunden lang offen. Geplant ist, es nachts abzuschließen und mit einem Chipkartensystem zu betreiben.

Die Bewohner sind etwas genervt von der medialen Aufmerksamkeit. Eine Frau mit Sonnenbrille und Einkaufstüte schiebt ihren Buggy entschlossen am Reporter vorbei, um dann überraschend kehrtzumachen. „Das ist hier ein Paradies für Familien und billiger als Altbauten am Kollwitzplatz.“ Die Nachbarschaft sei „sehr homogen“. Die meisten wohnen schon länger in Prenzlauer Berg, sind zwischen 30 und 40 Jahre alt, haben kleine Kindern und gut bezahlte Jobs. Medienleute, Anwälte, Künstler und Mitarbeiter des Auswärtigen Amts. Das Tor und der Doorman hätten niemanden zum Kauf bewegt, sagt die Frau mit Sonnenbrille. „Nix mit Elite grenzt sich ab und so.“ Im Prenzlauer Berg mache Abgrenzen gar keinen Sinn – „von wem denn?“

Eine Nachbarin steckt ihre Füße in den Sandkasten und schaut zu ihren Kindern, die am Springbrunnen spielen. Das Tor könnte verschwinden, findet sie, inklusive Doorman, „viel zu teuer“. Aber hier wohnen doch reiche Leute? „Bei mir wird nur die Bank reich.“ Nachher hat sie noch einen Termin mit einem Bausachverständigen. Es gibt viele Mängel in der Wohnanlage und Streit darüber, wer sie beseitigen muss.

PR-Experte Willo Göpel hat vor Jahren schon mal eine hochpreisige Wohnanlage betreut, die Paul-Lincke-Höfe in Kreuzberg. Dort stand das Zugangstor jahrelang offen, auch nachts. Nach mehreren Einbrüchen war es dann plötzlich abgeschlossen, erzählt Göpel. So werde es wohl auch in den Prenzlauer Gärten kommen.

Das Thema Sicherheit wird in einigen der neuen Luxuswohnanlagen in der Innenstadt offen angesprochen. Das Projekt „Marthashof“ an der Schwedter Straße in Prenzlauer Berg firmiert unter „Urban Village“ und wirbt mit den Vokabeln „Sicherheit“ und „Privatsphäre“. Zum Schutz der künftigen Bewohner wird es Bewegungsmelder, eine Videogegensprechanlage und – optional – einen Conciergedienst geben. Der öffentlich zugängliche Dorfanger, rund 3000 Quadratmeter groß, soll abends abgeschlossen werden. Bauherr Ludwig Stoffel empfindet die Vorkehrungen als die übliche Kriminalitätsprävention. Berlin brauche keine Gated Communities. „Abschließen ist der falsche Weg. Marthashof soll keine Yuppie-Enklave werden.“ Die links-alternative Szene sieht dennoch ihren angestammten Kiez rund um die Kastanienallee in Gefahr. Gegen den Marthashof hat sich eine Anwohnerinitiative gebildet.

Die einzige „Gated Community“, die alle oben beschriebenen Anforderungen erfüllt, ist bislang die Villensiedlung „Arkadien“ am Glienicker Horn in Potsdam. Drei Doormen teilen sich den 24-Stunden-Dienst an den Überwachungsmonitoren. Gäste müssen bei ihnen angemeldet werden. Der Zaun ist elektronisch gesichert. Wer hier wohnt, ist so reich, dass es sich nicht mehr verbergen lässt.



(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 17.08.2008)
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Kommentare [ 57 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von jb jb ist gerade offline | 17.8.2008 12:08 Uhr
Klingelhöferdreieck
Gleich neben dem CDU-Sitz in Tiergarten schräg ggü. vom Lützowplatz gibt's seit einigen Jahren eine "gated community" - die könnte die erste in Berlin sein.
Comment
von angel angel ist gerade offline | 17.8.2008 12:25 Uhr
Gefängnis
Mir erscheint so eine "gated community" eher wie ein großes Gefängnis.
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von stoll stoll ist gerade offline | 17.8.2008 13:07 Uhr
voluntary prisoners
Es ist wie von jb bereits erwähnt nicht die erste gated community in der Innenstadt Berlins. Sinnvollerweise liegt die Parteizentrale der CDU bereits in einem solchen Viertel. Dabei hat die Frau mit dem Kinderwagen ja ganz recht mit ihrem Ausspruch im Prenzlauer Berg mache Abgrenzen gar keinen Sinn: es ist überhaupt nicht notwendig, denn der Hauptantrieb zur Einrichtung von Gated Communities ist die Paranoia. Ein Abgrenzungsbedürfnis fiktiver Bedrohung durch Kriminalität und "schlechter" Gesellschaft, die dem Standing nicht entspricht und ihn bedroht.
Im übrigen ist ganz Europa eine riesige gated community.
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von lucio lucio ist gerade offline | 17.8.2008 13:13 Uhr
Sozialneid
Aus der Kritik an den Projekten spricht doch deutlich der Sozialneid. Dreck oder Lärm werden die Bewohner dieser Neubauten doch wohl nicht mehr als alle anderen auch produzieren.
Comment
von dali dali ist gerade online | 17.8.2008 15:26 Uhr
Nein, @lucio, das hat nichts mit Sozialneid zu tun,
wenn derartig Freiräume außerhalb der Stadt aufgebaut werden, kann ich dem sogar positive Aspekte, insbesondere was Kinder anbelangt abgewinnen. Das Argument, der Gegner solcher Projekte, hier würde die soziale "Durchmischung" der spielenden Kinder erhindert, greift nicht. Dahlemer oder Grunewaldkinder haben auch keine sozialen Kontakte zu Kindern aus Z-Süd (außer in Sportvereinen).
Aber derartige Ansiedlungen im urbanen Raum, sind eine Beeinträchtigung der Gesamtheit der städtischen Bürger. Ihnen wir verweigert, einen Teil ihres Lebensraum (und das ist nun mal die ganze Stadt) zu betreten.
Nichts gegen Doormen, nicht mal gegen Videoüberwachung privater Flächen, aber der Zutritt MUSS uneingeschränkt gewährleistet sein, auch wenn man niemanden besuchen will oder dort zu liefern hat.
Sozialneid?
Nee,
nur vehementer Gegner jeder Einschränkung urbaner Lebensweise.
Die Stadt ist ein unteilbares Ganzes!!!
Comment
von unbekannt | 17.8.2008 21:08 Uhr
@dali
"Nichts gegen Doormen, nicht mal gegen Videoüberwachung privater Flächen, aber der Zutritt MUSS uneingeschränkt gewährleistet sein, auch wenn man niemanden besuchen will oder dort zu liefern hat."

Bitte? Der Zugang zu privaten Flächen muss uneingeschränkt gewährleistet sein? Dann lassen Ihre Wohnungstür mal immer schön nur angelehnt!

Wieviele ganz normale Wohnhäuser, gerade die mit mehreren Hinterhöfen, also den "Prenzlauer Gärten" durchaus vergleichbar, sind stadtweit auch nicht frei zugänglich? Bis vor einigen Jahren waren die auch noch mit einer stets präsenten Hauswartsfrau ausgestattet. Die heißt heute nur neumodisch "Door(wo)man".

"My home is my castle" - das gilt für den Kreuzberger Hinterhof genauso wie für "Gated Communities", die im Prinzip dasselbe sind.

Wär ja noch schöner, wenn jeder überall reinlatschen dürfte!
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von schoeneberger schoeneberger ist gerade offline | 17.8.2008 14:08 Uhr
Schreibblockade gelöst
Danke, TSP, für den anschaulichen Artikel. Ein wenig tiefer gehende Recherche über die Prenzlauer Gärten und meine Seminararbeit zum Thema zunehmender "Prekarisierungsängste in der Mittelschicht" hat einen interessanten Aufmacher.
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von fritzyfratz fritzyfratz ist gerade offline | 17.8.2008 15:37 Uhr
Wenn die Türen zufallen ,
und leise Musik aus den Anlagen plätschert, die Düfte und Temperaturen stimmen, visuelle Erscheinungen uns Zukunft zuflüstern,
dann wissen wir - der Feind kann nur noch im Innern lauern...
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von ganymed ganymed ist gerade offline | 17.8.2008 15:41 Uhr
es gibt durchaus
ein reichenviertel in berlin, da sind die klingelnamen nicht vorhanden. da sieht man überhaupt nie jemanden im garten oder auf dem balkon oder gar am fenster...geisterstadt, habe ích manchmal den eindruck.
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von jb jb ist gerade offline | 17.8.2008 16:18 Uhr
@lucio
Oh nein, mit Ihrer Sozialneidanaöyse liegen Sie völlig falsch - eine gated community wäre so ziemlich das letzte für mich, könnte ich sie mir leisten. Nehmen Sie dalis Kritik an, er hat völlig recht.
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von ganymed ganymed ist gerade offline | 17.8.2008 16:38 Uhr
@dali
nicht im sportverein, es sei denn, die anderen spielen tennis oder segeln oder golfen. ich denke, als chef am arbeitsplatz kommen sie mit den randgruppen zusammen und dann wissen sie nicht, wie man mit ihnen umgehen muss.haben kein einfühlungsvermögen, z.b. und das allein ist mein problem.in bestimmten kreisen ist das wort" hauptschüler" ein schimpfwort. mein abiturientensohn, gesamtschule, fragte nach, was ist denn ein hauptschüler? na, einer der billige klamotten anhat...(ach sooo). ansonsten denke ich, wer auf anständige art und weise sein geld verdient und vermehrt, sollte sich auch etwas gönnen dürfen. warum sollte man sonst arbeiten? nur um zu überleben?oder den staat am laufen zu halten? nä!!
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von dali dali ist gerade online | 17.8.2008 17:12 Uhr
nee @gany, da liegst Du falsch
Die Wespen, Hertha Zehlendorf, LSU, aber auch Preußen sind da heftige Gegenbeispiele, da spielen tatsächlcih Fräulein von Zitzewitz mit dem BVG-Beschäftigten Kind Badminton, na und die Bengels der BMW-Chefs bolzen mit dem Hartz IV Empfänger-Bürschchen.
Darum sind mir z.B. die Sportvereine ja so wichtig.
Ach so,
"Edelsportarten":
gerade bei den Wespen LSU und Hertha kann man sehr wohl in anderen Sportarten als Vereinsmitglied "schnuppern" und bei Talent, sehr schnell gefördert und integriert werden...

Gruß
und schönen Sonntag
wünscht Dir
dali
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von sasel sasel ist gerade offline | 17.8.2008 16:59 Uhr
Vielfalt
wird doch in Berlin immer als etwas Positives gesehen. Warum wird dann auf die Bewohner solcher Anlagen eingehackt. Nur weil sie nicht von Transfergeldern leben, oder es nicht so schick finden in einem vermüllten und mit Schmierereien verunstaltetes Umfeld zu wohnen? Wenn ich die Wahl hätte, würde ich auch lieber in solchen Gegenden wohnen, als mich in einer Sozialwohnung von Mietern mit anderen Lebensrhythmen sowie deren unsozialen Verhalten verarscht zu fühlen. Für sämtliche Lebensformen und kulturelle Eigenheiten wird in Berlin Toleranz gefordert, warum nicht auch für diejenigen, die ihre Sonntagsbutter ohne staatliche Hilfen kaufen können. Frei zugänglich urbane Lebensräume werden doch von den meisten Berlinern kaum gewürdigt, wie sonst kommt diese Vermüllung von vielen Straßen, Grünanlagen und Parks denn sonst zustande?
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von dali dali ist gerade online | 17.8.2008 18:24 Uhr
Ach @sasel,
möge er doch nicht gar nicht behaupteten widersprechen, sondern z.B. auf meine Argumente eingehen,
also noch mal:
findet z.B. sasel, dass irgendjemand das Recht hat EINEN URBANEN RAUM, den Zugang durch die urbane Bevölkerung zu entziehen.
es ist also nicht die Frage, ob das prinzipiell gerechtfertigt oder was auch immer ist,
sondern nur,
ob man dem Raum, der seit 3000 Jahren per se allen gehört,
Lebensraum entziehen darf.
Darauf eine "Neiddebatte" aufzubauen, ist alles, nur eines nicht,
gerechtfertigt...
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von unbekannt | 17.8.2008 17:27 Uhr
Wäre ich Bürgermeister dieser Stadt, .....
..... ich täte mich erst schämen, dann täte ich mich ärgern, dann täte ich mich aufregen und dann aber täte ich handeln.
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von dali dali ist gerade online | 17.8.2008 18:26 Uhr
naja @joachim,
wenn wir hier unsere Anwälte fragen, werden die wahrscheinlich auch ganz schön grübeln, wie Wowi das ohne Änderung von Bundesgesetzen regeln könnte,
nicht gleich auf Wowi eindreschen,
kann man hinterher auch noch machen...
Comment
von unbekannt | 17.8.2008 21:28 Uhr
@dali
"Wowi", offenbar ein enger Freund von Ihnen, also Herr Wowereit, kann zum Beispiel ohne Änderung von Bundesgesetzen dafür sorgen, dass die Polizei anständig ausgestattet ist, die Justiz ordentlich funktioniert, die Bezirke genügend Geld für die Instandhaltung der öffentlichen Räume haben. Dann bedarf es auch keiner Gated Communities. Die Leute geben ja aus gutem Grund Geld dafür aus - fällt der Grund weg, lassen sie es wieder!
Comment
von buerger1 buerger1 ist gerade offline | 17.8.2008 23:25 Uhr
das tut doch unser bürgermeister...
und er tut sogar noch mehr. er tut am ende immer noch feiern.
Comment
von ganymed ganymed ist gerade offline | 17.8.2008 19:32 Uhr
die unsportlichen
kieken in die röhre. sportvereine die mal ne ausnahme machen sind nicht die lösung. wenn man als eigenheimbesitzer nen rottweiler braucht und wer weiß was für eine alarmanlage..kommt man schon mal auf ghetto-gedanken. so muss man die sache auch mal sehen.
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von lindblom lindblom ist gerade offline | 17.8.2008 20:06 Uhr
Gemeinsinn anregen
Allein schon das englische gefasel und geschwafel geht mir auf die Nerven...... Wieder so `ne ganz großartige Idee aus den USA, soll in Südafrika auch gut funktionieren......
Comment
von dali dali ist gerade online | 17.8.2008 20:49 Uhr
Na nu kipp nich det Kind mitte'n Bade aus, lindblom,
findest du das nicht auch faszinierend, die Brut einfach raus lassen zu können,ohne sich überhaupt'n Kopp machen zu müssen, noch dazu mit'nem betreuten (Abernteuer-?)Spielplatz?
Oder die Karre und das Haus einfach offen zu lassen.
Das find' ich schon spannend, vor allem entspannend,
aber das muss doch nicht unbedingt mitten in der Großstadt sein...
Comment
von manfred manfred ist gerade online | 17.8.2008 20:48 Uhr
eigentum
hallo, gehts noch?
wenn das grundstück einen eigentümer hat, entscheidet er/sie und nur er/sie, wer da rauf darf und wer nicht!
bei einem einfamilienhaus würde ja schließlich auch niemand auf die idee kommen, ein zutritt zum grundstück zu fordern, am besten noch in die küche ;-)
hier haben sich nun eine vielzahl von menschen gefunden, die in einer community nach bestimmten regelungen zusammen leben wollen.
wer bitte darf ihnen das verbieten?

richtig, NIEMAND!
Comment
von unbekannt | 17.8.2008 21:23 Uhr
@manfred
Danke für diesen Kommentar.

Igeln sich Leute in einer Wagenburg auf fremden Grund ein, ist das klasse, schotten sich Leute auf ihrem eigenen (!) Grund, wohlmöglich in attraktiven Häusern, die eine optische Bereicherung für das verkommene Stadtbild sind, ab, ist das verachtenswert.

Irrsinn, der besonders in Berlin ganz normal ist...
Comment
von krefelderin krefelderin ist gerade offline | 17.8.2008 21:04 Uhr
Ich wohne in der Nähe ...
dieser Gegend, aber nicht in den "Gärten".

1. Die Gegend ist erst durch die Bebauung frei zugänglich geworden. Vorher war sie gesperrt.

2. Die Bewohner (2 kenne ich) arbeiten hart und haben sich hoch verschuldet - sie sind keine Millionäre. Zudem treten diese Berufstätigen über die Hälfte ihres Einkommens dem Staat ab. Berlin braucht diese Menschen, nicht zuletzt, um weiterhin für die Bedürftigen sorgen zu können.

3. Warum bauen neuerdings Familien in der Innenstadt? Ganz einfach: Benzin ist teuer und die Eigenheimzulage gibt es nicht mehr.

Liebe Diskutanten, hören Sie bitte auf, Menschen zu beleidigen, nur weil diese anders leben als die selbst. Zollen Sie anderen den Respekt, den Sie Sich für Sich selbst auch wünschen.

Herzliche Grüße: Ihre Mitleserin
Comment
von buerger1 buerger1 ist gerade offline | 17.8.2008 21:38 Uhr
krefelderin danke
danke für ihre worte.

der rest hier ist einfach nicht auszuhalten.
Comment
von dali dali ist gerade online | 17.8.2008 21:51 Uhr
Ja @krefelderin
junge "Familien", die (einer Immobilie wegen) hoch verschuldet sind, drücken "die Hälfte ihre Einkommens an den Staat" ab,
die sollten mal den Steuerberater wechseln.
auch herrscht hier nicht nur bei krefelderin ein etwas befremdliches Verständnis des urbanen Raumes. Das ist eben keine Klitsche, um die man ein Zaum zieht, das ist Teil einer Sozietät.
wenn die Geschäfteleute und Kneipiers der Gegend Humor hätten, würden sie ein Schild an die Tür machen,
"Betreten für Wohlstandsknastis verboten",
erst dann nämlich würden diese Menschen, die garantiert (das sage ich ohne sie zu kennen) nur zu einem ganz geringen Teil aus Berlinern bestehen dürften, merken, was Urbanität bedeutet...
Comment
von diemoschaller diemoschaller ist gerade offline | 17.8.2008 21:33 Uhr
Problem ist ein anderes
Das Problem ist doch gar nicht, dass ich es den Menschen nicht gönnte so oder auch anders zu leben.

Wie bereits richtig erwähnt wurde, kann man auf seinem eigenen Grundstück fast alles tun und lassen was man möchte.

Trotzdem: Für mich zählt hier einzig die Diskussion um das Spannungsverhältnis von (Privat-)Eigentum einer- und Gesellschaft andererseits.

Bald werden wir Studien und Statistiken der Stadtsoziologie bekommen, die die Folgen evtl. mangelnder Durchmischung durch gated Communities beklagen. Oder eben im Gegenteil keine unmittelbaren Wirkungen bescheinigen.

Nüchtern betrachtet unterscheiden sich Gated-Communities von Eigenheim-Grundstücksbesitzern nur in der Zahl; Theoretisch sind alle Sicherheitseinstellung auch in ersteren umsetzbar.

Bundesgesetze muss man dazu gar nicht ändern, maximal liegt es im Zuständigkeitsbereich des Landesgesetzgebers.

MfG
Diemo Schaller
Comment
von manfred manfred ist gerade online | 17.8.2008 21:48 Uhr
Naja
"Bald werden wir Studien und Statistiken der Stadtsoziologie bekommen, die die Folgen evtl. mangelnder Durchmischung durch gated Communities beklagen. Oder eben im Gegenteil keine unmittelbaren Wirkungen bescheinigen. "

Das interessiert mich wirklich wenig.
Das hat die Stadt/der Staat selbst versaut, indem er Sozialbunker schaffte und auf eine Durchmischung der Stadt mit insbesondere sozial schwachen Deutschen und Ausländern verzichtet hatte.
Diese Diskussion erinnert mich ganz stark an eine um die Schulsituation.
Viele deutsche und ausländische bildungsnahen Eltern ziehen mit ihren Kindern in Bezirke mit geringerem Ausländeranteil in den Schulen.
Wer will es ihnen verdenken?
Comment
von krefelderin krefelderin ist gerade offline | 17.8.2008 21:49 Uhr
ab diemoschaller
Bitte verraten Sie uns, wer welche Gesetze ändern müsste und in welche Richtung. Ich bin äußerst interessiert.

Die Frage sei jedoch gestattet: Wem würde es helfen? Wenn die Neubauten (hier vollkommmen falsch als "Gates Communities" bezeichnet) dort nicht entstünden, hätte darum der Geringverdiener, der Erwerbslose keinen einzigen Euro mehr in der Tasche.

MFG: Krefelderin
Comment
von dali dali ist gerade online | 17.8.2008 22:41 Uhr
@krefelderin rafft das zentrale Problem nicht,
es geht hier NICHT um Kohle und ihre möglichen Darstellungsformen, nicht mal um Doormen IN den Häusern,
es geht um den Umgang mit urbanem Raum.
Die Stadt als solche kennt solche Exklusionen nicht, sie sind ihr wesensfremd.
es hat auch nichts mit dem Begriff Privatbesitz zu tun. Auch eine "Privatstr." ist eine öffentliche, hat nur unterschiedliche Haftungsrisiken.
Hier aber wird der Versuch unternommen, urbane Infrastrukturen zu nutzen im Bewusstsein und der Haltung eines Reihenhausbesitzers der seine Gartenwege vor Fremden schützt.
So bleibe ich denn dabei,
eigentlich könnte nur ein Boykott sämtlicher dort Wohnenden durch sämtliche urbanen Einrichtungen, diesen Menschen klar machen,
gegen welchen Konsens sie verstoßen...
Comment
von unbekannt | 17.8.2008 23:11 Uhr
@dali
"Die Stadt als solche kennt solche Exklusionen nicht, sie sind ihr wesensfremd."

Welche Stadt meinen Sie? Nur Berlin? Oder alle Städte? Seit wann soll dieser Leitsatz gelten? Schon immer? Seit 1968? Seit eben?

Abgeschlossene Räume oder halböffentliche Flächen sind international üblich, seien es die privaten Parks in London oder die nur den Anwohnern zugänglichen "Community Gardens" in New York. Auch sind geschlossene Wohnanlagen weltweit Standard.

Noch weit bis in 20. Jahrhundert waren auch in Berlin nicht oder nur begrenzt öffentlich zugängliche Grünflächen und Wohnanlagen gang und gäbe.

Woher haben Sie ihre Erkenntnisse?
Comment
von unbekannt | 17.8.2008 23:15 Uhr
@dali II
Stellen Sie sich vor: ich wohne in einem Mietshaus und mache nur den Leuten die Tür auf, die ich auch im Haus haben möchte! Unfassbar, oder?

Droht mir jetzt Ihr Boykott?
Comment
von dali dali ist gerade online | 18.8.2008 0:09 Uhr
@ALLE STÄDTE DIESER WELT @jan
der Verbotenen Stadt und dem Kaiserpalast in Tokyo
und was die Community Gardens in London und New York anbelangt, sollte jan wirklich noch mal etwas genauer hinsehen,
die heißen nämlich ausdrücklich nicht "Privat Gardens"...
Comment
von krefelderin krefelderin ist gerade offline | 17.8.2008 22:30 Uhr
Eine Anekdote...
und die hat gar nichts mit Migranten zu tun. Vor Jahren wohnte ich mal mit Ehemann und Kind in einem Pr.Berger Mietshaus. Im Hof gab es eine Buddelkiste. Ein Nachbar ließ seinen Hund dort den Haufen machen, andere warfen Kippen hinein. Ich stellte den Kinderwagen in den Flur, kurz darauf lag Sand drin. Nachbarskinder klingelten an meiner Tür, gingen ohne zu fragen an den Kühlschrank und zogen grußlos ab. Ihre Eltern waren zuhause, aber gekocht hat niemand dort. Dafür stieg abends die Party bis früh um vier. Einmal ließ ich im Gespräch fallen, ich habe Frühdienst. Die Antwort: "Wie, du arbeitest?" Am nächsten Tag kamen die Kinder wieder. "Mama hat gesagt, ihr seid alle Spießer."

Ich möchte nicht arrogant erscheinen, aber ich kann es manchmal verstehen, dass Leute mit Geld sich diesem Wahnsinn entziehen wollen. Hätte ich das Geld, ich würde es auch tun.

MFG
Comment
von krefelderin krefelderin ist gerade offline | 17.8.2008 22:34 Uhr
Steuern und Wohneigentum
Lieber Dali,

es ist wirklich so: eine Familie spart durch solche eine Wohnung keine Steuern. Die Tilgung für selbst genutztes Wohneigentum ist steuerlich nicht absetzbar, im Gegensatz zu der Tilgung für vermietetes Wohneigentum.

MFG
Comment
von krefelderin krefelderin ist gerade offline | 17.8.2008 22:50 Uhr
Boykott
Werter Dali,

wie sollte ein solcher Boykott ihrer Ansicht nach aussehen?
Comment
von buerger1 buerger1 ist gerade offline | 17.8.2008 23:17 Uhr
wenn dali nicht antwortet,
antworte ich mal.

1. der gerade an der vorletzten station zusammen geschlagene busfahrer hält für die gate-community nicht an.

2. der 14 stunden am tag arbeitende eckitaliener weigert sich für die zugegeben spendable gate community zu kochen.

3. die staatliche schule nimmt keine gate-community kinder auf.

etc. etc. etc...
Comment
von dali dali ist gerade online | 17.8.2008 23:24 Uhr
@krefelderin
der Boykott war natürlich nicht ernsthaft gedacht, sollte aner verdeutlichen was das Spiegelbild eines sochen Verahltens wäre:
Diese Bewohner verweigern sich den Konsequenzen von Urbanität, wollen sie aber nutzen. Das ist zueinander unverträglich.
Außerhalb der Stadt oder an ihrem Rand mögen sie diese tun,
nicht aber in der Innenstadt,
Einleuchtend?
Zur Finanzierung,
wenn man das 08/15 finanziert stimmt krefs. Einwand,
wenn man aber ein wenig nachdenkt, und das sollte man, wenn 'ne schlaffe halbe Mio. zu finanzieren ist, sucht man sich besser einen Profi, (nein nicht den von der Bausparkasse, sondern den gerissenen Steuerjunkie) und dann tun sich da doch noch diverse Möglichkeiten auf.
Und @karl
es ist nichts gegen eine Concierge einzuwenden, im Gegenteil, nicht aber vor den Freiflächen und Durchgängen.
Das allein ist hier der Knackpunkt!!!
Comment
von karl_bold karl_bold ist gerade online | 17.8.2008 22:59 Uhr
Concierge
In Frankreich nennt sich der Doorman, der Pförtner, "Concierge". Das gibt es in Köln im Unicenter, einem ca. 60 geschossigem Wohnhochhaus mit Eigentumswohnung und Mietswohnungen des Studentenwerks, dort wurde Heinrich Bölls "Verlorene Ehre der Katarina Blum" gedreht. Andere Wohnhochhäuser in Köln besitzen ebenfalls Pförtner.

Privatvillen in Meerbusch bei Düsseldorf und Ratingen-Hösel haben Nachtsicht-Kameras. Dort wohnt ein Herr Flick.

Weiter gibt es bei diversen Abendveranstaltungen von Verbänden, Banken, Lobbyisten Einladungslisten, sodass auch hier nicht jeder rein kommt.

Lieber Berliner, seid doch bitte nicht so naiv.
Comment
von ganymed ganymed ist gerade offline | 17.8.2008 23:10 Uhr
@manfred und @janberlin
heute gegen 23 uhr ging ich mit meinem hund gassi und dachte, hoffentlich kommt keiner...denn mein hund ist kein rottweiler.ü-bahn fahren trau ich mich auch nicht mehr und schließe mich in mein ghettoauto ein. das dürfen wir ja noch. und ich dachte an ghettos für reiche und für menschen die einfach die nase gestrichen voll haben von der grenzerweiterung und ihren folgen. von der armut und ihren folgen. was dein ist, ist mein. dieses gesetz gilt und wer da nicht mitmacht, bekommt vom staat keine hilfe.wer sich wehrt, endet vorm kadi. man kann nichtmals in ruhe bus fahren, ohne dass man plattgemacht oder bestohlen wird. also, wer ein ghetto will, hat seine gründe. am arbeitsplatz hat man dann wieder alle gruppen um die ohren.und in der schule. aber wohnen möchte man doch in ruhe und schlafen erst recht.

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