Mobilfunk-Blocker sollten ab 2010 Handy-Gespräche in Gefängnissen verhindern. Finanzsenator Ulrich Nußbaum gibt aber die Mittel nicht frei.
Durch spezielle Handystörsender sollte in Berliner Gefängnissen verhindert werden, dass Häftlinge mit eingeschmuggelten Mobiltelefonen Kontakt nach außen aufnehmen – das verkündete die Justizsenatorin Gisela von der Aue vor einigen Monaten. Doch daraus wird so bald nichts. Im Doppelhaushalt 2010/11 ist nur ein Bruchteil des eigentlich nötigen Budgets eingeplant, wurde jetzt bekannt. Die Senatsverwaltung für Justiz hatte 2,5 Millionen Euro für das Projekt berechnet, nun sind nur 600 000 Euro veranschlagt. „Das Projekt ist nicht tot“, versichert aber der Sprecher der Senatsverwaltung, Bernhard Schodrowski. Er bedauert jedoch, dass sich der Einbau der Störsender verzögere. Wie weit sich der Zeitplan verschiebt und wann die ersten Handy-Blocker funktionieren werden, wollte er am Montag nicht sagen.
Im Jahr 2007 waren in allen Berliner Haftanstalten bei Gefangenen zahlreiche Handys gefunden worden, die zuvor in die Anstalten eingeschmuggelt wurden. Besonders in die Schlagzeilen geriet die Jugendstrafanstalt in Charlottenburg, wo von Helfern regelmäßig Handys über die Gefängnismauern geworfen wurden. Im Mai 2008 wurde deshalb ein elektronisch gesicherter Innenzaun errichtet, zuvor waren schon zusätzliche Gitter an den Fenstern montiert worden. Nach dem kürzlich verabschiedeten Gesetz sind die Sender für alle Berliner Gefängnisse vorgesehen, die Jugendstrafanstalt wäre der erste Standort für die Störsender gewesen.
„Dank der Politik des rot-roten Senats wird es auch zukünftig möglich sein, per Handy aus den Haftanstalten Straftaten vorzubereiten und zu begehen“, kritisierte die rechtspolitische Sprecherin der CDU, Cornelia Seibeld, am Montag. Justizsenatorin Gisela von der Aue habe außerdem das Parlament ausgetrickst. Noch am Donnerstag vergangener Woche habe sie per Eilantrag über den Gesetzentwurf abstimmen lassen, der die Handy-Blocker erst ermöglicht, obwohl ihr schon bekannt gewesen sei, dass dafür keine Mittel im Haushalt vorgesehen sind. Zudem bezeichnete Seibeld den von der Senatsverwaltung genannten Betrag von 2,5 Millionen Euro als „völlig aus der Luft gegriffen“. Sachverständige hätten diesen Betrag weder bestätigen noch nachvollziehen können, so Seibeld.
„Die Kostenschätzungen sind realistisch“, sagt dagegen Justiz-Sprecher Schodrowski: „Mit den bewilligten 600 000 Euro können wir die Planung weiterführen.“ Auch ein Testbetrieb in der Jugendstrafanstalt sei mit dieser Summe finanzierbar. Dieser Testbetrieb sei auch deswegen notwendig, weil noch einige technische Fragen geklärt werden müssten. So müsse sichergestellt werden, dass von den Sendern keine Gesundheitsrisiken für Insassen und Angestellte der Haftanstalten ausgehen. Zum anderen sollen die Blocker nur innerhalb der Haftanstalten den Handyempfang stören und nicht im Umfeld. Dies alles werde in der nun weiterlaufenden Planung berücksichtigt, so der Sprecher.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 30.06.2009)
Kommentare [ 25 ] Kommentar hinzufügen »
Noch nicht gemerkt!? Wir sind in Berlin - der Hauptstadt der Unfähigen. Von A wie Aue bis W wie Wowereit.
Hier wird erstmal eine teure Studie durchgeführt, ob die Srahlungen gefährlich sind, ein Zweitgutachten eingeholt und ein Arbeitskreis gebildet. In der Zwischenzeit wird fleißig aus dem Knast weiter telefoniert. So funktioniert Berlin!
Mich würde mal interessieren, wie dies andere Bundesländer machen, speziell die idR. weniger verschlafenen Länder im Süden und Westen. Haben die schon (längst) soetwas? Kann man von dort nicht Technik & Erfahrungen übernehmen?
Weil wir in einem Rechtsstaat leben und eine Verfassung haben, die auch die Grundrechte von Straftätern schützt. GLÜCKLICHERWEISE!
mog
Vielleicht helfen Handytelefonate und Rauschgift sogar bei der Resozialisierung? (Ironie aus!)
Aber das Telefonieren mit Handys und der Handel und Konsum von Rauschgift gehören ja wohl nicht zu den Grundrechten. Und deshalb muß da etwas mit absoluter Kontrolle der Insassen und meinetwegen auch der Bediensteten geschehen.
1.) Sie stellen die Grundrechte in unserm Lande in Frage.
2.) Sie attakieren @mogberlin aus dieser Motivation heraus.
Sie für bestimmte Personengruppen (wie z.B. Kriminelle) nicht gelten zu lassen, wäre der erste Schritt, sie ad Absurdum zu führen.
Der zweite Schritt wäre dann die Definition, wer "Krimineller" ist ...
Merken Sie was??
Der Grund will sich mir nicht ganz erschließen. Wenn es sich um den Kopf einer Bande handelt und die Gefahr besteht, dass er da was weiter koordiniert wäre es ja in Ordnung, aber generell den Leuten die Kommunikation zu versagen?
... soll eigentlich ein Häftling mit einem privat bezahltem Mobiltelefon nicht telefonieren dürfen?"
Kann ich auch gar nicht verstehen, genau so wenig, warum sie nicht mit ihren privaten PKWs da drin rumfahren dürfen. Ich habe sogar gehört, die wären da eingesperrt und könnten nicht einfach auf ihren privaten Schuhen wieder gehen.
Das geht doch jetzt gar nicht, oder?
Unerklärlich das alles ....
(Achtung, Ironie)
Handys sind auch allgemein verboten oder wie will man einen halbwegs geregelten Tagesablauf beispw. in der JVA Tegel gewährleisten, wenn rd. 1000 Häftlinge ellenlang rund um die Uhr telefonieren? Lassen wir mal solch Kleinigkeiten, wie Raub etc. außen vor.
Da eine JVA nicht hermetisch abgeriegelt werden kann und z.B. Anwälte keinerlei Durchsuchungsmaßnahmen unterliegen, weil man nicht täglich sämtliche Zellen und alle möglichen Aufbewahrungsverstecke überprüfen kann, sind Handyblocker sinnvoll, wenn man den Kontakt nach außen unterbinden will.
Da ruft dann zum Beispiel der Rockerboss bei seinen Untergebenen an und gibt die Einschüchterung von potentiellen Zeugen in Auftrag oder ein Drogenhändler führt seine Geschäfte weiter fort. Der Rechtsbruch wird dadurch fortlaufend fortgesetzt.
Und dann soll das Geld nicht vorhanden sein, hier auf viele Jahre hinweg eine dauerhafte Sperre vornehmen zu können? In den USA schaffen es schon kleine Theater oder Konzertsäale, hier eine technische Sperre gegen unbewußt nicht ausgeschaltete Handys einzurichten. In Berlin ist genug Geld vorhanden, um für ein Wochenende eine ehemalige Flughafenwiese gegen ungebetene Besucher zu sperren. Aber die Bürger vor möglichen weiteren Straftaten eines schon wegen bisher begangener oder wahrscheinlich begangener Straftaten inhaftierten Täters zu schützen - da scheint der politische Wille zu fehlen.
Berlin ist die Hauptstadt der Intensivtäter. Bei den Möglichkeiten leider nicht erstaunlich.