[Kommentare: 6]

Rechtsextremismus

NPD-Treffen in Wilmersdorfer Ratskeller

Die BVV diskutierte über eine Kündigung durch den Wirt.
Anzeige
Bild vergrößern
Der Ratskeller unter dem Standesamt im Rathaus Schmargendorf ist beliebt für Hochzeitsfeiern. Doch auch Rechtsextreme haben sich dort regelmäßig zu „Dienstagsgesprächen“ versammelt, darunter am 1. September die Parteivorsitzenden der NPD und DVU. „Ich wusste nicht, um wen es sich handelt“, sagte Gastwirt Thomas Rau jetzt dem Tagesspiegel. Nach Hinweisen von Bürgern habe er sich aber im September umgehört und den Veranstalter ausgeladen.

Am Donnerstagabend diskutierte darüber die BVV Charlottenburg-Wilmersdorf, schließlich gehören die Räume dem Bezirk. Die Grünen-Fraktion war von der Mobilen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR) informiert worden. Laut Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) untersagt der Mietvertrag, „staatsfeindliche Personen oder Gruppen oder Gegner der Demokratie“ zu bewirten. Die BVV verlangt nun, Pachtverträge zu ergänzen: Alle Veranstaltungen, bei denen es „zu Volksverhetzung kommen kann“, dürften nicht geduldet werden. Gemeinsam mit der MBR soll das Bezirksamt einen „lokalen Aktionsplan“ gegen Rechtsextremismus erstellen.

Die „Dienstagsgespräche“ gibt es seit 1991. Nach Auskunft des Berliner Verfassungsschutzes treffen sich je 50 bis 100 „diskursorientierte Rechtsextremisten“. Der private Veranstalter sei zunehmend in die rechte Szene „abgedriftet“. Anfangs kamen auch CDU- und SPD-Politiker zu den Veranstaltungen, die oft in Luxushotels stattfanden. 1994 geriet der damalige Sprecher der Innenverwaltung als regelmäßiger Teilnehmer in die Kritik.

Ratskellerwirt Rau sagt, der Organisator habe die Räume seit Jahresbeginn einmal im Monat gebucht. Berichte auf rechtsextremen Webseiten deuten aber darauf hin, dass es dort schon seit 2002 einige Termine gab. Nach dem Gespräch der Parteichefs am 1. September berichtete ein Radioreporter, der Eingang sei von NPD-Ordnern und der Neonazigruppe „Frontbann 24“ bewacht worden. Letztere hat Innensenator Ehrhart Körting (SPD) gerade verboten. CD

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 21.11.2009)
Sie interessieren sich für dieses Thema und wollen keinen Artikel im Tagesspiegel dazu verpassen? » Informieren | » Login

Aus anderen Ressorts

Interview:

Stuckrad-Barre: "Ich zahle gerne Steuern"
Mit seinem Buch "Soloalbum" wurde er einst zu einem der wichtigsten Protagonisten der sogenannten Popliteratur. Benjamin von Stuckrad-Barre spricht mit dem Tagesspiegel über Westerwelles Hautproblem, Popliteratur und seine Kindheit als Pastorensohn.

Vampir-Western:

Amerikanische Blutsauger

Deutsch-griechische Beziehungen:

Gemeinsam feiern, getrennt bezahlen

Champions League:

Mourinho heizt die Stimmung an
Inter-Trainer José Mourinho trifft auf seinen alten Klub Chelsea und könnte dem den Champions-League-Traum verderben.

Claudia Pechstein:

Heraus aus der Zelle

Dritter Wettkampftag:

Deutscher Tag in Whistler

Kommentare [ 6 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von wendelin wendelin ist gerade offline | 21.11.2009 13:25 Uhr
Etwas mehr Gelassenheit wäre wohl angebracht!
Hat diese Stadt denn keine anderen Probleme, als bierseelige Diskussionsabende in modrigen Ratskellern?!

Laßt sie doch diskutieren bis sie schwarz (oder meinetwegen auch braun) werden. Solange von ihrer Veranstaltung keine Gewalttätigkeiten ausgehen steht ihnen dieses Recht zu, wie allen anderen Bürgerinnen und Bürgern auch!

Bitte etwas mehr Gelassenheit im Umgang mit einer Partei, die nicht einmal jeder hundertste Wahlberechtigte wählen mochte!

Die derzeit wieder mal grassierende Anti-Rechts-Hysterie wertet die NPD in einem Maße auf, das angesichts der erbärmlichen programmatischen und personellen Realität dieser Partei nur noch grotesk und lächerlich wirkt.
Comment
von lizzi lizzi ist gerade offline | 21.11.2009 22:21 Uhr
Wendelin, zu Ihrer Äußerung
"Solange von ihrer Veranstaltung keine Gewalttätigkeiten ausgehen..."
kann ich nur sagen: "Wer weiß denn, was die dort ausbraten?" Da können durchaus Gewalttaten geplant werden, schon mal daran gedacht? Das hat absolut nichts mit Hysterie zu tun sondern mit Vorsicht und Weiterdenken!!!!!
Comment
von kaleu kaleu ist gerade online | 22.11.2009 12:47 Uhr
Richtig lizzi, da haben Sie recht.
Die könnten sich z.B. auch in jedem Park oder sonstwo treffen und Ausbraten. Der Effekt wär dann der gleiche.
Fazit:
Braunen Hanseln, treffs der Gastronomie zu verbieten wäre tatsächlich kontraproduktiv, folglich und gleichzeitig auch hysterisch. Besser noch, es stärkt deren Glauben an Verfolgungswahn durch legitimierte Demokraten.
Sollten Kneipen ect., künftig etwa Gesinnungskontrollen wegen des Verdachts auf Rechts oder Linksextremes Gedankengut, beim Einlass durchführen? Wohin sollte das wohl führen?
Vorsicht und Weiterdenken braucht schon andere Dimensionen.

Comment
von stefan.d. stefan.d. ist gerade online | 22.11.2009 16:59 Uhr
@Lizzi
Wie soll ich dann als Gastronom, Ihrer Meinung nach, mit Linksautonomen/Antifanten umgehen? Darf ich die auch nicht bewirten? Da hecken ja nun permanent Straftaten aus. Gleiches Recht für alle Faschisten. Wenn schon, denn schon....
Comment
von lizzi lizzi ist gerade offline | 22.11.2009 21:53 Uhr
Vollkommen richtig, stefan.d.,
ich mag weder die "Braunen" noch die anderen "Chaoten". Man sollte sie in keiner Weise unterstützen wenn möglich. Lässt sich wahrscheinlich nicht immer vermeiden, sehe ich ein.
Ich meine aber: gleiches NEIN für alle Chaoten!!!!!
Comment
von lupo lupo ist gerade offline | 22.11.2009 12:37 Uhr
Solange diese Parteien nicht verboten sind,
haben sie dei selben Rechte und Pflichten wie alle anderen Parteien auch.

Da stimme ich @wendelin zu, übertriebene Hysterie schadet mehr als sie nutzt.

(Das gleiche Schema hatten wie schon mal bei den Scientologen, war ein blendender Marketing-Erfolg)

Kommentar hinzufügen Neue Community-Funktionen Richtlinien


Sie können noch Zeichen schreiben.
Kommentare werden nicht sofort angezeigt. Beachten Sie hierzu unsere Richtlinien.

Um diesen Beitrag absenden zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Benutzername  
Passwort  
     
Sie haben noch keinen eigenen Account? Dann bitte
Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername:
gewünschtes Passwort:
Wiederholung Passwort:
Email:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wie viel ist 4 + 1 = 


Anzeige
Weitere Themen

Mit dem Ghetto-Radar sicher durch Berlin Lesezeichen hinzufügen

Von Henning Onken
Wer in London sein Smartphone dabei hat, kann Schlägern und Dieben ausweichen. mehr...

Vor der Einschulung geht’s zur Therapie Lesezeichen hinzufügen

Von Hannes Heine und Christoph Stollowsky
Experten beklagen mangelnde geistige und körperliche Fähigkeiten bei Kindern. mehr...

Prozess um Überfall auf Iraner in der U-Bahn Lesezeichen hinzufügen

Zwei Iraner sind im vergangenen Herbst offenbar ausländerfeindlich beschimpft ... mehr...

Bushido in Neukölln bedroht Lesezeichen hinzufügen

Der Berliner Rapper Bushido ist am Montagabend am Hermannplatz in Neukölln von ... mehr...

Mehrere Schwerverletzte bei Verkehrsunfällen Lesezeichen hinzufügen

Zu Verkehrsunfällen mit Schwerverletzten ist es am Montagabend in mehreren ... mehr...
Fotostrecken

Friedrichstraße im Wandel (8 Bilder)

Wechseljahre im Abgeordnetenhaus (7 Bilder)

ITB 2010 (9 Bilder)

Unterwegs im Schillerkiez (10 Bilder)

Großbaustelle BBI (38 Bilder)

Überfall auf Pokerturnier (16 Bilder)
Neues Klinikportal
Immer das passende Berliner Krankenhaus für eine stationäre Behandlung oder einer Krankheit finden.
---
Unser neuer Service zeigt die Aussichten in allen Bezirken
Anzeige
---
Alexanderplatz, Hertha, Mediaspree: Leserdebatten auf Tagesspiegel.de. Diskutieren Sie mit!
Anzeige