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Altes Schering-Gelände könnte Park werden

Profi-Architekten und Studenten entwerfen Pläne für das Gelände von Bayer Schering Pharma. Die Tendenz: Es wird immer grüner.
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Visionen. Architektin Regine Leibinger erklärt ihren Entwurf. Foto: promo
Berlin -  Grün ist nicht gerade die Farbe, die man als erstes mit dem Betriebsgelände eines großen Pharmaunternehmens in Verbindung bringt. Doch die 180 000 Quadratmeter, die Bayer Schering Pharma an der Müllerstraße in Wedding nutzt, könnten im Laufe der nächsten Jahre und Jahrzehnte immer mehr den Charakter eines Parks annehmen. So sehen nämlich die städtebaulichen Visionen aus, die acht Architekturbüros und die Studenten von sechs Hochschulen für das Unternehmen entwickelt haben. Vorgabe war, eine schrittweise umzusetzende Perspektive für das Gebiet zu entwerfen – und zwar langfristig, bis 2040.

Das Gelände des Unternehmens Schering, das bis zur Fusion mit Bayer 2006 Berlins einziges Dax-notiertes Unternehmen war, ist architektonisch sehr interessant, da wild durchmischt. Hier ist die Berliner Industriegeschichte der letzten 150 Jahren ablesbar. Das älteste noch erhaltene Gebäude stammt aus den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts, als Ernst Christian Friedrich Schering die Konzession erhielt, an der Ringbahn eine chemische Fabrik zu errichten. Heute besteht das Grundstück aus drei Tortenstücken, die von den stark genutzten Verkehrsadern Sellerstraße und Fennstraße zerschnitten werden. Da der Bereich „Chemische Entwicklung“ nach der Fusion nach Wuppertal verlegt wurde, sind Flächen frei geworden. Außerdem verändert die gesamte Gegend mit dem Neubau der BND-Zentrale an der Chausseestraße und der geplanten Bebauung der Heidestraße ihr Gesicht. „Das verlangte nach einer neuen, langfristigen Planung auch für unser Gelände“, sagt Alfons Hiergeist, der seit 26 Jahren Chefarchitekt von Schering ist und nächstes Jahr in den Ruhestand geht.

Jetzt führt er durch die Modelle, die der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind, die aber rund 500 Mitarbeiter von Bayer Schering Pharma seit Anfang Juli besichtigt haben. Zumindest die studentischen Entwürfe sollen im Oktober in Buchform erhältlich sein, herausgegeben vom BDI-Kulturkreis als Auftraggeber des studentischen Wettbewerbs.

Das Büro Barkow Leibinger aus Berlin, dessen Entwurf als besonders gelungen gilt, will das Gebiet in Landschaftsfelder aufteilen, die aus Rasen, Wiese, Stauden oder Baumhainen bestehen können. Die Durchgrünung ist zentraler Bestandteil der meisten Entwürfe. Das Problem Fennstraße soll mit „Landschaftsbrücken“ oder mit deren Umwandlung in einen Boulevard gelöst werden. Natürlich wollen alle Architekten auch mehr aus der Wasserlage machen – am westlichen Ende berührt das Gelände den Nordhafen. Dort sind Terrassen oder ein Park sowie in vielen Entwürfen ein Hochhaus als neuer Sitz des Vorstandes vorgesehen. „Wichtig waren uns soziale und energetische Nachhaltigkeit“, sagt Alfons Hiergeist. Nachhaltigkeit im architektonischen Sinne beweisen vor allem zwei Büros: Diener + Diener aus Basel und Albert Speer aus Frankfurt/Main wollen das 1974/76 errichtete Hauptgebäude an der Müllerstraße erhalten, die anderen stellen es zur Disposition. Ob es tatsächlich zum Abriss kommt, ist aber noch völlig unklar. Anfang 2010 will das Unternehmen die ersten Planungen tatsächlich umsetzen.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 15.07.2009)
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