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Kinderbetreuung

Berliner Kitas sind marode

Die Kita-Betriebe in Berlin brauchen 120 Millionen Euro für notwendige Sanierungen. An den Schulen fehlen bereits 900 Millionen.
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Beim Lernen wohlfühlen. Ein angenehmes Ambiente - wie hier in der Weddinger Ghanastraße - ist in Berliner Kitas nicht immer selbstveständlich. - Foto: Kleist-Heinrich
In immer mehr Berliner Bildungseinrichtungen bröckelt es gewaltig. Wie jetzt bekannt wurde, wird der Sanierungsbedarf auch bei den Kindertagesstätten immer größer – für dringend notwendige Instandsetzungsarbeiten machen die fünf Kita-Eigenbetriebe einen Gesamtbedarf von rund 120 Millionen Euro geltend. Die Grünen fordern deshalb vom Senat ein Kita-Sonderprogramm. Bei den Berliner Schulen ist der Sanierungsstau, wie berichtet, bereits auf rund 900 Millionen Euro angewachsen.

Die Kita-Eigenbetriebe gehen allein bei der allgemeinen Sanierung von rund 60 Millionen Euro aus, heißt es in einem Bericht der Senatsverwaltung für Bildung an den Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses. Dazu kommen weitere 60 Millionen für Energiemaßnahmen. Allein der Berliner Kita-Betrieb Nordost sieht dem Bericht zufolge einen aktuellen Sanierungsbedarf von 25 Millionen Euro. Nordost ist der größte städtische Kita-Betreiber mit 81 Tagesstätten und 8774 Plätzen in den Bezirken Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Pankow.

Der haushaltspolitische Sprecher der Grünen, Oliver Schruoffeneger, verweist darauf, dass den Kitabetrieben bei ihrer Gründung „ein völlig maroder Gebäudebestand“ übergeben wurde. 2005 waren die städtischen Berliner Kindertagesstätten, für die bis dahin die jeweiligen Bezirksämter verantwortlich waren, von den fünf neuen, bezirksübergreifenden Eigenbetrieben übernommen worden. Insider bestätigen, dass die Bezirke in den Jahren davor aufgrund der eigenen Finanzengpässe nicht mehr viel für die Tagesstätten getan hätten.

Auch bei den Energiemaßnahmen dürfe sich der Senat nicht aus der Verantwortung mogeln, sagt Schruoffeneger. „Man kann nicht einerseits den Klimaschutz zur Chefsache machen und dann sagen, man hat nichts damit zu tun.“ Der Haushaltspolitiker verweist auf ungenutzte Investitionsmittel in zweistelliger Millionenhöhe.

„Jede Initiative, die den Kindertagesstätten insbesondere bei der Senkung des Energiebedarfs hilft, ist eine Hilfe für die Kinder“, sagt der kaufmännische Leiter des Kitabetriebes Nordwest, Detlev Nagi. Handlungsbedarf bestehe insbesondere bei Fenstern, Dächern und Sanitäreinrichtungen. Nagi verweist darauf, dass bei der Verlagerung der Horte den aufnehmenden Schulen Umbaumittel bewilligt wurden. Die zuvor für Kinder bis zum Alter von 14 Jahren ausgelegten Kindertagesstätten müssten dagegen die notwendigen Umbauten für die nunmehr durchweg jüngeren Nutzer aus eigenen Finanzen bewerkstelligen.

Der Anteil sanierungsbedürftiger Gebäude bei der Abgabe der Tagesstätten an freie und städtische Träger sei ausgeglichen gewesen, sagt Anne Rühle von der Senatsverwaltung. Sie verweist darauf, dass alle Kitas jährlich knapp 400 Euro pro Kind für die Sanierung erhalten. Ferner bekomme Berlin bis 2013 insgesamt 87 Millionen Euro aus dem U-3-Förderprogramm des Bundes für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren. Da in Berlin bereits eine hohe Versorgungsdichte existiert, könnten diese Mittel für die Qualifizierung der Räume genutzt werden, sagt die Sprecherin.

Nach Ansicht der Betreiber deckt die Pauschale nur die laufenden Instandsetzungen. Und die U-3-Mittel verhindern nach Angaben von Detlev Nagi zwar ein weiteres Steigen des Sanierungsbedarfs, reichen aber nicht zum Abbau der Altlasten. Rainer W. During

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 18.11.2008)
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Kommentare [ 8 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von uwolff uwolff ist gerade offline | 17.11.2008 22:26 Uhr
Aber Stadtschloss, he?
Sanierungsstau von 900 Millionen an den Berliner Schulen. Klasse! Aber ein dusseliges Stadtschloss für 500 Millionen, das muss Berlin unbedingt haben.....
Comment
von initiative initiative ist gerade offline | 18.11.2008 8:08 Uhr
Steuergelder sind ohne Ende da.
Wenn es "politisch" gewollt ist, geht alles, nur kein privates Schloss.
www.schloss-pur.de
Comment
von berlinfan_ berlinfan_ ist gerade offline | 18.11.2008 7:32 Uhr
Der Senat hat für Kinder halt nix übrig
Wer sich in unserer Stadt umschaut stellt schnell fest, Berlin ist keine kinderfreundliche Stadt. Marode, Schulen, marode Kindertagesstätten, kaum Spielplätze und die wenigen in einem teils katastrophalem Zustand, kein einziges Spass- und Erlebnisbad in einer 3,5 Millionenstadt(das Blubb wurde ja zu einem Wellnesszentrum umgebaut), wären nur einige dieser Unzulänglichkeiten, deren Liste sicher noch endlos erweitert werden könnte. Kinder sind unter "Rot,Rot" unbeliebter denn je.
Gute Familienpolitik sieht nach meinem Empfinden jedenfalls anders aus. Aktuell werden in der Berliner Politik Kinder doch als eher lästig angesehen. Einschulung so schnell wie möglich, damit Kita's freie Plätze zur Verfügung haben, den Kindern wird hier ja nur ein Jahr Kindsein geraubt. Keine Lernmittelfreiheit mehr in den Schulen, Kosten für Lernmittel steigen von Jahr zu Jahr an, Hortkosten sind für die Mittelschicht kaum zu bezahlen. Erstaunlich, dass überhaupt noch Kinder geboren werden in einer Stadt, wo nur noch in die eigene Tasche gewirtschaftet wird und für Kinder kein Raum bleibt. Ein Armutszeugnis für über 2000 Tage rot roter Politik eines Regierenden Bürgermeisters, der von dem, was Kinder brauchen, offensichtlich keine Ahnung hat. Wie soll er auch, "er findet es ja gut so".
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von zardoz zardoz ist gerade offline | 18.11.2008 8:49 Uhr
Schloss ?
Kinderunfreundlichkeit ? Häh ? Das hat mit dem Artikel wenig zu tun. Es ist nur eine Frage des Geldes. Auch Unis, Straßen, usw. sind marode. Jahrelang wurde uns ja vorgegaukelt, daß das Geld einfach nicht da sei. Daß nun ein Milliardenpaket nach dem anderen aus dem Hut gezaubert wird, zeigt nur, wie wir an der Nase herumgeführt wurden.
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von ganymed ganymed ist gerade offline | 18.11.2008 10:59 Uhr
ich sehe da
eine senatskita vor mir, schöneberg, 1982. mein sohn war 6 wochen drin und dann sind wir mit fliegenden fahnen wieder raus. er ist ohne kindergarten groß geworden, bzw verwahranstalt in die man ab 9 und mo-do kommen durfte, eltern bei den kleinen bis 3 j. mit dabei, versteht sich, und bitte nicht länger als bis 12 uhr.die älteren bis 15 uhr.freitags war schon wochenende. vergammelte räume, kaputtes spielzeug und personal das laut sagte, ich hab keinen bock auf den job. war ja damals grundrecht.mit anderen worten, das problem ist mal wieder nicht neu, wird nur jetzt erst offiziell entdeckt.
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von klaus_weiss klaus_weiss ist gerade offline | 18.11.2008 11:19 Uhr
@zardoz
Ich glaube, da kann ich Sie beruhigen. Sollten die 480.000.000.000 Euro für die Bürgschaften nach und nach fällig werden, werden wir alle merken, daß das Geld wirklich nicht da ist. Es ist nämlich nur eine vertrauensbildende Maßnahme. Nein, hier hilft nur ein Blick darauf, wem in den letzten drei, vier Jahrzehnten das Geld per Steuersenkung in den Rachen geworfen oder zwei Etagen tiefer hineingeblasen wurde.
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von redperry redperry ist gerade offline | 18.11.2008 11:20 Uhr
Heute kulminiert ja ...
die Bildungsproblematik. Die Frage ist doch: Warum passiert nichts? Warum gibt es nicht eine Großdemonstration der betroffenen Eltern? Weil die Berliner sich arm, aber sexy fühlen? Oder weil der Kampfverband Kleinfamilie nur für sein eigenes Glück kämpft? Per falscher Meldungsadresse die gute Schule für den eigenen Nachwuchs erschwindelt? Weil es vielleicht gar nicht um "Bildung" geht, sondern um Bockscheine mit Karrierepotential (Mein Kind auf der richtigen Kita, der richtigen Grundschule etc...) Oder gar weil die armensexy Berlin im letzten Sommer als Schwarzrotgoldene Fähnchenschwenker ihr Engagementpotential restlos ferfeuert haben? Erkläre, dass doch bitte einmal einer? Warum passiert überhaupt gar nichts? Außer Maulheldentum.
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von roseanna roseanna ist gerade offline | 18.11.2008 14:43 Uhr
Nun ja...
...es gibt z.B. ein Volksbegehren, dass im ersten Durchgang übewr 66.000 Unterschriften (statt der benötigten 20.000) bekommen hat, aber der Senat hat wider besseres Wissen dies für ungültig erklären lassen. Der LEAK (Landeselternausschusss Berliner Kindergärten) klagt nun vor dem Berliner Verwaltungsgericht und wird aus diversen Gründen recht bekommen. Die Taktik des Senats hierbei ist klar: verschleppen, verschleppen und mit dem Bürgermeister auf öffentlichen Veranstaltungen schön aussehen.
Es tun einige was, nur auf Demos mag keiner mehr gehen, denn das interessiert den Senat doch einen Dreck.

Also: wenn das Verwaltungsgericht dem Volksbegehren stattgegeben hat und Sie in der Stadt eine/n ElternvertreterIn mit Volksbegehren-Anträgen zur Unterschrift treffen, machen Sie mit! Das ist dann einer von den Maulhelden, dem Sie ihre Unterstützung geben können in seinem Engagementpotential :-)
Mfg roseanna

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