Die Kritik an der Gesundheitsverwaltung wird schärfer. Die Auslieferung des Impfstoffs stockt weiterhin. Die Ärzte warten Wochen auf Zusagen.
Die Impfung der Berliner gegen die Schweinegrippe kommt nicht in Gang. Erst Ende der Woche sollen alle Praxen, die Verträge mit dem Senat abgeschlossen haben, erste Impfstoff-Lieferungen bekommen. Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) erklärte, Berlin bekomme weniger Impfstoff als angekündigt. Und um die Probleme mit der Auslieferung an impfende Ärzte zu beheben, werde die St.-Hubertus-Apotheke, die als einzige aus Dresden angeliefert wird, mehr Autos einsetzen. So sollen Ende der Woche endlich 400 Ärzte die Berliner impfen können.
Allerdings liegt auch bei der Abstimmung zwischen dem Senat und den Medizinern noch vieles im Argen: Impfwillige Ärzte werden abgewiesen oder bekommen auch Wochen nach der Abgabe des unterzeichneten Vertrags keine Nachricht von der Behörde. Die allgemeine Verunsicherung überträgt sich wie ein Virus auf die Impfwilligen Berliner – zumal diese gestern in vielen Bezirken von Ärzten abgewiesen wurden. Die Sprecherin der Gesundheitsverwaltung Marie-Luise Dittmar sagte: „Wir haben alle verfügbare Kräfte eingesetzt, aber jeder Vertrag muss einzeln geprüft werden.“
Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD Stefanie Winde sagte: „Senatorin Lompscher und ihr Staatssekretär waren frühzeitig mit der Schweinegrippe beschäftigt, aber sie haben keine Lösung gefunden oder das falsche Personal.“ Winde sprach von Versäumnissen in der Organisation und der Kommunikation. So hätte eine zentrale Berlin-weite Hotline eingerichtet werden müssen. Wenig Verständnis habe sie auch dafür, dass die Bearbeitung der Verträge von impfwilligen Ärzten so lange braucht. Das Hauptproblem sei jedoch, „dass wir nicht genügend Impfstoff haben“. Außerdem hätten Ärztekammer und Verbände die Umsetzung der Impfung erschwert.
Auch der gesundheitspolitische Sprecher der Links-Fraktion Wolfgang Albers kritisierte die Abstimmungsprobleme zwischen Senat und Ärzten. In einem Fall sei ein impfwilliger Arzt sogar abgewiesen worden. Von einer mangelhaften Krisenmanagement will Albers trotzdem nichts wissen: „Es gibt keine Krise und trotz des Boykotts der Kassenärztliche Vereinigung haben wir 400 Arztpraxen für die Impfungen gewonnen“, so der frühere Chirurg. Das sei ein gute Leistung.
Dagegen üben die Kinder- und Jugendärzte heftige Kritik an der Abwicklung der Impfungen. Beim Berufsverband ist von einer „planlosen Impfaktion“ die Rede. Auch die Berliner Frauenärzte sprachen von einem „wilden Durcheinander“ bei der Organisation und Information rund um die Impfung. Auch die Berliner Verbraucherzentrale hatte die mangelhafte Organisation durch Senat und Kassenärztliche Vereinigung kritisiert und die Vorbereitung der Impfung „eine Schweinerei“ genannt.
Einen ungeheuren Andrang in seiner Praxis in Tegel hatte Internist Klaus Neye, der zu einem der ersten Ärzte gehörte, die impfen konnten. Die erste Charge von 100 Impfdosen hatte er bereits am Montagvormittag gespritzt. Jetzt steht er vor Nachschubproblemen. Noch am frühen Morgen sandte er ein Fax los, um weitere 500 Dosen zu bestellen. Bis gestern Mittag gelang es ihm nicht, einen persönlichen Kontakt mit der St.-Hubertus-Apotheke herzustellen. Dabei hatte er 60 Patienten für den Nachmittag bestellt und weitere 100 für den heutigen Mittwoch.
Wie kam Hertha BSC so schnell an den Impfstoff?
Im Gegensatz zu vielen Berlinerinnen und Berlinern hatte die Bundesliga-Mannschaft von Hertha BSC keine Probleme, an den Impfstoff zu gelangen. Nach Aussage von Herthas Mannschaftsarzt Ulrich Schleicher, war die schnelle Impfung der Fußball-Mannschaft möglich, da er sich bereits vor einigen Wochen dafür eingesetzt hatte, dass ausreichend Impfstoff zur Verfügung stehen würde. „Wir hatten das langfristig geplant“, sagt Schleicher, der den Spielern als einer der wenigen Bundesligaärzte eine Impfung empfohlen hatte.
„Leistungssportler sind unmittelbar nach einem Spiel anfällig für Infektionen. Außerdem sind sie ständig unterwegs, weshalb die Ansteckungsgefahr größer ist.“ Schleicher hatte der Mannschaft auch in den vergangenen Jahren freiwillige Grippe-Impfungen empfohlen. Wegen der Länderspielpause am Wochenende sollte die Schweinegrippen-Impfung der Profis gleich zu Beginn dieser Woche durchgeführt werden, um bei Nebenwirkungen den Spielbetrieb nicht zu gefährden. „Bis auf fünf oder sechs Profis, die gesundheitlich angeschlagen sind, haben sich alle Spieler unmittelbar impfen lassen“, sagt der Mannschaftsarzt. Von Nebenwirkungen sei bisher nichts bekannt. Auch Trainer Friedhelm Funkel ließ sich immunisieren.
Unterdessen warf die Patientenbeauftragte des Senats, Karin Stötzner, der Berliner Ärzteschaft vor, zur Verunsicherung der Patienten beigetragen zu haben und sich unter anderem aus finanziellen Erwägungen nicht an der Impfaktion zu beteiligen. Wenn ein solches Programm beschlossen sei, gehöre es zur „Leistungspflicht eines Arztes“.
Kommentare [ 29 ] Kommentar hinzufügen »
ES IST ZUM HEULEN.
Erinnert mich aber auch ein wenig an die Titanic: Die Musi spielt bis zum Schluß.
Dieses ganze Schweinegrippe-tamtam ist in meinen Augen ein Testfall, an dem Behörden testen können wie ihre "Notfallprogramme" funktionieren würden, oder auch nicht, wenn wirklich eine bedrohliche Pandemie über die Menschheit herfällt.
Die eine hälfte der Bevölkerung würde eine Pandemie hinwegraffen, die andere hälfte die Bürokratie...
Auch hier ist man mittlerweile mit den risikogruppen durch und fängt an, das 'normale' Volk durchzuimpfen.
Aber ehrlich gesagt, hatte ich, der Berlin fast 40 Jahre er-leben durfte, nicht viel anderes erwartet.
Man zankt sich über's Geld, schiebt die Verantwortung hin und her und das es am Ende eigentlich um menschenleben geht, wird mal wieder völlig ausgeblendet.
Dann möchte sich doch eh keiner dort impfen.
Und dann steht da Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher und erklärt, Es wird kein Chaos geben.
Dann können wir uns alle beruhigt zurücklehnen und dafür danken, dass Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher die Angelegenheit voll im Griff hat und ein jeder den optimalen Schutz erhält.
Ist das schööön !
Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher, wir danken Dir !
Ob Konsequenzen gezogen werden? Vermutlich wie üblich nicht. Berlin toleriert auch das.
Frau Lompscher ist doch eine nette Frau. Es fehlt ihr als Gesundheitssenatorin doch lediglich die Kompetenz für Gesundheit. Selbstverständlich nicht die für ihre eigene Gesundheit, nur für die, für die sie zuständig ist.
Das ist doch nun hinlänglich bekannt, dass Kompetenz und Fachwissen doch eher hinderlich für politische Karrieren sind. (Inzwischen ist das Phänomen auch bei Wirtschaft und Banken angekommen und auch als Middelhoff-Phänomen bekannt).
Insofern ist bei Frau Lompscher alles in bester Ordnung.
Gute Nacht Deutschland!
Walentina
Doch man wird ja noch träumen dürfen. Zudem, die Hoffnung darf nicht sterben.
Bei einer derart unsinnigen Aktion muss es außerdem jedem Arzt erlaubt sein, sich dafür oder dagegen zu entscheiden.
Vielleicht eine Lobby-Grippe ?
Aber 1. impft die Praxis nur einmal wöchentlich am Nachmittag, da kann man sich in etwa vorstellen, wie lange das dauert, bis sie mir ihrem (aufgrund der wenigen impfenden Praxen sehr großen) Einzugsgebiet durch ist.
Und 2. sagte mir die Praxis ohnehin, sie impfe grundsätzlich keine schwangeren Frauen. Dies täte meine Frauenarztpraxis. Die aber wiederum beschied mir, sie impfen grundsätzlich nicht gegen Schweinegrippe, ich soll mich bitte vertrauensvoll an die kompetenten Kollegen Hausärzte wenden. Es ist wie beim Hauptmann von Köpenick. Noch lacht man fast darüber.
Schwangere sind tatsächlich eine Risikogruppe, aber nur für die Impfung.
Der vorige Beitrag wurde nicht richtig dargestellt.
Oder wurde er von der Redaktion gekürzt????
Mit freundlichen Grüßen
Also, sollte ich grippeähnliche Symptome bekommen, verdient niemand daran, weil ich nämlich schön zuhause bleibe und mich auskuriere. Doch rechne ich nicht damit.
An den Folgeerkrankungen, die durch Impfungen entstehen können, kann allerdings ganz ordentlich verdient werden ...
Freundliche Grüsse und beste Wünsche für eine gute Gesundheit!
Diese mediale Treibjagd mit Hunderten von unwissenden Meinenden erinnert doch sehr an Opel. Irgendeiner fängt an und anstatt mal nachzudenken worum es hier geht, lemmingen alle hinterher und schließlich gibt es kein zurück.
Und, falls ein Schwangere hier unter uns sind. Bei den Fachleuten (Gynäkologen) ist völlig klar: Schwangere werden nur im absoluten Notfall geimpft, aber nicht zur allgemeinen Seuchenhygiene.
Es könnte eventuell für beide kommen (das "dicke Ende").
Ich wünsche Ihnen, daß Sie im Falle einer Infektion diese selbst auskurieren können. Doch könnte es auch anders ausgehen. Voraussagen kann man es nicht. Die Folgeerkrankungen? Damit mache ich mich nicht verrückt. Es gibt keine bewiesenen Erkenntnisse. Die Impfung habe ich gut überstanden. Aus Ihrer Sicht dürfte ich schon gar nicht mehr hier am PC sitzen können, weil ich viele Impfangebote wahrnehme, auch dann, wenn ich selbst zahlen muß. Warum mit Fieber im Bett liegen, wenn es auch anders geht...tztztz ;)
Mit freundlichen Grüßen
Es gibt sehr sinnvolle Impfungen, weniger sinnvolle Impfungen und Impfungen, bei denen gravierende Folgeschäden sehr wohl nachgewiesen wurden. Und es gibt auch sinnvolle Impfungen, die gewisse Risiken in sich bergen.
Doch welchen Sinn macht es, ein nicht erprobtes Serum im Grossversuch zu testen, dafür vorher die Pandemie-Definiton zu ändern und sich gleichzeitig vor allen eventuellen Regressansprüchen juristisch abzusichern? Tja, manche Fragen beinhalten schon ihre Antwort ;-)
Und übrigens: Gelegentliches Fieber ist eine feine Sache. Ein Hausputz kann ja nicht schaden. Krebszellen gehen zum Beispiel schon bei relativ niedrigem Fieber kaputt. Nicht von ungefähr erzählen Krebspatienten häufig, dass sie "seit zwanzig Jahren nichts gehabt" haben ...
Mein Wünsche für Ihre gute Gesundheit sind übrigens ehrlich gemeint!
Das habe ich vor einiger Zeit auch gedacht, weil mich im Juli irgendetwas erwischt hatte, wovon ich annehme, daß das die Schweinegrippe schon gewesen sein k ö n n t e (Schüttelfrost, k e i n Husten, Kopf- u. Gliederschmerzen). Innerhalb weniger Stunden mußte ich mich hinlegen und bekam über 39°C Fieber. Nach ca. 24 Stunden war alles wieder vorbei. Ich lasse mich regelmäßig gegen die saisonnale Grippe impfen. Nach allem, was ich so gelesen habe, könnten diese Impfungen dafür gesorgt haben, daß es nicht länger gedauert hat und auch nicht schlimmer wurde. Das Fieber habe ich nicht unterdrückt aus dem genannten Grund. Als aber später die Kopfschmerzen mir den Schlaf nahmen, habe ich dann doch eine Ibuprofen genommen. Mir ging es ungewöhnlich schlecht. Bin selten krank.
Sie scheinen über fundiertes Wissen zu verfügen und können es wohl besser beurteilen als ich.
Im September ließ ich mich gegen die saisonale Grippe impfen, der ebenfalls ein Adjuvans enthielt und in meinem Alter angebracht sein soll. Die Impfreaktion war stärker als sonst. Im Impfzentrum - so habe ich es verstanden - wird n u r dieser verstärkte Impfstoff verwendet.... Gegen Pneumokokken, Tetanus, Polio bin ich auch noch..., bin halt vorsichtig :) Bis auf den Hinweiszettel wurde ich nicht weiter informiert über Risiken.
Vielen Dank für die guten Wünsche, hatte es als Ironie aufgefaßt :D
Einen schönen Abend noch und vielen Dank, daß Sie auf meine Beiträge so ausführlich geantwortet haben. Auch Ihnen eine gute Gesundheit (ist ehrlich gemeint) :)