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Filmfest

Das war die Berlinale

Das große Berliner Filmfest ist zu Ende: Der Mix aus Glamour und Bodenhaftung hat während der letzten zwei Wochen bei Vielen Lust auf mehr Kino gemacht.
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Ausgezeichnet. Die Preisträger Sally Hawkins (v.l), Jose Padilha, Wang Xiaoshuai, Reza Najie und Paul Thomas Anderson. - Foto: ddp
Null Kater am Morgen danach, stattdessen eine flirrende Folge schöner Erinnerungen, das scheint langsam zum Markenzeichen der Berlinale zu werden. Für Festivalchef Dieter Kosslick zählt auch die durch den Glamour neu angefachte Lust am Kino. Das sagte er den Preisträgern, nachdem er sich beim Bärendinner für ihr Kommen bedankt hatte: „Dies ist der Beweis, dass das Kino wirklich lebt.“

Während in der Nacht zum Sonntag der Berlinale-Palast noch glitzert, und die Gäste bei Riesling und fliegendem Büffet den Film diskutieren, feiern die Preisträger im kleinsten Rahmen im Borchardt. Kein roter Teppich draußen, keine Blitzlichter. Endlich Ruhe.

Vielen haben die letzten zwei Wochen Lust auf mehr Kino gemacht: „Zu wenig Filme gesehen, aber das wird jetzt alles nachgeholt“, sagte Kunstexperte Peter Raue. Der letzte Film, „Be Kind Rewind“, war eine Hommage an das Kino als Anarchospaß, er handelt von einem New Yorker Videoverkäufer, der mit Nachbarn Klassiker wie „Ghostbusters“ nachspielt, weil durch einen rätselhaften Magnetismus alle Videos gelöscht wurden.

Die Berlinale wirkt nicht nur als Kick für die Kinostadt Berlin nach. Sie exportiert auch ein sehr spezifisches Berlin-Gefühl, eine Mischung aus Bodenständigkeit und Herzlichkeit, die den menschlichen Kern erreicht, der auch im größten Star steckt. Diese Bodenhaftung ist neben dem Glamour Teil der Erfolgsstory. Klaus Wowereit, der wie Raue und andere mit dem dunkelroten Berlinale-Schal gekommen ist, geriet ins Schwärmen: „Für mich war es herausragend, das beste Festival bisher, vor allem dieses Familiengefühl.“

Er habe dem Regierenden Bürgermeister zu dem fantastischen Festival gratuliert“, erzählte der brasilianische Botschafter, Luis Felipe de Seixas Correo, noch stolz auf den Goldenen Bären. „Es war, als seien alle Berliner davon erfasst worden.“ Tatsächlich war es schwer, sich dem Festival zu entziehen. Die Partys fanden überall in der Stadt statt, und das Fernsehen war auch immer dabei.

Berlin wird nicht nur als Party-Location geliebt. Besucher von außen leuchten auch andere Vorzüge aus. Das Internetmagazin „Hollywood-Reporter“, das täglich mit einem Special erschien, badete sich geradezu in den tollen Entspannungsmöglichkeiten, die Berlin gestressten Stars und Produzenten bot, empfahl das „futuristische Thermalbad Liquidrom“, natürlich das Badeschiff mit dem „great view of the city“ und gegen Frustration und Anspannung die Go-Kart-Strecke Kartland. Für viele Stars sind die Museen trotzdem noch wichtiger. Natalie Portmann etwa zog es in den Hamburger Bahnhof und Bärengewinnerin Sally Hawkins sagte: „Ich will unbedingt wiederkommen und mir all die Kunstgalerien ansehen.“

Früher war die Berlinale so klein, erinnerte sich Jasmin Tabatabai. „Dass man das jetzt so feiert, ist schon sehr Kosslick“. „Der macht das wie so eine Mischung aus Übervater und Springteufel. Das könnte man ja auch todernst machen, aber so ist es gut“, sagte der Präsident der Akademie der Künste, Klaus Staeck, über den Festivalchef. „Er macht es, als veranstalte er eine Party in seinem Wohnzimmer“, sagte der Regisseur Paul Thomas Anderson. Als Wohnzimmer der Stars firmiert nach wie vor das Borchardt. Dessen Wirt Roland Mary resümierte zufrieden: „Wir hatten alle außer den Rolling Stones.“

Bilder sind am Schluss beliebte Souvenirs. Die Iraner rund um Bärengewinner Reza Naji möchten sich unbedingt noch rasch mit Diane Kruger fotografieren lassen, am liebsten jeder einzeln. Er möchte zurückkommen in die wunderbare Stadt und bessere Filme machen“, kündigte Erstlingsbärengewinner Kumasaka Izuru an. Nicht nur der junge Preisträger will immer besser werden. Die Berlinale-Macher wollen es selber auch, obwohl sie schon so viel gelobt werden. Per Mail bekommen die Fachbesucher Fragebogen, in denen sie sagen können, was sich optimieren lässt. Spätestens am 5. Februar 2009 wird sich zeigen, ob die Kritik beherzigt wurde. Dann beginnt die 59. Berlinale.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 18.02.2008)
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