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Berlin Guitars

Ein Laden, der rockt

Berlin Guitars in Schöneberg verkauft nicht nur Instrumente, sondern veranstaltet auch die passenden Konzerte. Die kleinen Auftritte von Singer/Songwritern sind schon wochenlang vorher ausverkauft.
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Club-Atmosphäre. Musiker und Publikum gehen bei "Berlin Guitars" auf Tuchfühlung. - Foto: David Heerde
Mittendrin in Schöneberg. Gleich beim Nollendorfplatz um die Ecke. Cafés, Pizzerien, Imbisse, Döner-Buden, Currywurst. Flaschenbier. Dosenbier. Ein Schallplattenladen mit Sammlervinyl. Und jede Menge Bars. Den ganzen Tag ist etwas los hier. Aber dann auch abends, besonders nachts vibriert das Leben in der Motzstraße. In einer warmen Sommernacht stehen dichte Trauben von Menschen vor den Nachtbars. Fast ausschließlich Männer. Junge schöne Männer, die einander suchen, die einander treffen, die miteinander trinken und lachen in großen Gruppen vor den Schwulen-Kneipen. Traditionsgegend, die schon Klaus und Erika Mann angezogen hatte in wilden Jugendjahren vor dem Krieg. Und wo der englische Schriftsteller Christopher Isherwood wohnte, während er in den frühen 30er Jahren „Lebwohl Berlin“ und „Mr. Norris steigt um“ geschrieben hat, die Vorlagen des späteren Musical- und Kinohits „Cabaret“.

Aber dann steht da mittendrin ein ganz anderer Pulk von Menschen auf der Straße. Auch sie trinkend und lachend. Aber jede Menge Frauen dabei. Motzstraße 9. Was ist hier los? Es ist keine Bar, keine Disco, kein Etablissement, vor dem sich jede Menge Leute drängeln. Ein Gitarrenladen, wie man in den Schaufenstern sieht: unterschiedlichste Modelle elektrischer und akustischer Gitarren. Und über der Fensterfront ein Schriftzug in auffälligem Gelb-Schwarz: „BERLIN GUITARS.COM“, sprich „Berlin Guitars Dot Com“. Aber niemand sagt das, alle sprechen nur von „Berlin Guitars“. Und immer mehr Leute sprechen über den Laden. Nicht nur die, die selber Gitarre spielen, die Profis, die Amateure, die Anfänger, die sich hier die unzähligen neuen und gebrauchten Gitarrenmodelle ansehen, vorführen lassen oder selbst darauf herumdüdeln, sondern auch jene, die zwar selber keine Gitarre spielen, aber gerne Gitarren hören, besonders die Fans des Singer/Songwriter-Genres und einer Musikrichtung, die als „Americana“ bezeichnet wird.

Leonard Lott, leidenschaftlicher Gitarrist und Musikliebhaber, seit er in den 60ern in seiner amerikanischen Heimat zum ersten Mal die Byrds, Bob Dylan, die Flying Burrito Brothers gehört hatte, ist seit fünf Jahren die gute Seele von „Berlin Guitars“ und als Geschäftsführer ein zuvorkommend kompetenter Berater seiner Kunden. Irgendwann hatte er die Idee, bei „Berlin Guitars“ nicht nur Gitarren zu verkaufen, sondern auch Konzerte zu veranstalten. Kleine Auftritte von Singer/Songwritern, für die die üblichen Konzerthallen zu groß und die kleineren Clubs zu laut, zu unruhig, zu verqualmt sind. Lott machte einen Versuch, stellte Bierbänke in den größeren Verkaufsraum, schaffte Platz für 60 bis 70 Zuhörer – so viele müssten erst mal kommen. Und ob sie kamen. Und es wurden immer mehr mit der Zeit. Die meisten der Konzerte, die unregelmäßig etwa einmal im Monat in „Berlin Guitars“ stattfinden, sind schon wochenlang vorher ausverkauft, seit es sich herumgesprochen hat, was hier geboten wird. Und die Trauben der Fans vor dem Laden werden immer größer, derer, die wissen, dass die Konzerte hier etwas ganz Besonderes, etwas Einzigartiges sind. Auch, wenn die auftretenden Musiker manchmal nur einem eingeweihten Zirkel von Connaisseuren bekannt sind, vertrauen die meisten Stammgäste inzwischen blind dem Geschmack und der Kennerschaft des Veranstalters Lott, der nur erlesene Singer/Songwriter für „Berlin Guitars“ bucht. Und die freuen sich wiederum, in einer ganz besonderen Atmosphäre auftreten zu können: fast privat, wie unter Freunden im Wohnzimmer, vor einem höchst konzentriert zuhörenden Publikum. Mögen die Sitzgelegenheiten zwar etwas unbequem sein auf die Dauer, so werden die Zuhörer doch auch reichlich entschädigt durch exquisite Darbietungen zum Eintrittspreis von etwa 10 Euro in einem angenehm intimen Raum, der voller bezaubernder Gitarren hängt und in dem eben wegen dieser Gitarren nicht geraucht wird. In der Pause und nach den Konzerten stehen sie dann draußen vor dem Laden in dichten Trauben und unterhalten sich über die Musiker und deren Darbietungen oder mit den Musikern selbst, die hier auch mal gerne ein bisschen plaudern mit ihren alten und neuen Fans. Stammgäste schwärmen immer wieder von den vergangenen Konzerten im „Berlin Guitars“. Vom umwerfenden Auftritt der Norah-Jones-Freundin Dayna Kurtz, vom Unplugged-Konzert der jungen amerikanischen Band Marah, von berauschenden Abenden mit den älteren Singer/Songwritern David Olney und David Munyon und von der Entdeckung des exzellenten Kanadiers Shannon Lyon. Am 30. August wird die wunderbar rockende Gitarristin und Sängerin Rachelle Van Zanten zum zweiten Mal im „Berlin Guitars“ auftreten – ihr Konzert am Tag zuvor ist bereits ausverkauft. H.P. Daniels

Mehr im Informationen im Internet

www.berlin-guitars.com
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