Hundedreck gilt in Berlin als ewiges Ärgernis. Doch es gibt einen Erfolg zu vermelden: Die kostenlosen Beutelspender zeigen Wirkung.
Einfacher geht’s nicht. Die Tüte gratis aus der blauen Box ziehen, den Haufen damit aufnehmen, die Tüte umstülpen und im Abfalleimer entsorgen. In 25 Kiezen in Berlin können Hundehalter bereits die Hinterlassenschaften entsorgen, ohne sich die Finger zu beschmutzen. Rund 200 Beutelspender haben die Bezirke, Quartiersmanagements und Anwohnerinitiativen seit 2006 gemeinsam mit dem Projektbüro „Stadt & Hund“ aufgestellt. Erstmals wird damit vor allem in den City-Bezirken großflächig und beharrlich gegen den Häufchen-Ärger vorgegangen. Erste Erfolge der Offensive sind sichtbar: Auf vielen Straßen und Plätzen liegt weniger Hundedreck.
„Es wird langsam besser, mehr Hundebesitzer greifen zum Beutel“, heißt es übereinstimmend in den Ordnungsämtern von Neukölln, Kreuzberg und Pankow. Kontinuierlich gehe es voran, freut sich der Stadtrat für öffentliche Ordnung in Pankow/Prenzlauer Berg, Jens-Holger Kirchner. Das gelte nicht nur für die Projektgebiete mit den Beutelspendern, sondern auch für andere Wohngebiete. Die Putzkolonnen der Stadtreinigung vermelden Ähnliches. Und sogar eine der engagiertesten Kämpferinnen gegen hartnäckige Hundehalter, die grüne Abgeordnete Claudia Hämmerling, spricht vom Mentalitätswechsel: „Die Mehrheit wird verantwortungsbewusster.“ Der öffentliche Druck und das neue Hundegesetz hätten viele zum Nachdenken gebracht.
Auch in den ausgewählten Projektkiezen überwiegt das Lob. „Wir sind hier Slalom zwischen Haufen gelaufen“, sagt Adrienne Pataki vom Quartiersmanagement Soldiner Kiez in Wedding. „Doch seit die Tütenspender vor vier Monaten installiert wurden, ist es weniger schlimm.“ Entlang der Bänschstraße im Samariter-Viertel in Friedrichshain bestätigt ein Blick in die Abfallkörbe, dass der Tüten-Service ankommt. In jedem liegt eine Vielzahl gefüllter Beutel. Und schließlich legt das Projektbüro „Stadt & Hund“, das die Tütenspender meist im Auftrag der Bezirke beschafft, aufstellt und nachfüllt, sogar eine statistische Erfolgskontrolle vor. Nach dem Start eines Projektes gehen Mitarbeiter regelmäßig auf Häufchensuche. Ergebnis: „Ein durchschnittlicher Rückgang von 20 bis 30 Prozent im ersten Jahr.“
Etlichen Anwohnern geht diese Besserung nicht schnell genug. Ihr Zorn über die Verschmutzung und die vielen gescheiterten Initiativen ist groß. Denn bis zu 50 Tonnen Hundekot von 150 000 Hunden landen täglich auf Berlins Straßen. Nur wenig Besserung brachten die Kiezstreifen der personalschwachen Ordnungsämter. Maximal 14 Kontrolleure sind in Neukölln täglich unterwegs, in Kreuzberg sind es nur zehn. In Neukölln erwischten sie seit Januar 2007 insgesamt 96 Halter. Jeder muss 35 Euro Strafe zahlen. Berlins Bezirke suchen schon lange gemeinsam mit Anwohnern und den Wohnungsbaugesellschaften nach einer neuen erfolgversprechenderen Strategie – und fanden sie vor zwei Jahren in der Kooperation mit „Stadt & Hund“. Vier Landschaftsarchitekten und Umweltgutachter haben das Projektbüro gegründet. Ihr Vorbild ist die Schweiz. Nicht im Streit, sondern im Dialog mit den Hundebesitzern habe man dort dank der vielen aufgestellten Tütenspender weitgehend häufchenfreie Straßen geschaffen, so Stadt&Hund-Sprecher Christof Wüllner. Mit ähnlichem Werbeaufwand werden die Beutelspender seit zwei Jahren nun auch in Berlin installiert, kombiniert mit ausreichenden Abfallkörben. Flugblätter gehören dazu, ausgelegte Beutel auch in Kneipen und Geschäften – sowie der Appell an alle Anwohner: „Sprechen Sie ignorante Hundehalter an. Der Tütenspender steht um die Ecke. Es gilt keine Ausrede mehr.“
Die Beutelspender im Internet:
www.stadtundhund.de
Kommentare [ 10 ] Kommentar hinzufügen »
In anderen euopäischen Ländern ist das seit Jahrzehnten Usus.
Jetzt auch in Berlin. Respekt!
Ich kann übrigens nur bestätigen, daß bei so macheinem Hundehalter mit den Dog-Stations offene Türen eingerannt wurden, so daß z.B. im Falkenhagener Feld die Spender sehr oft leer sind.
Der Anfang ist gemacht!
kurz nochmal:
hundesteuer soll die hundepopulation limitieren, ist keine
vollkackpauschale, fragen sie ihren lieblingsfinanzbeamten.
da die anzahl der hunde nicht mehr akzeptabel ist, ist die steuer offensichtlich zu gering.
abgesehen davon frage ich mich, ob nicht vielleicht einer der wie pilze spriessenden tierfutter-läden die automaten sponsoren will. schliesslich landen dessen "produkte" zum schluss auf der strasse - oder man legt die kosten der automaten auf hundefutter um.
ich würde meine steuern lieber in schulen arbeiten sehen als in form von plastiktüten um hundekot gewickelt zu wissen.
m.