Die Rollheimer vom Schwarzen Kanal ärgern sich. Noch gibt es keine Einigung über den neuen Standort. Sollte die am Ende ausbleiben, würden sich die Bewohner auf eine gewaltsame Räumung durch die Polizei im Januar vorbereiten. Freiwillig wollen sie keinesfalls gehen.
Die Zukunft der räumungsbedrohten Wagenburg Schwarzer Kanal bleibt weiterhin ungewiss. Gestern endete eine einstündige Verhandlungsrunde zwischen dem Bezirk, den Bewohnern und dem Liegenschaftsfonds ohne konkretes Ergebnis. Ein neuer Termin für einen Runden Tisch wurde für den 23. November vereinbart. „Ich bin trotzdem optimistisch, dass wir uns bald einigen werden“, sagte Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD). Es müssten jetzt nur noch die konkreten Rahmenbedingungen für das neue Gelände „abgeklopft werden“. Über welche Orte des Liegenschaftsfonds konkret verhandelt wird, wollten die Beteiligten nicht sagen.
„Wir haben ganz schlechte Laune“, kommentierte hingegen Clara Fels vom Schwarzen Kanal die Gespräche. Es sei nur noch wenig Zeit, einen geeigneten Platz zu finden. Nur zwei mögliche Orte seien derzeit noch im Gespräch. 3000 Quadratmeter Fläche, kieznah und nicht direkt neben Wohnhäusern – so lauten die Bedingungen der Wagenburg. Sollte es am Ende keine Einigung geben, würden sich die Bewohner auf eine gewaltsame Räumung durch die Polizei im Januar vorbereiten. Freiwillig werde man keinesfalls gehen.
Fotostrecke: Wagenburg Schwarzer Kanal (7 Bilder)
Die Essener Baufirma Hochtief, der das derzeitige Bauwagengelände an der Michaelkirchbrücke gehört, hat den Nutzungsvertrag zum 31. Dezember gekündigt. Als Ersatzorte wurden vom Bezirk Plätze außerhalb des S-Bahnrings angeboten. Das lehnen die rund 30 Bewohner jedoch ab. Aus Protest hatten sie vergangene Woche für mehrere Tage ein leerstehendes Schulgelände in Mitte besetzt. Nach Gesprächen stimmte der Liegenschaftsfonds schließlich neuen Verhandlungen über einen Ausweichort zu. Gestern befürchtete die Polizei offenbar eine ähnliche Protestaktion der Wagenburg-Sympathisanten. Vor dem Gebäude des Liegenschaftsfonds in Friedrichshain, in dem die Verhandlungen stattfanden, waren mehrere Mannschaftswagen vorgefahren. Eingreifen mussten die Beamten jedoch nicht.
Der Schwarze Kanal ist eine von insgesamt zwölf Bauwagensiedlungen in Berlin, auf denen insgesamt rund 320 Menschen leben. Mit 19 Jahren ist der Schwarze Kanal einer der ältesten Bauwagenplätze der Stadt. Regelmäßig finden hier kostenlose Musik- und Theaterveranstaltungen statt. Schon einmal mussten die Bewohner umziehen. Als 2002 die neue Verdi-Zentrale gebaut wurde, zog die Wagenburg von der Schillingbrücke zu ihrem jetzigen Standort neben der alten Textilfabrik an der Spree.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 04.11.2009)
Kommentare [ 22 ] Kommentar hinzufügen »
Sozusagen die Quadratur des Kreises.
Wie kommen diese Leute überhaupt auf die Idee Forderungen aufzustellen. Dass sie so lang bleiben durften, war ein entgegenkommen der Stadt bzw. der Grundstückseigner.
Wie hätte der Baugrund wohl ausgesehen, wäre er nicht 19 Jahre lang "bewirtschaftet" worden?
Wie hoch ist sie bei so einem Filetgrundstück?
Das macht die Perspektive für den Schwarzen Kanal äußerst düster ;-)
Warum bietet der Bezirk diesen autonomen Besetzern Ersatzorte an?
Meine Familie braucht übrigens auch eine größere Wohnung - was bietet mir den Bezirk an? Ich fordere mindestens vier Zimmer, ab 110 qm, modernisierter Altbau, ruhig, hell, kieznah, Miete will ich übrigens keine zahlen. Ich warte auf Angebote. Sonst wird meine Laune noch übler. Und dann wehe...
Wenn nicht, einfach am 1.1.2010 räumen und wer sich weigert, wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Landfriedensbruchs verhaften. Wer keinen festen Wohnsitz hat, bleibt bis zur Gerichtsverhandlung in U-Haft.
Sollte der Bezirk keine marktübliche Pacht verlangen, so handelt es sich um Verschwendung von Steuergeldern. In diesem Fall muss der Rechnungshof ermitteln.
Allenfalls eine zeitlich begrenzte Zwischennutzung auf sonst nicht verwertbaren Grundstücken wäre vertretbar, aber gibt es das noch innerhalb des S-Bahn Rings in der geforderten Größe?
Sicherlich tut es weh, wenn man sein geliebtes Zuhause verlassen muss. Aber mit welcher rechtlichen oder moralischen Begründung ein Ersatzplatz gefordert wird, muss man mir noch erklären - das verstehe ich nämlich überhaupt nicht. Es ist eigentlich anmaßend, was diese Leute fordern. Vor allem, wenn man sich die prekären Lebensumstände vieler anderer Berliner anschaut.
Und dass durch eine Besetzung Opportunitätskosten in Form entgangener Steuereinnnahmen entstehen (vorausgesetzt es besteht ein realistisches Nutzungskonzept für das Grundstück) bedeutet nichts anderes als dass die anderen Einwohner des Bezirks den Besetzern die Miete zahlen - auch ne Form von Solidarität. Doch würde ich mir nicht anmaßen, diese Solidarität von meinen Mitmenschen einzufordern.
19 Jahre hatten die Besitzer kein Interesse an ihrem Eigentum.
Das fällt wohl ins selbe Rechtgebiet wie Leerstand von Wohnraum und ist gegen das Recht.
Deshalb haben die Wagenburg-Bewohner, die dort eine sinnvolle Nutzung aufgebaut haben, ein Gewohnheitsrecht.
Wenn sie auf dieses verzichten, müssen sie entschädigt werden.
Darum gehts.
Übrigens hat in der Tat jeder Bürger, der obdachlos wird, Anspruch auf staatliche Hilfe.
Ebenso gibt es den Mieterschutz.
Das heisst, Sie können nicht aus Ihrer Mietwohnung verwiesen werden und "schlechte Laune" bekommen.
Das geht nur, wenn vergleichbarer Wohnraum zur Verfügung gestellt wird.
Ich hätte besser eine Bauwagensiedlung gründen sollen...
Vielleicht weil Sie es gerne haben, wenn Sie nur die Heizung aufdrehen müssen, um es warum zu haben, Dusche und Klo saniert und allzeit einsatzbereit, Strom wie selbstverständlich aus der Steckdose?
Und falls was kaputt ist, einfach den Vermieter anrufen.
Für einen Bauwagen gehört mehr dazu.
Wenn Sie mal in die Galerie schauen würden, würden Sie sehen, dass dort unter anderem von den Bewohnern eine Solaranlage gebaut wurde.
das ist mal gerade 7 Jahre her, eine durchaus übliche Zeit um derartige Großprojekte zu planen, gerade in einer Stadt die es so erst seit gerade 19 Jahren gibt!
Das ist komplett falsch. Außerdem: sobald dieses "Filetgrundstück" entsprechend bebaut ist, können sich die Anwohner sowieso eine neue Wohnung in der Platte suchen, weil sie sich ihre Miete nicht mehr leisten können.
Der öffentliche Raum gehört allen. Wird Zeit, dass sich die Öffentlichkeit diesen auch aneignet.
Das fällt wohl ins selbe Rechtgebiet wie Leerstand von Wohnraum und ist gegen das Recht.")
Kein "Interesse" haben, die Besetzung des Eigentums zu beenden, ist "gegen das Recht"? Dann hätten die Eigentümer also die Verpflichtung gehabt, die Besetzer rauszuschmeißen?
Bitte um Aufklärung.
Der Besitzer hätte nicht einfach räumen lassen können, insofern gibt es auch keine Verpflichtung dazu, weil es gar nicht möglich gewesen wäre, wenn keine Verwertungs-Pläne zum Gelände bestehen.
Das ist doch auch gut so, allein aus Besitzstand ergibt sich ja nicht, dass dieser auch genutzt wird. Und diesen leer zu lassen, aber niemand drauf zu dulden, wäre doch sinnentleert.
In vielen Ländern werden sogar provisorische Häuser rund um die Städte auf jedem freien Winkel errichtet.
Wenn wir hier weiter schön den Sozialstaat in Frage stellen, denn jeder ist sich ja selbst der Nächste, dann wird es hier ohnehin bald auch die ersten Squat-Siedlungen geben. Wie in Amerika.
Ich hätte besser eine Bauwagensiedlung gründen sollen... "
Worauf warten Sie noch? Gibt auch genug bestehende Wohn- und Hausprojekte. Oder gründen Sie doch direkt eins. Meckern und sich vom Vermieter und Senat bescheißen lassen, kann jeder.