Sie sind schick kariert, mit rockigen Biker-Motiven oder großen farbigen Blüten bedruckt. Gemeinsam haben sie eins: Sie sind lang. Und deshalb cool. Allerdings verschwenden Schlabbershorts Wasser. Werden sie im Schwimmbad verboten?
Badehosen für Jungen und Männer müssen in diesem Sommer so lang wie möglich sein, das denkt auch schon der Nachwuchs: „Bein zeigen – das ist ja eklig!“, sagt der zehnjährige Tunahan mit empörtem Gesichtsausdruck und steht mit dieser Meinung nicht allein am Beckenrand des Prinzenbades in Kreuzberg. „Lang sieht einfach besser aus“, sagt auch der 13-jährige Silvan und springt zur Bekräftigung mit viel Schwung ins Nichtschwimmerbecken. Als er wieder herausklettert, streicht er stolz seine tropfnassen Blumenshorts glatt.
Doch nicht alle halten so große Stücke auf die aktuelle Bademode. Im Südharz hat eine Schwimmmeisterin Jungen mit langen Baggy-Badehosen des Freibades verwiesen – die Badeordnung schreibe Kniefreiheit bei der Kleidung vor. Könnte es in Berlin auch zu einem Verbot der vor allem bei männlichen Jugendlichen beliebten knielangen Hosen kommen? „Auf keinen Fall“, sagt Matthias Oloew, Pressesprecher der Berliner Bäderbetriebe. „Die Argumente, solche Shorts seien tendenziell unhygienisch und würden sich mit zu viel Wasser vollsaugen, sind zwar richtig. Doch wir setzen in Berlin auf Toleranz.“ Man könne zwar nicht kontrollieren, ob jemand die Badehose auch auf der Straße oder als Unterhose trage und Wasser sei auch hier teuer – drei bis vier Liter verschwende eine solche Hose maximal – doch man hoffe auf die Vernunft der Besucher. „Wir fänden es aber durchaus schön, wenn der eine oder andere beim nächsten Badehosenkauf an diese Problematik denkt“, sagt Oloew.
Jan, Adeem, Orhan und Erkan, alle aus Kreuzberg und um die 18 Jahre alt, halten nicht viel von solchen Überlegungen: „Wir finden solche Hosen toll. Außerdem: Wollen die Berliner Freibäder ihre Gäste verlieren?“, fragt Jan, dessen einfache blaue Hose nur bis knapp über die Mitte der Oberschenkel reicht. Ist das nicht viel zu kurz, um richtig cool zu sein? „Nein, nicht zu kurz, nur vielleicht etwas zu eng“, sagt Adeem. Die Hauptsache sei nämlich, verrät er, dass die Badehose weit und damit luftig sei. Dass eine tatsächliche Badeshort, die diesen Namen verdient, vielleicht noch mehr Luft ans Bein ließe, zählt da nicht.
In einer anderen europäischen Hauptstadt, in Stockholm, wird diese Mode im Übrigen noch weiter getrieben: Da zeigen die meisten jüngeren Männer ebenfalls kein Knie mehr. Selbst in der Sauna nicht.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 15.07.2009)
Kommentare [ 14 ] Kommentar hinzufügen »
Gott, was für prüde Zeiten heute...
Also RUNTER MIT DEN KLAMOTTEN im Schwimmbad und gleich JEGLICHE Kleidung verbieten... wenn es doch gut für die Umwelt ist :-)
Elwiegaldo
Aber nachdem wir bald T-Shirts für die Chinesen nähen, können wir auch bald verschleiert rumrennen.
Ob das was mit Religion zu tun hat die man einfach mal mit Mode begründet?
Na ja soll jeder machen und schwitzen wie er will.
Einzig der hygienische Aspekt sollte allen zu denken geben denn wer möchte schon mit jemandem baden der diese Kleidung schon seit Tagen ständig an hat?
Sommerloch? Oder gibts nichts anderes zu schreiben?
Statt den jungen Leuten Selbstbeherrschung zu predigen, muss sich das jeweils andere Geschlecht verhüllen.
Vielleicht sollte man lieber lernen, seine "Triebe" in gesundem Maß zu halten, ohne das Gegenüber gleich zu überfallen.
Der Mittelweg scheint mir auch hier wieder das richtige Maß zu sein.
Megageil das!