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Kraftwerk

Vattenfall gibt Gas statt Kohle

Offiziell ist noch gar nichts, aber die Gegner jubeln: Michael Schäfer, Energiefachmann der Grünen, verkündet freudig: "Wir haben die gesicherte Info, dass das neue Kohlekraftwerk in Rummelsburg tot ist." Vattenfall plant offenbar ein klimafreundlicheres Kraftwerk.
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Offiziell ist noch gar nichts, aber die Gegner jubeln: Michael Schäfer, Energiefachmann der Grünen, tritt strahlend von einem Bein aufs andere, als er am Montagmorgen verkündet: „Wir haben die gesicherte Info, dass das neue Kohlekraftwerk in Rummelsburg tot ist.“ Er beruft sich auf Informationen, die von Vattenfall durchgesickert seien. Später bestätigt Andreas Jarfe, Landesgeschäftsführer des Umweltverbandes BUND: „Aus verlässlichen Vattenfall-Kreisen“ wisse er, dass der Konzern sich für ein Erdgaskraftwerk als Alternative entschieden habe. Und fügt vorsichtshalber hinzu: „Wir hoffen, dass das nicht nur ein lokales, kurzfristiges Umdenken ist, sondern dass Vattenfall sieht, dass neue Kohlekraftwerke politisch nicht mehr durchsetzbar sind.“

Vattenfall dagegen gibt sich wortkarg: „Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen“, sagt Sprecher Olaf Weidner. Ein Energieversorgungskonzept für Berlin werde „in wenigen Tagen fertiggestellt“, dann zunächst der Politik und „ganz zeitnahe“ der Öffentlichkeit präsentiert.

Die Öffentlichkeit war es offenbar, die Vattenfall – sofern die Nachricht der Kritiker stimmt – zum Umdenken bewogen hat. In Lichtenberg, wo rund um die Rummelsburger Bucht mit vielen Millionen öffentlicher und privater Gelder ganz neue Stadtviertel entstanden sind, ist längst eine Bürgerinitiative aktiv. Ein breites Bündnis namens „Klima-Allianz“ erwog ein Volksbegehren gegen das Projekt. Und die Grünen wollten gerade die nächste Stromwechselkampagne starten.

Global geht es allen zunächst um den Kohlendioxidausstoß: In der ursprünglich geplanten Größe hätte das Kraftwerk mehr als vier Millionen Tonnen CO2 pro Jahr in die Luft geblasen – fast ein Fünftel der gesamten Berliner Emissionen. Gas erzeugt bei gleicher Energieausbeute nur knapp halb so viel CO2 wie Steinkohle.

Lokal ging es den Gegnern neben dem Schadstoffausstoß des Kraftwerkes auch um die weithin sichtbare Stadtverschandelung durch einen mehr als 100 Meter hohen Kühlturm. Letzterer könnte aber auch bei einem Gaskraftwerk nötig sein. Und dass es ganz ohne Ersatz für das heutige – wegen seiner Braunkohlebefeuerung besonders klimaschädliche – Kraftwerk nur schwer geht, wissen auch die Gegner: Klingenberg (alt) liefert Fernwärme für etwa 400 000 Berliner. Und die kann – im Gegensatz zum gleichzeitig erzeugten Strom – nicht von außerhalb in die Stadt transportiert werden.

Einer der Ersten, die von Vattenfall informiert werden sollten, ist Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke). „Ich teile die Einschätzung, dass Vattenfall sich davon verabschiedet, an der Rummelsburger Bucht ein neues Kohlekraftwerk zu bauen“, lautet sein Kenntnisstand. Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linke) wagt dagegen noch kein Fazit. Auch der Lichtenberger Baustadtrat Andreas Geisel wartet ab: „Würde mich freuen, wenn es so käme“, sagt der Sozialdemokrat, der just für diesen Dienstag (18 Uhr, Taut-Aula) zu einer Bürgerversammlung eingeladen hat. Dabei soll es vor allem um den Bebauungsplan gehen, mit dem die Bezirksverordneten einen Neubau mit Kühlturm verhindern wollen – was Geisel für rechtlich fraglich hält.

Theoretisch ließen sich große Teile der Stadt auch mit hausgemachter Öko- Energie versorgen. Die Berliner Stadtgüter, die rund 17 000 Hektar Land im Speckgürtel – darunter viele kontaminierte Ex-Rieselfelder – besitzen, haben kürzlich das Potenzial für Energie aus Wind, Sonne und schnell wachsendem Holz untersuchen lassen. Das Ergebnis: Der Strom würde für 775 000 Menschen reichen. „Selbst wenn nur die Hälfte davon realisiert wird, wäre das gewaltig“, sagt Stadtgüter-Geschäftsführer Peter Hecktor. Der Anfang ist bereits gemacht: In Großbeeren am südlichen Berliner Ring sollen zu drei vorhandenen 29 neue Windräder hinzukommen, in Staaken an der Stadtgrenze wird eine große Solarstromanlage errichtet, fürs östlich Berlins gelegene Vogelsdorf gebe es ähnliche Pläne. Betrieben werden die Anlagen von Privaten – und das Land verdient über Pacht und Gewinnbeteiligung mit.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 03.03.2009)
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Kommentare [ 9 ] Kommentar hinzufügen »

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von unbekannt | 3.3.2009 2:08 Uhr
Ätzend
Sicher. Ein Erdgaskraftwerk benötigt wahrscheinlich nicht einmal eine Entschwefelungsanlage, weil die Abgase so sauber sind. Schade nur, dass Erdgas eigentlich viel zu schade ist, um es für Strom zu verheizen. Erdgas hat größte Zukunft als d e r mobile Energieträger [Auto und Flugzeug] und die Grünen verheizen das - blos nicht die Grünen wählen im September.
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von guderian guderian ist gerade online | 3.3.2009 2:16 Uhr
Politisch nicht durchsetzbar?
Die Grünen sind die zweit kleinste Oppositionspartei, die Bürgerinitiativen vereinen kein Tausendstel der Einwohner Berlins, ein Volksbegehren zu so einem Langweiler Thema ist von vorne herein zum Scheitern verurteilt. Natürlich ist ein Kohlekraftwerk durchsetzbar! Sogar mit Leichtigkeit, man braucht die Stromkunden nur fragen, ob sie Spaß daran hätten, wenn ihr Strompreis von Wirbelstürmen im Golf von Mexiko und der Sicherheitslage im Nahen Osten abhängig ist. Solange der Gaspreis an den Ölpreis gekoppelt ist, sind Gaskraftwerke die dümmste Option. Und wer so hirnverbrannt ist, sich einzubilden Gas wäre umweltfreundlicher, der höre auf Altkanzler Helmut Schmidt der gesagt hat: "Jeder Liter Öl den wir einsparen, verbrennt morgen schon ein Chinese." Das gilt für die Kohle ganz genauso. Nur weil sich unsere Umweltspinner weigern, Fossile Energieträger zu gebrauchen, heißt das nicht, dass kein anderer davon Gebrauch macht.
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von beinta beinta ist gerade offline | 3.3.2009 12:17 Uhr
Guderian...
Ein Langeweilethema ist ein Kohlekraftwerk innerhalb Berlins ganz sicher nicht (wenn auch "von oben" alles mögliche durchsetzbar wäre). Ich möchte nicht neben einem Kohlekraftwerk wohnen. Ich bin nämlich neben einem aufgewachsen. Enorm viele Menschen in den Braunkohlerevieren der Lausitz haben Atemwegsschäden. Und wenn die von ihnen so genannten "Umweltspinner" keine fossilen Energieträger nutzen möchten, wählen sie einen entsprechenden Stromanbieter. Offensichtlich ist das für Vattenfall ein Argument.
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von kritiker_01 kritiker_01 ist gerade offline | 3.3.2009 13:58 Uhr
Dümmer gehts nimmer ...... @beinta
Schon mal darüber nach gedacht warum die Sache mit den Atemwegserkrankungen in der Lausitz so schlimm ist. Bis zur Wende dürften da die Kraftwerke wohl "ohne" REA (Rauchgasentschwefelung) gelaufen sein und auch eine DeNOx (Entsickung) dürfte völlig unbekannt gewesen sein. Heutige "moderne" Kohlekraftwerke mit solchen Anlagen zu vergleichen ist wie die Sache mit den Äpfeln und Birnen. Schauen Sie sich mal in Berlin um, wie viele Kohlekraftwerke es gibt und dann schauen Sie auf die Atemwegserkrankungen in der Nähe dieser Kraftwerke. Aber es ist immer wieder das selbe wenn sich Unwissenheit mit Ignoranz paart.

Ansonsten hat "guderian" völlig recht. Es nehmen sich Splittergruppen das Recht raus für "alle" zu sprechen. Also für mich sprechen die schon mal nicht. Hier wäre wohl etwas mehr direkte Demokratie angebracht in Form eines Volksentscheides. Aber ich fürchte wenn dieser nicht so ausfällt wie diese Splittergruppen es gerne hätten das die dann trotzdem so weiter machen wie bisher. So nach dem Motto "Alle die dafür waren sind 'dumm' und nur wir wissen was richtig und falsch ist." Kenn man ja zur Genüge von diesen Splittergruppen das die denken das man die Weisheit mit dem Löffel gefressen hätte.
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von kritiker_01 kritiker_01 ist gerade offline | 3.3.2009 3:13 Uhr
Wer lesen kann ist klar im Vorteil .........
Ich lese da was von Zitat:
Theoretisch ließen sich große Teile der Stadt auch mit hausgemachter Öko- Energie versorgen. Die Berliner Stadtgüter, die rund 17 000 Hektar Land im Speckgürtel – darunter viele kontaminierte Ex-Rieselfelder – besitzen, haben kürzlich das Potenzial für Energie aus Wind, Sonne und schnell wachsendem Holz untersuchen lassen. Das Ergebnis: Der Strom würde für 775 000 Menschen reichen. „Selbst wenn nur die Hälfte davon realisiert wird, wäre das gewaltig“, sagt Stadtgüter-Geschäftsführer Peter Hecktor.

Dazu bedarf es keiner weiteren Windräder und schon überhaupt nicht dieser ineffizienten Solargeschichten. Denn dafür würden die 380 kV Leitungen völlig ausreichen um Strom nach Berlin zu bringen. Aber wer lesen kann ist klar im Vorteil "400000" Wohnungen werden mit Wärme versorgt. Und es sollen ja, nach dem Willen der CO²-Gläubigen, noch mehr werden wegen dem bösen bösen CO². Aber schon im nächsten Absatz zeigt sich wie der Hase läuft. Zitat
Der Anfang ist bereits gemacht: In Großbeeren am südlichen Berliner Ring sollen zu drei vorhandenen 29 neue Windräder hinzukommen, in Staaken an der Stadtgrenze wird eine große Solarstromanlage errichtet, fürs östlich Berlins gelegene Vogelsdorf gebe es ähnliche Pläne. Betrieben werden die Anlagen von Privaten – und das Land verdient über Pacht und Gewinnbeteiligung mit.

Na ? Alles Klar ? Nein ? Dann werde ich mal erklären. Nach dem der Senat damals die BEWAG fürn nen Appel und nen Ei verscherbelt hatte, an Southern Energie, flossen natürlich auch nicht mehr die ca. 300 - 400 Mio an Dividende (p.A.) in das Haushaltssäckel von Berlin. Und nur mit der Konzessionsabgabe etc. konnte das nicht aufgefangen werden. Ergo will man jetzt auf den CO² Zug aufspringen und mit "teurem" Öko-Strom Geld scheffeln. Man man, wäre wohl doch besser gewesen man hätte die BEWAG nicht verscherbelt. Denn wer verscherbelt schon die Gans die goldene Eier legt. Nur Leute die keine Ahnung vom "wirtschaften" haben tun sowas.
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von gauer gauer ist gerade offline | 3.3.2009 9:18 Uhr
Wer lesen kann
Leider lesen viele leute nur die Überschrift und verstehen das was von den Profiteueren gewollt ist. So möchte man schoon eine warme Stube haben aber keine Kühlturm in der Nähe. Wenn schon das wertvolle Erdgas verheizt werden soll, dann bitte mit einem hohen Nutzungsgrad. Und das geht nur wenn zusätzlich Fernwärme ausgekoppelt wird. Sowas modernes baut EON ind Schweden aber bei uns diskutieren wir ungelegte Eier anstatt über reale Möglichkeiten.
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von kritiker_01 kritiker_01 ist gerade offline | 3.3.2009 14:09 Uhr
Nun ..... so ganz ohne ...... @gauer
Kühlturm oder einen anderen Möglichkeit der Rückkühlung geht es nun mal leider nicht. Das liegt einfach in der Natur der Sache wie in solchen Werken Energie erzeugt wird. Berlin Mitte ist zum Beispiel so ein Beispiel wo man dachte "ohne" Kühlturm auszukommen. Wie sich aber zeigte stand das Werk in den Sommermonaten mehr als es lief. Einfach weil nicht genügend Abnehmer für das warme Wasser im Sommer vorhanden waren und der Potsdamer Platz noch nicht vollständig bebaut war/ist. Also musste man sich was einfallen lassen. Wie das jetzt aussieht nach dem der Potsdamer Platz fast fertig ist und man mittels warmen Wasser im Sommer auch Klimaanlagen in den Bürogebäuden usw. betreibt weiß ich nicht. Denke aber mal das Mitte im Sommer immer noch nicht mit Vollgas läuft.

Man kann das in etwa so ins Verhältnis setzen. Je mehr warm Wasserverbraucher versorgt werden müssen, desdo kleiner kann der Kühlturm ausfallen. im Winter ist das "kein" Problem wegen der Heizung die dann noch dazu kommt. Nur die Sommermonate stellen eine Herausforderung dar.
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von berlinradler berlinradler ist gerade offline | 3.3.2009 17:01 Uhr
Fossile Brennstoffe - ein Gedankengang
Derzeit ist es unumgänglich, dass fossile Brennstoffe als Brückentechnologie verwendet werden. Würde man sie als solche verstehen, wäre ein Gaskraftwerk eine gute Sache.

ABER: Es gibt keine Anstrengung, von fossilen Brennstoffen wegzukommen.

Und so ändert man mit so einem Kraftwerk eben nur die Reihenfolge der Verbrennung, d.h. wenn man heute Gas verbrennt, verbrennt man dafür eben morgen die Kohle. Würde man ein Kohlekraftwerk bauen, wäre es genau andersherum. Bis es keine Rohstoffe mehr gibt.
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von kritiker_01 kritiker_01 ist gerade offline | 4.3.2009 7:09 Uhr
Tscha das dumme ..... @berlinradler
ist, um von fossilen Brennstoffen weg zu kommen müsste man AKW's bauen welche Thorium als Brennstoff nutzen. Ein AKW in einer Stadt ? So gut wie unmöglich zu bauen. Da bleibt dann nicht mehr viel Spielraum was ein neues Kraftwerk angeht. Kohle oder Gas, auch wenn Erdgas der völlige Blödsinn ist, weil zum einen 4-5 mal teurer als Kohle und zum anderen ist Erdgas noch vor der Kohle zu Ende. Aber da alle Parteien etc. dem CO²-Wahn verfallen sind, bleibt keine andere Wahl.

Dabei gäbe es noch eine andere Lösung und die wäre auch noch sehr zuverlässig was die Energieerzeugung angeht. Man müsste einfach nur die Windräder und Solaranlagen nehmen und mit diesen H² und O erzeugen, anstatt die erzeugte Energie "direkt" in das Versorgungsnetz einzuspeisen. Der Vorteil von einer solchen Vorgehensweise liegt eigentlich klar auf der Hand, wird aber so nicht umgesetzt/genutzt. Warum ? Vorteile: 1) Durch die Speicherbarkeit der Gase wäre man unanfälliger gegen die unbillen der Natur. Also wenn der Wind nicht oder zu stark weht oder die Sonne nicht scheint. 2) Kein CO²-Anfall bei der Nutzung zur Energieerzeugung. Denn die beiden Gase H² und O ergeben beim Verbrennen Wasserdampf. 3) Regenerativ wäre das ganze auch noch da Wasser fast unbegrenzt zur Verfügung steht. 4) Durch die bessere Planbarkeit (Wegfall des Faktors Natur) würden die Energiepreise sinken. Da man nun nicht mehr auf teure Primär- und Sekundärregelleistung angewiesen ist. Und diese Leistungen wieder in den Nomalbereich fahren könnte. 5) H² - Kraftwerke könnten sich an der Primär- /Sekundärregelung beteiligen. 6) Kohle-/Erdgaskraftwerke würden nicht mehr gebraucht werden, ebenso keine AKW's. 7) KWK fähig ist das ganze auch. 8) Überschüssiges H² könnte für Wasserstoff Autos benutzt werden. 9) Es wird keine REA oder DeNOx benötigt.

Was angesichts dieser Vorteile bleibt ist die Frage warum man das nicht so realisiert, sondern weiterhin an der ineffizenten Lösung der "direkten" Einspeisung festhält.

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