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Vattenfalls Kohlekraftwerk

Einsicht kommt vor dem Fall

Der Energieversorger Vattenfall verzichtet offenbar auf sein Kohlekraftwerk in Berlin – das hat Signalwirkung, Ein Kommentar von Stefan Jacobs.
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Vattenfall überlässt die Show wieder einmal seinen Gegnern. Als vor zwei Jahren bekannt wurde, dass der Energieversorger mitten in Berlin ein neues Kohlekraftwerk errichten will, schimpften Grüne & Co. so sehr, dass Vattenfall erschreckt schwieg. Jetzt verkünden wiederum die Kritiker die gute Nachricht: Das Kohlekraftwerk ist tot. Und Vattenfall? Schweigt.

Man brauche noch ein paar Tage, heißt es. Doch wenn Vattenfall dann seinen Plan B präsentiert, werden die Kritiker schon munter diskutieren, ob das veraltete Kraftwerk Klingenberg nicht komplett durch Mini-Heizkraftwerke, Solaranlagen und Erdwärmepumpen ersetzt werden kann.

Stattdessen hätte der Konzern die gute Nachricht selbst zelebrieren können. Als verantwortungsvolles Unternehmen habe man beschlossen, die etwa 400.000 von Klingenberg (Alt) abhängigen Berliner künftig durch klimafreundlichere Gaskraftwerke zu beliefern. Die vermeiden pro Jahr rund zwei Millionen Tonnen Kohlendioxid (ein Zehntel der gesamten Berliner Emission), können auch ohne hässlichen Kühlturm funktionieren und lassen sich leichter dem akuten Energiebedarf anpassen als ein Kohle-Dino, der übrigens 40 Jahre lang in Betrieb bleiben sollte, damit sich die Investition lohnt.

Da Vattenfall aber schweigt, kann man selbst die Wahrheit sagen: Das Kohle-Projekt war ein Luftschloss. Die angekündigte CO2-Abscheidung hätte eine gewaltige Pipeline erfordert, die zumindest theoretisch hätte leckschlagen können und deshalb wohl am Bürgerprotest gescheitert wäre. Ohne diese Technik wiederum könnte die zurzeit relativ billige Kohle in ein paar Jahren böse teuer werden, wenn die CO2-Emission bezahlt werden muss. Und die Alternative Gas mag zwar schwieriger zu bekommen sein – aber es gibt sie erstens nicht nur bei Putin, und zweitens dürfte auch der sie in einigen Jahren auf neuen Wegen liefern, auf denen keiner mal eben den Hahn zudrehen kann.

Ein Luftschloss war das Projekt aber auch, weil gerade in Berlin das Image von Vattenfall im Kohle-Fall komplett ruiniert wäre. Hier wohnen viele Menschen, die sich für den Zusammenhang zwischen ihrem Lebensstil und dem Wasserstand an der Küste von Bangladesch interessieren. Das ist Pech für den Konzern – und ein starkes Signal an die Energiebranche, das über Berlin hinaus wirken kann. Denn es ist für alle Beteiligten besser als das Beispiel Hamburg, wo die grüne Umweltsenatorin das Vattenfall-Kraftwerk Moorburg zwar nicht stoppen kann, aber durch neue Auflagen um hunderte Millionen Euro teurer macht.

Eine schlechte Nachricht bleibt: Weil der Berliner Senat ein Energiekonzept seit Jahren verschnarcht, kann er den Vattenfall- Schweigern nun keine eigenen Vorschläge entgegensetzen. Wie viele Wohnungen können mit märkischer Biomasse geheizt werden, wie viele mit Solarkraft vom Dach oder mit Erdwärme? Jetzt wäre der Moment, all das zu wissen. Schließlich wäre ein möglichst kleines Gaskraftwerk noch viel besser als ein zu großes.
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Kommentare [ 3 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von spruance spruance ist gerade offline | 4.3.2009 11:48 Uhr
1:0 für die Ludditen
Ein Sieg für die, deren Strom sowieso aus der Steckdose kommt. Der Plan B aller Kraftwerks-Nicht-bauer scheint zu sein, den Strom im Bedarfsfalle anderswo zu kaufen. Da das alle zu tun scheinen, wird der Strom in diesem Falle eben knapp und damit teuer. Macht nix, wenn auch auch die Produktion betroffen ist, wir kaufen doch sowieso in Asien ein.
Und Arbeitsplätze gibt's beim Staat.
Nur bloß nicht aufwachen!
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von colorcraze colorcraze ist gerade offline | 4.3.2009 13:57 Uhr
Tschä..
Die CO2-Abscheidetechnik für Kohlekraftwerke wird dringend gebraucht, und das heißt, es müssen jetzt mal Kraftwerke gebaut werden, an denen sich diese Technik entwickeln läßt. Wenn nicht in Berlin, dann hoffentlich in Spremberg.
Komfortabler, weil emissionsärmer und kleiner zu bauen, ist ein Gaskraftwerk in der Stadt natürlich schon.
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von xonra xonra ist gerade offline | 4.3.2009 19:08 Uhr
Ein Landesenergieprogramm,
wurde bereits zu Beginn der 90 er Jahre mit Beteiligung der Berliner Fachöffentlichkeit u.a. mit den Natur und Umweltschutzverbänden diskutiert. Der verstorbene Zukunftsforscher Robert Jungk war begeistert. 1994 wenige Monate vor der UN Vorbereitungskonferenz zur Klimarahmenkonvention in Berlin, empfahl das Berliner Abgeordnetenhaus dem Senat beinahe einstimmig die sog. Kostendeckende Einspeisevergütung für Solarstrom und eine Baupflicht für solarthermische Anlagen einzuführen. Bis heute ist daraus nichts geworden. Schade das Energiepolitik nicht auf Partys gemacht wird und das der Energieversorger BEWAG an den schwedischen Staat (Vattenfall) verhökert wurde. In Berlin wären wir sonst schon 15 Jahre weiter auf dem Weg ins Solarzeitalter.

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