Die BVG will die Arbeiten an der Verlängerung der U-Bahnlinie U 5 beschleunigen. Anlass sind die Vorbereitungen für das Humboldt-Forum: Beide Großprojekte sollen sich nicht nicht in die Quere kommen. Für die Fahrgäste hat das einen erfreulichen Nebeneffekt.
Schneller als bisher geplant soll darum beim Bau der Verbindung vom Alexanderplatz zum Brandenburger Tor auch der neue U-Bahnhof am Roten Rathaus eröffnet werden. Bereits 2014/15 könnten dort nach den Vorstellungen der BVG Züge der Linie U 5 halten – vorausgesetzt, es gibt das Geld dafür. Bisher war als Termin 2017 oder gar 2020 vorgesehen. Der Abschnitt am anderen Streckenende vom Brandenburger Tor zum Hauptbahnhof soll am 8. August in Betrieb gehen.
Als Vorleistung sind zunächst archäologische Arbeiten erforderlich, bei denen das Landesdenkmalamt umfangreiche Funde erwartet. Auch rund 150 Bäume müssen gefällt werden; die ersten noch vor Ende April. Auch das Marx-Engels-Denkmal muss vorübergehend an die nordwestliche Ecke des Forums umziehen. Anschließend soll nach den Vorstellungen von BVG-Chef Andreas Sturmowski dann schnell gebaut werden.
Die Ausschreibungen sollen noch in diesem Jahr erfolgen und nach dem Vorbild des Flughafenbaus in Schönefeld auch mittelständischen Unternehmen der Region eine Chance geben.
Am Roten Rathaus reicht der bereits Ende der 1920er Jahre gebaute Tunnel bereits fast bis ans Rote Rathaus. Damals war der Bau von den Nationalsozialisten nicht fortgesetzt worden. Unter der Station für die U 5 soll ein Abstellbahnhof gebaut werden, der irgendwann einmal für eine künftige U-Bahn-Linie U 10 zu einem Bahnhof erweitert werden könnte. Die U 10 ist als Verbindung vom Adenauerplatz über Wittenbergplatz und Potsdamer Platz sowie Rotes Rathaus/Alexanderplatz nach Weißensee projektiert.
Uneinig ist man sich noch darüber, wie der Bahnhof Berliner Rathaus gestaltet werden soll. Den Architekten des Büros Collignon schweben möglichst große Öffnungen und Glas in der Decke vor, damit viel Licht in die Tiefe dringen kann. Der BVG-Chef zieht eine billigere Lösung vor. Die Bahnhöfe an der verlängerten U 5 sollten ursprünglich von namhaften Architekten gestaltet werden. Um Kosten zu sparen, wurden diese jedoch vorübergehend zurückgepfiffen, bis sich die Stadtentwicklungsverwaltung im vergangenen Jahr entschloss, doch wieder auf die Architektenentwürfe zurückzugreifen – allerdings in sparsamerer Version.
Für den Bau der Verlängerungsstrecke vom Alexanderplatz zum Hauptbahnhof waren Mitte der 90er Jahre Kosten in Höhe von etwa 660 Millionen Euro veranschlagt worden. Rund 293 Millionen Euro sind bereits ausgegeben worden, aufgebracht zum größten Teil vom Bund.
Weitgehend aus Bundesmitteln finanziert die BVG auch die Sanierung des bestehenden Netzes. An vielen Stellen sind die Tunnel undicht; auch Anlagen aus den 60er und 70er Jahren müssen erneuert werden. Nach Angaben von BVG-Bauchef Uwe Kutscher müssen die Anlagen nach etwa 40 Jahren aufgefrischt werden; an vielen Stellen sei dies in der Vergangenheit aber oft unterblieben. Wurden nach der Wende vor allem die Anlagen im Ostteil der Stadt saniert, ist derzeit der Westen an der Reihe. Insgesamt rund 300 Millionen Euro sind dafür vorgesehen.
In vielen Fällen muss die BVG die Röhren von außen abdichten und dazu die Straße aufreißen – wie derzeit am Wittenbergplatz oder auf dem Kaiserdamm. Angenehmer Nebeneffekt für die Bezirke: Sie erhalten auf Kosten der BVG eine frisch sanierte Straße. Und so wundert man sich bei der BVG nicht, dass Verantwortliche in den Bezirken lautstark angeblich marode Tunnel bei der U-Bahn beklagen, die dringend saniert werden müssten.
Kommentare [ 23 ] Kommentar hinzufügen »
Hier geht es wohl nur um Prestige, Sinn macht das nicht....
Und die Angestellten im Rathaus können die paar Meter auch laufen, wenn sie nicht sowieso mit dem Auto kommen. Sonst will ich auch meinen U-Bahnhof vor der Tür.
"Wir sind jetzt dran" ist nach 19 Jahren Ostsubvention jedenfalls kein Argument.
Die "Bundis" haben Westberlin 40 Jahre lang mit durchgefüttert.
und jetzt dazu seit fast zwei Jahrzehnten die Ossis auch.
Wird Zeit, daß Ost- und Westberlin aus der eigenen Kasse ihre Investitionen bezahlen.
Oder Investoren so behandeln, daß Geld in die Stadt kommt.
So klappts jedenfalls anderswo.
Warum nicht auch in Berlin?
Reinhard Rupsch
Manchmal ist es schon erstaunlich wie die Sowjets nach dem Krieg innerhalb von 40 Jahren viele Berliner, die "Ostberliner", von der anderen Hälfte ihrer Stadt so erfolgreich entfremden konnten.
Die Verlängerung zur Turmstraße (irgendwann auch mal nach Jungfernheide) wird schon kommen, wenn die U5 erst mal den Durchbruch zum Hauptbahnhof geschafft hat. Schließlich wurde hier die Röhre bis kurz vor die Lehrter Straße gebaut, fast ein halber Kilometer Tunnel ist damit schon rohbaufertig.
Aber ich hoffe, Sie haben mit Ihrem Optimismus Richtung Turmstraße recht...
@nachdenken: Sinn ist kein Häufchen, man kann ihn nicht machen.
Die U 3 und nicht die U 10 sollte vom Wittenbergplatz über Potsdamer Platz (Rohbau vorhanden)über Rotes Rathaus und Alex nach Weißensse führen. (Tunnel bis Greifswalder Straße vorhanden) (Planung in 1920iger Jahren)
Darum sind auch am U-Alex im unteren Bereich 2 Bahnsteige und 4 Gleise vorhanden. Der Tunnel reicht bis zum Roten Rathaus.
"Bei der Verlängerung der U-Bahn-Linie U 5 in Berlin wurden
folgende Abschnitte nach dem Verfahren der "Standardisierten
Bewertung" untersucht:
Alexanderplatz - Turmstraße (Nutzen-Kosten-Quotient 1,95)
Turmstraße - Jungfernheide (3,49)
Jungfernheide - Flughafen Tegel (1,84)"
Ein Quotient von knapp 2 kann niemals einen Wert von unter 1 für drei Viertel der Strecke beinhalten. Der Berliner Senat hielt seinerzeit die Ermittlung für Teilstrecken nicht für notwendig, da der Weiterbau in Vorplanung war. Heute gelten Werte von 1,1 schon als ausreichend für Verkehrsbauvorhaben.
Das die parallel zur S-Bahn verkehrende U5 großteils sinnlos ist und eigentlich nur dem Prestige des Regierungsviertels dienen soll, wissen wir ja schon seit über 10 Jahren. Die S21 ist ein insgesamt ungleich sinnvolleres Projekt, dass leider weit nach hinten geschoben wurde. – Übrigens könnte man auch mit einer S21 durch den U-Bhf. Turmstraße zur Jungfernheide fahren, und damit den wertvollsten Teil der U5-Verlängerung mitnehmen und auch den U-Bahnhof Reichstag hätte man dann mit der S21 befahren können, statt mit der U5. Damit hätte man die wirtschaftlich sinnvollen und dem Regierungsviertel Prestige bringenden Teile der U5 substituiert und insgesamt eine ungleich sinnvollere Investition in die Infrastruktur der Stadt getan.
Schön, dass auch der Adenauerplatz in die Planung der U10 einbezogen wurde. Dies zeigt, dass die in den 1970ern getätigten Investitionen nicht für die Katz waren. Prima, dass man dann aus Weißensee in einem Rutsch zum Ku'Damm kommen kann oder direkt aus Charlottenburg zum Schloss in Mitte.
So wünscht sich das der Berliner. Auch wenn er meckert. Aber so isser eben.
Ob man die u10 braucht, bleibt abzuwarten, denn wo will man noch bauen :-)
Beide Projekte, also Straßenbahn und Verlängerng U5/U55 bis Turmstraße halte ich derzeit für eher utopisch. Wie sind die Meinungen hierzu?
im gegensatz dazu halte ich die verlängerung der u5 und ihre verknüpfung mit der u55 für weitaus sinnvoller. als stummelstrecke ist die u55 quark. aber die u-bahnhöfe für die u55 sind alle schon fertig und waren teuer genug. man kann sie ja nun nicht ewig als ausstellungsflächen nutzen ;-)
die s21 fährt zwar auch parallel, und zwar zum nord-süd-regionalverkehr...aber ich denke doch, dass sie zb den bahnhof friedrichstraße als umsteigebahnhof entlasten würde. das ding platzt täglich aus allen nähten und ist für die täglich zu bewältigenden menschenmassen mittlerweile gar nicht mehr adäquat.