Der Betriebsrat warnt davor, dass Weichen und Signale unzureichend auf Schnee und Eis vorbereitet werden.
Der Betriebsrat formuliert es ironisch: „Die Bahn setzt auf den Klimawandel.“ Dahinter steckt aber die Furcht, dass es in diesem Winter erneut zu einem Chaos im Betrieb kommt. Wie im Januar, als der Verkehr wegen eingefrorener Sicherheitseinrichtungen fast komplett zusammengebrochen war. Jetzt geht es um Weichen, die nach Angaben des Betriebsrats nicht ausreichend für den Winter vorbereitet worden sind und deshalb bei Frost, der nur bei einem Klimawandel garantiert ausbleibt, einfrieren könnten. Von der Bahn war bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu erhalten.
Für die Weichen ist im Bahnkonzern der Bereich Netz zuständig. Und auch dort wird gespart. Die Pflege der Weichen ist nach Angaben des Betriebsrats erheblich eingeschränkt worden. Einige Anlagen seien auch komplett aus dem Pflegeprogramm genommen worden. Und beim Fett für das Pflegen der Weichen habe man das teure Mittel, das einen geringeren Personalaufwand erfordert, mit einem billigeren „gestreckt“, sodass jetzt die Kartusche verstopfe, mit der das Fett auf die Weiche geschmiert werde. Auch im Januar hatte der Umstieg auf ein anderes Spray zum Einfrieren der Sicherheitseinrichtungen geführt.
Weichen würden, um Kosten zu sparen, auch nicht mehr ausreichend gereinigt, bemängelt der Betriebsrat weiter. Dies sei aber erforderlich, damit die Anlagen „winterfest“ sind. Bei Defekten sei der Entstörungsdienst angewiesen worden, als Ursache andere Gründe anzugeben.
Auch vorhandene Weichenheizungen seien abgebaut worden, heißt es in einem Informationsblatt des Betriebsrats. Zudem seien zum Teil „aus Sparsamkeit“ unpassende Teile eingebaut worden, sodass die Wärme wirkungslos verpuffe.
Eingeschränkt worden sei auch die Wartung der Signalanlagen. Nötige Reparaturen verzögerten sich oft, weil die Techniker inzwischen auch für das Auswechseln von Glühlampen oder das Reparieren von Wasserkochern zuständig seien, weil bei den Hausdiensten die zuständigen Mitarbeiter abgezogen worden seien.
Der Betriebsrat hatte schon vor dem vergangenen Winter vor den Folgen der Sparwut im Unternehmen öffentlich gewarnt und auch Politiker darauf hingewiesen. Folgen hatte dies nicht. Proteste gab es erst, nachdem die Züge und Signale bei starkem Frost tatsächlich ausgefallen waren.
Und erst nach dem Desaster im Sommer mit schnell verschlissenen Rädern und unterlassener Wartung bei Teilen der Bremsanlage hat Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) die Verantwortlichen zusammengetrommelt. Dieses Mal forderte sie die Bahn sofort auf, den Hinweisen des Betriebsrats, der sicher detaillierte Kenntnisse habe, unverzüglich nachzugehen, um den Betrieb auch im Winter sicherzustellen.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 21.11.2009)
Kommentare [ 29 ] Kommentar hinzufügen »
Im Gegensatz zum Netz wird bei den Zuegen so viel investiert wie nie zuvor, und abgesehen von der allgemeinen britischen Ueberlastung und Ueberteuerung fahren die sehr gut.
Darüber hinaus gibt es auch andere "Beispiele", siehe in Japan. Es gibt keine pünktlicheren Bahnen auf der ganzen Welt als jene in Japan. Und diese sind Privatunternehmen. Das Bahnnetz in Japan wurde unter 7 Bahngesellschaften aufgeteilt, so dass es kein Monopol gibt sondern 7 Gesellschaften die untereinander in starkem Wettbewerb stehen. Wettbewerb, das ist die große Stärke der Privatwirtschaft. Die Kunden stimmen mit den Füßen ab, so verbessern sich die Dinge letztlich zum Wohle aller weil Mittelmaß keine Chance mehr hat. Wenn man natürlich die Gesetze des Marktes mißachtet indem man ein Monopol schafft, also einfach die alte Staatsbahn als "Monolit" privatisiert, dann ist das meiner Meinung nach ein Fall für das Bundeskartellamt und kein Grund für "Kapitalismuskritik".
Alle Probleme die wir haben lassen sich auf unüberlegte Eingriffe der Politik zurückführen. Die "Minijobs" wurden ebenso von der Politik ermöglicht wie die Ausweitung von Leiharbeit, während die Politik umgekehrt bis heute keinen allgemeinen Mindestlohn eingeführt hat. Dadurch gibt es auf dem Markt den Anreiz einen Wettbewerb um Sozialabbau zu betreiben, wenn man in der Politik diesen Anreiz setzt braucht sich keiner wundern wenn auch genau das eintritt. Es hieß doch über Jahre von Politikern und Experten man müsse den "Niedriglohnbereich ausbauen".
Der Kapitalismus ist kein Sündenbock für alles.
Hauptsache es wird genug Gewinn erwirtschaftet!!
Noch Fragen??
Die Unterlassung nötiger Wartungsarbeiten alleine ist schon kriminell, aber wenn dann die entsprechenden Mitarbeiter auch noch offensiv zur Umbenennung von Fehler-Ursachen oder zur Verwendung billiger aber nicht passender Ersatzteile bei Reparaturen angehalten werden, dann brauchen wir nicht mit Blick auf z.B. Italien mit dem Kopf schütteln und von 'typisch italienischen', weil mafiösen Verhältnissen sprechen....! Ich bin ausser mir, das ist unfassbar! Wer will mir jetzt noch erzählen, daß derart skrupelloses Wartungs-Procedere sich nur auf die Gleisanlagen der Berliner S-Bahn beschränkt, wenn doch derselbe Drecksverein (DB-Netz) für die Strecken des gesamten Bundesgebietes, also auch des Schnell- und Fernverkehrs zuständig ist ?
Es scheint mir ein Wunder, daß wir nicht jede Woche ein "Eschede" haben !!! Es wird aber wohl nicht lange dauern, wenn auch nur die Hälfte der Vorwürfe in dem Artikel wahr sein sollte !
Man sollte die Bahn schleunigst not-verstaatlichen, BEVOR deren Entscheider UNS TOT-SPAREN !!!!
Sind wir denn alle der Willkür des unbedingten Profits dritter derart unabwendbar ausgesetzt ?
Bei einer solchen Bedrohung für Leib und Leben so vieler Menschen sollte tatsächlich die Bundeswehr im inneren eingesetzt werden dürfen - das, was bei der Bahn geschieht, ist ein kaum verhohlener Krieg gegen die Bevölkerung im Namen der Gewinn-Abschöpfer !
Es ist wirklich jammerschade, daß solche Subjekte mit sowas vor Gericht immer wieder glimpflichst davonkommen, und unsereins darf noch nicht einmal zur Gewalt aufrufen, was in diesem Fall schlicht präventive Notwehr wäre !!!
Übrigens war mindestens einer der in Italien wegen Schäden an den Radsätzen entgleisten und verunglückten Kesselwagen, denen ein halbes Dorf zum Opfer fiel in Deutschland zugelassen - Vorsicht also mit den "italienischen Verhältnissen"!
Nein! Nur geeignetes Material garantiert einen funktionierenden Betrieb, vom Personal einmal ganz abgesehen! Es ist ein Tanz auf dem Vulkan, und die Magma brodelt schon.
Der Wahnsinn aber hat Methode, und niemand lenkt wirklich ein.
Die Bahn ist immer noch Staatsbesitz. Was hier an Lärm und Gezänk zwischen Politik und Bahnmanagement ausgetragen wird, ist das gezielte Werfen von Nebelbomben für's Volk. Der Staat könnte eine andere Bahnpolitik machen, wenn er das wollte. Und der Bürger könnte einen Bahnpolitik bekommen können, wenn er das wollte. Aber die meisten wählen in dieser Frage aus Sicht durch die Windschutzscheibe und deshalb ist die Bahn in dem Zustand, wie sie eben ist.
Aber bereits im Herbst einzukalkulieren, dass irgendwann der Winter kommt, ist vielleicht auch wirklich zu viel verlangt. Ich meine, wer soll denn ahnen, dass bei Minusgraden die Weichen einfrieren?
Rote Insel
Und sollte der Winter kalt werden, wird es auf jedenfall wieder zum Chaos kommen! Geändert hat sich ja nichts. Die Technik ist noch immer dieselbe. Und neue Züge will die Bahn der S-Bahn auch nicht spendieren. Selbst beim geplanten Umbau von Waggons für mehr Fahrräder wurde gespart. Statt die Metallstangen seitlich zu entfernen und in die Mitte zu setzen, war es doch billiger einfach eine Sitzreihe zu entfernen. Aber vorher schön PR gemacht.
Die Akte DB und S-Bahn kann schon Buchseiten füllen. Ich verstehe nicht, wieso sich kein Autor bisher an der Story versucht.
Schön, dass die Fahrpreise kontinuierlich gesteigert werden - der ÖPNV ist mittlerweile eine echte Abzocke von Bürgern.
ob im Krankenwesen, Bahn egal und das Chaos ist denen auch egal, Hauptsache einige werden reich also die "Leistungsträger" um mehr geht´s nicht.
Dann erfahren wir bestimmt, daß die Kapazitäten der Toiletten
erschöpft sind.
So wie das Arbeitsamt jetzt Agentur für Arbeit heißt und trotzdem
ein Beamtehaufen bleibt ergeht es auch der DB. Zuviele reden
rein und es gibt noch immer keinen richtigen Wettbewerb. Siehe Berliner S-Bahn.
@ flexton:
"Wettbewerb, das ist die große Stärke der Privatwirtschaft. Die Kunden stimmen mit den Füßen ab, so verbessern sich die Dinge letztlich zum Wohle aller weil Mittelmaß keine Chance mehr hat."
Ihnen ist schon die Existenz von Autos, Reisebussen und Flugzeugen, im Nahbereich auch von Fahrrädern aufgefallen? Die Annahme, die Bahn sei konkurrenzlos, ist also schlicht und ergreifend falsch.
Siehe: http://tinyurl.com/y8n889j
Hoffentlich bekommen die Scheichs nicht mit, wie hier bei der Bahn gearbeitet wird, dann stornieren die womöglich noch den Auftrag - und woher kommen dann die vielen Millionen für den Vorstand?
Der menschliche Organismus benötigt abwechslungsreiche Nahrung, um zu gedeihen und „gesund“ zu bleiben. Ebenso bedarf es angemessener Behausung oder Kleidung. Die betriebswirtschaftliche Ideologie hingegen sagt, dass etwas Hirsebrei und Lehmplätzchen ja reichen, denn die Leute fühlen sich ja satt. Genauso wird mit dem „Organismus Bahn“ umgegangen. Beim Menschen dauert das Ausheilen einer Wunde – soweit keine Infektion vorliegt – mindestens zehn Tage. Die Beseitigung von Mängeln – soweit überhaupt damit angefangen wird – oder das Umsetzten von technischen Neuerungen bei einem komplexen Apparat wie der Bahn erfordern einfach Zeit und Personal. Die betriebswirtschaftliche Scholastik hingegen behauptet einfach, es ginge auch „ohne“, es ginge auch „kürzer“, und marschiert zahlenverblendet in ein neues Zeitalter der Inquisition. – Müssen wir alle da aber mitgehen – und das auch noch „freiwillig“?
Den Mitarbeitenden bzw. dem Betriebsrat der Berliner S-Bahn ist zu danken, dass man sich nicht mehr „das Maul verbieten“ lässt.
Und wie „bearbeitet“ die Bahn AG die Probleme? Eben! Mit Leugnen und dem Maulkorb für die Mitarbeitenden. – Dies entspricht einer Mentalität von persönlicher „Verantwortung“, wie sie bei den ehrenwerten Vertretenden recht spezieller Fußballwetten nicht anders sein dürfte.
wie lange wollt ihr euch eigentlich noch von den irren bei der bahn zum gespött der öffentlichkeit machen lassen? ganz europa lacht sich tot über die "weltstadt" ohne funktionierenden nahverkehr. mal sind es die "extremen witterungsverhältnisse" (gemeint waren so ca. 5 grad minus), dann ein wartungsskandal, der mal eben den verkehr sechs monate lahmlegte. das ganze bei einer völlig utopischen preisgestaltung - in JEDER anderen statd gelten einzeltickets zwei stunden in ALLE RICHTUNGEN, nicht nur in eine. von den überteuerten zeitkarten gar nicht zu reden. jedem idioten ist klar, dass dieses unternehmen geld ohne gegenleistung abgreifen will und dabei mutwillig das leben der fahrgäste aufs spiel setzt. was muss denn noch kommen, ehe der durch die bahn hundertfach gebrochene vertrag endlich gekündigt und neu ausgeschrieben wird und berlin wieder einen personennahverkehr bekommt, der seinen namen verdient?
schön, dass in berlin immer geld für stadtschlässer, tolle bibliotheksbauten und jeden anderen mist da ist, während alltag und arbeitsmarkt zusammenbrechen. und dann reibt ihr euch verwundert die augen, weil so viele "junge familien" wegziehen, so der tenor eines jaul-artikels im tagesspiegel vor nicht allzu langer zeit. wie wäre es denn mal mit infrastruktur und perspektiven schaffen statt jammern? empfehlung: ein ausflug nach stockholm, kopenhagen oder oslo - alles städte mit einer erheblich höheren lebensqualität und bedeutend weniger allüren. beispiel nehmen und nachmachen!