[Kommentare: 34]

S-Bahn-Chaos

Jetzt auch Radriss bei einem Regionalzug

Auch das noch: Wie jetzt bekannt wurde, gab es vor ein paar Tagen einen Radriss bei einem Wagen eines Regionalzuges. Diese werden zurzeit vermehrt als Ersatz für die S-Bahnen eingesetzt. Unterdessen sollen Lokführer die Kunden beraten.
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Nicht sicher? Die Berliner drängeln sich in die Regionalbahnen statt in die S-Bahn, doch nun wurde ein Radriss bei einem Zug entdeckt. - Foto: dpa
Berlin -  Die Unglücksserie bei der Bahn hört nicht auf: Jetzt gab es auch noch einen Radriss bei einem Wagen eines Regionalzuges – das sind jene Züge, die jetzt auch auf Strecken in Berlin vermehrt eingesetzt werden, um die Ausfälle bei der S-Bahn auszugleichen. Das Rad des roten Doppelstockwagens älterer DDR-Bauart war gerissen, nachdem dort eine Klotzbremse festgelaufen war. Das Eisenbahnbundesamt hat seine Überprüfungen am Fuhrpark der Deutschen Bahn nun weiter ausgedehnt.

Der Zwischenfall ereignete sich am Bahnhof Wünsdorf-Waldstadt in Brandenburg. Wie erst jetzt bekannt wurde, entdeckten Fachleute den Radriss dort am 17. Juli bei einer Bremskontrolle. Ein Bahnsprecher sagte gestern Abend, der Doppelstockwagen sei bereits am 14. Juli überprüft worden. Bei einer weiteren Kontrolle drei Tage später sei dann der Defekt aufgetreten – ob bei voller Fahrt oder bei langsamer Geschwindigkeit, war gestern nicht zu klären. Der in den 90er Jahren aufwändig umgebaute Wagen aus alter DDR-Produktion verkehrt sonst von Wünsdorf-Waldstadt über Berlin nach Dessau mit teils bis zu 120 Kilometern pro Stunde. Nach Angaben des Bahnsprechers werden die 44 baugleichen Wagen jetzt untersucht, nach derzeitigem Kenntnisstand muss kein weiterer aus dem Verkehr gezogen werden.

Unterdessen naht Hilfe für orientierungslose Touristen und Berliner auf S-Bahnhöfen, die auf die selten fahrenden und teils verspätet eintreffenden Züge warten. 85 zusätzliche Mitarbeiter weisen ihnen den Weg zum Ersatzverkehr. Die Mitarbeiter kommen aus der Verwaltung der S-Bahn, sogar Lokführer sind dabei. Außerdem sollen Ansagen auf Englisch und mehrsprachige Flyer Berlin-Touristen besser durch das Chaos lotsen. Am Montag will Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) eine Zwischenbilanz der Einschränkungen im Berliner S-Bahn-Verkehr ziehen. Wie beim vergangenen Krisentreffen vor gut einer Woche wird die Lage mit Vertretern der regionalen Verkehrsunternehmen und der Deutschen Bahn erörtert. Seit Montag fahren auf der Stadtbahn zwischen Zoologischer Garten und Ostbahnhof keine S-Bahn-Züge mehr. Und in Berlin ist nur noch ein Drittel der Fahrzeugflotte im Einsatz. Zur Bewältigung des Ersatzverkehrs unterstützen der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die Deutsche Bahn sowie Verkehrsunternehmen aus München und Stuttgart die S-Bahn. Der derzeitige Notfahrplan soll bis 10. August gelten.

Wer aber bezahlt die Sonderschichten Dritter? Die S-Bahn verweist auf den Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB). Dort ist die Ansage klar: „Laut Verkehrsvertrag muss die S-Bahn für Ersatz sorgen, wenn sie ihre Leistungen nicht erbringt, deshalb ist die Bezahlung deren Sache“, sagt Sprecherin Elke Krokowski.

Dass die im Notfahrplan neu eingerichtete S21 von Gesundbrunnen nach Südkreuz bisher nur wenig genutzt wird, führt man beimVBB darauf zurück, dass sich diese Leistung bei den Fahrgästen noch nicht herumgesprochen hat.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund appellierte an die Fahrgäste der Berliner S-Bahn, ihren Zorn über das Verkehrschaos nicht an den Bahnbeschäftigten auszulassen. Schuld sei das Missmanagement und niemand sonst. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Hellmut Königshaus schlug vor, alle Fahrgäste zum ermäßigten Tarif fahren zu lassen. Bisher soll nur Abo- und Jahreskarteninhabern ein Monatstarif erstattet werden.

Die Grünen forderten erneut, den Vertrag mit der Deutschen Bahn über den Betrieb der S-Bahn zu kündigen. „Die nehmen uns doch nicht mehr ernst“, sagte die verkehrspolitische Sprecherin der Fraktion, Claudia Hämmerling. Schuld an dem S-Bahn-Chaos sei der „Kostendruck von oben“. Die Hälfte des Zuschusses für deren Betrieb, den das Land an die S-Bahn bezahlt, reiche die S-Bahn als Gewinn an die Bahn weiter. Dafür werde die Wartung der Wagen und der Service im Streckennetz runtergefahren. In den vergangenen vier Jahren war nach einem Geschäftsplan der S-Bahn die Zahl der Mitarbeiter halbiert, die Verschuldung um 300 Millionen Euro abgebaut und der Gewinn um 100 Millionen Euro erhöht worden. Ralf Schönball/Annette Kögel



(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 23.07.2009)
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Kommentare [ 34 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von micshow micshow ist gerade offline | 22.7.2009 20:09 Uhr
Ich hab das schonmal geschrieben:
Was kommt denn nun direkt danach, liebe Frau Hämmerling, wenn der Vertrag sofort gekündigt wird? Klar, die Argumente für die Kündigung wiegen schwer. Aber wer soll nach der Kündigung, die ja sofort geschehen soll, die S-Bahn ersetzen? Allein die Frage mit dem Wagenpark hätt ich dann gerne mal beantwortet - woher sollen denn die ganzen Wagen kommen? Von der Bahn abkaufen und dann vielleicht auch noch die Werkstätten von der Bahn mieten? Ich glaube dann würde "uns" die Bahn noch viel weniger ernst nehmen. De facto wird hier also ein noch chaotischerer als der momentane (nicht nur für mich unhaltbare) Zustand gefordert. Diese billige Polemik bin ich eigentlich nicht so von den Grünen gewohnt..
Also: Was ist denn nun ihr wirklicher Vorschlag, Frau Hämmerling?
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von sans sans ist gerade offline | 22.7.2009 20:59 Uhr
was danch kommt ist nicht schwer
nach der Kündigung kommt die Auferlegung, das heißt, die S-Bahn wird verpflichtet, den Verkehr nach direkten Vorgaben weiterzufahren. Und damit hat man Zeit gewonnen, mit derS-Bahn Berlin GmbH und allen anderen interessierten Anbietern über einen Verkehrsvertrag über die nächsten, sagen wir mal 5 Jahre zu verhandeln und währenddessen kann man in aller Ruhe die Ausschreibung von S-Bahn-Leistungen in Berlin und einen *guten* Verkehrsvertrag für den zukünftigen Betreiber vorbereiten.
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von prokrastes prokrastes ist gerade offline | 22.7.2009 22:21 Uhr
Wieso abkaufen oder mieten?
Enteignen! Die Bahn ist offensichtlich unfähig, Gemeinschaftsgut (S-Bahn, bestehend aus Wagenmaterial, Strecken und Infrastruktur) sinnvoll zu betreiben.

Also muss man die Bahn diesbezüglich entmündigen. Und da sie ja derzeit noch ein Staatsbetrieb ist, ist eine Übereignung der S-Bahn Berlin an das Bundesland Berlin ja auch nicht zu vergleichen mit der Enteignung eines Privatbetriebes.

Und wenn die S-Bahn erst mal Berlin gehört (wem sonst?), dann kann die BVG die S-Bahn betrieben oder meinetwegen ein anderes Unternehmen die S-Bahn von Berlin mieten um sie für Berlin zu betreiben.
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von baerliner42 baerliner42 ist gerade offline | 23.7.2009 9:35 Uhr
Die Bahn kann nicht enteignet werden...
Völkerechtlich gesehen sind die BRD und die Bahn nur Verwalter einer Bahngesellschaft, die dem Deutschen Reich gehört, das lt. Bundesverfassungsgericht als Rechtskonstrukt noch existiert. Und im Grundgesetz haben die Alliierten das Eigentum des Deutschen Reiches, das sich in ihrem Hoheitsgebiet befindet, der BRD zur Verwaltung übergeben.

Das bedeutet, eine "Enteignung" ist vollkommen sinnlos, da es keine Instanz gibt, die diese Enteignung vornehmen könnte (außer vielleicht die Alliierten, die sich hüten werden, da die BRD ja alles tut, was sie von ihr verlangen, bis hin zu grundgesetzwidrigen Angriffskriegen, ...). Allerdings ist es seitens der BRD ein Verbrechen, Betriebe wie die Bahn oder auch die Post zu "privatisieren", da sie ja gar nicht der BRD gehören.
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von frolueb frolueb ist gerade offline | 23.7.2009 10:09 Uhr
ach herrje
@baerliner42: Sie glauben das mit dem Deutschen Reich wirklich, oder?
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von baerliner42 baerliner42 ist gerade offline | 23.7.2009 12:28 Uhr
@frolueb: Deutsches Reich usw.
Ich habe mich mit solchen Frage über Jahre mehrfach beschäftigt, bis ich begonnen habe, es zu glauben.
Nach Grundgesetz geht das Völkerrecht dem Recht der BRD voraus. Und nach Völkerrecht (z. B. Haager Landkriegsordnung) ist das so. Es gibt darüber Bücher, z. B. "Das Deutschland-Protokoll 1".

Natürlich ist mit dem DR nicht eine entmenschlichte NS-Diktator gemeint. Auf welchem Stand man eigentlich aufsetzen müßte (1871?), ist eine interessante Frage, weil schon die Weimarer Republik durch Fremdbestimmung und entgegen damaligem Völkerrecht entstanden ist.

Ich bitte zu beachten, daß das Grundgesetz durch die Alliierten (unter mittlerweile weitestgehend zurückgezogenen Vorbehalten) in Kraft gesetzt wurde und niemals niemals durch das Deutsche Volk demokratisch legitimiert wurde, weder direkt durch Volksabstimmung noch indirekt durch ein nach deutschem Recht vom deutschen Volk gewählten Parlament (wenn ein nach Grundgesetz gewähltes Parlament darüber entscheidet, ob das Grundgesetz rechtsgültig ist, ist das wie Baron Münchhausen, der sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen haben will). Auch der Name "Grundgesetz" wurde bewußt gewählt, um klarzustellen, daß es sich um ein fremdbestimmtes Recht handelt (bitte mal die Rede von Carlo Schmid, SPD, Professor für Völkerrecht, vor dem Parlamentarischen Rat dazu lesen).

Natürlich haben Politiker, die glauben, daß das "Nation Building" der USA usw. rechtmäßig ist, auch Politologen an der Hand, die "passende" Staatsdefinitionen geschaffen haben.
Allerdings sind selbst diese nicht auf die BRD anwendbar: Sogar das Bundesverfassungsgericht hat in mindestens 2 oder 3 Entscheidungen entschieden, daß das Deutsche Reich als Rechtskonstrukt noch existiert, aber mangels Staatsorganen nicht handlungsfähig ist.

Ich hoffe, damit habe ich einen Anstoß gegeben, sich damit mal zu beschäftigen. Bitte glauben Sie mir kein Wort, sondern prüfen es selber nach - oder versuchen Sie es zu widerlegen, das Ergebnis ist dann noch überzeugender!
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von ralffrh ralffrh ist gerade online | 23.7.2009 12:06 Uhr
wie jetzt ???
Welches Grundgesetz meinen sie denn ? In dem das ich kenne steht sowas nicht.
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von nightshift nightshift ist gerade offline | 23.7.2009 1:51 Uhr
Polemik ist hier fehl am Platz
Politiker, hier besonders Frau Hämmerling, neigen ja gerne zu unüberlegten verbalen Schnellschüssen. Ich bin seit fast 25 Jahren Lokführer bei der S-Bahn und glaube mehr zu wissen, als so manch Kommentator hier über diese Desaster! Ersteinmal ist die Deutsche Bahn einer der größten Arbeitgeber in Berlin. Sie bezahlt ihre Mitarbeiter halbwegs vernünftig, was der Stadt ja auch zugute kommt. Wenn diese Chaos irgendwann einmal beendet ist und die verantwortlichen Politiker mal tief Luft geholt haben, dann sollte mal genau überlegt werden, was zu tun ist. Ich gebe hiermit mal eine Hilfsstellung. Eine Verlängerung des Vertrages nach 2017 wird nur unter bestimmten Auflagen zugestimmt!!!
Aufsichtspersonal auf allen stark frequentierten Bahnhöfen! Videoüberwachung in den Zügen !!! Kameraüberwachung auf allen Bahnhöfen bzw. Sicherheitspersonal auf den Zügen oder auf den Bahnsteigen. Werkstattkapazitäten, die auch in angespannten Situationen, schnell eingreifen können.
Wenn dem die Deutsche Bahn zustimmt, wird die Berliner S-Bahn wieder den Ruf des besten Nahverkehrsunternehmen Deutschlands gerrecht!!!!!!!!!!
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von treptower treptower ist gerade offline | 23.7.2009 14:02 Uhr
@micshow | 22.7.2009 20:09 Uhr
Was danach kommt?

Für die Bahn ist mit der Kündigung der restliche Wagenbestand nur noch Schrott. Vielleicht kann man bei einer Handvoll von Zügen die Stromabnehmer umbauen und nach Hamburg befördern. Alles andere dürfte nach meinem Verständnis her sehr aufwändig sein, das umzubauen. Bis ein Zug mal ein anderes S-Bahn-Netz befahren dürfte, ist der Aufwand zu hoch (nicht zu letzt müssen ja die Räder nun auch umgebaut werden).

Also hat die Bahn zwei Möglichkeiten: Verschrotten. Oder Verkaufen. In jedem Fall ist für die Bahn ein Verkaufen besser. Und das Land oder die BVG hat die Möglichkeit, diese nun zu kaufen oder neue bauen zu lassen. Letzteres kommt uns zwar teurer, hätte aber ggf. bessere Räder und eben neue Wagen. Man steht in der besseren Verhandlungssituation.

Sicher heißt diese Kündigung erst einmal Stillstand. Nur: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Als Bahnchef Grube in die Geschichte reingehangen hat, hatte das den Anschein gehabt, da versucht nun wirklich jemand was zu retten. Aber dieser Eindruck ist schon nach drei Tagen wieder verflogen. Nein, es wird sich nichts ändern. Die Bahn schafft ja noch nicht einmal eine sinnvolle Informationspolitik in ihrem selbst induzierten Chaos.

Unter diesen Gesichtspunkten ist der Vorschlag der Grünen, nach diesem Chaos einen Schlußstrich zu ziehen, der einzige sinnvolle und konsequente Weg. Alles andere ist nur Flichtenschusterei.

(Ob am Ende nun BVG, ggf. die Stadt eine neue Tochter gründet oder ggf. die ODEG/Hochbahn das am Ende betreiben wird, kann nach der Kündigung diskutiert werden)
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von anmerker anmerker ist gerade offline | 22.7.2009 23:14 Uhr
Kündigung des Verkehrsvertrages?
Schon wieder so ein "Grüner" Schwachsinn. Mit dieser Drohung und Aussicht konfrontiert sollte die Deutsche Bahn der Politik zuvor kommen, den Räderwechsel abbrechen, den Vertrag kündigen und den Berliner S-Bahnverkehr komplett einstellen. Bis der Senat ausgeschrieben und voraussichtlich händeringend einen neuen Betreiber findet, werden "Grüne" und deren Sympathisanten als Esel verkleidet die Fahrgäste durch die Stadt und das Umland tragen.
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von unbekannt | 22.7.2009 23:31 Uhr
So ist das
wenn alles liberalisiert wird, was sagt eigentlich die FDP dazu die doch nach der Wahl alles den Privaten überlassen will und der Staat sich aus allem raushalten soll. Wer merkt eigentich, dass das ein Systemfehler in jedem Winkel dieses Landes ist. Die Privatunternehmer interessieren sich nicht für Kunden egal ob bei Lebensmittel, Banken, Versicherungen etc. die bauen Arbeitsplätze ab kassieren selbst in die eigene Tasche und haben dann plötzlich und unerwartet Schulden, ach wo kommen die denn her und dann soll der Steuerzahler die Zeche zahlen, so und nicht anders läuft dieses System und die FDP mit der CDU werden das nach dem 27. Sept. weiter ausbauen und den Rest wie hiess es so schön regelt der Markt, ach nee das war ja der STeuerzahler
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von unbekannt | 23.7.2009 8:24 Uhr
wow
coole binsenweisheiten!
Comment
von frolueb frolueb ist gerade offline | 23.7.2009 10:11 Uhr
ne is klar
@oliver111
Mal beobachtet, dass die ganzen bösen privaten Eisenbahnunternehmen weniger in Schwierigkeiten geraten wie die immer noch Staatsbahn? Wie erklären Sie das denn?
Comment
von mimimat mimimat ist gerade offline | 23.7.2009 10:21 Uhr
äähhmm
Die FDP regiert doch weder in Bund noch Berlin. Und alles privatisieren wollen sie auch nicht.
Alles verstaatlichen hatten wir auch schon mal - ging nicht gut.

PS.: Ab der 4. Zeile war alles EIN Satz, ja? ;-)
Comment
von camino camino ist gerade offline | 23.7.2009 8:43 Uhr
Ja, Ja, um Privatisierungen der Einrichtungen ...
... der öffentlichen Daseinsversorgung (Energie, Wasser, Transport, Bildung, Gesundheit) wird schon im Vorfeld üblicherweise massiv Mist gebaut; hier wollte ja Mehdorn unsere Bahn aufhübschen für seinen Börsengang.

Und wie "effizient" privat-wirtschaftlich geführte Unternehmen der 'Daseinsversorgung der Bürger' diese Dienstleistungen erledigen, erleben wir auch täglich und eben auch hier: Wartung wird vernachlässigt, weil sie eben ein lästiger Kostenfaktor ist.

Beim Berliner Wasser ist es ja mit der Wartung ähnlich! Die in den Geheimverträgen garantierte Rendite von 8% an Veolia und RWE auf den Zeitwert der BWB kann nur erwirtschaftet werden, indem man an der Wartung weiter spart und die Kunden weiter schröpft. Noch wirtschaften diese Firmen beim Absahnen die Substanz der Leitungen herunter und wenn das System dann verrottet ist nach 25 Jahren, dann wird es an die Kommune zurückgegeben, wie in London mit Thames Water demonstriert.
Ich sage Schluss mit allen Privatisierungen, die mit der Daseinsversorgung der Bürger zu tun haben. Stünde die Privatisierung der Bahn, wie von der EU und der Bertelsmann-Stiftung vorangetrieben, nicht an, wäre sicherlich die S-Bahn in einem wesentlich besseren Zustand. Die Zusammenhänge liegen ja auf der Hand.

Comment
von fredericussecondo fredericussecondo ist gerade offline | 23.7.2009 8:44 Uhr
Qualitätssicherung, ISO 9001/2 und sonstiges
Hat in der real-existierenden Produktionswirtschaft leider immer nur zu einem Ergebnis geführt:

Abmagerung der Aufwendungen für Forschung & Entwicklung, Reduktion der Zeiten für die reale Abarbeitung der Qualitätskontrollen, Abmagerung der erzielbaren Verkaufspreise.

Schlussendlich werden heute faktisch als Normzustand, nur noch virtuelle, auf Papier oder Plastikscheiben dokumentierte Qualitäten attestiert und zertifiziert.

Das Bescheisserprinzip ist nicht nur Realsystem in der Finanzanlagen- und -spekulationsbetrugswirtschaft.

Dieses Prizip beherrscht - wie all in diesem System beschäftigten wissen (aber darüber nicht laut reden)- auch in den Produktionsunternehmen, die inzwischen von "Finanzinvestoren" kontrolliert, diszipliniert und finanziell und menschlich ausgeweidet werden.

Das System ist "der real-existierende Planwirtschaftssozialismus, nur eben mit kapitalistischen Instrumenten optimiert."

Der Zusammenbruch erfolgt - unausweichlich - nach Aus- und Erschöpfung aller vorhandenen Restrescourcen an Kapital und menschlicher Leistungsenergie.

Finito la guerra economica.
Comment
von ottonormal ottonormal ist gerade offline | 23.7.2009 8:54 Uhr
Autofahrverbot...
...für alle Manager der Bahn, bist die S-Bahn wieder vollständig läuft! Die Bonzen sollen am eigenen Leib spüren, wie öffentlicher Nahverkehr ist.
Comment
von unbekannt | 23.7.2009 9:19 Uhr
also
bei der bahn läuft momentan einiges nicht rund-aber ob das für die panikmache die jetzt in den medien stattfindet,ausreicht?
Comment
von alterschwede alterschwede ist gerade offline | 23.7.2009 10:08 Uhr
@mitte41 - Panikmache
Also, wenn sowas in Ostberlin in den 80ern passiert wäre, hätten wir die Wende bereits zwei Jahre früher gehabt, denn das hätte viele Menschen, obwohl gewöhnt an sozialistische Misswirtschaft, nachhaltig schockiert.
Comment
von unbekannt | 23.7.2009 10:31 Uhr
stimmt
aber es ist doch nicht nur für die bahn bezeichnend dass kaputtgespart wird?das ist heute in jedem unternehmen so!und bund und senat nimmt sich da nicht aus!das wird nur vergessen.....
das ganze system krankt!
aber nur deshalb weil es von geldgierigen managern geführt wird!
die haben nicht das unternehmen im auge,sondern nur das ziel:genug rauszupressen,wie aus ner zitrone!
Comment
von unbekannt | 23.7.2009 9:33 Uhr
Die Bahn sollte wieder verstaatlicht werden.
Das Experiment war nicht von Erfolg gekrönt. Man scheiterte. Auf hohem Niveau. Eine neue Form der staatlichen, bzw. öffentlichen Leitung der Bahn sollte gefunden werden. Der Markt regelt es eben nicht.
Comment
von frolueb frolueb ist gerade offline | 23.7.2009 10:12 Uhr
@ul
die Bahn ist immer noch staatlich. Sie befindet sich noch voll im Besitz des Bundes. Ich versteh also immer dieses "sollte WIEDER verstaatlicht werden" nicht.
Comment
von unbekannt | 23.7.2009 19:22 Uhr
@frolueb
Wenn sie tatsächlich staatlich wäre (nicht nur eine Mehrheitsbeteiligung auf dem Papier), dann würde sie nicht das kommerzielle Affentheater veranstalten, das sie veranstaltet. Sie wäre wieder voll und ganz für die Bürger da.
Was gibt es da nicht zu verstehen??
Comment
von mimimat mimimat ist gerade offline | 23.7.2009 10:27 Uhr
kann er auch nicht
Der Markt kann an der Stelle schlecht regeln, denke ich. Dazu müsste auf dem gleichen Streckennetz ein Konkurrenzunternehmen vorhanden sein, dass z.B. bessere Qualität bei besseren Preisen anbietet. Die BVG fällt aus, da sie eher ergänzend zu sehen ist und ja auch nicht die gleichen Strecken fährt.
Verstaatlichung hat immer das Problem, dass die Verantwortlichen mit der "ist ja nicht mein's"-Mentalität rangehen.
Eine Kontrollinstanz wäre nötig - eine, die ihre Aufgabe auch erfüllt.
Comment
von mondraketenflieger mondraketenflieger ist gerade offline | 23.7.2009 9:42 Uhr
aus einer Hand
Den Verkehrsvertrag mit der S-Bahn zu kündigen, ändert nichts an der augenblicklichen Situation, ist also polemischer Quatsch. Kurzfristig müssen die Probleme erst einmal bewältigt werden, dies wird einige Wochen und Monate dauern, daran führt kein Gleis (Weg) vorbei.
Langfristig sollte die S-Bahn GmbH von der Bahn abgekauft und der BVG übereignet werden. Hier sind Erfahrungen und Fachleute in allen Bereichen vorhanden. Außerdem sollte mindestens eine S-Bahnwerkstatt zusätzlich wieder in Betrieb genommen werden, ebenso muss natürlich das S-Bahnpersonal mit übernommen und der Verkehrsvertrag mit der BVG angepasst werden.
Comment
von schoenerball schoenerball ist gerade offline | 23.7.2009 10:03 Uhr
Aus Sicht der Autolobby
haben die Berliner doch viel zu wenig Autos.
Was könnte da schöneres passieren als einen funktionierenden Nahverkehr auszubremsen?
Statt die Züge mit reduzierter Geschwindigkeit fahren zu lassen und die Fahrgäste ans Ziel zu bringen, stellt man Züge, die jahrelang zuverlässig gefahren sind, aufs Abstellgleis.
An einen Zufall kann ich nicht glauben....
Comment
von ganymed ganymed ist gerade online | 23.7.2009 11:16 Uhr
berlin spielt hauptstadt
und ist so langsam aber sicher..entwicklungsland. entwicklungsbundesland.
Comment
von lfniederer lfniederer ist gerade offline | 23.7.2009 13:58 Uhr
Was wollen Sie uns mit diesem Kommentar sagen?
Auf diesen Kommentar empfehle ich dies:

http://www.morgenpost.de/berlin/article1137010/Berlin_in_weltweitem_Staedtevergleich_unter_Top_Ten.html

Nicht für ungut.
Comment
von timbuktu timbuktu ist gerade offline | 23.7.2009 11:39 Uhr
Radsätze
Mir scheint es da ein Problem zu geben, das die Grenzen der Technik aufzeigt. Bisher wurde immer nur von den defekten Radsätzen geschrieben. Warum geht man nicht einen Schritt weiter und hinterfragt die Kombination Schiene / Radsatz? In dieser Technik, mit Sinuslauf und anderen Erkenntnissen, hat sich in den letzten 150 Jahren kaum etwas geändert.
Comment
von Maxe Maxe ist gerade offline | 23.7.2009 11:54 Uhr
Alles nur ein Test
Das ist alles ein großangelegter Feldversuch für die Streckenvergabe in 2016.

S-Bahn und DB wollen testen und nachweisen, dass sie mit nur einem Drittel/Viertel des heutigen Fahrzeugbestandes und Belegschaft einen ÖPNV für eine Millionenstadt meistern und die Nutzer mit diesem Angebot vollauf zufriedenstellen können.

Da auch die vom Senat zu zahlenden Kosten erheblich geringer wären, können sich DB und S-Bahn 100%iger Siegchancen sicher sein, da keiner zum Unterbieten da sein wird.

Die ganzen Beschwerden hier und anderswo sind also jedweder ökonomischer Vernunft abhold und stellen nur einen Bremsklotz im fortschrittlichen wirtschaftlichen Denken unserer klügsten Köpfe dar
Comment
von eteco eteco ist gerade offline | 23.7.2009 13:23 Uhr
Radrisse überall
und einstürzende Neubauten sowie rutschende Berge: da ist wohl zuviel schief gelaufen in den letzten Jahren. Vergessen wir nicht: all diese Vorkommnisse haben schon Leben gekostet!! So geht es nicht weiter.
Made in Germany ?
Comment
von boffi boffi ist gerade offline | 23.7.2009 15:04 Uhr
@eteco
in athen haben wir jeden tag chaos, deshalb kamen so viele junge griechen, vor allem studenten, so gern nach deutschland, vor allem nach berlin. das wird sich wohl jetzt abrupt ändern.
Comment
von boffi boffi ist gerade offline | 23.7.2009 15:20 Uhr
hirnrissig
langsam, aber sicher stellen sich zweifel an den bisher mit recht gelobten qualitäten der deutschen wertarbeit ein.
Comment
von Frikadello Frikadello ist gerade offline | 23.7.2009 15:39 Uhr
Warum nicht ernst genommen?
In einem stimme ich Frau Hämmerling sicher zu: der Senat und das Berliner Abgeordnetenhaus werden von der Bahn nicht mehr ernst genommen. Nur warum sollten sie auch? Die einzige Regulierungsmöglichkeit die Senat und Abgeordnetenhaus nicht nur der S-Bahn gegenüber noch haben ergeben sich aus den immer weiter sinkenden Zuschüssen. Die exzessive Auslagerungen öffentlicher Betriebe der Daseinsvorsorge aus dem Einflussbereich des Senats und Abgeordnetenhaus durch Gründungen privatrechtlicher Organisationen, in wessen Besitz auch immer, war eine grandiose Selbstkastration, für die die Grünen Hände zumeist nach oben gingen.
Man muss sich das einmal vorstellen, die für Berlin lebenswichtige S-Bahn ist vom Land Berlin parlamentarisch nicht mehr kontrollierbar. Evtl. Informationen zur Beantwortung parlamentarischer Anfragen sind nicht mehr erzwingbar sondern hängen vom Good-Will der S-Bahn ab.

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