[Kommentare: 16]

Wartungschaos

Wirtschaftsprüfer sollen Schuldige bei der S-Bahn finden

Bei der S-Bahn wurden offenbar systematisch Werkstattberichte gefälscht und gegen Wartungsvorschriften verstoßen. Nach Überzeugung des Bahnvorstands Homburg geschah dies auf Anweisung von "ganz oben".
Anzeige
Bild vergrößern
Mit gefälschten Wartungsberichten hat die S-Bahn offenbar auch Fahrgäste in Gefahr gebracht. - Foto: ddp
Bei der Berliner S-Bahn sollen ab sofort unabhängige Prüfer die Unregelmäßigkeiten bei den Sicherheitsüberprüfungen der Züge untersuchen. Der Vorstand für Personenverkehr der Deutschen Bahn AG, Ulrich Homburg, kündigte am Freitag in Berlin an, neben der internen Revision seien auch Wirtschaftsprüfer von KPMG und eine Anwaltskanzlei eingeschaltet. Mit den neuen Partnern werde auch ein Konzept zur künftigen Vermeidung "solcher Vorgänge" erarbeitet.

Homburg sagte, seit 2004 sei bei der S-Bahn Berlin GmbH "systematisch" gegen Tauschvorschriften für Bremszylinder an den Zügen verstoßen worden. "Es sind Prüf- und Wartungsarbeiten dokumentiert worden, die nicht vollständig oder gar nicht durchgeführt wurden", fügte Homburg hinzu. "Einige Dokumente suggerieren nur, dass etwas ausgeführt wurde." Augenscheinlich sollte eine heile Welt vorgespielt werden. Die Aufklärung erfolge lückenlos und ohne Ansehen der Person.

Fälschungen haben strafrechtliche Relevanz


Es entziehe sich seiner Vorstellungskraft, dass einzelne Werkstattmitarbeiter aus eigenem Antrieb vorsätzlich fälschten und gegen Vorschriften verstießen. "Dagegen sträube ich mich", betonte Homburg. Nach seiner Überzeugung war das "nur auf Anweisung von oben" möglich. Nun gehe es darum zu ermitteln, wer den Beschäftigten diese Anweisungen erteilt hat. Die damaligen Vorgänge bewegten sich offensichtlich im strafrechtlichen Bereich.

Vor dem Hintergrund der anfallenden Mehrarbeiten lobte Homburg die Werkstattmitarbeiter und sagte: «Sie machen einen Irrsinnsjob.» Zur Unterstützung wurden den Angaben zufolge rund 30 Mechaniker aus dem Bahnwerk Eberswalde nach Berlin geholt. Die Aufarbeitung der Bremsen erfolge zusätzlich in Fulda, dem S-Bahn-Werk Schöneweide und beim Bremsenhersteller Knorr.

Lokführergewerkschaft: Mittleres Management gab Anweisungen


Zugleich kündigte Homburg weitere Überlegungen zur Entschädigung für die Fahrgäste an. Bislang sollen nur Abokunden im Dezember einen Monat kostenfrei fahren dürfen. Homburg sagte: "Wir werden uns gegebenenfalls Gedanken zu einem neuen Personenkreis machen." Konkretes werde in der "nächsten Zeit" mitgeteilt.

Auch die Lokführergewerkschaft GdL fordert eine zügige Aufklärung der Vorwürfe, wonach bei der S-Bahn Wartungsprotokolle gefälscht worden seien. Dies sei vorrangig, um die Mitarbeiter von einem Generalverdacht zu befreien, sagte der Vorsitzende des GdL-Bezirks Berlin-Brandenburg-Sachsen, Hans-Joachim Kernchen. Er könne sich nicht vorstellen, dass in diesem sicherheitsrelevanten Bereich Mitarbeiter vor Ort diejenigen seien, "die entscheiden, machen sie die Arbeit oder machen sie sie nicht". Für Kontrolle und Anweisungen sei das mittlere Management verantwortlich gewesen.

Wegen Sicherheitsmängeln an den Zugachsen ist der S-Bahn-Verkehr bereits seit Monaten eingeschränkt. Nun wurden zusätzlich Probleme an Bremszylindern entdeckt, die umgehend beseitigt werden müssen. Seit Montag ist deshalb lediglich ein Viertel der S-Bahn-Flotte im Einsatz. (ho/ddp)
Sie interessieren sich für dieses Thema und wollen keinen Artikel im Tagesspiegel dazu verpassen? » Informieren | » Login

Aus anderen Ressorts

Bühne:

Das Theater und sein sozialer Wahrheitswahn
Neue Stücke werden kaum gespielt, dafür kommen echt Betroffene zu Wort.

Coming-of-Age-Manga-Comic:

Bloß nicht erwachsen werden

Soulmusiker Solomon Burke:

Jeder braucht einen zum Liebhaben

Boxen:

Wladimir Klitschko verteidigt WM-Titel
Wladimir Klitschko bleibt Weltmeister im Schwergewicht der Verbände WBO und IBF. Der 33 Jahre alte Ukrainer bezwang am Samstagabend vor rund 50.000 Zuschauern in der Düsseldorfer Esprit-Arena den US-Amerikaner Eddie Chambers durch K.o. in der zwölften Runde.

Frankfurt - Bayern 2:1:

Fünf Minuten unkonzentriert

Dortmund - Leverkusen:

Leverkusens Blackout von 15 Minuten

Kommentare [ 16 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von hresa hresa ist gerade offline | 11.9.2009 15:09 Uhr
Wurde wirklich gefälscht?
Oder waren bei bei den Prüfvorschriften dieser Punkt nicht aufgeführt, so dass das ausführende Personal "vorschriftsgemäß", nämlich nach den vorliegenden Unterlagen vorging, diese aber falsch waren?

Denn ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass ein absichtliches Fälschen der Prüfprotokolle über so eine lange Zeit nicht schon vorher zu Fragen geführt hätte.
Soll, nach Prüfvorschrift, aber gar nicht geprüft werden, stellt keinen komische Fragen.

Dann würde auch die Vermutung "von ganz oben" passen, denn die Prüfvorschriften werden ja von den "oberen" Etagen, normalerweise nach Vorgaben des Herstellers, erstellt.

Ich halte den Vorwurf der Fälschung, ohne nachweise, für eine Art von Rufmord an den die Arbeit durchführenden Mitarbeitern der S-Bahn
(kommt das gewissen Geldgeiern in den oberen Etagen vielleicht grade gelegen?)
Comment
von macthepirat macthepirat ist gerade offline | 11.9.2009 16:49 Uhr
Thats the way
ihre Beschreibung entspricht dem einzigen logisch denkbaren Weg, da man davon ausgehen muß das die S-Bahnarbeiter nicht aus purer Faulheit Prüfbericht gefälscht haben. Sie haben einfach abgearbeitet was auf den Listen stand. Und wieviele von ihnen sind neu in dem Job? Wieviele haben vielleicht auch, von den altgedienten, Angst um ihren Job? Da stellt man in den seltensten Fällen fragen, sollte einem etwas auffallen.

Am Ende wird sich herausstellen das Hr.Mehdorn in einem Nebensatz gesagt hat: Reduzieren sie die Instandhaltungskosten. Und irgendjemand kam dann auf dei grnadiose Idee mit den Bremsen und Achsen. Aber wer das war?
Nein, das wird keiner mehr wissen. Und wahrscheinlich wird man den Fahrgästen die Schuld geben, die Berliner sind alle zu dick und deshalb ist der Verschleiß höher.
Comment
von jungle jungle ist gerade offline | 11.9.2009 15:27 Uhr
Da wurde also...
die Sicherheit der Fahrgäste aufs Spiel gesetzt. Ich hoffe, man wird die Schuldigen finden und entsprechend bestrafen. Für mich ist dieses Fehlverhalten bei der S-Bahn auch auf die Privatisierung zurückzuführen.
Comment
von fsiggi fsiggi ist gerade offline | 11.9.2009 15:51 Uhr
Endlich Klartext
Ich finde es sehr gut, dass endlich auch ein hoher Bahn-Manager Klartext redet statt nur zu lavieren. Auch gut, dass gar nicht erst versucht wird, die Probleme den Werkstattmitarbeitern anzuhängen, sondern auch "ganz oben" nach der Verantwortung zu fragen.

Man darf gespannt sein, was dabei herauskommt, was die Staatsanwälte ermitteln, ob dann Anklage erhoben wird; oder ob dann doch alles im Sande verläuft im Sinne organisierter Verantwortungslosigkeit nach dem Motto, keiner ist es gewesen.
Comment
von s.theile s.theile ist gerade offline | 11.9.2009 17:07 Uhr
@ fsiggi (11.9.2009, 15:51 Uhr)
Es blieb dem DB-Vorstand auch nichts anderes übrig. Das hätte dem ganzen noch die Krone aufgesetzt, wenn eine Verantwortung des Managements hierfür abgestritten worden wäre.
Comment
von Toshiba Toshiba ist gerade offline | 11.9.2009 16:03 Uhr

Der Schuldige ist Mehdorn. Und diese Strategie, aus den S-Bahnen maximale Finanzsubstanz rauszuziehen, ist bundesweit. Nur dass es in Berlin mit seinem Rundumdieuhrbetrieb besonders auffällt. Der Schuldige ist Mehdorn.
Comment
von defcom defcom ist gerade offline | 11.9.2009 17:09 Uhr
naiv
das wohlfeile Mehdorn bashing ist - mit Verlaub - dummes Zeug und zeugt von wenig Kenntis der Machtverhältnisse in Kapitalgesellschaften. "Schuldig" in Ihrem Sinne kann allenfalls der Eigentümer /Aktionär sein, dessen Willen (hier wohl die Braut für den Börsengang hübsch zu machen) der Vorstand exekutiert. Also glaube doch bitte keiner dass Herr Mehdorn (bei aller Kritikwürdigkeit seines Tuns bei der Bahn) alleine über die Unternehmenspolitik zu entscheiden hatte. Das zu glauben wäre wirklich nur naiv.
Comment
von spielflieger spielflieger ist gerade offline | 11.9.2009 16:16 Uhr
Die Privatisierung...
....ist meiner Meinung nicht das wirkliche Problem.

Vielmehr die Tatsache, dass die Bahn immer noch ein Gemisch aus staatlichem und privatem Betrieb ist.

Ein Voll Privates Unternehmen könnte einen solchen Skandal nicht überstehen.

Stellen Sie sich vor so etwas würde bei einer Fluggesellschaft passieren und es könnten nur noch ein viertel der verkauften Tickets abgearbeitet werden.

Sowohl verstaatlichung als auch privatisierung haben Nachteile. Bei Verstaatlichung kommt dafür der Steuerzahler auf. Bei der Privatisierung direkt der Fahrgast.
Comment
von ladybird ladybird ist gerade offline | 11.9.2009 16:52 Uhr
@spielflieger
Doch, der von der Muttergesellschaft DB verordnete Zwang, unbedingt Geld für die Privatisierung der Bahn machen zu müssen, konnte von der Berliner S-Bahn nur erreicht werden, indem an der Basis (hier im Werkstattbereich) rigeros gespart, also Personal gnadenlos wegrationalisiert wurde. Das ging und geht zwangsläufig auf Kosten der Sicherheit. Plattgemacht wurden nur die "Indianer", nicht aber die Stellen ihrer Häuptlinge.

Das den S-Bahn-Managern der Profit wichtiger als Sicherheit war, ist in meinen Augen schlicht und einfach asozial zu nennen.



Comment
von omni omni ist gerade offline | 11.9.2009 18:58 Uhr
Privatisierung
Und wie erklärt sich dann, dass es in England nach der Privatisierung zu folgenschweren Unglücken kam, da auch hier an der Wartung gespart wurde?

Es ist ein Irrweg zu glauben, dass Privatisierung ein Allheilmittel ist. Der öffentliche Nahverkehr ist Teil der staatlichen Daseinsvorsorge. Es ist unverantwortlich diesen einzig und allein Renditezielen zu unterwerfen.
Comment
von ibjpo ibjpo ist gerade offline | 11.9.2009 18:09 Uhr
Kann bei den Fliegern nicht passieren ?
Ich denke wohl doch, der Flugzeugabsturz im Indischen Ozean in diesem Jahr ( A 300 ) ist wohl der lebendige Beleg dafür . der Schrott wird einfach verteilt ! Es fällt da eben nicht so auf, da der Schrott eben weltweit und unkontrolliert versetckt wird.
Sorry
Comment
von loddib loddib ist gerade offline | 11.9.2009 16:31 Uhr
KPMG
Ob die Griffelstemmer von KPMG im Nachhinein etwas finden, wage ich doch sehr zu bezweifeln, unzweifelhaft wird deren Gutachten mindestens eine 6-stellige Summe Kosten, es lebe der Berater ! Und die wirklich Schuldigen, trifft es doch eh nicht. Die Welt ist ungerecht...
Comment
von zp zp ist gerade offline | 11.9.2009 23:15 Uhr
KPMG......?
wer hat die ausgesucht ?

wenn ich mich nicht irre ist das doch die abkürzung für

Keiner Prüft Mehr Genau !

Dann gute Nacht.
Comment
von sonnyboy sonnyboy ist gerade offline | 11.9.2009 17:03 Uhr
Gewerkschaft
Frage ;was sagt die "Transnet" dazu?
Comment
von sennahoj sennahoj ist gerade offline | 11.9.2009 19:10 Uhr
"Riecht nach System.........."...
Gibt es mal erbauliche nachrichten über Berlin???
S-Bahn kaputtgespart "bis es quietscht HERR WOWEREIT"!
Tempelhof geschloßen (Steuergeldverschwendung)!
Tegel soll geschloßen werden (derzeit werden trotzdem millionen in Tegel verbaut)!
Spreedreieck Skandal (Millionen wurden verschwendet)!
Golf "Lobbyismus" (auf kosten des Steuerzahlers)!
"Verstümmelter HAUPTBAHNHOF" (Verstümmelung kostete einen zweistelligen millionenbetrag)!
Stadtschloß......etc etc..
Ich bin gespannt ob Herr Wowereit mal was positives berichtet was unsere Hauptstadt angeht...
Comment
von bisc265 bisc265 ist gerade offline | 12.9.2009 1:13 Uhr
sie könnten ja den anfang machen
wette:
eher berichtet wowereit was gutes, als dass sie endlich den bahnhof zufrieden lassen. bringen sie nicht immer äpfel und birnen zusammen hier!

(btw, warum fangen sie nicht selbst an, das dach nachzubauen, oder springen zumindest als finanzier ein, wenn es ihnen so viel bedeutet? :-))

Kommentar hinzufügen Neue Community-Funktionen Richtlinien


Sie können noch Zeichen schreiben.
Kommentare werden nicht sofort angezeigt. Beachten Sie hierzu unsere Richtlinien.

Um diesen Beitrag absenden zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Benutzername  
Passwort  
     
Sie haben noch keinen eigenen Account? Dann bitte
Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername:
gewünschtes Passwort:
Wiederholung Passwort:
Email:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wie viel ist 12 x 2 = 


Anzeige
Gewalttätige Biker
» ERGEBNIS ANSEHEN
Meldungen zur Umweltzone
Anzeige
Blogs
Fenster zum Hof
Eine Frau mit Rollkoffer steigt am Alexanderplatz in die U8. Unsicher studiert sie den Fahrplan über der Tür und mustert ...
Fenster zum Hof
Eine Frau mit Rollkoffer steigt am Alexanderplatz in die U8. Unsicher studiert sie den Fahrplan über der Tür und mustert ...
Fenster zum Hof
Liebesgrüße an der Friedhofsmauer - pietätlos? Vielleicht, aber der Erste, der sich hier am Luisenstadt-Kirchhof in ...
Anzeige