Es war der Showdown vor dem Volksentscheid: Erbittert stritt das Parlament am Donnerstag zum Thema Tempelhof. Dabei ging es nicht nur um die Zukunft des Flughafens, sondern auch um den Umgang mit dem Abstimmungsergebnis. Klaus Wowereit verteidigt die Schließungspläne, Friedbert Pflüger spricht von "Arroganz der Macht".
Das Interesse der Berliner gewaltig ist: 240 000 Wahlberechtigte hatten bis Mittwochabend ihre Briefwahlunterlagen angefordert – rund zehn Prozent der Wahlberechtigten.
Die CDU-Fraktion hatte ihre Tische mit Pro-Tempelhof-Schildern bestückt. Was den Respekt vor Volkes Meinung betrifft, war die rot-rote Koalition mit ihrer Schließungsentscheidung so kurz vor dem Abstimmungstag in der Defensive. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ging dennoch auf Angriff: Eine von den Christdemokraten geäußerte Besorgnis über Fluglärm und Risiken bei der Luftfahrtausstellung ILA im Mai konterte er mit dem Verweis auf Angela Merkel. Die sei doch neuerdings die Luftverkehrsexpertin, dröhnte der Regierende unter dem Applaus von Koalition und Grünen.
„Es geht vor allem auch um unser Verhältnis zur Demokratie“, sagte anschließend CDU-Fraktionschef Friedbert Pflüger. Wowereits Ankündigung, den Flughafen in jedem Falle zu schließen, sei „ Arroganz der Macht“. Wowereit erwiderte, beim Volksentscheid gehe es „um eine Abwägung, und diese Abwägung werden wir vornehmen“. Das notwendige Quorum von 25 Prozent der Wahlberechtigten sei keineswegs die Mehrheit. „Rational ist es nicht zu vertreten, mit Ja zu stimmen“, sagte Wowereit. „Deshalb“, beschwor er die Berliner, „bei aller Emotion, stimmen Sie mit Nein!“
Auch der Linken-Abgeordnete Wolfgang Albers setzte auf Angriff: „Ich glaube, das Schlimmste, was Ihnen passieren könnte, ist, dass Sie mit Ihrem Volksbegehren wirklich durchkommen und dann all Ihre Konzepte zerplatzen.“ SPD-Fraktionschef Michael Müller legte nach: Es sei „nicht mehr zu ertragen, dass Sie den Menschen vorgaukeln, sie könnten am Sonntag über den Status Quo abstimmen.“ In Wahrheit gehe es um einen Verkehrsflughafen, der mindestens eine Versechsfachung des heutigen Flugbetriebs bedeuten würde. SPD-Verkehrsexperte Christian Gaebler sagte, die 2006 – bei Bedenken der CDU – eingeführte Möglichkeit von Volksentscheiden sei „eine Ergänzung für die parlamentarische Demokratie, aber kein Ersatz“.
Grünen-Fraktionschefin Franziska Eichstädt-Bohlig äußerte die Sorge, dem Instrument des Volksentscheides werde geschadet, weil die Wähler getäuscht würden: Die Aussage der Icat, Nichtwahl sei gleichbedeutend mit „Nein“, sei eine Lüge, und die Vorschläge für den Weiterbetrieb seien widersprüchlich: Sie bewegten sich zwischen Schönheitsklinik mit Landebahn, Verkehrsflughafen, Vip-Airport und „Luftbrückengedenkflughafen“. Linksfraktionschefin Carola Bluhm sagte mit Blick auf den Sonntag: „Wer das Volk ernst nimmt, sagt dem Volk die Wahrheit – und zwar vor der Abstimmung.“
Er sei es „leid, mit Soziologen, Druckern und Ingenieuren“ über Rechtsfragen zu diskutieren, höhnte FDP-Fraktionschef Martin Lindner. Gemeint waren Bluhm, Müller und Eichstädt-Bohlig. Den Volkswillen wolle die FDP aber respektieren – „ob uns das Ergebnis passt oder nicht“. Genüsslich berichtete er davon, wie Linksparteichef Lothar Bisky Stunden zuvor im Bundestag dafür plädiert hatte, das Ergebnis des Volksentscheides zu respektieren. Volker Ratzmann von den Grünen – Anwalt wie Lindner – konterte, dass Soziologen & Co. manchmal mehr vom Recht verstünden als ein Jurist. „Was Sie tun, ist brandgefahrlich“, mahnte er Lindner und Pflüger, die einen Baustopp in Schönefeld und milliardenschwere Folgekosten riskierten.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 25.04.2008)
Kommentare [ 59 ] Kommentar hinzufügen »
Soviel Arroganz ist selten. Dieser Herr ist für die FDP untragbar.
INTERNATIONALE LUFTFAHRT AUSSTELLUNG
Na da sind wir ja mal beim Thema. Die ILA ist einen Militärshow mit angehängten Civilen Sachen. In Deutschland ist Kunstflug mit Jets verboten. Wenn ein Pilot in einem Jet-Trainer nur eine einzige Rolle fliegt macht er sich strafbar. Bei der ILA fliegen Kampf-Jets kreuz und quer, ich vermute dass es ganz normale Kampf-Pioten sind die das machen und keine erfahrenen Kunstflugpiloten. Es grenzt an ein Wunder dass noch nie etwas passiert ist. Wenn sich zwei Düsenjäger im Flug nur mit den Flügelspitzen berühren, gehen sie runter.
erst mal kommt ein großer großer Zaun drumherum, die Gebäude mit Brettern vernagelt und einen privanet Sicherheitsdienst zum Mindestlohn das ganze Areal bewachen lassen und dann vielleicht im Jahre 2009 beginnt man das Areal zu entkernen und zu entsorgen , ob sich wohl das Land Brandenburg dann an diesen Kosten beteiligt? und dann geht das Szenario ja weiter- Investoren die laut der Senatorin Wohnungen bauen, idyllische Grünflächen anlegen und noch was für die Kultur tun, die gibt es eben nicht , da wir in einer knallharten Welt des Profist leben und deshalb wäre eine Offenhaltung von Tempelhof das geringere Übel - scjließen kann man immer noch !!!!!!!!
Egal wie die Abstimmung auch ausgeht:
Wowereit wird doch den Flughafen in jedem Falle zu schließen.
Eigentlich wäre so ein starrsinniger Politiker wie Wowereit danach politisch tot, wenn... ja wenn da nicht der "Berliner Wähler" wäre.
Der hat die ständigen Lügen und Eigentore dieses dreisten Senats bis zur nächsten Wahl längst wieder vergessen.
Und dann folgt das, was eigentlich noch viel schädlicher für Berlin ist, als die Schliessung von Tempelhof:
Dieser Mann wird wohl wieder als regierender Bürgermeister gewählt werden.
Wenn nicht, na nicht gut, aber dafür weiter Stillstand. Kommt doch immerhin vielen Balinan entgegen.
Damit waren alle Rechtsmittel ausgeschöpft.
Die Schließung war damit nicht mehr zu verhindern.
Diese Konsequenz hatte die ICAT ihren Mitgliedern im Falle eines solchen Urteils schon 2005 mitgeteilt.
Warum die dann noch unbeirrt weitergemacht haben, wird wohl ihr Geheimnis bleiben.
Die Zeit des leichten Regierens ist für Wowereit unwiderruflich vorbei. Seine beste Zeit liegt hinter ihm, sein ehemaliger Flair dahin.
Die Tatsache, dass es ihm offenbar nicht gelingt, im Tempelhof-Streit die Meinungshoheit zurückzugewinnen, zeigt auch, dass sich die Menschen von ihm abzunabeln beginnen. Das System Wowereit beginnt zu verschleißen: Keinen Saft, keine Kraft, keine Strategie, keine Ressourcen. Man hat vielleicht noch Respekt vor seinem Amtsbonus, aber die Menschen folgen ihm nicht mehr.
Gerade das letzte OVG-Urteil zum Thema spricht Bände.
Die einzigen Gewinner waren die Anwälte.
Wenn die THF-Gegner tatsächlich der Meinung sind, der Volksentscheid wäre rechtwidrig und politisch sinnlos, dann dürften Sie auch nicht die Berliner zur Teilnahme aufrufen, stattdessen kämpfen sie um jede Stimme. Wenn man seine eigenen Anhänger zur Teilnahme an einem Urnengang aufruft, erkennt man den Entscheid damit natürlich auch an.
Und selbstverständlich sind Senat und Abgeordnetenhaus nach dem Rechtsprinzip der "Organtreue" anschließend auch verpflichtet, einen Volksentscheid zu berücksichtigen, dies ist juristisch unbestritten. Wie dieser Begriff "berücksichtigen" genau zu interpretieren ist, wird im Zweifelsfall das Bundesverfassungsgericht entscheiden müssen.
Herr Pflüger mag sich als Über-Berliner aufplustern wie er will, Tatsache bleibt doch, dass er einst gegen die Hauptstadt Berlin gestimmt hat.
Soll er doch einen Flughafen auf dem Bonner Marktplatz bauen, wenn er möchte ;-)
(zumindestens würden mehr Ärzte gebraucht)
Er will Tempelhof als Sprungbrett zum Bürgermeister nutzen ? niemals.
Weiter so Herr Wowereit meine Stimme haben sie.
Das sagt der Volksvertreter der mit etwa 25 % Stimmen der Berliner Wahlberechtigungen hier in Berlin Noch-Regierenden Bürgermeister ist.
Der „gemeine“ Berliner Bürger wird von Wowereit und von meisten anderen Schließungsbefürwortern als total bekloppt und unmündig erklärt.
Man könnte in Zukunft doch gleich ganz auf Wahlen verzichten.
Ich habe Wowereit auch gewählt, aber er ist untragbar geworden und gehört in die Wüste geschickt.
Olaf K. SPD-Wähler für den Flughafen Tempelhof!
http://www.tempelhof-bleibt-flughafen.de
Ich habe die grosse Sorge, dass das, was sich direkte Demokratie nennt, zum Schluss die Diktatur einer kleinen Minderheit wird.
Dann warnt er vor finanzstarken Minderheiten, die der Mehrheit ihren Willen aufzwingen.
Herr Pflüger war also mal ganz eindeutig gegen Volksabstimmungen, sowie die CDU mal gegen den Flughafen war.
Da fällt mir ein Zitat von Woody Allen über die Moral von Politikern ein, das ich hier aber leider nicht schreiben darf.
Jede Nein-Stimme ist eine Stimme gegen die Volksverdummung!
Man liest sich Sonntagabend,
F.U.
Und das Volk ? Braucht nicht mehr gefragt zu werden denn es hat keinerlei Möglichkeiten einmal getroffenen Entscheidungen (wenn auch falsche) zu ändern. Der Berliner Senat hält ebenso an den Gestzen fest wie ein Ertrinkender der nur sein Leiden verlängert obwohl keine Hilfe kommen wird.
Aber ... die Hoffnung stirbt zuletzt ...
"Wowi for Präsident im KC."
Rainer G. Brauner
Berlin-Rudow
Da ist doch völlig klar das der Party-Prinzessin der A.... mit Grundeis geht. Denn mit THF wird auch über sein weiteres politisches Schiksal entschieden. Denn sollten die THF Beführworter gewinnen, was ich doch stark hoffen will, kann sich die Party-Prinzessin einen Strick nehmen. Denn egal was die Party-Prinzessin dann auch macht, es wird immer falsch sein. Denn wer vorher tönt "Er kenne die Berliner Seele" und dann auf den A.... bekommt musss sich nicht wundern wenn er nicht mehr ernst genommen wird.
Die Party-Prinzessin kann nur eines retten, nämlich das der Volksentscheid nicht die erforderliche Mehrheit erreicht. Was aber nach diversen Umfragen mehr als fraglich erscheint. Näheres wird man aber erst am Sonntag wissen.
Also auf in die Wahllokale und immer fleißig Kreuzchen machen.
Die ICAT hat das alles auf 's Spiel gesetzt. Aber der Zug ist noch nicht abgefahren. Es kann sein, dass bei positivem Volksentscheid doch noch dieser Kompromiss errungen wird, dann ist Klaus Wowereit froh, es geschafft zu haben den Linien-Airport Tempelhof zu verhindern, und die Freunde der Allgemeinen Luftfahrt jubilieren.
Die CDU-Kampagne artikuliert also nur die Interessen der Bevölkerungsmehrheit.
zu BBI braucht überzeugt werden konnte.
Die Meinung von allen Fachgremien, von der Industrie und Wirtschaft, Kulturvertreter, Hotelvertreter, von Flugverkehr s p e z i a l i s t e n überzeugten mich, und nicht irgend ein basta Politiker oder die ahnungslosen Herr und Frau Pipenring
Die meisten wissen ja noch nicht einmal, daß die Volksabstimmung im Grundsatz den Erhalt des Flughafens als VERKEHRSFLUGHAFENS beinhaltet, Pflüger, ICAT und die "Heuschreckeninvestoren" das gemeine Volk aber lieber gerne ausschließen würden und einen VIP-Flughafen wollen - auf Kosten der Steuerzahler - versteht sich!
Das sagt einer, den die Berliner bei der letzten Wahl klar abgelehnt haben und der dennoch Regierender Bürgermeister werden will. Frank Steffel, den uns die CDU einst als "Kennedy von der Spree" verkaufen wollte, hatte wenigstens noch die Größe, nicht zweimal zur selben Wahl anzutreten.
Zur Demokratie gehört es Niederlagen akzeptieren zu können, dazu zählen nicht nur Wahlniederlagen sondern auch solche vor Gericht. Das BVerwG in Leipzig hat nach jahrelangem Rechtsstreit im März 2006 letztinstanzlich zum Großflughafen geurteilt.
http://www.bverwg.de/media/archive/3830.pdf (S.86)
Das Gericht verpflichtet den Senat dazu, die Betriebsgenehmigungen für Tempelhof und Tegel zu wiederrufen und befindet weiter, dass eine Neuerteilung der Betriebsgenehmigungen bei unverändertem Ausbau von Schönefeld die öffentlichen Interessen in unangemessener Weise beeinträchtigt.
Bei der letzten Wahl haben übrigens CDU und FDP, mit dem Thema Flughafen Tempelhof Stimmen verloren!!
Ich bin gespannt, ob sich die Berliner ins Bockshorn jagen lassen aufgrund der massiven Propaganda!
Ich als Anwohner sage NEIN, u.a. auch, weil mein Wohngebiet im Krebsatlas tiefrot ist!! Da hat der Flughafen seinen Anteil daran!!
Aber die Solidarität hat auch Ihre Grenzen.
Wenn bei diesem Opfer von 25 000 Entlassenen in Berlin, wobei die geschäftlich negativen Auswirkungen auf die ganze Region um Tegel noch nicht berücksichtigt sind, wir Berliner nun auch noch THF opfern sollen unter der fadenscheinigen Begründung, THF gefährde BBI, ist bei mir die Opferbereitschaft überschritten.
Wir Berliner sind ein Volk mit "Schnauze" und entscheiden aus dem Herzen. Womit entscheidet Herr Wowereit ?
Rainer G. Brauner
Berlin-Rudow
Ein weiterer Grund ist, dass mir die Kampagne der Befürworter mittlerweile echt auf den Nerv geht. Spätestens als sich mir heute morgen ein Flugblatt-Verteiler radikal in den Weg stellte, während ich rannte um meine S-Bahn zu kriegen, hätte es nicht mehr meines Kollegen bedurft um gegen Tempelhof zu stimmen. Die spinnen doch teilweise.
So oder so: Ein Glück, dass diese ganze Diskussion bald endlich endlich vorbei ist und die Plakate, die die ganze Stadt verschandeln, wieder abgenommen werden können.
Aha, Herr Oppositionspflüger, das also ist Ihr Demokratieverständnis. Werden ordnungsgemäß zustande gekommene Gesetze und höchstrichterliche Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts, die Ihnen nicht passen, durchgesetzt, so befinden wir uns in einer Justizdiktatur. Über Gesetze und Entscheidungen darf man sich als ungetrost hinwegsetzen? Denn wir befinden uns ja nicht in einer Justizdiktatur.
Diesen Mann hat Berlin nun wirklich nicht verdient. Allein, um ihn recht bald wieder aus unserer schönen Stadt hinauszupflügen, muss am Sonntag beim Volksentscheid mit „Nein“ gestimmt werden. Dass befreit dann auch vom Lärm, Gestank und Dreck eines Innenstadtflughafens.