In Tempelhof zeigt eine Ausstellung Ideen für die Zukunft des Flughafens: Die Besucher wundern sich - und haben ihre eigenen Ansichten zu den Visionen.
Ein Rotlichtquartier namens „Columbia-Strip“, ein Chinatown und ein Klein-Venedig – diese Mischung für das Gelände des Flughafens Tempelhof findet Gina Kosterka einfach „affig“. Eine solche Idee sei „total daneben und billig“. Das Vergnügungsviertel ist eines von zwölf ausgewählten Konzepten für die Nutzung des stillgelegten Flughafengeländes. Insgesamt 61 Vorschläge sind beim Ideenwettbewerb „Call for Ideas“ eingereicht worden. Das Dutzend, das es in die Endausscheidung geschafft hat, wird noch bis morgen in der Haupthalle gezeigt.
Die Idee einer Amüsiermeile löst bei vielen Besuchern der Ausstellung Befremden aus. Bernhard Laumer hat genau da, wo das Rotlichtviertel hin soll, seinen Garten in einer Laubenkolonie. Er findet die Idee einer roten Meile „fürchterlich“. Mit dem Rummelkönnte er sich nicht anfreunden.
Angeliki Karageorgou ist in Berlin geboren, wohnt in der Nähe des stillgelegten Flughafens und sieht bei den präsentierten Entwürfen die „Gefahr, dass abgeriegelte Luxusquartiere entstehen.“ Am meisten gefällt ihr die Idee, auf dem Gelände einen „Energieinkubator“ umzusetzen, Tempelhof zum Labor für neue Energiekonzepte zu machen.
Guido Böhning sagen die Entwürfe zu, die Stadt- und Parklandschaften miteinander verweben. Gezeigt wird etwa eine Grünbrücke, die den Columbiadamm überspannen soll. Christiane Mohrmann gefällt der Vorschlag, aus der Columbiahalle einen Kulturcampus zu machen. Sichtlich unzufrieden verlassen hingegen zwei alteingesessene Berlinerinnen die Ausstellung. „Ich wünsche mir normale, bezahlbare Ein- bis Zweifamilienhäuser, nicht sowas Unbezahlbares, Futuristisches“, sagt Helga Großmann.
Anna Corves
Am Donnerstag diskutiert Senatsbaudirektorin Regula Lüscher die Entwürfe zum Columbiaquartier: In der Haupthalle des Flughafens Tempelhof, um 18 Uhr.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 21.01.2009)
Kommentare [ 9 ] Kommentar hinzufügen »
Verworrene Zwischennutzungen, Träumereien und Termine von fertigen Konzepten im Jahre 2020 & ferner liegen.
Wowereit lamentierte auf der Veranstaltung: „...es sei bösartig, wenn einige immer wieder penetrant behaupten würden, dem Senat falle für das Areal nichts ein.“
Bestätigt hat er das genau diese Behauptungen: Die zentrale Aussage Wowereits ist letztendlich: Es fällt dem Senat in der Tat für das Areal nichts ein.
Und wer ist hier-bitte schön – bösartigt?
Diese konstruktiven Vorschläge sind simple. Nach wie vor wissen Berliner für was ein Flughafen gut ist: Als Flughafen natürlich!
Dazu hat das Aktionsbündnis be-4-tempelhof.de auch einen Beitrag beim Wettbewerb „Call for Ideas zur Zukunft Tempelhofs“ eingereicht.
Das Aktionsbündnis schlägt vor, den Flughafen Tempelhof als Denkmal von weltgeschichtlichem Rand, zum Weltkulturerbe erheben zu lassen.
Der Flughafen ist dabei in seinem heutigen, authentischen Zustand zu erhalten. Mit Rücksicht auf die aktuellen politischen Verhältnisse wird von einem Weiterbetrieb als Verkehrsflughafen abgesehen.
Die Nutzung konzentriert sich daher auf eine Funktion als Sonderflughafen mit Schwerpunkt Regierungs-, Rettungs- und Ausweichflughafen.
Dies wird ergänzt durch die Ansiedlung luftfahrtnaher Unternehmen, luftfahrtbezogener Aus- und Weiterbildung und historisch-museale Nutzung. In diesem Konzept werden verschiedene, in der Öffentlichkeit diskutierte Vorschläge aufgegriffen und gemeinsam realisiert. Zugleich bietet das Konzept die Chance, in einem breiten gesellschaftlichen Konsens eine wirtschaftlich tragfähige und zukunftsorientierte Nutzung für Tempelhof zu schaffen.
Dazu gibt es auch ein neues Volksbegehren für ganz Berlin und ein Bürgerbegehren im Bezirk Tempelhof-Schöneberg.
Sowas hat dieser einmalige "Flughafen" nicht verdient! Erst die bekloppte VIP-Party zur Schliessung - die Berliner wohlweisslich draussen - und jetzt noch solche Ideen. Die "Totegräber machen also weiter".
@Tempelhofer - macht weiter!!!!!!
Auf der Mipim in Cannes schwärmte man noch von Dutzenden von Investoren. Seit 1995 scheitert aber jede Nachnutzungsperspektive am fehlenden Investor. Tempelhof ist zu groß für die Kiezfürsten von heute, die darüber eher ihre Unfähigkeit entlarven.
Flugbetriebes bedeuten, hätten auch bei einem grossen Teil der Schliessungsbefürworter ein Umdenken ausgelöst.
Was immer auf die Anrainer zukommt, es wird neben der zusätzlichen Steuerbelastung eine lange Jahre dauernde Einschränkung der Lebensqualität bedeuten.
Da mag die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher jodeln, soviel sie wolle.
Die Stümperei des Senates wird immer unhaltbarer.
Da stellt sich die Senatorin einer Weltmetropole, nachdem Millionen in den Sand gesetzt wurden, am Spreedreieck hin und erklärt weinerlich:
Ein bisschen dunkel.
Abtreten, abtreten, abtreten!
denn das spreedreieck ist kein bisschen dunkel! wahrscheinlich hat sie, wie so viele nörgler (abgesehen davon, dass die schon gar nicht mehr anders können) einfach vergessen die sonnenbrille abzunehmen. oder war tatsächlich so naiv wie viele, und dachte, ein gebäude so luminiszierend wie der entwurf könnte tatsächlich existieren. :) na schön, vielleicht wenn man es aus elfenbein gefertigt hätte...
nun geht es hier aber nicht ums spreedreieck. dafür gibt es extra threads, liebe leute.
das rotlichtviertel in thf ist auch meiner ansicht nach unsinn.
aber mir ist schleierhaft, warum hier gleich wieder zum rundumschlag ausgeholt werden muss.
ja, wir wissen es ja, unter diesem senat wird berlin vor die hunde gehen.
am besten, wir holen uns jetzt alle nen strick ;)
Einfach Zaun drum, Eingänge mit Kasse rein, und schon haben Spaziergänger, Hobby-Modellflieger, Fotofans und andere Geniesser die schönsten Möglichkeiten, einfach mal Luft und Raum zu tanken. Nein, es muss ja immer gleich Event-mäßig sein, hochgestochen und abgehoben. Weitblick???
Werde bei dieser Frage an die 3 Affen erinnert:
Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.
Rund um den City-Flugplatz Freiburg gibt es Industrie- und Gewerbegebiete, aber auch die Ökologie kam nicht zu kurz!
Es wurden wirklich keine Gewerbe- oder Industriebauten rund um den Flugplatz gebaut! Schauen Sie sich den Link (s.o.) vom City-Flugplatz Freiburg an und Sie können sehen wie in Baden-Württemberg Industrie und Gewerbe und Natur und Infrastruktur unter einen Hut gebracht werden! Arbeitsplätze sind hier wichtiger!
Mit etwas Intelligenz und gutem Willen könnte der rot/rote Senat in Berl-Tempelhofer Feld genau so etwas schaffen! Aber leider verhält der Senat lieber 10000nde Hartz-IV-Empfänger und Arbeitslose! Traurige Politik!