Rund um die Baustelle an der U2 funktioniert noch nicht alles reibungslos. Pendler verspäten sich, Touristen sind verwirrt. Ansagen gibt es nur auf deutsch.
So richtig rund läuft es noch nicht. U-Bahnen der Linie U2 haben Verspätung, die Ersatzbusse sind überfüllt, Touristen verwirrt. Eine Gruppe Italiener steigt am Rosa-Luxemburg-Platz aus der Bahn und schlendert zu dem Ersatzbus vor der Station. Der Fahrer aber macht keine Anstalten, die Tür zu öffnen. Er guckt gebannt auf die rote Ampel, dann rauscht er weg. Bisher waren die Italiener sehr gelassen, auch als die U2 am Alexanderplatz über fünf Minuten ohne Ansage stillstand. Doch jetzt gucken sie genervt. Da kommt ein Taxi vorbei, ein Arm schnellt hoch – und weg sind sie. Vielleicht spricht der Taxifahrer Englisch und kann ihnen erklären, was hier los ist: die Erneuerung des vom Rost zerfressenen Hochbahnviadukts der U2 zwischen Senefelderplatz und Vinetastraße sowie der U-Bahnhöfe Eberswalder Straße und Schönhauser Allee. Gearbeitet wird nach Angaben der BVG sicher auch im kommenden Jahr, wahrscheinlich noch 2011.
Die Ansagen in der Bahn sind nur auf Deutsch. BVG-Sprecherin Petra Reetz rechtfertigt die deutschen Ansagen mit der Taktung zwischen den Stationen: "Die Zeit reicht nicht, um jede Ansage auch noch auf englisch abzuspielen. Allerdings sind die Hinweisschilder an den Bahnsteigen auch auf Englisch".
Zurück am Rosa-Luxemburg-Platz bleiben wartende Fahrgäste, innerhalb von Sekunden werden es fast 30 Leute. Bei der Hitze macht Gedränge keinen Spaß, in den Bussen ist es stickig. Laut BVG sind 26 000 Menschen täglich von den Bauarbeiten auf der Linie betroffen. Und an Pfingsten werden es noch mehr: Nicht nur die U2, auch Tramlinien werden eingeschränkt fahren. Dann heißt die Devise „Busfahren“.
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Die Berliner sind trotzdem resigniert entspannt, nur wenige meckern. Obwohl morgens im Berufsverkehr die Bahnen und Ersatzbusse der U2 brechend voll und Verspätungen keine Seltenheit waren. „Viele wissen nicht, was sie machen sollen. Die schicke ich dann zum Infostand“, sagt Birgit Rankewitz in Pankow. Ihre Bäckerei liegt an der Haltestelle für die Ersatzbusse in Pankow. Genervt seien die Leute zwar, aber es sei ja angekündigt gewesen. "Wir rechnen mit viel Verständnis der Fahrgäste. Schließlich reparieren wir eine 100 Jahre alte Brücke, das ist notwendig", sagt Sprecherin Reetz. Die Leute seien ja an ihrer Sicherheit interessiert.
„Man ist eigentlich gut informiert, die Organisation ist auch nicht schlecht. Die Ersatzbusse fahren ja sehr oft“, sagt eine Kundin. Sie ist auf dem Weg zur Arbeit und hofft, dass sie noch pünktlich kommt. Ihr Blick auf die Uhr verheißt nichts Gutes. Gerade ist sie aus dem Ersatzbus aus Pankow ausgestiegen, an der Schönhauser Allee. Nach kurzer Zeit steht sie wieder an der Haltestelle und wartet auf den nächsten Bus. „Die Ansage war falsch“, sagt sie. Es hieß: „Endstation, alle aussteigen und umsteigen in die U2“. Das geht aber nicht, denn die Bahn ist hier gesperrt. Sie ist nicht die Einzige, die den Bus verlassen hat – der Busfahrer habe auch nichts gesagt. Glücklicherweise stehen hier elektronische Anzeigetafeln, die verraten, wann der nächste Bus kommt. Die gibt es allerdings nicht überall.
Stattdessen stehen an jeder gesperrten Station Mitarbeiter der Verkehrbetriebe, die mit Rat und Tat helfen sollen. Richtig fröhlich sehen sie nicht aus. Die meisten Busfahrer der Ersatzfahrzeuge dagegen wirken schon engagierter. Sie scherzen und informieren, leiden mit den Kunden. Nach BVG-Angaben sind im Schnitt 19 Ersatzbusse unterwegs auf der gesperrten U-Bahn-Strecke. "Auf Abruf können jederzeit mehr Fahrzeuge angefordert werden. Gerade auch Pfingsten, wenn mehr Leute unterwegs sind", sagt Sprecherin Petra Reetz.
Karel Cajka ist der Service der BVG egal. Der Mitarbeiter des Kiosks „Akuna Matata“ an der Haltestelle Eberswalder Straße arbeitet hier bald nicht mehr. „Wir haben Umsatzeinbußen von 30 bis 35 Prozent, in drei bis vier Wochen sind wir weg“, sagt er wütend. Der Streik vor einem Jahr sei schon schwierig gewesen. Jetzt fürchtet er eine monatelange Sperrung, auch wenn anderes von der BVG angekündigt wurde. „Wahrscheinlich dauert’s ohnehin länger, das ist schließlich die BVG“, sagt er. Der Imbiss unter der Treppe der U-Bahnstation, ein paar Meter weiter, ist schon weg.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 26.05.2009)
Kommentare [ 15 ] Kommentar hinzufügen »
Dennoch:
Es stimmt, sechs Monate wird der Bahnhof Eberswalder Straße nicht gesperrt sein. Der Mitarbeiter von Hakuna Matata fürchtet aber, es dauert so lange und noch länger - ein Zitat. Hätte aber auch als Fakt verstanden werden können, um weiteren MIussverständnissen vorzubeugen, habe ich das umformuliert.
Lieber wk, der Zeitungskiosk zieht nach eigenen Angaben nicht um. Woher haben Sie die Informationen? Laut Mitarbeiter weiß man noch nicht, was passiert. Die Aufgabe hat nicht unmittelbar etwas mit den jetzigen Bauarbeiten zu tun, aber die Umsatzeinbußen bringt der Mitarbeiter des Kiosks in Zusammenhang mit dem Streik der BVG und den jetzigen Sanierungsmaßnahmen. Eine Baustelle, auch durch die sanierte Treppe an der Eberswalder, bringe eben weniger Kunden, so die Erfahrung des Kiosks. Und Umsatzeinbußen machen pleite. Hier sollen keine Fakten verfälscht, sondern die Einschätzung eines Betroffenen geschildert werden.
Der Punkt mit den sanierten Gleisen stimmt, da könnte man von Vereinfachung der Sachlage sprechen, sollte aber nur auf eine Änderung im Text hinweisen.
Es kann im Redaktionstrubel zu Ungenauigkeiten kommen, sollte es aber nicht. Danke für die wachen Augen.
Einen schönen Tag wünscht Ihnen
Saskia Weneit.
man muss nur mal genau hinhören, denn sie wurde genau zu dem zeitpunkt gespielt, als der BVG-mensch im kabinchen selbst plapperte und beide u-bahnen gleichzeitig türen-zu-piepsen mussten.
versuch mal inne bahn eine ansage auf deutsch und dann auf englisch zu machen.......
hast das deutsche noch nicht mal zu ende und bist schon im nächsten bahnhof...........wann willste denn englisch aufsagen?naja........
Unabhängig davon ist aber richtig, daß es zu Umsatzeinbußen kommt. Und auch der für den Kiosk gefundene Ersatzstandort (direkt unter dem U-Bahnhof) wird sich nicht mehr so lukrativ betreiben lassen, weil der Umbau der Straße (und eben nicht die Viaduktsanierung) alle Wegebeziehungen vor Ort ändern wird. Das ist aber eine andere Geschichte...
Wenn das Unternehmen BVG die gleichen Ansprüche an die eigene Arbeit stellen würde, hätte ich Verständnis...aber so?
Ich hatte noch nicht das zweifelhafte Vergnügen, die neueste Nahverkehrsbehinderungsstrategie der überbezahlten Amtsträger in Blau-Gelb auf der U2 persönlich zu würdigen, kann von meinen Erfahrungen auf der U1 in den letzten Monaten (und Jahren!) aber von Erlebnissen berichten, die sich mit den Erkenntnissen des Artikels durchaus decken.
Ich fahre täglich die Strecke Spichernstraße – Kottbusser Tor (U3/U1) und hatte bis vor kurzem ein Menge Spaß wg. der Bauarbeiten am Gleisdreieck.
Pünktlich zum Beginn der Bauarbeiten das alljährliche große Chaos am Umsteigebahnhof Wittenbergplatz. Zwar noch in der U3 eine Ansage, auf dem Bahnhof dafür keine mehr. Einige Hinweisschilder und sonst nichts. In all den Wochen habe ich am Wittenbergplatz zu verschiedenen Tageszeiten keinen einzigen Mitarbeiter der BVG auf dem unteren Bahnsteig gesehen, der hilfesuchenden Touristen (Wittenbergplatz? Tauentzien? KaDeWe? War da was?!) zur Verfügung gestanden hätte. Wahrscheinlich hoffte man darauf, dass diese den Weg über den oberen Vorplatz wg. der mittlerweile auch Monate dauernden Sanierung der Tunnelabdichtung sowieso nicht fänden und im Labyrinth der Baufolientunnel verloren gehen würden. Vom Gestank bei Regen und dem göttlichen Bild von aufgespannten Regenschirmen auf einem U-Bahnhof ganz zu schweigen.
Dann der Wechsel in die U2. Der klappte oft gut, aber auch nicht immer. Schon erstaunlich für 2 Linien, die fast zu gleichen Zeit ein- und abfahren sollten.
Woran lag’s? Hm, man könnte einen der sog. „Servicekräfte“ fragen. Diese nahmen zumindest in den ersten 14 Tagen der Baumaßnahme auf dem Bahnsteig größtenteils recht missmutig Aufstellung (Kleiner Tipp am Rande: Touristen bleiben selten länger als 2 Wochen an einem Ort, dafür kommen danach ständig neue!). Nur wo sind die denn, die „Servicekräfte“ meine ich?! Statt sich vielleicht strategisch günstig (für die Kunden, natürlich) in der Nähe der Verbindungstreppe zwischen den Bahnsteigen zu postieren, zogen sie es vor, sich eher möglichst weit entfernt vom Brennpunkt des Geschehens entfernt am Ende des Bahnsteigs in kleinen Herden niederzulassen, um dort mit Thermobechern bewaffnet gepflegt mit ihresgleichen, Wachschützern oder den Bauarbeitern zu plaudern. Oder sehnsuchtsvoll der hinwegratternden Bahn hinterher zuträumen... Wenn man doch mal einen erwischte und Auskunft zum Grund dieses schwachsinnigen, ständig wiederkehrenden Procedere begehrte, wurde irgendwas von einer gottgegebenen, 10-minütigen Wendezeit gefaselt und man erhielt den gut gemeinten, netten Rat, doch 5 Minuten früher aufzustehen, dann wäre man schließlich wieder pünktlich. Dankeschön!
Die Züge auf der amputierten U3 verkehrten laut Richtungsanzeige am Wagen übrigens zwischen „Warschauer Straße“ und „Krumme Lanke“, obwohl am Gleisdreieck erstmal definitiv Schluss war. Auch dies ein von der BVG seit Jahren liebevoll gepflegter Blödsinn, an dem trotz mehrfacher Kritik stoisch festgehalten wird. Und der weiterhin viele Touristen in den Nahverkehrswahnsinn treibt.
Irgendwann kommt man dann an, setzt sich an den Arbeitsplatz und fürchtet sich schon morgens vor dem Heimweg. Dann geht der Wahnsinn von neuem los.