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Wagenburg Schwarzer Kanal

Aus Protest Schulgelände besetzt

Aus Protest gegen die drohende Räumung der Wagenburg Schwarzer Kanal besetzten gestern rund 60 linke Aktivisten ein leer stehendes Schulgelände in der Adalbertstraße in Mitte.
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Aus Protest gegen die drohende Räumung der Wagenburg Schwarzer Kanal besetzten gestern rund 60 linke Aktivisten ein leer stehendes Schulgelände in der Adalbertstraße in Mitte. Nach Verhandlungen erlaubte der Geschäftsführer des Liegenschaftsfonds Holger Lippmann den Besetzern, bis Montag 12 Uhr auf dem Gelände zu bleiben. Diese sicherten dafür zu, das Areal freiwillig zu verlassen. Nach der „Berliner Linie“ werden besetzte Häuser oder Plätze normalerweise innerhalb von 24 Stunden geräumt. Am Montag soll es ein Treffen mit dem Liegenschaftsfonds geben, um ein Ersatzgrundstück für die Wagenburg zu finden.

Bis zum Ende des Jahres muss der Schwarze Kanal das Gelände an der Michaelkirchbrücke in Mitte verlassen. Bei einem Runden Tisch mit Vertretern von Grünen, SPD und Linke am Vormittag hatten die Bewohner bereits deutlich gemacht, dass sie die angebotenen Ersatzgrundstücke in Außenbezirken nicht akzeptieren werden. Sie wollen bleiben oder ein anderes Gelände im Stadtzentrum zugesprochen bekommen. Es ist fraglich, ob es zu einer Einigung kommen wird. „Die Chancen, dass wir ein vergleichbares Grundstück für die Wagenburg finden, liegen bei zehn Prozent“, sagte Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD).

„Wir werden nicht freiwillig gehen“, betonte Wagenburg-Sprecherin Anna Koch. Der Schwarze Kanal sei seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil der Berliner Kulturlandschaft. Regelmäßig gebe es auf dem Gelände Konzerte, Partys und Theateraufführungen. Seit 2002 stehen die 30 Bauwagen neben der alten Textilfabrik an der Spree. Mehr als 25 Männer und Frauen wohnen hier. Mit 19 Jahren ist der Schwarze Kanal eine der ältesten Wagenburgen Berlins. Als 2002 die Verdi-Zentrale gebaut wurde, zog die Wagenburg von der Schillingsbrücke an den Platz neben der Fabrikruine an der Spree. Bezahlen müssen die Bewohner lediglich die anfallenden Betriebskosten.

Die Essener Baufirma Hochtief, der das Gelände gehört, hat den Nutzungsvertrag zum 31. Dezember gekündigt. Im Kaufvertrag für das Grundstück hatte sich Hochtief vertraglich verpflichtet den Platz bis 2010 zu bebauen. Die Firma will nächstes Jahr eine neue Zentrale in der Köpenicker Straße errichten. Der Platz, an dem die Wagenburg steht, wird für Baucontainer, Kräne und Fahrzeuge benötigt. Langfristig soll auf dem Gelände eine moderne Wohnanlage entstehen. Heute will die linke Szene um 13 Uhr mit einer Demonstration (Start Warschauer Straße) in Kreuzberg gegen die bevorstehende Räumung der Wagenburg protestieren. jra/sak

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 24.10.2009)
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Kommentare [ 2 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von lizzi lizzi ist gerade offline | 23.10.2009 22:28 Uhr
"Schwarzer Kanal" erinnert mich irgendwie
an DDR-Zeiten, mit Herrn Schnitzler, den man bald nur noch Herrn Schn.. nannte, danach wurde ein West-Sender angestellt (soweit möglich)!!!!! Gibt es da womöglich einen Zusammenhang????
Comment
von Polizeiphilosoph Polizeiphilosoph ist gerade offline | 24.10.2009 15:19 Uhr
Weiter so...
...ich besetz demnächst den Pariser Platz, selbstverständlich zahle ich anteilig meine Betriebskosten für die mich ausleuchtenden Straßenlaternen.

Und natürlich muss es ein Alternativplatz im Stadtzentrum sein, wäre ja noch schöner. Warum nicht gegenüber der US-Botschaft, so schön heimelig im Grünen und noch beschützt?

Was mir nicht gehört, kann ich mir nicht aneignen. Wer das einerseits duldet, kann andererseits keine glaubwürdige Politik mehr machen. Wenn die Herrschaften dort wohnen wollen, dann müssen sie genauso zahlen, wie die Millionen Mieter in dieser Stadt auch. Ist doch eigentlich ganz einfach...

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