Wäre da nicht ein kleiner grüner Farbtupfer in der Mitte der Stadt, nämlich in Friedrichshain-Kreuzberg und in Mitte, hätten die Bundestagswahlergebnisse die Stadt wieder komplett in Ost und West geteilt.
Berlin -
Eine Teilung der Stadt - das demonstriert die Karte, die für die Bezirke die Parteien mit dem größten Zweitstimmenanteil ausweist. Denn im Ostteil der Stadt dominiert die Linke in allen Bezirken mit einem Stimmenanteil von 33,8 Prozent, während im Westen die CDU die stärkste Kraft darstellt, wenn auch mit 27 Prozent auf niedrigerem Niveau.
Für den Politikwissenschaftler Richard Stöss von der FU ist dafür immer noch ausschlaggebend, dass die Linke in vielen Teilen des Westens als Ostpartei, die CDU wiederum im Osten als Westpartei wahrgenommen wird. Dabei nehmen diese Effekte laut Stöss inzwischen aber ab. Denn die Linke einerseits konnte seit 2005 ihre Stimmanteile im Westen von 7,2 auf 10,8 Prozent steigern, während sie bei der CDU im Osten andererseits von 13,6 auf 16,8 stiegen.
Der Parteienforscher Peter Lösche erklärt das Ergebnis ähnlich. „Die Linke hat im Ostteil das Image der Kümmererpartei“, sagt Lösche. Wenn also in Ost-Berlin die Linke gewählt werde, sei das etwas völlig anderes als im Westen. Durch Organisationen wie die Volkssolidarität sei sie auch in der Nachbarschaft „vergraswurzelt“. Das bereite für die Partei den Boden. So etwas gebe es im Westteil auch nicht. Die Arbeiterwohlfahrt nehme für die SPD nicht diese Rolle ein; sie sei nicht mehr so präsent, sagt Lösche.
Beide Politologen sehen aber auch noch das andere Phänomen dieses Wahlergebnisses: In den Innenstadtbezirken haben auch die Grünen zu CDU, Linke und SPD aufgeschlossen und dort mehr als 20 Prozent der Stimmen geholt. Damit gibt es dort jetzt vier Parteien, die jeweils rund 20 Prozent der Wähler – mal mehr, mal weniger – hinter sich vereinigen. Stöss wie auch Lösche erklären das mit der Veränderung der dortigen Bevölkerungsstruktur, die sich durchmischt habe. In den Innenstadtbezirken lebten jetzt viele bildungsbewusste Menschen mit guten Einkommen.
Trotz hoher Stimmenverluste ist die Berliner SPD immer noch die Partei, bei der die Ergebnisse im Osten (18,1 Prozent) und im Westen (21,6 Prozent) am dichtesten beieinander sind. Dass sie im Ostteil nicht den Ruf der reinen Westpartei hat, erklärt Lösche mit den Traditionen der Sozialdemokratie und auch mit der Erinnerung an die großen Berliner Sozialdemokraten Willy Brandt und Ernst Reuter. Aber laut Stöss ist es der SPD nicht mehr gelungen, im Punkte soziale Gerechtigkeit glaubwürdig zu sein. „Steinmeier hat das für die Wähler nicht mehr verkörpert“, sagt der FU-Politologe.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 30.09.2009)
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Nicht nur das Volk ist zugezogen. Auch das Herrscherhaus, das die Tugenden des Preußentums geprägt hat, ist bei genauerer Betrachtung (auch) ein schwäbisches gewesen.
Andererseits würde ich schon sagen dass die Linkspartei in Ostberlin einen anderen Charakter hat als in München-Ost. Dort finden sich eher versprengte Kommunisten und fundamentalistische Sozialisten ein, in Ostberlin hat die Linkspartei meiner Erfahrung nach eher den Charakter der alten westdeutschen SPD. Natürlich muss man hier zwei Augen zukneifen, z.B. die SED Herrschaft "übersehen" - aber das tun viele Ostberliner ja ohnehin gerne. Insofern passt der Vergleich schon. Dazu passt außerdem dass der frühere SPD Vorsitzende und "Guru" Oskar Lafontaine nun bei der Linkspartei aktiv ist, und viele frustrierte SPDler (besonders Gewerkschafter) in die Linkspartei übergetreten sind.
Ich persönlich kann mich bei allen "Erklärungsversuchen" dennoch nicht mit einer Partei anfreunden die nicht nur in der SED ihren Ursprung hat sondern nach wie vor mit dieser Zeit kokettiert ("Es war nicht alles schlecht", das sagt meine Oma heute noch, aber über eine andere Diktatur auf deutschem Boden). Das macht für mich die Linkspartei unwählbar. Und die SPD hat mich enttäuscht. Ich bin durchaus wählen gegangen, aber habe für die dritte Partei gestimmt die den Sozialdemokraten entstammt (welche das ist überlasse ich aufgrund des Wahlgeheimnisses der Vorstellungskraft des Lesers ^^).
Und um ein bißchen kleinlich zu sein: insbesondere im ehemaligen Ostteil findet sich ein Großteil von Leuten die vor Jahrzehnten aus Brandenburg (dem ehemaligen Kernland Preußens) kamen, aber auch aus Sachsen und Thüringen.
Preußentum hat übrigens weniger mit der Herkunft als mit der Lebenseinstellung zu tun. Schließlich gab es in der preuß.Grenadiergarde auch ein paar Afrikaner.... im Musikkorps.
Und wenn man noch etwas spitzfindiger wird: jene Preußen oder Brandenburger die vor den Hohenzollern hier waren, zumindest die "Noblen", das waren alles Raubritter gegen die unsere heutigen "Noblen" simple Taschendiebe sind.
Neuenburg/Neuchatel gehörte zu Preussen und stellte ein Bataillon Garde.
Deshalb der Schweizer-Saal im Stadtschloss.
Besseren Verdienst hat Berlin den wenigsten zu bieten, weder zur Zeit der Hohenzollern noch heute.
Leider vergessen die Nachkommen der Zuwanderer machmal, daß es gerade die Toleranz war, die Berlin groß gemacht hat.
Soweit ich weiß, ist es so:
Die Statistik sagt, 50 - oder 60 - Prozent der heutigen Bevölkerung sind Anfang der Neunzigerjahre- bzw. Ende der Achtzigerjahre - noch nicht da gewesen.
Da sind dann aber alle Personen, die seit dem ersten Vergleichsjahr geboren sind, ebenfalls mitgezählt, und das sind eine ganze Menge, die natürlich nicht "zugezogen" sind.
Quelle
Gewiss nicht! Dahinter steht dieselbe staatliche Prägung. Die Grundhaltung, auf der die Linke baut, ist auch die Grundhaltung des rechten Randes. Ausgerechnet das "solide Bildungssystem" hat dabei sicher eine ganz besondere Rolle gespielt.
Man kann das "Denken" nennen. Das ist biologisch betrachtet nicht völlig falsch. Einheimische nannten es Rotlichbestrahlung. Unabhängiges Denken ist es nicht.
Eine ideologische Argumentation, die in der Schule gelehrt wurde, wird nicht vergessen. Da widerlegt die Geschichte die Ideologie. Da geht der ganze Staat in den Bankrott, aber der Mensch schafft es nicht zu sagen:
Diese gescheiterte Ideologie wurde mir als Kind nur aufgezwungen, das bin ich gar nicht selbst.
Das ist das Drama. Die Ostberliner sind doch nicht das Opfer einiger dummer Sprüchklopfer im Westen. Sie sind das Opfer einer gescheiterten Ideologie, von der sie sich wider besseres Wissen nur bedingt befreinen können.
Für dieses Dilemma gibt es keinen Begriff. Das Stockholm-Syndrom kommt dem aber nahe.
Lebensleistung. Keiner Krankenschwester wurde durch die Wende ihre Lebensleistung weggenommen.
Ja.
Sie sollten endlich Schlussfolgerungen daraus ziehen und nicht weiter einer grandios gescheiterten Ideologie der freien Marktwirtschaft nachhängen. Denn das sind Sie gar nicht selbst.
Gescheitert ist die "Ideologie" der Marktwirtschaft eindeutig nicht, gemessen an den Geldern, die immer noch von West nach Ost gepumpt werden können und müssen, weil die Ideologie der Linken dort grandios gescheitert ist.
Aber die Marktwirtschaft ist im Grunde keine Ideologie, sondern der Zustand, der sich auch ohne Ideologie einstellt. Keine Ideologie kam in der Praxis bisher ohne Marktwirtschaft aus, die Marktwirtschaft kommt aber gut ohne Ideologien aus.
Keiner der Vorderen auf der Parteiliste ist abwählbar. Keiner.
Und das nennen Sie Demokratie.
Den "sicheren Listenplatz" gibt es im Übrigen nur bei den Parteien, die zu klein für Direktmandate sind. Direktmandate haben aber das "the winner takes it all"-Problem und sind daher auch nicht der Gerechtigkeit letzter Schluß.
Machen sie einen Vorschlag für ein besseres Wahlsystem!
Das Problem ähnelt dem Wahlmännersystem in den USA. Eine dritte Partei kommt dort niemals auf, weil die Stimme an den Gegner verschenkt wäre. Eine 2-Parteiendemokratie ist eine sehr rudimentäre Demokratie.
2.) Lokale Interessen stehen ständig über dem Gemeinwohl.
Auch das tut einem Land nicht gut. Obama scheitert z.B. mit wichtigen Reformen wie der Klimapolitik oder Gesundheitspolitik an lokalen Interessen in seiner eigenen Partei. Auch das verzerrt völlig das Gesamtinteresse des Volkes.
In weiten Teilen ist die US-Regierung handlungsunfähig, weil das amerikanische Wahlsystem niemals reformiert wurde. Genau das, würde mit Ihrem Modell auch in Deutschland passieren. Die Väter unseres Grundgesetzes waren nicht ganz unerfahren.
Wo gab es denn Kommunismus? Nach dem Verständnis der DDR- Führung war es eine "entwickelte sozialistische Gesellschaft".
Meiner Meinung nach eine Mangelwirtschaft, in der sich einzelne Gruppen Vorrechte aneigneten.
Überlegen, Leute, nicht nachplappern!
Ich glaube nicht, dass das am linken Rand grundlegend anders ist.
Allerdings hats die PDS geschafft, sich als Vertreter der Ost-Interessen zu profilieren. Kein Wunder, wenn man die Bürger der östlichen Stadthälfte seit 20 Jahren wie Bürger zweiter Klasse behandelt, etwa bei den unterschiedlichen Bezahlungen.
Ach, wenn Sie wüssten wer HEUTE so alles in der früheren Stalinallee wohnt ...
Also entweder die "Vertreter der Machthaber von Moskaus Gnaden" wohnen in der "früheren Stalinallee und wählen die Linken oder es wohnen andere da ... und wählen auch die Linken. Naja. Wen wundert's.
Ströbele hat nämlich 20% mehr als seine Partei - siehe oben. Und mit einem einzigen Direktmandat bundesweit- immerhin eines mehr als die FDP - sind sie ja wohl auch auf ihre wahre Bedeutung zurechtgestutzt worden.
daneben gepöbelt
Ich kenne schwer arbeitende Selbstständige, die diese Partei gewählt haben und das hat sehr wohl was mit West-Ost-Differenz zu tun und mit dem Gefühl von Ungerechtigkeit, und es gibt eben subjektiv sehr unterschiedliche Wahrheiten, ich könnte daran verzweifeln, wie das weitergehen soll, die SPD wird mit freundlicher eigener Mithilfe zwischen Ost und West zerrieben, wenn Sie nicht aufpasst und die Gewinner sind FDP und Linke - es ist zum Mäusemelken. Gottseidank bleiben mir noch die Grünen!