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Baby getötet

Acht Jahre Haft für Mutter

Eine 42-Jährige legte die Säuglingsleiche in einen Müllcontainer. Die Angeklagte hatte bereits ihr siebtes Kind ausgesetzt.
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Die Mutter hat entsetzliches Unrecht angerichtet. Ob ihr das wirklich bewusst ist, war gestern bei der Verkündung des Urteils nicht zu erkennen. Unbewegt hörte die Frau mit dem verschlossenen Gesicht die Entscheidung: Für acht Jahre soll Carmen B. hinter Gitter. Sie hatte ihr achtes Baby nach der Geburt in ihrer Wilmersdorfer Wohnung im Keller versteckt, am nächsten Tag erstickt und in einem Altkleidercontainer abgelegt. Die 42-Jährige sei des Totschlags schuldig, befanden die Richter.

Carmen B. hatte das, was am 6. und 7. März geschah, gestanden. Das Kind sei „ungelegen“ gekommen, erklärte sie. Konflikte in der Beziehung hätten sie „immer enttäuschter und verbitterter“ werden lassen. Sie habe „keinen anderen Ausweg“ gesehen. Doch alle anderen Kinder wurden bereits vor Jahren adoptiert oder kamen zu Pflegeeltern. Und Carmen B. stand schon 1999 vor Gericht stand, weil sie auch ihr siebtes Kind kurz nach der Geburt im Keller ausgesetzt hatte. Nur durch einen Zufall wurde das Mädchen gerettet. Ein Nachbar hatte es zwei Tage später halb verhungert entdeckt. Carmen B. kam mit milden zwei Jahren Haft auf Bewährung davon.

Die damaligen Richter gingen von verminderter Schuldfähigkeit aus. Das war nun anders. Die Mutter habe ein „Verhaltensmuster reproduziert“ und sei „streng geplant“ vorgegangen. Sie versteckte den Jungen im Keller und bereitete dann das Essen für ihren Lebensgefährten zu, als wäre nichts geschehen. Die Zeitungsbotin putzte und ging zur Arbeit. Als ein Nachbar von einem merkwürdigen Geräusch aus dem Keller berichtete, erfand sie eine Geschichte von einer Puppe, deren Batterie sich nicht abschalten lasse. Drei Stunden später tötete sie ihr Kind.

Die von Zeugen als kühl beschriebene Frau ist aus Sicht der Richter zwar voll schuldfähig. Sie habe aber ein schwieriges Leben hinter sich, das zu einer Persönlichkeitsstörung führte, hieß es. Das wurde strafmildernd berücksichtigt. Sie wurde von ihrer Mutter vernachlässigt und gezüchtigt. Carmen B. habe die Aggressivität übernommen, sagte ein Psychiater. Warum die Angeklagte ihren Sohn tötete, blieb aber ein Rätsel.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 07.11.2009)
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