Berlin : A bis Z der guten Namen

Wer sind die Macher und Entscheider in Berlin? Im Nachschlagewerk „Plötz Top 500“ sind sie verzeichnet

Elisabeth Binder

Berlin ist in Bewegung. Menschen kommen und gehen, die meisten, um etwas zu machen, zu verändern, mitzuwirken an der neuen Hauptstadt. Nirgendwo in Deutschland ist so viel Dynamik, nirgendwo sind gesellschaftliche Strukturen so flexibel. Also braucht man Überblick. Wer macht was wo warum? Und wie erreicht man den? „Top 500 Berlin Brandenburg“ heißt das neue Nachschlagewerk von Werner Plötz, dem Vorstandsvorsitzenden der „Deutsche Informationsbörse AG“, und es bietet praktische Hilfe beim Stricken eines neuen Netzwerks oder auch beim Ausbau eines alten. Oder auch dann, wenn man sich nur mal so dafür interessiert, wer eigentlich die Fäden zieht in der Stadt und was es eigentlich alles so gibt.

Das Buch soll, so der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit in einem Vorwort, „Informationen über die vielen Akteure bieten, die Berlin zu dem machen, was es ist: politisches Entscheidungszentrum, internationaler Treffpunkt und Kulturmetropole“. Kurzporträts von 500 Entscheidern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Politik und Medien stellen die Akteure vor. Außerdem gibt es Informationen über „Young Leaders“, wie der aufstrebende Nachwuchs hier genannt wird, über Treffpunkte von Entscheidern, Stiftungen in Berlin und Brandenburg, Gründerzentren, Organisationen der Wissenschaft und natürlich jede Menge Adressen. Fünf-Sterne-Hotels werden ebenso aufgeführt wie sogenannte In-Restaurants, Eventagenturen und Internationale Institutionen. Auch ausgewählte Unternehmen werden vorgestellt. Auf diese Weise hat man einen schnellen Zugriff auf Adressen und Telefonnummern. Außerdem erfährt man in den Kurzporträts zum Beispiel, dass Sandra Maischberger am 25. August Geburtstag hat, dass Klaus Wowereit sich im Förderverein der Ulrich-von-Hutten-Oberschule engagiert und dass Designer Wolfgang Joop in Braunschweig unter anderem Werbepsychologie und Bildhauerei studiert hat.

Berlin wird auch weiterhin in Bewegung sein, indem immer neue Ideengeber und Gründer dazukommen, aber der Wunsch, Teil dieser Bewegung zu sein und in der nächsten Ausgabe selber aufgeführt zu werden, kann auch ein Motiv sein, sich dieses Nachschlagwerk zuzulegen.

Sicher, einzelne Angaben sind bei Drucklegung auch schon wieder überholt, das bleibt nicht aus bei so viel Bewegung. Und so ein Buch kann natürlich nicht vollständig sein. Ausbaubedürftig ist wohl unter anderem noch das Kapitel mit wichtigen gesellschaftlichen Veranstaltungen, die gute Möglichkeiten bieten, Netzwerke auch live auszubauen. Da ist zwar der Bundespresseball aufgeführt, aber nicht der Berliner Presseball, zu dem Neuberliner viel unkomplizierter Zugang haben als zum ersten, an dem man nur als Gast eines Mitglieds der Bundespressekonferenz teilnehmen darf.

Ein schöner und vor allem zeitloser Einstieg ist das Kapitel über fünfzig Persönlichkeiten der Geschichte ganz am Anfang, von Hotelgründer Lorenz Adlon bis zum Computer-Vater Konrad Zuse. Kurze Porträts von herausragenden Persönlichkeiten wie Albert Einstein, Marlene Dietrich, Robert Koch, Lise Meitner, Max Liebermann, Rahel Varnhagen, Lise Meitner und Karl Friedrich Schinkel zeigen, auf welchen tatkräftigen Traditionen diejenigen aufbauen, die jetzt die Stadt und ihren Geist weiterentwickeln. Ein Kurzüberblick führt zudem die wichtigsten Daten der Berliner Zeitgeschichte auf. Aus all dem wird deutlich, dass Dynamik eines der Hauptkennzeichen der Stadt ist. Vor allem Ausländer sind immer wieder überrascht, wie schön die Stadt ist, wie schnell und wie einladend. Adressen muss man nicht übersetzen. Aber vielleicht sollte die nächste Ausgabe auch noch ein englisches Editorial haben, um internationale Investoren noch besser hineinzuziehen.

Die Stadt ist nicht nur besser als ihr Ruf, sie ist längst auch schon internationaler, als es sich viele ihrer Bewohner klarmachen.

– Plötz Top 500 Berlin/Brandenburg. Herausgegeben von Christel Harthaus und Werner Plötz

Ausgabe 2006/2007, 624 Seiten, 69 Euro.

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