Berlin : aaa: Go-Go-Girls mit Lenkrad und Auspuff

Annette Kögel

Die Rauchschwaden geben den Wagen frei. Licht aus, Musik an. Erst zuckt das Auto, dann wippt die Motorhaube. Jetzt kommt auch das Hinterteil aus der Hüfte: Das "Green Monzta" ist so beweglich wie früher John Travolta. Go-Go-Girls mit Lenkrad und Auspuff bekommt man auf der "aaa" bis Sonntag bei in der "Lowrider"-Halle 3.1 zu sehen. Auf 83 000 Quadratmetern präsentieren 254 Aussteller auch fahrbare Untersätze für den herkömmlichen Kunden. Bislang kamen rund 20 000 Besucher mehr als zur "aaa" 1998, damals waren es insgesamt 184 000.

Wenn Wagen heftig schaukeln, liegt das meistens an den Insassen. Bei den "Lowrider"-Modellen steht der Fahrer aber draußen und steuert es per Fernbedienung. "Das funktioniert mit Hydraulikpumpen und Öldruck", erklärt Henning Bayer, der seine Konkurrenz auf dem Tanzboden verfolgt. Der 31-Jährige Kfz-Mechaniker hat sein Spielzeug der Klasse "Fat Dancer" (über 1400 Kilogramm) auf dem Hänger aus dem Süddeutschen nach Berlin kutschiert. "Wir machen eine Kür wie beim Eiskunstlaufen zu Musik. Wer den stärksten Applaus bekommt, gewinnt." 30 000 Mark hat ihn der Chevy Monte Carlo samt Umbau gekostet, und jetzt blinkt im Kofferraum sogar eine Diskolichterkette ("Lowrider"-EM-Schau: täglich 13 und 16 Uhr).

Diese Exoten sind unverkäuflich. Auch bei Audi hält man seine Messemodelle noch zurück. Berlin sei keine Verkaufsmesse wie Leipzig, sagt Audi-Standleiter Roger Thomas. Manche Typen wie etwa die "Weltpremiere" A 4 seien zudem noch gar nicht auf dem Markt. Einige Wagen würden für weitere Messen gehalten, andere gingen zurück nach Ingolstadt und würden dort über Händler verkauft. Generell sei man mit dem Zuspruch in Berlin sehr zufrieden, auch bei Fahrschul-Vorführwagen und dem Mobil für Rollstuhlfahrer. Beim Subaru-Stand sind die Aussteller ebenfalls guter Stimmung. Wer eines der Vorführautos kaufen will, muss zwar aber einen Händler finden, der den Wagen zunächst vom Hersteller abnimmt - aber immerhin gibt es dann "einen Messerabatt". Bei diesem Begriff lacht Marc Adelmann vom Berliner Händler "Mellin Sportwagen" kurz auf. "Nein, das sind dann nicht die Leute, die zu uns passen." Manch einer kauft sich ein Haus - andere den knallroten Ferrari 360 Spider hinter der Absperrung. 255 000 Mark. Dafür gibt es zwei Jahre Garantie, acht Zylinder, knapp 250 Kilometer die Stunde Höchstgeschwindigkeit und eine Beschleunigung von Null auf Hundert in 4,6 Sekunden. Aber erst in drei Jahren, so lange dauert das mit der Auslieferung. "Neuferraristen" (Adelmann) holen sich zumeist den roten, "Zweit- oder Drittferraristen" wählen Silber oder Schwarz. Dann gibt es noch eine Lektion in Sachen Psychologie der Käufer ("zumeist Ärzte, Juristen und andere Selbstständige"): "Maserati verkörpert den italienischen Lifestyle ohne die Extrovertiertheit eines Ferraris." Klar. Wer weniger Kleingeld in der Tasche hat, findet am Wochenende auf der "aaa" auch einen großen Gebrauchtteilemarkt.

Wenigstens halten Autofahrer zusammen. Ein Messemitarbeiter brachte die Tramperin zurück zur U-Bahn. Im nagelneuen Turbo-Corsa TDI - auch eine Probefahrt. (Eintritt: 19 Mark, ab 15 Uhr 12 Mark. 9 bis 18 Uhr, Zutritt über den Südeingang)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben