Berlin : Ab 1. November droht Abschiebung ohne Wiederaufbauhilfe

Silke Edler

Bosnien-Flüchtlinge können noch bis zum 1. November die Rückkehrhilfe von 2000 Mark je Person und maximal 6000 Mark für eine Familie beantragen. Danach müssen sie damit rechnen, ohne dieses kleine Startkapital in ihre Heimat abgeschoben zu werden. Bisher haben nur wenige bosnische Bürgerkriegsflüchtlinge dieses Angebot angenommen. Immerhin rund 13 000 Menschen aus der Region leben noch in der Stadt. Mit einer Rückkehrquote von etwa 55 Prozent ist Berlin somit das Bundesland, in dem die Flüchtlinge am wenigsten Interesse an einer Rückkehr nach Bosnien zeigen.

Für diese Verzögerungen gibt es nach Ansicht der Ausländerbeauftragten Barbara John viele Gründe. So seien wegen des Kosovo-Konflikts nur wenig Bosnier bereit gewesen, zurückzukehren. Zudem sei es schwer, Menschen zur Rückkehr zu motivieren, die ihre Heimat schon jahrelang nicht mehr gesehen hätten. Hinzu komme, dass für die Menschen hier gesorgt werde und dass viele sich an diese Vollversorgung gewöhnt hätten. "Viele haben nicht mehr die Motivation, für sich selber zu sorgen", befürchtet John. Für den Wiederaufbau von Häusern und anderen Einrichtungen hat Berlin nach Johns Angaben in der Vergangenheit große Summen ausgegeben. Zudem bekomme jede Gemeinde, die Flüchtlinge aufnehme, 9000 Mark für jede Familie. "Trotzdem sind die Erwartungshalten vieler Flüchtlinge sehr hoch. Oft verlangen sie Arbeit und ein neues Haus, bevor sie zurückkehren wollen", berichtete John.

Andere Bundesländer haben unterdessen 70 Prozent und mehr ihrer Flüchtlinge wieder in die Heimat geschickt. "Die Menschen brauchen Perspektiven, Aufbauprogramme und Projekte, die ihnen den Mut geben, ihr Land selber wieder aufzubauen", sagte Petra Bäurle, Sprecherin der Hamburger Verwaltung für Arbeit, Gesundheit und Soziales. So unterstütze Hamburg finanziell und materiell den Aufbau der Flüchtlingshäuser. Von den ehemals 12 500 Bosniern, die einst in der Hansestadt Zuflucht gefunden hatten, sind etwa 10 000 bereits zurückgekehrt.

In Nordrhein-Westfalen sind von rund 74 000 Flüchtlingen etwa 53 000 Menschen in ihre Heimat zurückgekehrt. Auch hier setzt man nicht nur auf eine Starthilfe, sondern organisierte Aufbauhilfen in Bosnien. "Für die fachliche und materielle Unterstützung beim Aufbau der Häuser ist gesorgt", sagte eine Sprecherin des nordrhein-westfälischen Innenminsteriums. Zu mehr als 90 Prozent hat Bayern seine Flüchtlinge wieder in die Heimat geschickt. "Von den ehemals 65 000 Bosniern leben heute noch etwa 3700 bei uns", sagte ein Sprecher des bayerischen Innenministeriums. "Eine Starthilfe gab es nicht", hieß es. Dafür seien mehrere Millionen Mark in den Wiederaufbau in Bosnien geflossen.

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