• Ab 11.55 Uhr sollen die Lehrer schwänzen GEW fordert zum Warnstreik auf. Schulen müssen die Betreuung der Kinder gewährleisten

Berlin : Ab 11.55 Uhr sollen die Lehrer schwänzen GEW fordert zum Warnstreik auf. Schulen müssen die Betreuung der Kinder gewährleisten

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Streikerprobt. Die GEW hat seit den Arbeitszeiterhöhungen 1992/93 zu zahlreichen Streiks aufgerufen. Bislang konnte sie damit allerdings nicht viel bewirken: Zunächst setzte die CDU/SPD-Koalition die Sparmaßnahmen durch, dann das jetzige rot-rote Bündnis Foto: dapd/Eisele
Streikerprobt. Die GEW hat seit den Arbeitszeiterhöhungen 1992/93 zu zahlreichen Streiks aufgerufen. Bislang konnte sie damit...Foto: ddp

Mit Rückenwind von der Elternschaft starten die Lehrer am heutigen Dienstag ihren Warnstreik zur Arbeitsentlastung älterer Kollegen. „Die Forderung der Lehrer ist glaubwürdig und nachvollziehbar“, sagte Landeselternsprecher Günter Peiritsch. Ohne einen gewissen „Aufwand“ sei es nicht möglich, „Missstände zu beseitigen“.

Berlins größte Lehrergewerkschaft, die GEW, hat ihre Mitglieder aufgerufen, um 11.55 Uhr den Unterricht zu beenden und an einer Protestkundgebung um 13.30 Uhr am Alex teilzunehmen. Da die GEW nach eigenen Angaben rund 95 Prozent der Personalräte stellt und bei ihr etwa jeder dritte Lehrer Mitglied ist, rechnet die Vorsitzende Rose-Marie Seggelke mit mindestens 2000 Demonstranten. Die GEW fordert, dass alle Lehrer ab 55 Jahren eine Stunde und ab 60 zwei weniger unterrichten müssen, was laut Seggelke rund 75 Millionen Euro pro Jahr kosten würde.

Um am Protest teilnehmen zu können, haben viele Lehrer die Eltern gebeten, ihre Kinder früher abzuholen. Als Argumentationshilfe hat die GEW einen Vordruck zur Verfügung gestellt. Dort werden die Eltern „herzlich“ gebeten, die Protestaktion zu unterstützen.

Den Lehrern war von der GEW geraten worden, ihren Schulen eine Woche vorher mitzuteilen, ob sie am Warnstreik teilnehmen. Auf diese Weise soll es den Schulleitern ermöglicht werden, mit Hilfe anderer Pädagogen und mit „Notplänen“ die Beaufsichtigung vor allem der jüngeren Schüler abzusichern. „Die Schulleitungen treffen Regelungen, die den Unterrichtsausfall auf ein nicht vermeidbares Maß reduzieren. Sicherzustellen ist, dass die Eltern rechtzeitig informiert werden und die Betreuung der Schüler gewährt ist“, sagte die Sprecherin der Senatsverwaltung für Bildung, Beate Stoffers, auf Anfrage.

Während die Grundschulen und Sekundarschulen gebenenfalls auf Erzieher zurückgreifen können, ist die Situation an den grundständigen Gymnasien etwas komplizierter, weil es hier jüngere Schüler gibt, aber keine Erzieher. „Dass die Kleinen betreut werden, hat höchste Priorität“, sagte Bernd Kokavecz vom Tegeler Humboldt-Gymnasium auf Anfrage. Unabhängig davon habe er alle Elternvertreter darauf hingewiesen, dass mit Unterrichtsausfall zu rechnen sei. Kein Elternteil habe sich daraufhin beschwert. „Wir unterstützen die Forderung der Lehrer, weil es auch unseren Kindern zugute kommt, wenn es den Lehrern besser geht“, sagte auch die Lichtenraderin Doris Dreißig-Jovanovic, die Mitglied im Bezirks- und Landeselternausschuss ist.

„Es bringt weder die Schüler weiter, noch die Schulen, noch nützt es der Qualität der Bildung, wenn die Lehrer am Ende ihre Kräfte sind“, sagte Özcan Mutlu (Grüne) zur Unterstützung des Streiks. Sascha Steuer (CDU) fordert zwar ebenfalls Entlastung für die Lehrer, lehnt aber den Streik für Beamte ab. Für Mieke Senftleben (FDP) steht fest, dass mit der Streikteilnahme „auch die letzte Rechtfertigung für die Lehrerverbeamtung, nämlich die permanente Gewährleistung des Unterrichts durch den Einsatz von Beamten, in sich zusammengefallen ist“.

Bei unserer Pro-und-Contra-Umfrage am Sonntag hatten sich 58 Prozent der Teilnehmer für den Streik verbeamteter Lehrer und 42 Prozent dagegen ausgesprochen.

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