Berlin : Ab auf die Westtangente

Pro & Contra: Soll die Schloßstraße in Steglitz für den Durchgangsverkehr gesperrt werden?

Klaus Kurpjuweit

Die Steglitzer Schloßstraße ohne Durchgangsverkehr? Die Diskussion gibt es seit langem. In der vergangenen Woche aber fand die Idee einen unerwarteten Befürworter – den ADAC. Baustadtrat Uwe Stäglin (SPD) freut sich über die neue Unterstützung für seine Pläne. Die meisten Geschäftsleute dagegen sind skeptisch und lehnen sie ab.

Die Schloßstraße ist eine uralte Verbindung. Schon Friedrich der Große rumpelte dort mit seiner Kutsche von Berlin gen Potsdam. Im Deutschen Reich wurde sie Bestandteil der Reichsstraße 1, die einst von Aachen bis Königsberg führte. Heute bilden Autobahnen nicht nur das Rückgrat der überregionalen Verbindungen, sondern sie bündeln auch innerstädtisch den Verkehr. Parallel zur Schloßstraße ist 1968 die so genannte Westtangente eröffnet worden. Ziel der Verkehrsplaner war es, die Schloß- und Rheinstraße vom Durchgangsverkehr zu entlasten. Nach wie vor bevorzugen viele Autofahrer aber bei ihrer Fahrt von Süden nach Norden oder umgekehrt die Stadtstraßen.

Der Weg über die Autobahn ist für viele umständlich, vor allem, weil die Anbindung Richtung Norden am Schöneberger Kreuz fehlt. Dort muss man sich ohnehin wieder auf die Stadtstraßen einordnen. Der Weiterbau der Westtangente war zwar geplant, scheiterte aber am Widerstand einer Bürgerinitiative.

Weil die meisten Autofahrer nicht freiwillig auf die Westtangente wechseln, soll jetzt ein Durchfahrtsverbot für die Schloßstraße kommen. Die Einkaufsmeile ist nämlich ein Unfallschwerpunkt – mit Abstand die Nummer Eins im Bezirk bei Unfällen mit Verletzten und Toten. In welcher Form die Durchfahrt verhindert werden soll, ist noch nicht entschieden. Die Möglichkeiten reichen vom Aufstellen von Verbotsschildern über Geschwindigkeitsbegrenzungen auf 10 oder 30 km/h bis zu Umbauten an der Straße.

Auf der Schloßstraße würde es dann in jeder Richtung nur noch eine Fahrspur geben, die sich Anlieger, die Kunden der Geschäfte und die BVG teilen müssten, die hier derzeit mit drei Buslinien unterwegs ist. Ein weiterer Streifen könnte Radfahrern vorbehalten sein. Zudem ließen sich die Gehwege verbreitern, auf denen es dann ausreichend Platz für Straßencafés gäbe. Die Zufahrt zu den Parkhäusern soll gewährleistet bleiben. Eine reine Fußgängerzone ist nicht geplant.

Gegen ein Durchfahrtsverbot spricht sich Jürgen Wittbrock, der Geschäftsführer von Karstadt und Wertheim an der Schloßstraße, aus. Er befürchtet, dass die Parkhäuser nur noch schwierig zu erreichen wären. Autofahrer seien meist bequem, argumentiert ein anderer Ladeninhaber. Versperre man ihnen den Weg, seien sie auch als Kunden verloren. Wittbrock ist wie andere Geschäftsleute dafür, lediglich den überregionalen Lkw-Verkehr aus der Schloßstraße zu verbannen. Die Lastwagen könnten über die Westtangente fahren.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben