Berlin : Ab August wird ausgeschwärmt

Rüdiger Scholz organisiert die SPD-Wahlkampagne

Ulrich Zawatka-Gerlach

Westfalen sind effektive Menschen: Sie reden Klartext, aber nicht mehr als nötig und drehen bei dem, was sie tun, keine energieverzehrenden Pirouetten. Rüdiger Scholz ist in Kamen geboren, hat in Dortmund studiert und dort viele Jahre Politik gemacht. Im westlichen Westfalen, wo das Herz der SPD auch dann kräftig schlägt, wenn die Partei kränkelt. So wie jetzt – vor den Bundestagswahlen, die Scholz für die Berliner Sozialdemokraten managt.

Ein kompakter Kerl, dieser 36-jährige Diplom-Raumplaner, der als Bundesgeschäftsführer der Jungsozialisten 2002 schon einmal Wahlkampf für Gerhard Schröder machte. Er ist die Ruhe selbst und wirkt dadurch ein bisschen bedächtig. Ein Westfale eben, der im Herbst 2004 SPD-Landesgeschäftsführer wurde und manchmal noch staunt über die „ausgeprägte Leidenschaft meiner Berliner Parteifreunde, alles sehr gründlich zu diskutieren“. Andererseits, wenn er sich an die nordrhein-westfälische SPD erinnert, kommen Scholz im direkten Vergleich die Genossen in der Hauptstadt insgesamt „frischer und jünger“ vor.

Und voller Kampfgeist. Über 150 Leute aus der Partei haben sich spontan freiwillig gemeldet für das innerparteiliche „Berlin-Team“. Es werden noch viel mehr, sagt Scholz. „Damit wir auch die Plattenbauwohnungen im Osten abgrasen können.“ Auf kurzem Draht wird der Kontakt zu den Kreis- und Ortsverbänden gehalten. „Wir machen einen stark dialogorientierten Wahlkampf.“ Scholz grinst. Also, er wolle ja nichts gegen die öffentlichen Medien sagen, „aber die haben uns doch schon abgeschrieben“. Deshalb will die SPD das „Gespräch mit den Bürgern“ auf eigene Faust organisieren. Die Stimmung sei gut, behauptet der Wahlkampfmanager. Überall gebe es schon kleine Aktivitäten. „Diese Flämmchen werden wir am Lodern halten, bis der Wahlkampf richtig losgeht.“

Etwa 250000 Euro will die Landes-SPD für den Bundestagswahlkampf ausgeben, der in Berlin am 6. August startet. Dann gehen die Sozialdemokraten mit Ständen, Veranstaltungen und kleinen Festen flächendeckend auf die Straße. Unter dem Motto „Zwölf mal vierzig“ wird bis zum Wahltag am 18. September in jedem Bezirk an jedem Tag mindestens eine öffentlichkeitswirksame Aktion stattfinden. Und solange es noch Sommer ist, wird zum Beispiel dieses Plakat zu sehen sein: „Hüten Sie sich vor der Sonne und den Versprechen der anderen.“ Mit den anderen, da lässt Scholz keine Zweifel aufkommen, sind vor allem die CDU und FDP gemeint. Mit den Grünen wolle die SPD schließlich weiterregieren, „und die zentrale Auseinandersetzung wird auch nicht gegen die Linkspartei laufen“.

Die Wahlkampfmanager der großen Parteien stellen wir in diesen Tagen in lockerer Reihenfolge vor.

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