Ab dem neuen Jahr : Kinderwagen auf Rolltreppen verboten

Die Europäische Union setzt zum 1. Januar 2010 eine neue Sicherheitsnorm in Kraft. Und Berlin muss sich fügen. Kinderwagen dürfen dann nicht mehr auf Rolltreppen.

Katja Reimann
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Bitte festhalten. Für Rolltreppen gibt es ab 1. Januar eine neue Sicherheitsnorm der EU: Sie dürfen mit Kinderwagen nicht mehr...

Eine Fahrt mit Kinderwagen auf der Rolltreppe mag der schnellste Weg hinauf oder hinab sein. Aber es ist manchmal auch ein wackliger. Zum Schutz des Kindes soll die Mitnahme von Kinderwagen auf Rolltreppen ab dem 1. Januar deshalb untersagt sein. Die Europäische Union hat dazu die bestehende Norm EN 115 verändert. In Deutschland regelt sie als DIN EN 115 die „Sicherheit von Fahrtreppen und Fahrsteigen“.

Und auch in Berlin sind erste Anzeichen der Neuregelung aus Brüssel zu finden. Die BVG arbeitet an der Umsetzung: In den U-Bahnhöfen am Alexanderplatz etwa klebten bereits sogenannte Piktogramme, Verbotsschilder, die einen durchgestrichenen Kinderwagen zeigen. BVG-Sprecherin Heike Müller sagt, die neue Norm solle verhindern, dass Eltern mit ihren Kinderwagen auf einer Rolltreppe verunglücken. Offenbar sei es in der Vergangenheit – wenn auch nicht in Stationen der BVG – zu Unfällen gekommen. Da es sich bei EN 115 um kein Gesetz handelt, ist bei Verstößen wohl nicht mit einer Strafe zu rechnen. Normen gelten, so definiert es der Duden, lediglich als „Richtschnur“ oder „Regel“.

Wer sich künftig trotzdem auf die Rolltreppe wagt, verunglückt und nicht eindeutig nachweisen kann, dass der Kinderwagen nicht Schuld am Unfall ist, der muss die Kosten selber zahlen. Die Haftpflichtversicherung des Treppenbetreibers zahlt nur dann, wenn bewiesen werden kann, dass der Unfall nicht selbst verschuldet war. So erklärt es Matthias Müller, Sprecher des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft.

Derzeit können Eltern mit Kinderwagen in 69 der 173 BVG-Stationen auch Aufzüge benutzen. Künftig solle, das sagt Heike Müller, weitere Aufzüge in Stationen eingebaut werden.

Wo allerdings kein Lift zur Verfügung steht, sind Eltern gegebenenfalls auf Helfer angewiesen – die zupacken, und das Gefährt über steinerne Stufen etwa aus dem U-Bahnhof mit hinauftragen. Oder aber sie benutzen die Rolltreppe trotzdem. Damit die Verlockung, sich über die europaweite Regel hinwegzusetzen, gar nicht erst aufkommt, hat das Einkaufszentrum Alexa am Alexanderplatz metallene Poller vor allen Rolltreppen installiert. Der Abstand zwischen den Pollern ist so schmal, dass ein Kinderwagen nicht hindurchpasst. Allerdings, so heißt es bei Alexa, habe man die Barrieren bereits Anfang 2008 installiert, als der portugiesische Mutterkonzern Sonae Sierra dies für alle Filialen zur Auflage machte. Die Maßnahme ist also keine Folge der neuen EU-Norm. Einzig Fußgänger sollen auf den Rolltreppen im Alexa von einem Stockwerk ins nächste schweben können. Und das nicht nur, weil die Fahrt auf der beweglichen Treppe mit Kinderwagen riskant sein könnte, sondern auch, weil in der Vergangenheit offenbar schon Seitenfenster der Rolltreppen durch ausladende Kinderwagen beschädigt wurden.

Die Berliner Galeria-Kaufhof-Filiale am Alexanderplatz verlässt sich dagegen auf Schilder und gutes Zureden: Detlef Steffens, Geschäftsführer des Kaufhofs, sagt, dass im Laufe des Januars an allen Rolltreppen die Piktogramme angebracht werden. Und wer Baby und Buggy trotzdem auf die Treppe schiebt? Der wird höflich angesprochen – und auf die neue Regelung hingewiesen.

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