Berlin : Ab durch die Mitte

Das Zentrum war gestern von Radlern und Reichstagsbesuchern bevölkert – auch heute stehen die Autofahrer wieder im Stau

Jörn Hasselmann

Am schnellsten kam man in Mitte gestern ohne Auto voran: Tausende Radfahrer demonstrierten auf den Hauptstraßen, das Regierungsviertel war von den Besuchern des Tages der offenen Tür bevölkert und auch der Potsdamer Platz musste wegen der Aufbauarbeiten zum Weltkinderfest umfahren werden. Das findet zwar erst heute statt (siehe rechts), aufgebaut wurde aber schon gestern.

Ab durch die Mitte ging es gestern am besten zu Fuß: Tausende Besucher reihten sich in die Schlangen vorm Reichstagsgebäude, dem Paul-Löbe-Haus und dem Marie-Elisabeth-Lüders-Haus ein. Die Bundesregierung hatte zwei Tage lang zum Tag der offenen Tür eingeladen. Nicht weit entfernt, am Brandenburger Tor, starteten derweil Berlins Radfahrer, und nach einer dreistündigen Kreisfahrt kamen sie eben dort wieder an. Die Tour des Fahrradclubs ADFC findet anlässlich des Aktionstages „In die Stadt ohne mein Auto“ statt. Wie im Vorjahr ging es bei bestem Wetter entgegen dem Uhrzeigersinn auf den Hauptstraßen durch fast alle Bezirke. Bei der Fahrt wurden auch Unfallschwerpunkte wie der Kreisverkehr am Kottbusser Tor oder die Kreuzung Warschauer Straße Ecke Stralauer Allee und andere als Radler-feindlich bekannte Ecken wie der Ernst-Reuter-Platz angefahren – mit kinderfreundlichem Tempo 13.

Deutlich über 5000 Radler klingelten sich in einem bunten Lindwurm vorwärts durch die Stadt. Die Wartezeit für die Autofahrer betrug 15 Minuten: Da drückte manch einer entnervt auf die Hupe, als Antwort erscholl dann ein „Hopp! Hopp! Hopp! Autofahrer stopp!“. Rennräder, Liegeräder, Fahrräder und Tandems mischten sich im Zug, Skater und Rollstuhlfahrer wurden aus dem Tross aber ausgeschlossen. „Zu gefährlich“, hieß es bei der Polizei zur Begründung.

Für Berlins Radler endete damit gestern die Demo-Saison, die Skater feiern am heutigen Sonntag den Saisonabschluss der „Skate Night“. Am Abend wollen die Läufer zur ihrer letzten Sonntagstour starten (Strecke siehe Rubrik „Umleitung“). Diese ist offiziell eine Sportveranstaltung; die Organisatoren zahlen für die Straßenbenutzung, ein Sponsor übernimmt die Kosten. Die andere Skater-Gruppe gibt noch nicht auf: Am kommenden Freitagabend findet wieder die Konkurrenzveranstaltung „Berlin-Parade“ statt – sie ist bei den Behörden als „Demonstration“ angemeldet. Gefordert wird die Freigabe der Straßen für Skater. Am Sonnabend geht dieser Wunsch dann für einen Tag tatsächlich in Erfüllung: Für den Skater-Marathon mit 10 000 Spitzensportlern.

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