Berlin : Ab heute regiert die Sicherheit

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Von Katja Füchsel

Berlin ist gerüstet. In der Innenstadt liefen bereits am Pfingstwochenende die Vorbereitungen für den Besuch des amerikanischen Präsidenten auf Hochtouren. Ab dem späten Dienstagabend wird es für Autofahrer in der City kein Durchkommen mehr geben: Die Gegend um den Pariser Platz, den Reichstag, das Schloss Bellevue und das Kanzleramt ist dann weiträumig abgesperrt.

Die Vorboten sind rot-weiß, schlank und stehen bereits überall in der Innenstadt verteilt: Absperrgitter. Auch in der Behrenstraße hinter dem Hotel Adlon lehnen sie – noch zusammengestellt – im 20-Meter-Abstand. „Was ist denn nun los? Ich dachte, Bush kommt erst Mittwoch“, wundert sich die Würstchenverkäuferin am Pariser Platz angesichts des Polizeiaufgebots. Stimmt, aber die Verstärkung ist bereits eingetroffen: Einsatzwagen aus Wuppertal, Düsseldorf und Duisburg parken vor dem Hotel, wo George W. Bush am Mittwochabend ankommen wird. Rund 10 000 Beamte sollen dann in Berlin bereitstehen.

Noch ist die Tiefgarage des Hotel Adlon geöffnet, doch an jedem Automaten hängen schon die Zettel des Bundeskriminalamts: Wegen des Präsidentenbesuchs bleibt das Parkhaus aus Sicherheitsgründen von Mittwoch (6 Uhr) bis Donnerstag (16 Uhr) gesperrt.

In der Tiefgarage kurven am Pfingstmontag Pagen mit leeren Kofferkulis über bereits verwaiste Parkplätze. In der Lobby sitzen noch einige Gäste beim Kaffee, eine Gruppe Amerikaner schaut sich derweil gründlich in der Halle um. Gelegentlich kann man Sicherheitsleute – im dunklen Anzug mit Knopf im Ohr – auf dem Dach des Hauses beobachten.

Im „Theodor Tucher“ neben dem Brandenburger Tor hat man ein Gespür für die etwas andere Art von Besuchern entwickelt. „Die Leute vom CIA sind sehr diskret und unauffällig“, sagt Geschäftsführer Deff Haupt. Im Restaurant steigt die Spannung stündlich. In Laufe des heutigen Dienstags wird Haupt wissen, ob es dabei bleibt, dass der amerikanische Präsident und Bundeskanzler Gerhard Schröder am Mittwoch gegen 21 Uhr bei ihm speisen werden, wie es das Protokoll veröffentlicht hat. Letzte Woche hat sich bereits eine 20-köpfige Kommission im „Tucher“ umgesehen. Schwärmte aus, prüfte die Eingänge, Notausgänge, die Ecktische, die Galerie…

„Das wäre schon riesig, wenn es klappt“, sagt Haupt. Und Bush dann auch noch etwas aus der heimischen Karte wählen würde. Flusskrebssuppe etwa, Lammeisbein oder Hühnerfrikasse. Haupt: „Das wäre ein Signal für die Region.“ Vom Pariser Platz führt der Weg vorbei an versiegelten Gullydeckeln zur amerikanischen Botschaft. Schilder Unter den Linden kündigen ein absolutes Halteverbot an: von Mittwoch (6 Uhr) bis Donnerstag (18 Uhr). Touristen im Cafè Einstein blicken auf Poller, Absperrgitter und Polizei. Für die amerikanische Botschaft gilt schon seit den Anschlägen des 11. Septembers Sicherheitsstufe 1. Noch habe er keine genauen Instruktionen, sagt der uniformierte Beamte an der Neustädtischen Kirchstraße. „Aber das Aufgebot wird in den nächsten Tagen noch verstärkt.“ Eine Demonstrantin hat sich zeitig eingefunden. „Herr Bush, lassen Sie unsere deutsche behinderte Tochter ausreisen“, steht auf ihrem Transparent.

Die ersten Sicherheitszäune sind bereits errichtet: gegenüber vom Schloss Bellevue, entlang der Straße des 17. Juni vor dem sowjetischen Ehrenmal und an der westlichen Seite vor dem Brandenburger Tor. Polizeitaucher suchen in der Gegend die Spree nach verdächtigen Gegenständen ab. Bereits am Pfingstsonnabend durfte kein privates Auto mehr in den Tiefgaragen des Bundestags stehen. Bis Mittwoch sollen im Regierungsviertel alle Parkplätze geräumt sein. Auch abgestellte Fahrräder will die Polizei dann hier nicht mehr dulden.

Noch steht der Zeitplan nicht fest, doch eines gilt als sicher: Mittwoch und Donnerstag ist in der Innenstadt mit gewaltigen Staus zu rechnen. Denn die Absperrungen zwischen Hotel Adlon, Reichstag, Kanzleramt und Schloss Bellevue reichen weit, betroffen sind auch Teile der Leipziger Straße und der Straße des 17. Juni.

Mit Umleitungen ist auch nördlich des Großen Sterns auf der Paulstraße zu rechnen. Gesperrt werden die Moltke- und Kronprinzenbrücke. Die Wilhelmstraße ist nach Norden ebenfalls dicht. Gestern klebte auf den Umleitungsschildern noch ein orangefarbener Streifen.

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