Berlin : Ab ins Grüne

Christine Lang

Bisher war ich der Meinung, dass Partys im Grünen rund um Berlin grässlich sind. Ich dachte, Open-Air-Festivals sind nur etwas für barfuß tanzende Goa- und Trance-Fans, die psychotrope Drogen lieben. Außerdem mag ich weder Gaukler und Feuerspucker noch Matschberge. Auch als DJ war ich nie ein Freund von Open-Air-Festivals. Spätestens ab zwei Uhr nachts frieren einem in der kühlen ländlichen Luft die Finger ab, jedenfalls wenn man nicht gerade ein sich hinter den Decks heiß tanzender Rave-DJ ist, der ständig die Arme in die Luft reißt.

Vor zwei Wochen habe ich mich trotz aller Vorurteile von einer Freundin überreden lassen, auf eine solche Party auf Schloss Lanke mitzukommen. Das Anwesen mit dem großen Garten, ungefähr zwanzig Kilometer vom nördlichen Stadtrand Berlins entfernt, dient seit Beginn des Sommers als Party- und Veranstaltungsort. Von Freitagmittag bis Sonntagnacht spielen hier bekannte und unbekannte Bands und DJs. In den letzten Wochen sind hier fast alle Berliner Größen aufgetreten, ob Jim Avignon, Jeans Team, Uwe Schmidt aka Señor Coconut oder am letzten Freitag die Musikerin Bernadette La Hengst. In familiärer Atmosphäre trifft sich hier das Clubpublikum Berlins in der romantisch unrenovierten Schlossanlage. Insbesondere am Sonntag dient das Schloss Lanke den nicht mehr ganz so jungen Clubbern mit Familienanhang als Ausflugsziel. Die Kinder können im großen Garten herumtoben, Tischtennis spielen oder sogar im nahe gelegenen Hellsee baden.

Am kommenden Wochenende werden hier beim Goldmund-Festival rund zwanzig Acts auftreten. Viel versprechend ist dabei insbesondere der Samstagabend mit dem Auftritt der in Berlin ansässigen Britin Janine Rostron aka Planningtorock. Die junge Musikerin und Videokünstlerin repräsentiert eine neue Generation selbstbewusster junger Solo-Performerinnen, bei denen nicht Schönheitsattribute, sondern ästhetische Merkwürdigkeit und der exzessive künstlerische Ausdruck im Vordergrund stehen.

Planningtorock macht repetitiven, mit klassischen Elementen durchzogenen Elektropop. Die Synthesizer erinnern entfernt an New Wave und Philipp Glass, ihre Performance an Laurie Anderson. In einem weißen, irgendwie unschuldig wirkenden Kleid tritt sie im Lichtkegel ihrer eigens produzierten und auf die Wand projizierten Musikvideos auf, in denen sie im Gegensatz zum realen, femininen Outfit in martialischer Pose mit einem artifiziellen Helm auf dem Kopf auftaucht. Unbedingt sehenswert, also: Stürmt das Schloss!

Fr., 12.August ab 15 Uhr bis 14. August Goldmund Festival auf Schloss Lanke, im Dorfzentrum von Lanke bei Bernau, A 11 Richtung Prenzlau, Abfahrt Lanke, hinter der Dreieckskreuzung. Shuttle ab Bernau unter (03337) 451924 erfragen, Eintritt 5 Euro, Infos unter www.schlosslanke.de.

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