Berlin : Ab ins Warme

Das Novemberwetter schlägt einem leicht aufs Gemüt. Zum Glück gibt es Gegenmittel

Sebastian Leber

Vorigen Sonntag war es wieder soweit, da fiel für Nicole Ludwig der Startschuss. „Draußen war´s nasskalt und ich wusste: Jetzt musst du aktiv werden.“ Also holte Ludwig ihre Ingwer-Knollen raus.

Die 34-Jährige ist Inhaberin des Kochstudios „Kulinarischer Salon“ und weiß, wie sie sich vor Winterdepressionen schützt. „Viel Ingwer, Vollkornprodukte oder ersatzweise Linsen, das macht glücklich.“ Außerdem schwört Ludwig auf ein Heißgetränk, das die Tibeter erfunden haben: Minze mit Limettensaft und braunem Zucker, dazu ein Schuss Schwarzer Tee. „Wer alle zwei Tage ein Gläschen trinkt, bleibt garantiert fit.“ Im Kochstudio gibt sie ihr Wissen in speziellen Kursen weiter – das Motto: „Gute Laune durch gutes Essen“.

Andere treiben lieber Sport, um bei Laune zu bleiben. Dazu gibt es in Berlin jede Menge Gelegenheit, viele Draußen-Sportarten können problemlos in die Halle verlegt werden. Das Angebot für Skateboarder, Kletterer und Beach-Volleyballer wächst – sogar Mini-Golfen ist möglich. Einen ganz anderen Tipp für die kalte Jahreszeit haben die Brüder Bernd und Rolf Nissen: Jasmin-Duft! „Der setzt Endorphine frei und bringt einem den Sommer in die Wohnung.“ Oder Grapefruit, „der Champagner unter den Düften“, der mache leicht und beschwingt. Die Brüder sind Inhaber des Duft-Ladens „Die Mekkanische Rose“ in der Charlottenburger Leibnizstraße. Für ihre ätherischen Öle, die man zu Hause in speziellen Duftlampen erhitzen kann, beziehen sie Naturstoffe aus dem Mittelmeerraum, der Karibik, dem Nahen Osten und Ostasien. Die Blüte des Baums Ylang-Ylang wird extra von den Komoren-Inseln im Indischen Ozean geliefert. „Wer das riecht, vergisst den Alltagsstress und möchte nur noch seine Freundin in den Arm nehmen“, sagt Bernd Nissen. Oder massiert werden. Zum Beispiel von René Retsch. Der ist Arzt und Mitgründer des Deutschen Ayurveda-Instituts mit Sitz in der Roßstraße in Mitte. Seit drei Jahren bietet er die traditionellen indischen Massagen und Bäder an, und weil die Nachfrage nach Entspannung ständig wächst, hat er gerade eine weitere Filiale in Charlottenburg eröffnet. Die Ayurveda-Techniken hat er in Indien gelernt, nach seinem Medizin-Studium in Deutschland. Allerdings variiert er die Techniken leicht: „Zum Beispiel würde man in Indien schneller und fester massieren, da muss ich auf die deutsche Mentalität Rücksicht nehmen.“ Außerdem verzichtet er für seine „Schwitzanwendungen“ auf die winzigen Original-Sitzkästen aus Holz. „In diesen Särgen würden die Deutschen Panik kriegen.“ Stattdessen schickt er seine Kunden lieber in die klassische Sauna: „Das ist deutsches Ayurveda, sozusagen.“

Dass Ayurveda in Deutschland im Trend liegt, weiß auch Lutz Hertel vom Deutschen Wellness-Verband. Der Diplom-Psychologe warnt aber davor, zum nächstbesten Ayurveda-Trainer zu gehen: „Da wird viel Unsinn getrieben, manchmal kann das sogar ungesund sein.“ Ein gutes Indiz für seriöses Ayurveda sei es, wenn – wie beim Institut von René Retsch – ein ausgebildeter Mediziner berät. Sowieso wundert sich Hertel, was heutzutage alles als „Wellness“ bezeichnet wird: Pudding, Joghurt, Wurst – „sogar Wellness-Socken habe ich schon gesehen“. Das seien aber oft „ganz normale Socken mit 40 Prozent Preisaufschlag“. Ähnlich werde bei Dienstleistungen geschummelt: „Nicht zu glauben, was da teilweise als traditionelle Thai-Massage verkauft wird.“ Um Abzockerei zu verhindern, vergibt der Verband Qualitätssiegel für Wellness-Angebote und veröffentlicht sie auf seiner Homepage. Wer sich zuerst informiere und es sich dann gut gehen lasse, der könne dem Winter gelassen entgegensehen. „Der bekommt keine Depressionen – und auch keine blauen Flecken durch falsche Massage.“

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