Berlin : Ab jetzt ohne Sahne

Das „Wiener Café“ des KaDeWe macht dicht. Das Kaufhaus benötigt die Verkaufsflächen im Erdgeschoss

Christian van Lessen

Das „Wiener Café“ im KaDeWe – es gehört zum Haus wie die fast schon weltberühmte Lebensmittelabteilung oder das Buffet-Restaurant unterm Glasdach. Das „Wiener Cafe“ im Erdgeschoss, gleich hinter der Süßwarenabteilung, nicht weit entfernt von den Düften der Kosmetikabteilung, ist eine Institution des größten Berliner Kaufhauses, eine Ode an Kaffee und Kuchen und natürlich auch an die Donaustadt. Bald ist das „Wiener Café“ Geschichte. Ende Mai wird der letzte Kaffee ausgeschenkt.

Die Gründe können die Stammkunden nicht verstehen, die dem Café schon jetzt nachtrauern. Denn das drohende Ende hat sich bereits herumgesprochen. „Es ist eine strategische Entscheidung“, sagt der Sprecher des KaDeWe, Timo Böttcher. Die Fläche im Erdgeschoss sei leider begrenzt, man benötige zusätzliche Verkaufsflächen. Die Abteilungen im Erdgeschoss, zu denen beispielsweise auch die für Uhren und Schmuck gehören, verschöben sich im Rahmen des Umbauprogramms. Die Kunden des Cafés müssten aber nicht verzagen und Kaffee und Kuchen entsagen. Immerhin habe das KaDeWe neben „Le Buffet“ und der „Silberterrasse“ immerhin noch weitere 33 „Verzehrstände“, so dass sich die Kunden über den Verlust des Cafés hinwegtrösten könnten.

Den strategischen Gründen der neuen Kaufhaus-Herrscher fällt eine Gastronomie-Abteilung zum Opfer, die vor rund 24 Jahren eingerichtet wurde. Sie verfügt über 100 Sitzplätze, innen und außen, denn bei schönem Wetter konnten die Besucher auch an der Ansbacher Straße Platz nehmen und dabei auf den Brunnen am Wittenbergplatz schauen. Viele Gäste, die sich einst in so bekannten Ku’damm-Cafés wie Möhring, Schilling oder auch Pientka wohlfühlten, fanden im KaDeWe Zuflucht.

Das Wiener Café war ein Sahnehäubchen des Hauses. Nun müssen die oberen „Silberterrassen“ das Geschäft mit Kaffee und Kuchen übernehmen. Das KaDeWe wird unterdessen kräftig umgebaut, nach dem Abschluss der rund 40 Millionen Euro teuren Arbeiten in gut zwei Jahren dürfte kaum noch etwas an der gewohnten Stelle stehen. Nur die Gourmet-Abteilung und das Restaurant darüber bleiben weitgehend in gewohntem Zustand. Wo das „Wiener Café“ stand, wird dann vielleicht Schmuck verkauft.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben