Abbruch des Kreuzberger Yorck-Kinos : Alles halb so schlimm

Das traditionsreiche Yorck-Kino in Berlin-Kreuzberg soll möglicherweise abgerissen werden. Unsere Autorin ordnet die vermeintliche Schreckensnachricht mal ein.

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Bild aus besseren Zeiten? Das Yorck-Kino steht vor der Schließung.
Bild aus besseren Zeiten? Das Yorck-Kino steht vor der Schließung.Foto: Mike Wolff

Hilfe, sie wollen die Kinos schrumpfen! Der Gloria-Palast am Ku’damm wird abgerissen, Ende des Monats geht’s los, und jetzt gibt es auch noch schlechte Nachrichten für das gute alte Yorck in Kreuzberg, für dieses etwas düstere, aber traditionsreiche Zwei-Säle-Haus mit Eingang im Altbau und angeklebtem, metallisch-modernem Buckel nach hinten, zu Riehmers Hofgarten raus.

Der Schreck ist jedes Mal groß, wenn ein Standort verschwinden soll, auch wenn beim Yorck längst nicht gesagt ist, ob der Investor machen darf, was er will, und ob das Kino womöglich nur um die Ecke zieht – wenn überhaupt.

Die Kinolandschaft hat sich dramatisch verändert

Hilfe, sie wollen die Kinos schrumpfen? Seit der Erfindung des Multiplex und des Internets hat sich die Kinolandschaft in der ganzen Welt dramatisch verändert. Weil in Berlin auch noch die Mauer fiel, kam es hier bekanntlich besonders dicke mit Schließungen, Abrissen, neuen Centern und Plexen. Der Film ist sowieso mobil wie nie zuvor, er findet längst nicht mehr nur auf Leinwänden statt, sondern auch auf XXL-Flachbildschirmen zu Hause und unterwegs, auf Tablets und Smartphones, überall, jederzeit.

Trotz alledem, oh Wunder, sind die Kinos längst nicht so heftig geschrumpft wie befürchtet. Vor zehn Jahren gab’s in Deutschlands Filmhauptstadt zwar noch 4000 Sitzplätze mehr, aber 2016 waren es immer noch gut 51.000, und die Zahlen sind halbwegs konstant.

Viele Lichtspielhäuser wurden längst modernisiert

Will heißen: In Berlin ist für jeden was drin. Gemütliche und ungemütliche Sessel, vom Steinsitz bis zum Partner-Kuschelsofa mit Bedienung am Platz, vom größten Saal (Zoo Palast 1) bis zum klitzekleinsten Haus (Lichtblick), vom stadtältesten Lichtspieltheater (Moviemento) über die Kiez- und Off-off-Kinos mit den coolen Tiernamen (Wolf, Krokodil) bis zu den Premium-Theatern für die betuchteren Besucher.

93 Spielstätten mit 275 Sälen verzeichnet die Berliner Statistik für 2016. Und die Betreiber? Haben längst modernisiert, investiert, sich spezialisiert und internationalisiert, für ein immer verschiedeneres, anspruchsvolleres Publikum. Nur wer sich ändert, bleibt sich treu. Wäre gelacht, wenn das nicht auch bei den Yorck-Kinos klappt.

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