Berlin : Abenteuer in der Altsteinzeit

Lieber forschen als planschen: das Sommerferienprogramm der Staatlichen Museen

Miriam Arndts

Johannes muss keinen Augenblick überlegen. Der Elfjährige, der gemeinsam mit anderen Kindern an einem Werkstatttisch im Ethnologischen Museum in Dahlem sitzt, findet’s toll hier. Er erklärt Tangram, ein altes chinesisches Spiel, blitzschnell – und schon geht’s in die nächste Runde. Es ist der letzte Tag des Wochenkurses „China – eine Reise durch das Land der Drachen“. Organisiert wird er vom Verein „Jugend im Museum“ und ist Teil des Sommerferienprogramms der Staatlichen Museen zu Berlin.

Während der Schulferien bieten zwölf Museen ein- und mehrtägige Workshops und Führungen für Kinder und Familien sowie andere Veranstaltungen an. „Fernab von Prüfungen und Hausaufgaben soll den Kindern Wissen vermittelt werden“, sagt Maria Thomassen vom Besucherdienst der Staatlichen Museen. Dabei werden alle Epochen und Kontinente behandelt. So können die Schüler etwa im Museum für Vor- und Frühgeschichte die Altsteinzeit oder im Hamburger Bahnhof die Gegenwartskunst kennenlernen, im Ethnologischen Museum orientalischen Märchen lauschen und in der Gemäldegalerie am Potsdamer Platz auf den Spuren des italienischen Künstlers Sebastiano del Piombo wandeln.

Der zehnjährige Lucien baut im China- Workshop eine Stabpuppe – „weil es etwas ist, wo man was bewegen kann“, sagt er und lässt die Arme seiner Puppe wedeln. Vier Tage lang hat eine kleine Gruppe von Kindern unter Anleitung Drachen und andere Gestalten geformt, bemalt und mit Stoffresten eingekleidet. Nun wollen sie mit ihren Kunstwerken ein Stück einstudieren, das sie zum Abschluss des Workshops ihren Eltern vorführen werden.

Im Durchschnitt nahmen jeden Tag 50 bis 60 Kinder das Angebot wahr, sagt die Organisatorin Kerstin Minkwitz. Manche hätten sich für die gesamte Dauer des Wochenkurses angemeldet. Die Leiter der Werkstätten waren mit den Kindern täglich in einem der Dahlemer Museen, damit sie Ideen sammeln konnten für ihre Projekte. Die Museumsbesuche sind ein wichtiger Teil des Programms. Die Kinder sollen dabei nicht nur den Umgang mit den Zeitzeugnissen lernen, sondern auch die Regeln eines Museums.

Am ersten Ferientag nahmen gut 3300 Interessierte an der Aktion „Kinder laden ihre Eltern ein“ teil. Doppelt so viele Besucher wie im vorigen Jahr nutzten die Möglichkeit, kostenlos die Sammlungen der Staatlichen Museen zu besichtigen. Die erste Ferienwoche war nahezu komplett ausgebucht. Die Berliner Museen versuchen jedoch, der großen Nachfrage gerecht zu werden. „Wir sind in der Lage, die Kurse noch aufzustocken“, versichert Thomassen. Miriam Arndts

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