Berlin : Abenteuerspielplatz Alexanderplatz (Kommentar)

Lothar Heinke

Mut haben die Jungs ja, das muss man ihnen lassen: Erst erstürmen sie unser heiliges Tor, dann folgt der unaufhaltsame Aufstieg des Fernsehturms. Die James-Bond-Nummer spanischer Naturschützer soll im eiskalten Norden auf ein Stausee-Projekt in der Region Navarra aufmerksam machen, dem neun Dörfer zum Opfer fallen. Das ist ja nun, liebe Kletter-Aktivisten, ziemlich traurig, aber nichts Neues für uns. Schon mal was vom Film "Abschied von Matjora" gehört? Oder von der Bagger-Story aus dem braunkohlegestraften Horno? Nehmen wir mal an, ein paar abenteuerlustige Berliner entrollen im Turm der Kathedrale von Pamplona ein Transparent und fordern die freie Fahrt für freie Bürger durchs Brandenburger Tor. "Nieder mit Senor Strieder!" Du meine Güte, da werden die Basken aber ganz schön dumm gucken und ihre Guardia Civil auf Trab bringen, während in den Redaktionsstuben eine Glosse nach der anderen aus dem Schreibgerät fließt.

Während wir dies zu Papier bringen, hängen die baskischen Umwelt-Artisten am seidenen Faden unter der Kugel des Fernsehturms und versuchen, ein gemütliches Nachtlager aufzuschlagen. Man könnte ihnen ja raten, besser ins Kino zu gehen ("Die Welt ist nicht genug"), aber da sie sich nun mal die europäischen Hauptstädte zu Abenteuerspielplätzen erkoren haben, sei bei einem längeren Aufenthalt in Berlin ein Nickerchen bei unseren Panda-Bären empfohlen. Der Funkturm steht ebenso zur Besteigung bereit wie das güldene Kreuz am Dom, zur Abwechslung könnte man ja mal auf dem Dach des Bus 100 durch Berlin schaukeln, gegen Alba spielen oder auf dem Palast der Republik campen. ¡Vamos!

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