Berlin : Aber bitte mit Flügel

Wie Cyndi Lauper ihre Fans im Jazzclub Quasimodo begeisterte

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Dass die Frau 50 Jahre alt ist, kann man kaum glauben. Cyndi Lauper sah am Dienstagabend aus wie 35. Nun ja, das Outfit ist schon anders als vor 20 Jahren, aber das freche Lächeln ist da, und die unverkennbar rauchigquiekige Stimme erinnert immer noch an ein junges Mädchen. Beim Konzert im ausverkauften Quasimodo, dem einzigen in Deutschland auf ihrer Europa-Tournee, kam Cyndi Lauper im schwarzen knielangen Rock, schwarzem weit ausgeschnittenen T-Shirt und schwarzem Jackett. Um den Hals hatte sie sich eine rot-weiß gestreifte Krawatte gebunden, die blonden Haare zu einem Pferdeschwanz hochgesteckt. Sie hüpfte nicht wie früher über die Bühne, sondern wiegte zu „Walk on by“ geschmeidig die Hüften und räkelte sich bei „La vie en rose“ auf dem Flügel . Was sie auch tat, die Fans klatschten und johlten oder blickten wie jene blonde Frau vorne links verklärt auf die Bühne, als sei der Herrgott persönlich erschienen.

Am Anfang war die Sängerin allerdings nicht glücklich über die Gäste, das zweite Lied brach sie sogar ab und schimpfte, weil ihr die Leute an der Bar zu laut schwatzten. Ihre schlechte Laune war aber bald verflogen.

Zwischen den Liedern erzählte sie, welche Erinnerungen sie mit den Songs verbindet, die sie als Kind in den 60er gehört hat. Man erfuhr, dass die kleine Cyndi im Sommer oft zu ihrer Tante nach Long Island gefahren und dass sie als braves katholisches Mädchen jede Woche zur Beichte gegangen ist. Da sah sie immer eine Frau, die traurig in einer Ecke saß. Als sie dann Jacques Brels „If you go away“ im Radio hörte, wusste sie, dass sich die Frau wohl so ähnlich gefühlt haben muss. Cyndi Lauper, die im Grand Hyatt am Potsdamer Platz logiert hatte, sang ausschließlich Lieder von der neuen CD „At Last“ – mit einer Ausnahme. Für die Berliner gab Cyndi die Marlene: „Von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“. clk

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