Berlin : Aber bitte mit Käse

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Von Jan-Martin Wiarda

Von Käse ist die Rede. Von einem Matterhorn aus Eis und jeder Menge Schweizer Fähnchen. Einen Feiertag wollen die Eidgenossen den Berlinern schenken, am 1. August Unter den Linden, und nebenher noch ein wenig für ihr Kanton Wallis werben.

Am 1. August wird die Schweiz nämlich 711 Jahre alt; der neue Hausherr in der Berliner Botschaft, Werner Baumann, ist dann gerade drei Wochen im Amt. Die Pressekonferenz bestritt der Botschafter gestern im Beisein des Walliser Regierungspräsidenten, des Cheforganisators der großen Party und eines Herren, der sich hauptberuflich mit der Vermarktung von Schweizer Käse beschäftigt. Zu allererst müsse er mal seinem Vorgänger danken, sagte Baumann. Thomas Borer habe die Idee zum Schweiztag schließlich vor zwei Jahren lanciert. Locker hört sich das an. Das soll es dann aber auch zum Thema Borer gewesen sein. Das Problem ist, dass sich derzeit ziemlich viele Medienvertreter fragen, wie der Schweizer Beitrag zum gesellschaftlichen Leben Berlins nach Borer ausfallen wird.

Party-Organisator Reto Gaudenzi verspricht ein angemessenes Spektakel in den Mittagsstunden: Fünf Käsestände vor dem Haus der Schweiz Unter den Linden, dazu Walliser Raclette mit Zwiebeln und Kartoffeln, der drei Meter hohe Eisberg, ach ja, und eine kleine Volksabstimmung, ob der 1. August zum Feiertag erhoben werden soll. Das von der Agentur getextete Motto: „Berliner, Ihr habt zu wenig Feiertage.“

Nach der Verköstigung des Volkes steigt abends im Wirtshaus am Schildhorn die Party für die 1300 „geladenen Gäste aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Medien“, inklusive Feuerwerk und Lichtspiel mit Lampions. Zur Abrundung des Stadtbildes wird die BVG 1000 Busse mit Schweizer Wimpeln ausstatten.

Werner Baumann steht vor der bunten Fotowand mit den n der Sponsoren, hört sich Gaudenzis Ausführungen mit einem Lächeln an und schaut gedankenverloren auf den Prototyp der Matterhornkerze, die am Schweiztag unter die Leute gebracht werden soll. In diesem Augenblick nimmt man ihm durchaus ab, das dies alles nicht seine Idee war. Dann ist Gaudenzi fertig. „Gibt es Fragen?“ will der Botschafter wissen. Ja, eine. Ob denn der Herr Vorgänger auch zur Party erscheine? Baumann holt Luft. „Ich habe Thomas Borer persönlich eingeladen. Leider hat er eine andere Verpflichtung in der Schweiz.“ Irgendwie braucht Borer auch gar nicht dabei zu sein.

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